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Die Cloud schafft Arbeitsplätze und ist kein Job-Killer Roland Berger und SAP erarbeiten 5-Punkte-Konzept für`s Cloud Computing

| Redakteur: Ulrike Ostler

Nach einer Studie von Roland Berger und SAP eröffnet das Cloud Computing europäischen Informations- und Kommunikationstechnik-Anbietern neue Wachstumsperspektiven. Auch die Anwenderunternehmen und der Stellenmarkt sollen profitieren. Allerdings, so mahnen der Unternehmensberater und der Softwarehersteller, sind dafür Anstrengungen von Unternehmen und Politik notwendig.

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Der wirtschaftliche Vorteil von Cloud-Computing ist groß: Laut IDC wird der Anteil am Wachstum des Bruttoinlandsprodukts 0,1 bis 0,2 Prozent betragen. Zwischen 2010 und 2015 kann sich sich das Umsatzvolumen allein in den fünf stärken EU-Räumen - Deutschland, Farnkreich, Großbritannien, Spanien und Italien - um 763 Milliarden Euro erhöhen. (Bild und Info: Survival of The Fittest)
Der wirtschaftliche Vorteil von Cloud-Computing ist groß: Laut IDC wird der Anteil am Wachstum des Bruttoinlandsprodukts 0,1 bis 0,2 Prozent betragen. Zwischen 2010 und 2015 kann sich sich das Umsatzvolumen allein in den fünf stärken EU-Räumen - Deutschland, Farnkreich, Großbritannien, Spanien und Italien - um 763 Milliarden Euro erhöhen. (Bild und Info: Survival of The Fittest)

Cloud Computing, die Technologie, die das Speichern und Verarbeiten von Daten nicht auf der eigenen IT-Infrastruktur, sondern virtuell im Netz ermöglicht, sorgt für weitreichende Veränderungen der Informations- und Telekommunikationsbranche (ITK). Denn Cloud Computing verspricht Anwendern und Anbietern signifikante Kostensenkungen und neue Umsatzpotenziale.

So erwarteten Anwenderunternehmen, dass Cloud Computing den Nutzern niedrigere Kosten sowie eine höhere Flexibilität ermögliche, besagen Ergebnisse der Studie „Survival of the Fittest - Wie Europa in der Cloud eine führende Rolle übernehmen kann“. Den Anbietern wiederum eröffneten sich nach der Studie neue Wachstumsmärkte. Es wird erwartet, dass sich das weltweite Umsatzvolumen für Cloud Computing von jetzigen rund 21,5 Milliarden bis 2015 auf nahezu 73 Milliarden Dollar verdreifacht.

Damit sei Cloud Computing das am stärksten wachsende Segment innerhalb der ITK-Branche. Carsten Rossbach, Partner von Roland Berger, erläutert: „Die rasant zunehmende Verbreitung von Cloud Computing gerade bei professionellen Anwendern eröffnet vor allem europäischen Anbietern hervorragende Wachstumsperspektiven.“

Die Cloud ist Job-Motor, nicht Job-Killer

Deshalb sei auch mit Impulsen für den europäischen Arbeitsmarkt zu rechnen: Mindestens 70.000 neue Jobs könnten jährlich durch die Cloud Economy entstehen, so die Studie.

Allerdings halten die Studien-Macher Initiativen seitens der EU, der lokalen Regierungen und der Anbieter von Informations- und Kommunikationstechnik (ITK) für notwendig, um von den Wachstumschancen zu profitieren zu können. Roland Berger und SAP schlagen ein Fünf-Punkte-Programm vor, dessen Kern die Schaffung eines „Cloud Gold“-Standards ist, der auf einem einheitlichen rechtlichen Rahmen für Cloud-Services in Europa basiert.

Ein neues wirtschaftliches Ökosystem entsteht

Insbesondere stiegen mit dem Cloud-Computing die Chancen der Mittelständler, wettbewerbsfähig zu sein. Denn in den kommenden Jahren werde die starke Entwicklung der Datenverarbeitung in der Wolke ein neues wirtschaftliches Ökosystem generieren. Das aber hat laut Peter Lorenz, Leiter des Bereichs On-Demand-Solutions bei SAP, zur Folge, dass diese Unternehmen Zugriff auf IT-Architekturen erhalten, die bislang nur Großunternehmen vorbehalten waren.

“Cloud Computing wird vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen eine echte Revolution darstellen“, sagt er. Umgekehrt werden sich dadurch neue Marktchancen für IT-Anbieter ergeben, ihren Kunden maßgeschneiderte Lösungen und flexible Dienstleistungen anbieten.“

Dabei biete der Markt für Cloud-Dienstleistungen verschiedene Service-Modelle. So können „Infrastructure as a Service" (IaaS)-Kunden auf Rechner- und Speicherressourcen eines externen Anbieters dynamisch zurückgreifen. Daneben ist die Nutzung von Software-Anwendungen eines externen Providers nach Kundenbedarf auf dem Markt etabliert (Software as a Service - SaaS). Anbieter von Platform as a Service (PaaS) hingegen stellen eine Entwicklungs- und Laufzeitumgebung zur Verfügung, auf denen Unternehmen und ihre Partner eigene Anwendungen erstellen und bespielen können.

IAAS ist ausgereift, SaaS und PaaS sollen boomen

Laut Roland-Berger-Partner Rossbach hat der Bereich Infrastructure as a Service (IaaS) zwischenzeitlich einen hohen Reifegrad erlangt. „Insbesondere globale ITK-Anbieter amerikanischer Herkunft haben dieses Segment besetzt“, konstatiert er. „Doch solche Infrastrukturdienstleistungen werden mittelfristig nur noch niedrige Gewinnmargen bieten.“

SAP-Manager Lorenz sieht denn auch das größere Potenzial bei SaaS und PaaS: „Diese zwei Bereiche der Cloud Economy werden in den nächsten Jahren stärker wachsen und höhere Gewinnmargen mit sich bringen“, und fügt hinzu: „Und hier hat Europa die Chance, aktiv zu werden.“

Allerdings brauche es einheitliche Richtlinien. „Anwender bemängeln derzeit besonders das Fehlen von einheitlichen technischen, juristischen und wirtschaftlichen Standards für das Cloud Computing“, führt Berater Rossbach aus. Als Beispiel nennt er den Datenschutz, der heute noch keinem europaweiten Standard unterliege. „Der europäische Datenschutz darf jedoch keine Bürokratieängste schüren, sondern muss zu einem Gütesiegel für ´Made in Europe` werden“, fordert er.

Fünf Zutaten für ein Erfolgsrezept

Deshalb schlagen die Strategieberatung Roland Berger und SAP Politik und Wirtschaft ein Fünf-Punkte-Programm, um die Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der Cloud Economy festzulegen und die positiven Effekte der Cloud Economy zu realisieren.

  • 1. Schaffung eines europäischen Rechtsrahmens: Der Rechtsrahmen soll Datenschutz und Datensicherheit in allen europäischen Ländern harmonisieren.
  • 2. Der „European Cloud Gold Standard“: Die europäische Industrie sollte ein europäisches Gütesiegel für Cloud-Dienstleistungen schaffen, um die Akzeptanz von Cloud-Anwendungen zu erhöhen.
  • 3. Innnovationen in der Cloud: Die europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten sollten öffentliche Forschungs- und Entwicklungsprogramme mit Cloud-Schwerpunkt verstärkt fördern.
  • 4. Cloud Computing im Mittelstand: Durch spezielle Programme sollte die Anwendung von Cloud Computing in mittelständischen Unternehmen gefördert werden. Dafür sind keine zusätzlichen Ressourcen notwendig, denn die europäische Union hat in der laufenden Programmperiode hinreichende Mittel zur Verfügung gestellt.
  • 5. Die öffentliche Hand als Pionier: Als großer Einkäufer von IT-Lösungen in Europa sollte der öffentliche Sektor als Impulsgeber für die Cloud Economy gelten. Denn der verstärkte Einsatz bei allen öffentlichen Institutionen würde die Marktdurchdringung dieser Dienstleistungen erheblich unterstützen und Vertrauen in das Gütesiegel schaffen.

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