Bericht von der VMworld Europe 2018

VMware erweitert Hybrid- und Multi-Cloud-Strategie

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Dietmar Müller

In seiner Keynote feierte CEO Pat Gelsinger das 20-jährige Bestehen seines Unternehmens und das zehnte Jahr der VMworld Europe.
In seiner Keynote feierte CEO Pat Gelsinger das 20-jährige Bestehen seines Unternehmens und das zehnte Jahr der VMworld Europe. (Bild: VMware)

VMware stellte auf seiner europäischen Kundenkonferenz „VMworld Europe 2018“ zahlreiche Neuheiten, Erweiterungen und Kooperationen vor. Zudem hat der Virtualisierungsspezialist Heptio gekauft, die Firma der beiden Kubernetes-Gründer, was die Frage aufwarf, wie sich dies auf den hauseigenen „Pivotal Kubernetes Service“ (PKS) auswirkt.

Rund 12.000 Besucher pilgerten nach Barcelona zur zehnten VMworld Europe und lauschten den zahlreichen Vorträgen und Keynotes. Auch die Ausstellung „Solution Expo“ war bestens besucht, und das nicht nur wegen der Werbegeschenke und Gewinnspiele; denn diese Veranstaltung ist in der IT-Branche mittlerweile bestens bekannt:

In seiner Keynote feierte CEO Pat Gelsinger gleichzeitig das 20-jährige Bestehen seines Unternehmens und das zehnte Jahr der VMworld Europe. In rund 90 Minuten präsentierte er einen ganzen Sack voller Neuheiten und Ankündigungen.

VMware Cloud Foundation v3.5

Gelsinger versprach mit der Version 3.5 der „VMware Cloud Foundation“ (VCF) verbesserte Flexibilität hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten. Durch die Integration des Multi-Hypervisor-fähigen VMware-Produkts NSX-T 2.3, das sichere Netzwerkvirtualisierung und Mikrosegmentierung erlaubt und kein eigenes „vCenter“-Modul benötigt, sollen insbesondere Container-basierte und Cloud-native Anwendungsfälle unterstützt werden. VMware werde VCF 3.5 auf Dell EMC vSAN Ready Nodes on „Dell EMC Poweredge MX“ validieren.

In diesem Zusammenhang hat Dell EMC die neue Version 4.7 seiner HCI-Appliance VxRail angekündigt. Die neuen „Dell-EMC-VxRail“-Funktionen der Version „Vxrail 4.7“ stehen noch im November 2018 für aktuelle Kunden zum Download und ab Dezember dieses Jahres für neue Implementierungen und Erweiterungen bereit. Zusätzliche Funktionen, einschließlich der Unterstützung von Zwei-Knoten-Clustern und vCenter-Betrieb, sind für Anfang des ersten Quartals 2019 geplant.

Das erfolgreiche Produkt „vSAN“, das laut Gelsinger bereits 30 Prozent Marktanteil errungen hat, bildet neben „vSphere 6.7“ und „vRealize Automation 7.5“ (das inzwischen als Service angeboten wird) eine weitere Grundlage für „VCF 3.5“. Ziel ist es, mehr und mehr Aufgaben und Abläufe in Rechenzentren zu automatisieren.

Nach den Worten Gelsingers hat VMware in Europa den Telco-Markt entdeckt, der nicht mal zu zehn Prozent virtualisiert sei – viel Luft nach oben, fand Gelsinger und verkündete, zum nächsten Mobile World Congress kommen zu wollen. Die entsprechende Technologie, die der CEO dann im Gepäck haben wird, ist NFV, also Network Function Virtualisation, und der Trägerstandard dafür soll 5G werden.

VMware kauft Heptio

In diesem Zusammenhang hob Gelsinger speziell Kubernetes hervor, das von VMware bislang als Pivotal Kubernetes Service (PKS) vertrieben wird und das sich in der IT-Branche nach Gelsingers Angaben wachsender Verbreitung erfreut. Es ist nach den Worten des CEOs VMwares erklärtes Ziel, dieses Container-Framework auf ein Niveau zu heben, das Unternehmensansprüchen genügt, das Heißt: Es muss sicher, zuverlässig, skalierbar und leicht verwaltbar sein.

Zu diesem Zweck hat VMware auch die Firma Heptio, das Unternehmen der beiden Kubernetes-Gründer, gekauft. Sobald die Fusion genehmigt sei, wolle VMware Heptio vor allem dazu nutzen, Mehrwertlösungen zu entwickeln, insbesondere für On-premise- und Multi-Cloud-Umgebungen. PKS werde zwar von Heptio-Funktionen wie etwa Lastausgleich profitieren, aber weiterhin als eigenständige Distribution vertrieben.

Neue VMware vSphere Platinum Edition beinhaltet Appdefense

VMware setzt in seiner Eigenentwicklung „Appdefense“ im Bereich Data Security mehrere Konzepte um, die den bisherigen Ansatz des Perimeterschutzes und der Musterprüfung von Traffic-Paketen sowie Dateien hinter sich lassen. Anstatt “das Böse zu jagen”, wird nun “das Gute abgesichert”, wenn es um die Kommunikation von virtuellen Maschinen im Datacenter geht. Appdefense wird als Lizenz mit vSphere gebündelt und kann auch mit „NSX“ integriert werden (mindestens ESXi 6.5a und NSX 6.3).

„Appdefense ist mittlerweile auch in der AWS-Region Frankfurt/Main (Europa) verfügbar geworden", sagte Gerd Pflueger, Lead NSX Systems Engineer bei VMware. Er wies auf eine spezielle Anforderung des deutschen Marktes an NSX hin: „Es muss unbedingt IPv6-fähig sein, um alle neuen und öffentlichen Netze unterstützen zu können.“ Von dem größeren IP-Adressraum mal ganz abgesehen, der unter anderem für IoT benötigt wird.

Kooperationen

CEO Gelsinger ging auf den Ausbau der diversen Partnerschaften VMwares ein, denn er versteht sich als Brückenbauer: „Any Cloud, any application, any device.“ Bei der Erwähnung der Partnerschaft mit IBM spitzten die Besucher seiner Keynote die Ohren. Wie wird VMware auf den geplanten Kauf von Red Hat durch Big Blue reagieren? Da „Red Hat Enterprise Linux“ (RHEL) selbstredend bereits auf VMware läuft, habe Gelsingers Company damit keinerlei Problem.

Und da IBM Red Hat vor allem wegen dessen Opensource-Technologie gekauft hat, könnten sich auf der Ebene von Kubernetes Synergien ergeben, so wie dies bereits hinsichtlich IBM Watson der Fall sei: „VMs und Container werden in der IBM Cloud zusammenarbeiten“, versprach der CEO, “und dabei das öffentliche Internet völlig umgehen können."

IBM und VMware haben neue Angebote zur Beschleunigung von hybriden Clouds im Enterprise-Bereich angekündigt und dafür ein gemeinsames Techniker-Team gegründet. Dabei spielt auch VMwares Absicht, Blockchain as a Service mit dem Projekt "Concord" auf agnostische Weise zu unterstützen, eine Rolle.

Die neuen IBM Services hälfen, geschäftskritische VMware Workloads sicher in die IBM Cloud zu migrieren und auszubauen. Die Zuverlässigkeit solle bei vier Neunen hinter dem Komma liegen: 99,9999 Prozent Ausfallsicherheit soll kritischen Kunden entsprechenden Schutz bieten. „IBM Cloud Private Hosted“ könnte ab sofort auf dem vCenter Server installiert werden, hieß es.

VMware Cloud on AWS

Bereits 1700 Kunden nehmen die Option IBM Cloud auf VMware in Anspruch. Dass aber in der Public Cloud noch viel mehr Luft nach oben ist, zeigt VMwares Plan, VMware Cloud on AWS bis Ende nächsten Jahres global ausweiten zu wollen, also: in sämtlichen AWS-Regionen. In Europa steht die Option erst in Frankfurt/Main und London zur Verfügung, bald kommt Irland dazu. Die Roadmap wies ab 2020 ein verstärktes Engagement im chinesischen Markt auf.

Disaster Recovery

Gelsinger kündigte mit „Elastic DRS“ und „Elastic vSAN“ neue Disaster-Recovery-Funktionen für VMware Cloud on AWS an, um Anwendungen und virtuelle Desktops besser abzusichern. VMware will die Unterstützung des AWS-Services „RDS“ ausbauen, damit Entwickler und Admins auch auf Datenbestände in den RDS-unterstützten Datenbanken leicht zugreifen können, so etwa „MySQL“, „Oracle“, „MariaDB“, „PostgreSQL“ und mehr.

Rackspace stellte auf der VMworld seinen neuen Service "Rackspace Managed VMware Cloud on AWS" vor: Private Cloud-as-a-Service (PCaaS). Das Paket beinhaltet Standard-Workflows, konsistente APIs, den einfacheren Zugriff auf ursprüngliche Services über mehrere Clouds hinweg, einfachere geografische Expansion, die Einhaltung von Richtlinien zur Datenhoheit und Betriebskontinuität, kosteneffizientes Disaster Recovery sowie flexible On-Demand-Kapazitäten.

Da VMware noch erheblichen Bedarf hinsichtlich der Integration der Hyperscaler-Plattformen AWS, GCP, MS Azure und IBM sieht, hat es einen zweiten Firmenkauf avisiert: Cloudhealth Technologies, eine Firma aus Boston, USA, soll helfen, die herrschende Intransparenz zwischen diesen Plattformen zu beseitigen und die Betriebskosten zu senken. „Wir werden Cloudhealth mit den VMware Cloud Services (VCS) ausliefern“, sagte Gelsinger. CloudHealth dürfte somit das 2017 gekaufte Cloud-Monitoring-Tool WaveFront ergänzen.

IoT, Edge und Workspace

Der oben erwähnte Telco-Standard 5G wird nach Ansicht des CEO nicht nur die Telco-Virtualisierung mittels NFV voranbringen, sondern auch das SD-WAN als Grundlage der Kommunikation im IoT und Edge Computing. Hier kommt VMwares Ziel, jedes Gerät zu unterstützen, zum Tragen. Dies soll die umfassende Plattform „Workspace One“ zusammen mit der IoT-Plattform Pulse v2.0 bewerkstelligen.

Workspace-One-Module erledigen nicht nur Byod, sondern auch Mobile Device Management (MDM) und Analytics. „37 Prozent aller Endpunkte sind nicht up-to-date“, sagte CTO Ray O'Farrell. Um diese Fehler und Schwachstellen zu beheben, bringt Workspace One künftig auch aktive und mithilfe von Machine Learning zudem automatisierte Maßnahmenoptionen mit.

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