Auf dem Gelände und im Betrieb eines Co-Location-Betreibers Symbiose: Das neue FI-TS-Rechenzentrum in Nürnberg

Autor: Ulrike Ostler

Ein neues Rechenzentrum für die Banken- und Versicherungs-IT? Also weder Co-Location noch Cloud? Das gibt es – bei der Finanz Informatik Technologie Service GmbH & Co. KG (FI-TS) IT-Partner der Finanzwirtschaft und größter IT-Dienstleister für Landesbanken. Trotzdem gibt es Synergien mit einem Co-Location-Provider: Das neue Datacenter in Nürnberg schmiegt sich quasi an.

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Die Idee für die Kühlung per Kyoto-Rad hat FI-TS für das Rechenzentrum auf dem Campus Nürnberg Süd vom Generalunternehmer Norris Network übernommen. Der Wärmetauscher erlaubt eine hohe Energie-Effizienz.
Die Idee für die Kühlung per Kyoto-Rad hat FI-TS für das Rechenzentrum auf dem Campus Nürnberg Süd vom Generalunternehmer Norris Network übernommen. Der Wärmetauscher erlaubt eine hohe Energie-Effizienz.
(Bild: Finanz Informatik Technologie Service GmbH & Co. KG)

Die FI-TS ist eine Tochter der Finanz Informatik (FI) so dass die Unternehmen eine gemeinsame Rechenzentrumsstrategie verfolgen. Diese lautet derzeit Konsolidierung, aus sechs Rechenzentren der FI-TS werden zwei Paare, aber auch ein Neubau. Zum einen genügen die angemieteten Flächen nicht – auch diese Datacenter-Variante gibt es - zum anderen erfüllen die Bestandsrechenzentren die aus dem eigenen Hause stammenden Anforderungen nicht mehr.

Die bisherigen Hauptstandorte Stuttgart und Nürnberg bleiben jedoch. In Stuttgart standen der FI-TS rund 1.800 Quadratmeter zur Verfügung, in Planung sind 2000 Quadratmeter. In Nürnberg wird ein Rechenzentrum mit rund 1.500 Quadratmetern aufgegeben. Das neue hat eine Fläche von 1.600 Quadratmetern, was nicht wesentlich mehr erscheint, doch zugleich steigt die Anzahl der Höheneinheiten pro Rack, von jetzt 42 Units auf 60. Wie Markus Buchegger, Leiter des Projekts „RZ-Move“ bei FI-TS sagt, entspricht das in etwa einer IT-Last von 2 Megawatt.

Die Racks im neuen Rechenzentrum der Finanz Informatik Technologie Service GmbH & Co. KG sind 60 Höheneinheiten hoch.
Die Racks im neuen Rechenzentrum der Finanz Informatik Technologie Service GmbH & Co. KG sind 60 Höheneinheiten hoch.
(Bild: Finanz Informatik Technologie Service GmbH & Co. KG)

Um die Anbindung an zureichend Strom und Datenkapazität brauchte sich die FI-TS keine Gedanken zu machen; denn darum hatte sich schon der Co-Location-Anbieter Noris Network gekümmert, wurde doch der Bau auf seinem Betriebsgelände errichtet. Tatsächlich fungierte der Rechenzentrumsbetreiber bei der Errichtung des Hochsicherheitszentrums als Generalunternehmer für die FI-TS und wird dieses nach der Fertigstellung ab Q4 2020 im Auftrag der FI-TS auch betreiben.

Die Planung

Das Arrangement ist durchaus ungewöhnlich und war nicht von Anfang an für alle Beteiligten klar. Klar war eher, dass FI-TS am Standort Nürnberg bleiben wollte. Es wurden Cloud- Co-Location und Neubau-Alternativen geprüft. Doch das eine erschien zu unsicher, das neue Rechenzentrum wird den Auflagen der TÜV-IT GmbH der Klasse 4 genügen – „dieses Level kann ein Co-Location-Anbieter nur schwer erfüllen“, erläutert Buchegger – die Neubau-Option wäre zu teuer gekommen.

So fällte FI-TS die Entscheidung gemeinsam mit seinen wichtigsten Kunden. 2017 hatte FI-TS damit begonnen Grundstücke in Nürnberg aber auch in Stuttgart zu prüfen. 2018 war der Auswahlprozess beendet und ein Vorvertrag mit Noris Network geschlossen, der dann nach Klärung von Mietfragen und anderen rechtlichen Fragen zum Ende desselben Jahres in einen echten Vertrag umgewandelt wurde. 2019 war bereits der Rohbau fertig.

Etwas ins Stocken geriet der weitere Ausbau durch das Auftreten der Corona-Pandemie. Doch etwa Mitte des Jahres 2020 war auch der Innenausbau abgeschlossen und die Abnahme erfolgte im November 2020. Nun muss das neue Rechenzentrum besiedelt werden.

Das Datacenter-Dreieck

Dafür hat FI-TS zunächst einmal ein Verbindungsdreieck zwischen den zwei alten und dem neuen Rechenzentrum schaffen müssen. Laut Buchegger war der Aufbau der DWDM-Strecken (DWDM = Dense Wavelength Division Multiplexing) mitsamt der zugehörigen Netzwerksysteme zeitlich aufwändig, da „sehr, sehr viele einzelne Verbindungen“ aufzubauen waren und es einige Zeit gedauert hat, bis alle DWDM-Anschlüsse „stabil und eingemessen“ waren.

Innerhalb des Rechenzentrums setzt FI-TS übrigens auf „Cisco ACI“, was ein Software Defined Network erlaubt. Der Vorteil, erläutert Buchegger knapp, sei, dass sich die Switch-Konfigurationen vorbereiten ließen, und falls sich etwas ändere oder nicht passe, durch Skripte auch wieder zurückholen ließen.

Für die Kopplung zwischen den FI-TS-Rechenzentren setzt das Unternehmen auf 100-Gigabit-Verbindungen und im Rechenzentrum sei die Anschlussleistung abhängig davon, was jedes Endgerät vertrage: „Da gibt es alles“, sagt Buchegger, „von 1 bis 100 Gigabit.“

Das Kyoto-Cooling

Die Migration der Kundenumgebungen hat FI-TS bereits im Frühjahr dieses Jahres begonnen. Abgeschlossen soll sie 2023 sein. Tatsächlich laufen die Mainframe-Anwendungen bereits im neuen Rechenzentrum.

Ausschnitt aus der Front des aktuellen "Z-OS"-Mainframe von der FI-TS.
Ausschnitt aus der Front des aktuellen "Z-OS"-Mainframe von der FI-TS.
(Bild: Finanz Informatik Technologie Service GmbH & Co. KG)

Der Umzug sei im Gegensatz zur Implementierung der Netzwerke ein Leichtes gewesen. „Mainframes sind ja eine vertraute Umgebung“, sagt Buchegger. Daran habe sich auch nichts geändert beim Wechsel auf eine neue Mainframe-Generation, die direkt im neuen Datacenter aufgebaut wurde. „Man verschiebt eigentlich nur virtuelle Instanzen.“

Bei der Planung des Gebäudes, das spiegelbildlich aufgebaut ist und zu etwas mehr als der Hälfte von Noris Network (2000 Quadratmeter) selbst genutzt wird, kam dem Vorhaben die Expertise des Co-Location-Anbieters zugute, zum Beispiel bei der Berücksichtigung von Emissionsauflagen in dem gewachsenen Umfeld, „die immer höher werden“, wie Buchegger betont.

Die Idee für die Kühlung per Kyoto-Rad hat FI-TS für das Rechenzentrum auf dem Campus Nürnberg Süd vom Generalunternehmer Norris Network übernommen. Der Wärmetauscher erlaubt eine hohe Energie-Effizienz.
Die Idee für die Kühlung per Kyoto-Rad hat FI-TS für das Rechenzentrum auf dem Campus Nürnberg Süd vom Generalunternehmer Norris Network übernommen. Der Wärmetauscher erlaubt eine hohe Energie-Effizienz.
(Bild: Finanz Informatik Technologie Service GmbH & Co. KG)

Wie andere Rechenzentren des Betreibers auch ist das Kernstück des Klimatisierungskonzepts Klimazellen mit Kyoto-Cooling-Wärmetauschern, 6 Meter große mit Lamellen beschichtete Aluminiumräder, die sich vertikal mit gemächlichen 3 bis 10 Umdrehungen in der Minute drehen (siehe auch: „Das neue Datacenter von Noris Network Technik vom Feinsten und gut durchdacht - das Rechenzentrum München Ost“. Im Whipespace ziehen Ventilatoren die warme Abluft ab, drücken sie durch die Rippen des Kyoto-Rads. Mithilfe von Frischluft an der Außenwand abgekühlt strömt sie zurück auf die IT-Fläche.

Sicherheit wird groß geschrieben

Derzeit ist das Kühlen mit Flüssigkeit stark im Kommen. Doch von Wasser im IT-Raum will Buchegger nichts wissen, außer bei den Mainframes, die mit Wasser gekühlt werden. Allerdings „könnten wir Wasser auf die IT-Fläche bringen, wenn wir wollten“, so der Projekleiter. Denn bei der Planung habe man auf ein flexibles Raumkonzept gedrungen. Schließlich ändere sich die IT permanent und man wolle auch für die Zukunft gerüstet sein.

Der Mietvertrag mit Noris Network ist für zehn Jahre geschlossen, mit der Option auf 20 weitere. Den Bedarf an Fläche und Versorgung habe FI-TS am Bestand der alten Rechenzentren ermittelt. Derzeit habe man eine Reserve von rund 30 Prozent. Der Vermieter wird das Rechenzentrum auch betreiben. Es entspricht der Trusted Site Infrastructure Level 4 von der TÜV-IT GmbH, die deshalb von Beginn an in die Planung einbezogen war, und der Norm EN 50600.

Ein Zwiebelschalenprinzip unterteilt das Rechenzentrum in verschiedene Sicherheitsbereiche; das Innerste lässt sich nur über ein System mit Handvenen-Scanner betreten. Generell besteht eine strikte Trennung der Wege und Zugänge für Mensch und Material. Zudem dürfen IT-Mitarbeiter nicht die Räume der Facility-Technik betreten, also wo die Generatoren, die Löschmittel, die USV-Anlagen, die Kühlung … sich befinden, und die Techniker nicht die IT-Räume. „Die Anzahl der Schleusen liegt in einem mittleren zweistelligen Bereich.“ Die hohe Anzahl erstaunt Buchegger selbst. Er setzt hinzu: „Bei uns kommt nur der 'rein, den wir wollen - auch unser Vermieter hat darauf keinen Einfluss.“

Florian Sippel, Vorstand der Noris Network AG, sagt: „FI-TS wird ein Rechenzentrum der internationalen Spitzenklasse bekommen – es freut uns, dass wir es realisieren dürfen.“

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Die FI-TS

Die Finanz Informatik Technologie Service GmbH & Co. KG (FI-TS) ist ein etablierter IT-Partner der Finanzwirtschaft und größter IT-Dienstleister für Landesbanken. Als Tochter der Finanz Informatik (FI) und Teil der Sparkassen-Finanzgruppe unterstützt der IT-Provider private und öffentliche Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister mit standardisierten IT-Dienstleistungen. Zu den Kunden zählen: die Landesbanken Baden-Württemberg (LBBW), BayernLB, Hessen-Thüringen (Helaba), NORD/LB, die Deutsche Kreditbank, die Landwirtschaftliche Rentenbank und dieQuirin Privatbank, die DekaBank, die Deutsche WertpapierService Bank und die LBS IT, die Versicherungskammer Bayern, die Provinzial NordWest und die SparkassenVersicherung Informatik

FI-TS versteht sich als „The Bridge to Digitalization in Financial Industries“. Auf Basis einer integrierenden IT-Service-Plattform mit Leistungen vom klassischen Rechenzentrumsbetrieb bis hin zu Public Cloud-Produkten und Services wie Compliance, Provider-Management, Transition, Transformation, Beratung ermöglicht das Unternehmen seinen Kunden die digitale Transformation. FI-TS bringt langjährige Erfahrungen aus der Finanzbranche in Kundenbeziehungen ein und richtet seine Services an den regulatorischen Anforderungen der Branche aus – „IT made for Banking and Insurance“.

Die hundertprozentige Tochter der Finanz Informatik hat ihre Unternehmenszentrale in Haar bei München. Dort und an den Standorten Hannover, Nürnberg, Offenbach und Stuttgart (Fellbach) arbeiten rund 1.050 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Umsatz beträgt 400 Millionen Euro (2021).

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Über den Autor

 Ulrike Ostler

Ulrike Ostler

Chefredakteurin Datacenter-Insider, Vogel IT-Medien GmbH/ DataCenter-Insider