Teil 2: Risikomanagement in der Praxis PCSA, Long-Lead-Procurement und Integriertes Commissioning

Ein Gastbeitrag von Sacha Gutiérrez Bochet und Ulrich Terrahe* 2 min Lesedauer

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Hohe Investitionen, straffe Zeitpläne und lange Lieferzeiten machen den Bau von Hyperscale-Rechenzentren anspruchsvoll. So helfen PCSA, Long-Lead-Procurement und integriertes Commissioning, Kosten- und Terminrisiken zu begrenzen.

Großtransformatoren, Schaltanlagen und Kühlsysteme haben Lieferzeiten von bis zu 24 Monaten. Ihre frühzeitige Beschaffung ist entscheidend für den Zeitplan beim Bau von Hyperscale-Rechenzentren.(Bild: ©  Anurak - stock.adobe.com)
Großtransformatoren, Schaltanlagen und Kühlsysteme haben Lieferzeiten von bis zu 24 Monaten. Ihre frühzeitige Beschaffung ist entscheidend für den Zeitplan beim Bau von Hyperscale-Rechenzentren.
(Bild: © Anurak - stock.adobe.com)

Großtransformatoren, Schaltanlagen und Kühlsysteme haben Lieferzeiten von bis zu 24 Monaten. Ihre frühzeitige Beschaffung ist entscheidend für den Zeitplan beim Bau von Hyperscale-Rechenzentren.

Mit Investitionsvolumina von mehreren hundert Millionen Euro und extrem straffen Bauzeiten von oft nur 18 bis 30 Monaten verzeihen Hyperscale-Campusse keine Bauzeitverzögerungen.

Über 60 bis 70 Prozent der gesamten Investitionskosten (Capex) entfallen nicht auf die baulichen Gewerke Civil, Structural and Architectural (CSA), sondern auf die hochkomplexe technische Gebäudeausrüstung (MEP) – von 110-kV-Umspannwerken über unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV) bis hin zu modernen Flüssigkeitskühlsystemen für High-Density-AI-Racks.

Um diese technischen, terminlichen und finanziellen Risiken zu reduzieren, nutzen internationale Auftraggeber häufig ein zweistufiges Vergabemodell mit einem vorgeschalteten Pre-Construction Services Agreement (PCSA).

Auf Open-Book-Basis werden Planungsstand, Marktpreise, Liefertermine und Risiken schrittweise validiert. Ziel ist eine transparente Contract-Price-Basis, die verbindliche Paketpreise, festgelegte Beträge, Contingency und offen ausgewiesene Restrisiken zusammenführt.

Gemeinsam mit dem Design-Team des Bauherrn optimiert der EPC die Ausführbarkeit (Buildability), überprüft und optimiert die Lieferkette und wandelt die vorläufigen Kostenindikatoren schrittweise in einen verlässlichen Pauschalpreis (GMP). Diese Bereiche werden nicht getrennt gesteuert. Der integrierte Steuerungsansatz verbindet Designreife, Programm, Procurement, Kosten, Risiko, Qualität, EHS und Commissioning in gemeinsamen Reviews und Eskalationswegen. Noch nicht abschließend definierte Leistungen und Risiken werden transparent über vorläufige Beträge (Contingency), Annahmen und klar ausgewiesene Restrisiken abgebildet.

Ein kritischer Erfolgsfaktor der PCSA-Phase ist das sogenannte Long-Lead-Procurement: Schlüsselkomponenten wie Großtransformatoren, Schaltanlagen, Dieselgeneratoren und Chiller weisen aktuell Lieferzeiten von 18 bis 24 Monaten auf. Bereits während der PCSA können technische Grundlagen geklärt, Produktionskapazitäten reserviert und, soweit vertraglich vorgesehen, frühe Bestellungen ausgelöst werden, lange bevor der erste Spatenstich erfolgt – und sichert so den kritischen Pfad des Rahmenterminplans ab. Erforderlich ist ein rückwärts aufgebauter Terminplan vom Required-on-Job-Termin über Lieferung, FAT, Fertigung, Design Freeze, Freigaben und Bestellung bis zur technischen Klärung.

Gleichzeitig beginnt in der Planungsphase bereits das mehrstufige Commissioning (Cx). Eine unabhängige Commissioning Authority (CxA) begleitet das Projekt von den Factory Acceptance Tests (FAT) über die Montageprüfung vor Ort bis hin zum integrale Systemtests (IST) (Level 5). Bei diesem finalen Stresstest wird unter voller thermischer Last ein kompletter Stromausfall simuliert, um das nahtlose Zusammenspiel aller Sicherheits- und Redundanzsysteme nachzuweisen.

Ein EPC, der diese Testlogik von Beginn an in seinen Bauablauf integriert, minimiert Nacharbeit und garantiert das pünktliche Handover.

Über den Autor:
Sacha Gutiérrez Bochet (Firmengruppe Max Bögl) verfügt über mehr als 25 Jahre internationale Erfahrung im Design-, Projekt- und Baumanagement. Sein heutiger Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung komplexer Rechenzentrumsprojekte und der Frage, wie Planung, Beschaffung und Ausführung in integrierten Abwicklungsmodellen zusammengeführt werden.

Bildquelle: Firmengruppe Max Bögl

Über den Autor:
Ulrich Terrahe (dc-ce RZ-Beratung GmbH & Co. KG) ist Geschäftsführer und seit fast 30 Jahren in der Rechenzentrumsbranche zu Hause.
Sein Fokus liegt auf der strategischen Planung und zukunftsfähigen Dimensionierung von Rechenzentren – mit besonderem Blick auf Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit.

Bildquelle: dc-ce RZ-Beratung GmbH & Co. KG

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