Kühlungsinfrastruktur – eine unterschätzte Bedrohung für Rechenzentren? Cyberangriffe auf Kühlsysteme – Ist das auch ein Risiko für Rechenzentren?

Ein Gastbeitrag von Ulrich Terrahe* 2 min Lesedauer

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Manipulierte Kühlsysteme können die Verfügbarkeit eines Rechenzentrums unmittelbar gefährden. Warum selbst redundante Kühlkonzepte keinen ausreichenden Schutz bieten und welche Zugänge Betreiber prüfen sollten.

Besonders Fernwartungszugänge und zentrale Steuerungssysteme bieten mögliche Angriffspunkte.(Bild: ©  Vadym - stock.adobe.com)
Besonders Fernwartungszugänge und zentrale Steuerungssysteme bieten mögliche Angriffspunkte.
(Bild: © Vadym - stock.adobe.com)

Die jüngsten Cyberangriffe auf Kühlsysteme in europäischen Supermärkten zeigen, wie anfällig vernetzte technische Systeme sein können. Angreifer konnten über elektronische Steuerungssysteme die Temperatureinstellungen manipulieren und so erheblichen Schaden anrichten. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei unzureichend gesicherten Fernwartungszugängen und über das Internet zugänglichen Systemsteuerungen.

Was bedeutet das für Rechenzentren?

Auch in Rechenzentren sind Kältemaschinen, Rückkühler, Pumpen, CRAH-Systeme und – zunehmend – Kühlverteiler (CDUs) über Gebäudemanagementsysteme (BMS) und Automatisierungsnetzwerke miteinander verbunden. Hersteller und Wartungsunternehmen greifen häufig über Fernwartungssysteme auf diese Systeme zu.

Gelingt es Angreifern, solche Zugriffspunkte zu kompromittieren, können sie möglicherweise Sollwerte verändern, Pumpen abschalten oder die Kühlleistung reduzieren. Die Folgen reichen von erhöhten IT-Temperaturen bis hin zu thermisch bedingten Ausfällen von IT-Systemen.

Besonders kritisch: Selbst eine N+1- oder 2N-Redundanz schützt nicht zwangsläufig vor solchen Angriffen. Werden mehrere redundante Systeme über dasselbe Gebäudemanagementsystem (BMS), gemeinsame Kommunikationsnetzwerke oder identische Fernwartungszugänge gesteuert, können diese zu einem gemeinsamen Ausfallpunkt werden.

Noch akuter ist die Situation in hochdichten KI-Rechenzentren mit Flüssigkeitskühlung. Aufgrund hoher Leistungsdichten und teilweise begrenzter thermischer Reserven können Störungen der Kühlmittelversorgung innerhalb kurzer Zeit kritische Folgen haben.

Was sollten Betreiber und Planer unverzüglich überprüfen?

Fernwartungszugänge: Welche Hersteller und Dienstleister haben Zugriff auf die Kältesysteme? Sind diese Zugänge gesichert, zeitlich begrenzt und durch Multi-Faktor-Authentifizierung geschützt?

Netzwerksicherheit: Sind die Systemsteuerungen direkt über das Internet zugänglich? Gibt es eine strikte Trennung zwischen IT-, BMS- und OT-Netzwerken?

Redundanz und Steuerung: Können mehrere redundante Kühlsysteme gleichzeitig über ein gemeinsames Steuerungssystem oder einen Fernwartungszugang gesteuert werden?

Schutzfunktionen: Sind kritische Betriebsgrenzen unabhängig vom BMS abgesichert? Können die Systeme im Falle eines Ausfalls oder einer Manipulation des übergeordneten Steuerungssystems autonom weiterarbeiten?

Überwachung und Alarme: Werden kritische Temperaturen und Betriebsbedingungen unabhängig überwacht? Können Alarmmeldungen manipuliert oder unterdrückt werden?

Notbetrieb: Gibt es geprüfte Verfahren, um kompromittierte Steuerungssysteme zu isolieren und die Kühlversorgung im lokalen oder manuellen Modus aufrechtzuerhalten?

Fazit

Diese Vorfälle zeigen, dass Cybersicherheit nicht mehr nur ein Thema für die IT-Infrastruktur ist. Auch technische Gebäudesysteme können zum Ziel von Angriffen werden und damit die Verfügbarkeit eines Rechenzentrums direkt gefährden.

Für Betreiber und Planer bedeutet dies, dass neben der technischen Redundanz auch die Steuerungsarchitektur, die Fernwartung und die Betriebssicherheit systematisch überprüft werden müssen.

Die entscheidende Frage lautet: Wird unser Rechenzentrum auch dann noch ausreichend gekühlt, wenn das Gebäudemanagementsystem oder der externe Wartungszugang kompromittiert wurde?

Über den Autor:
Ulrich Terrahe (dc-ce RZ-Beratung GmbH & Co. KG) ist Geschäftsführer und seit fast 30 Jahren in der Rechenzentrumsbranche zu Hause.
Sein Fokus liegt auf der strategischen Planung und zukunftsfähigen Dimensionierung von Rechenzentren – mit besonderem Blick auf Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit.

Bildquelle: dc-ce RZ-Beratung GmbH & Co. KG

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