Computex-Interview Supermicro setzt auf KI, 5G und Cloud Computing

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Ulrike Ostler

Anlässlich der „Computex“ befragt Autor Dietmar Müller im Auftrag von DataCenter-Insider den Gründer und CEO von Supermicro, Charles Liang, was Kunden von den neuen Servern seines Unternehmens erwarten dürfen, wieso grün das neue schwarz ist und ob er schon ein Ende der Chip-Knappheit absehen kann.

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DataCenter Insider sprach anlässlich der Computex mit dem Gründer und CEO von Supermicro, Charles Liang.
DataCenter Insider sprach anlässlich der Computex mit dem Gründer und CEO von Supermicro, Charles Liang.
(Bild: Computex)

Auf der diesjährigen Computex haben Sie zu den Themen KI, 5G/Edge, Green Computing und Flüssigkeitskühlung im Rechenzentrum eine Keynote gehalten. Können Sie für unsere Leser Ihre Hauptbotschaft nochmal zusammenfassen?

Charles Liang: Supermicro ist führend bei der Bereitstellung anwendungsoptimierter Lösungen für AI-, 5G/Edge-, Cloud- und Enterprise-Kunden. Seit über zwei Jahrzehnten stellen wir Server und Speichersysteme mit unserem Building Block Solutions-Ansatz bereit, der es uns ermöglicht, neue Produkte schneller auf den Markt zu bringen.

Unsere neuen Rack Scale Plug & Play-Lösungen bieten Kunden die Einfachheit der Nutzung von Cloud-basierten mit der Anpassung und Sicherheit, die On-Prem-Rechenzentren erfordern. Wir entwickeln unsere Systeme weiterhin so, dass wir weniger Strom verbrauchen als Wettbewerber, wodurch der Bedarf an Kohlenstoffbindung reduziert wird.

Auf der Computex gab ich bekannt, dass wir nun über die Kapazität haben, mehr als zwei Millionen Server pro Jahr zu liefern, indem wir unsere neue Produktionsstätte in Taipeh, Taiwan, live stellen.

KI und ML kommt heute bereits an vielen Orten zum Einsatz. Auf dem Computex-Forum Anfang des Monats drehte sich alles um das Thema 'Die neue Ära der Intelligenz'. Wie wird die denn aussehen?

Charles Liang: Edge Computing wird für viele Unternehmen zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Infrastruktur. Mit der steigenden Zahl an Daten, die am Rand generiert werden, müssen mehr Rechenleistung und künstlich intelligente Fähigkeit verpackt und näher an dem Ort installiert werden, an dem die Daten generiert werden. Neue Formfaktoren, die harschen Umgebungsbedingungen standhalten können, müssen in der gleichen Geschwindigkeit entwickelt und bereitgestellt werden, mit der die Rechenzentrumsinfrastruktur erstellt wird.

Intelligenz, die zu einer besseren und schnelleren Entscheidungsfindung beitragen kann, wird das gesamte digitale Spektrum fluten, vom Edge über das Mini-/Mikro-Rechenzentrum bis hin zu größeren Unternehmens- und öffentlichen Rechenzentren. Wir werden Lösungen sehen, die in der Nähe von Umgebungen deployed werden können, in denen eine geringe Latenzen nötig sind.

Zusätzlich zur Speicherung von Daten ermöglicht die lokale Verarbeitung einen optimierten Netzwerkverkehr zurück zu 'echten' Rechenzentren mit großer und langfristiger Speicherkapazität.

Unsere disaggregierte Architektur ist ein Game Changer für e-Waste. Anstelle von großangelegten Upgrades für den gesamten Server aktualisieren unser Disaggregated Server Design bei den Kunden nur die spezifischen Bausteinkomponenten. Wenn also eine neue CPU installiert werden muss, das Netzwerk aber unverändert bleibt, können Kunden, anstatt das gesamte System zu ersetzen, um die CPUs zu aktualisieren, modulare Updates durchführen und nur den CPU-Komplex aus dem System ersetzen und das Netzwerk unberührt lassen.

Der Gründer und CEO von Supermicro, Charles Liang.
Der Gründer und CEO von Supermicro, Charles Liang.
(Bild: Supermicro)

Im März hat Supermicro den Multi-Node Multi-GPU Server '2114GT-DNR' vorgestellt, der auf nur 2 Höheneinheiten modular und kompakt ausgerüstet ist. Unter anderem haben Sie das Netzteil dafür selbst entwickelt. Wieso das? Andere Anbieter kaufen solche Komponenten lediglich hinzu.

Charles Liang: Mit Unterstützung für bis zu drei GPUs mit doppelter Breite beziehungsweise sechs single-width GPUs pro Knoten ist unser neuer 2U 2-Knoten-Multi-GPU-Server die perfekte Plattform für Video-Streaming, High-End-Cloud-Gaming und unzählige Social-Networking-Anwendungen. Das Multi-GPU-Knotendesign ist sehr wartungsfreundlich, ganz im Gegensatz zu bestehenden Produkten auf dem Markt.

Die Zwei-Knoten-Schubladen im 2U-System können dank der gemeinsamen Energie- und Kühlressourcen für die Wartung einfach herausgezogen werden. Das senkt die Wartungs- und Upgrade-Kosten für anspruchsvolle GPU-beschleunigte Anwendungen wie Cloud-Gaming, die in der Regel einen hohen Stromverbrauch aufweisen und häufige Wartung erfordern.

Was die Netzteile betrifft, haben wir vor vielen Jahren damit begonnen, unsere eigenen zu entwerfen, um das Gesamtsystem zu optimieren. Die effizientere Stromversorgung hilft, der Erderwärmung entgegenzuwirken. Der Rest der Branche ist unserem Beispiel schnell gefolgt. Darüber hinaus haben wir durch die Herstellung eigener Netzteile die volle Kontrolle über die Qualität und können optimierte Formfaktoren mit optimalem Luftstrom für unsere fortschrittlichen Serverdesigns entwickeln.

Der Nachfolger des '2114GT-DNR' ist bei Ihnen bereits in der Mache. Was dürfen Kunden erwarten?

Charles Liang: Supermicro arbeitet ständig mit führenden CPU- und GPU-Anbietern zusammen, um als Erster mit innovativen Lösungen auf den Markt zu kommen. Unsere Ingenieure entwickeln bereits Systeme der nächsten Generation, die von den neuesten Designs profitieren. Der 2114GT-DNR ist weiterhin eine erfolgreiche Plattform, mit der Supermicro AI-, ML- und Videostreaming-Anwendungsfälle adressieren kann.

Neben der Markteinführung der neuesten Server entwickelt Supermicro auch komplette Rack-Scale-Lösungen, die verschiedene Workloads für eine Vielzahl von Branchen beschleunigen und verbessern. Diese Lösungen sind für spezifische Workloads optimiert und werden als voll funktionsfähige Racks geliefert, wodurch die Zeit zur Produktion für eine ganze Reihe von Kunden verkürzt wird.

Bislang nutzen Sie für die Kühlung Direct to Chip (D2C), Immersion, Rear-door Heat Exchanger (RDHx) oder eine Kombination dieser Technologien. Kürzlich haben Sie zudem angekündigt, in Zusammenarbeit mit Kunden neue Technologien zur Flüssigkeitskühlung auf Rack-Ebene entwickeln zu wollen, die die PUE- und TCO-Werte für Rechenzentren um über 40 Prozent verbessern helfen sollen. Wie werden diese Technologien aussehen?

Charles Liang: Wir arbeiten mit führenden Anbietern von Flüssigkeitskühltechnologie zusammen, um eine Gesamtlösung für den Kunden zusammenzustellen, entsprechend der Serverauswahl und den erwarteten Workloads sowie Rechenanforderungen. Wir gehen davon aus, dass bei höherer Rechendichte und einer neuen Generation von CPUs und GPUs in vielen Rechenzentren die eine oder andere Form der Flüssigkeitskühlung erforderlich sein wird. Mit neuen Produktionsstätten, die sowohl im Silicon Valley als auch in Taipeh, Taiwan, implementiert werden, wird Supermicro in der Lage sein, große Cluster zu bauen, die verschiedene Flüssigkeitskühltechnologien nutzen.

Graphcore hat einen ersten Supermicro-Server für die Verwendung mit seinen KI-Computing-Lösungen qualifiziert. Die auf Supermicro-Servern basierenden Graphcore-Systeme sind in der DACH-Region unter anderem über die Graphcore Channel-Partner Boston und Megware verfügbar. Für welche KI-Aufgaben eignen sich die Supermicro-Server heute besonders, was sollen Sie in drei Jahren können?

Charles Liang: Supermicro-Server, kombiniert mit verschiedenen KI-Beschleunigern, eignen sich für die anspruchsvollsten KI- und ML-Aufgaben. Unsere offene Architektur und die erste Markteinführung eröffnen neuen KI-Hardwareanbietern einen Weg, ihre Produkte schneller auf den Markt zu bringen. Die enge Beziehung von Supermicro zu den führenden CPU-Anbietern zusammen mit neuer und innovativer KI- und ML-Hardware bietet Kunden eine Reihe von Möglichkeiten bei der Auswahl des Servers, um eine bestimmte Workload zu bewältigen.

Mit Blick auf die Zukunft erwarten wir, dass CPUs ihre Leistung sowie dedizierte KI-Hardware weiter steigern werden. Darüber hinaus wächst die Präsenz von Supermicro in DACH mit vielen HPC-Kunden aus Wissenschaft und Industrie.

Dabei verfolgen Sie eine dezidiert 'grüne' Agenda. Warum? Und wie genau sieht das aus?

Charles Liang: Wir waren immer der Meinung, dass bei den Kriterien für Rechenzentrumsbetreiber die Minimierung der Auswirkungen auf die Umwelt an erster Stelle stehen sollte. Unsere Systeme sind so konzipiert, dass sie nach Möglichkeit wenig Strom verbrauchen. Diese Energieeinsparungen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung einer hohen Leistung reichen über den Server bis zum Rechenzentrum, was zu einer signifikanten Reduzierung des durchschnittlichen Stromverbrauchs führen kann.

Simulationen zeigen uns, dass Milliarden von Bäumen nicht gepflanzt werden müssten, um den von fossilen Brennstoffpflanzen emittierten Kohlenstoff zu sequestrieren, wenn etwa 50 Prozent der Rechenzentren heute mehr grüne Technologien verwenden würden. Neben der Stromeinsparung ermöglicht unsere disaggregierte Systemarchitektur die Aufwertung einzelner Komponenten bei der Bereitstellung neuer Technologien. Dieses Konzept reduziert die Menge an E-Waste, da ganze Systeme nicht weggeworfen werden müssen, nur um eine Komponente zu aktualisieren.

Supermicro nutzt CPUs und GPUs von AMD, Intel und Nvidia. Können die genannten Hersteller in gewohntem Umfang liefern oder leidet Supermicro auch unter der globalen Chip-Knappheit?

Charles Liang: Wir haben eine tolle Beziehung zu unseren CPU- und GPU-Partnern. Eines der Markenzeichen von Supermicro ist es, die fortschrittlichsten Produkte vor dem Wettbewerb zu erhalten, das ist unser 'Time-to-Market'-Vorteil. Wir können Komponenten in großem Maßstab beziehen und unser Inventar optimieren, um den Mangel für unsere Kunden zu minimieren.

Wir haben mehr als 200 anwendungsoptimierte Systeme auf Basis der neuesten 'Intel Ice Lake'- und 'AMD Milan'-Prozessoren am Start, die heute ausgeliefert werden können. Und soch mehr: Supermicro lieferte entsprechende Produkte frühzeitig an über 400 Kunden aus, noch bevor der Intel Xeon Scalable der 3. Generation offiziell auf den Markt war. Wir nehmen heute aktiv Aufträge für Intel-, AMD- und Nvidia-basierte Systeme entgegen.

Die globale Chip-Knappheit belastet dennoch viele Branchen – können Sie als Insider uns mitteilen, bis wann diese Knappheit überwunden sein wird? Wie können wir künftig eine solche Knappheit, die die Wirtschaft weltweit belastet, verhindern?

Charles Liang: Wir arbeiten aggressiv mit unseren globalen Komponentenlieferanten zusammen, um Chips schneller als die Konkurrenz zu beziehen und in unsere Systeme zu integrieren. Mit der kürzlich erfolgten Erweiterung unserer Produktionsstätte in Taiwan können wir komplette Systeme an regionale Kunden liefern, ohne auf die anderen Produktionsstandorte von Supermicro angewiesen zu sein. Wir glauben, dass das Versorgungsniveau wieder wachsen wird, wenn die Wirtschaft nach der Pandemie wieder anspringt.

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