Auszeichnung für Berliner Quantenforschung Fraunhofer Fokus gewinnt Quantum Effects Award 2026

Von Dr. Dietmar Müller 2 min Lesedauer

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Das Open-Source-Framework „Eclipse Qrisp“ des Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme „Fokus“ wurde ausgezeichnet. Es schließt eine Lücke in der Quanteninformatik, ohne tiefgehende Kenntnisse der zugrundeliegenden Hardware zu erfordern.

Das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme Fokus ist eines der führenden Institute im Bereich der angewandten Forschung für Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT).(Bild:  Fraunhofer FOKUS / KI-generiert)
Das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme Fokus ist eines der führenden Institute im Bereich der angewandten Forschung für Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT).
(Bild: Fraunhofer FOKUS / KI-generiert)

Das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme „Fokus“ ist auf der Fachmesse Quantum Effects in Stuttgart mit dem „Quantum Effects Award 2026“ ausgezeichnet worden. Das Berliner Institut erhielt den Preis in der Kategorie „Quantencomputing Software und Algorithmen“ für die Entwicklung des Open-Source-Frameworks „Eclipse Qrisp“.

Die Jury würdigte mit dem Preis Innovationen, die die Schnittstelle zwischen klassischer Datenverarbeitung und quantenbasierten Systemen stärken. Eclipse Qrisp setzt genau an diesem Nadelöhr an: Das Framework stellt eine neuartige, abstrakte Programmiersprache bereit, die es Softwareentwickelnden ermöglicht, komplexe Quantenalgorithmen strukturiert und mit moderner Syntax zu schreiben, ohne tiefgehende Kenntnisse der zugrundeliegenden physikalischen Hardware-Ebene besitzen zu müssen.

Hochsprache für die Quantenwelt

Bisherige Ansätze in der Quantenprogrammierung bewegen sich häufig noch auf einer sehr hardwarenahen Ebene, vergleichbar mit der Schaltkreiselaborierung in der Frühzeit der klassischen Informatik. Eclipse Qrisp schließt diese Lücke, indem es ein abstraktes Variablensystem und spezialisierte Quanten-Datentypen einführt. Dazu zählen unter anderem „QuantumFloat“ für Fließkommazahlen beliebiger Genauigkeit, „QuantumBool für boolesche Werte sowie Typen für zeichenbasierte Daten wie „QuantumChar“ und „QuantumString“.

Ein weiteres technisches Merkmal ist die automatisierte Verwaltung von Quantenressourcen (Qubits). Variablen, die im Programmablauf nicht mehr benötigt werden, können automatisch zurückgerechnet (uncomputed) und freigegeben werden. Durch diese Speicherverwaltung lässt sich der Code modular strukturieren, was die Skalierbarkeit und Wartbarkeit von Quantensoftware maßgeblich erhöht.

Darüber hinaus verfügt das Framework über eine flexible Netzwerkschnittstelle zur Anbindung an reale Quanten-Backends verschiedener Hardware-Hersteller wie IBM, IQM, Eleqtron oder AQT. Da Qrisp nativ in das Python-Ökosystem integriert ist und Schnittstellen zu Bibliotheken wie „JAX“ unterstützt, eignet es sich für den Aufbau hybrider Workflows, bei denen klassische Rechner und Quantenprozessoren zusammenspielen.

Einbindung in Forschung und Open-Source-Community

Entwickelt wird das Projekt maßgeblich am Fraunhofer Fokus unter der Leitung von Institutsleiter Prof. Dr. Manfred Hauswirth. Gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) sowie die Europäische Union, ist Qrisp als offizielles Projekt bei der Eclipse Foundation verankert. Der kontinuierliche Ausbau des Werkzeugs erfolgt im Rahmen verschiedener Forschungsprojekte wie „SeqDevOps“ und „Qompiler“, die praxisnahe Anwendungsfälle von der Molekülsimulation bis zu logistischen Optimierungsproblemen untersuchen.

Das 1988 gegründete Fraunhofer FOKUS gehört mit rund 415 Mitarbeitenden zu den führenden Forschungseinrichtungen für angewandte Informations- und Kommunikationstechnologie in Deutschland. Mit dem Gewinn des Quantum Effects Award 2026 unterstreicht das Institut seine Rolle beim Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse der Quanteninformatik in marktfähige Softwarelösungen für Wirtschaft und Verwaltung.

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