Bei Rechenzentren gilt „Platz ist Geld“, längst nicht nur Zeit. Besonders Hyperscaler und Betreiber von HPC-Datencentern suchen nach Wegen, den vorhandenen Raum mit mehr Rechenpower zu bestücken. Einen Weg dahin eröffnen neue, kleine Steckverbinder, die mehr Verbindungen pro Gerät und Patchfeld ermöglichen.
Sogenannte Very Small Form Factor LWL-Stecker (VSFF), besonders kleine Steckverbinder, machen Rack- und Patch-Designs mit deutlich höherer Portzahl möglich.
(Bild: Rosenberger OSI)
Auf der Data Centre World in Frankfurt, die Anfang Mai 2026 stattfand, diskutierte die Branche aktuelle Trends und Herausforderungen. Die zunehmende Nutzung von KI erfordert von Rechenzentrumsbetreibern besondere Anstrengungen. Denn entsprechende Anwendungen verursachen hohe Datendurchsätze und mehr verteilte Zugriffe. Betroffen sind vor allem Hyperscaler und Datacenter für High Performance Computing (HPC). Doch auch Colocation- und Enterprise-Rechenzentren können sich diesem Trend nicht verschließen.
KI-Anforderungen beherrschbar machen
Dieser Trend befeuert gleich mehrere Entwicklungen: allen voran den Umstieg auf 400G- und 800G- Übertragungsgeschwindigkeit; teils wird auch schon 1,6T-Technik eingesetzt, schon bald soll 3,2T folgen. Doch das allein reicht nicht. Die Branche benötigt auch mehr Flächeneffizienz. Wenn Rechenzentren in Kundennähe aufgebaut sind, ist dies gleichbedeutend mit Großstadtlagen, wo die Immobilienpreise rasant steigen.
Ein Baustein zur Lösung ist der Umstieg auf Spine-Leaf-Architekturen, mit denen sich gegenüber traditionellen 3-Tier-Netzwerkarchitekturen eine Ebene einsparen lässt. Dies geht jedoch mit einem höheren Bedarf an Verbindungen einher. Mit herkömmlicher Verbindungstechnik, bei der bereits jetzt das gesamte Panel mit LWL-Steckverbindungsports belegt ist, lässt sich das kaum bewerkstelligen.
Doch auch dafür gibt es eine Lösung: sogenannte Very Small Form Factor LWL-Stecker (VSFF) – also besonders kleine Steckverbinder, die Rack- und Patch-Designs mit deutlich höherer Portzahl ermöglichen.
VSFF erfüllt viele Anforderungen…
Die Expansion der Verkabelung zwischen Server-Clustern ist wiederum nur mit Multifaser-LWL zu bewältigen. Diese Entwicklung macht auch vor den extrakleinen Steckverbindern nicht halt. Waren VSFF-Stecker zunächst vor allem als Duplex-Variante erhältlich, wie z.B. der MDC und SN™, finden inzwischen auch Multifaser-VSFF zunehmend Verbreitung. Das prominenteste und erfolgreichste Beispiel dafür ist der MMC-Steckverbinder.
Der Miniature Multi-Fiber Connectoren (MMC) gehört zu einer neuer Steckverbinder-Generation der Multifaser-VSFF-Klasse. Im Vergleich zu klassischen MTP®/MPO-Port-Layouts lassen sich mit MMC bis zu dreimal so viele Verbindungen pro Panel-Höheneinheit (HE) unterbringen.
Mit der Ausrichtung auf extrem hohe Portdichten und kompakte Panel-Layouts erfüllt der Standard zentrale Anforderungen von Hyperscale-Architekturen, die 800G und mehr unterstützen. Dazu gehört auch der Wunsch der Branche nach Trunk-Lösungen mit hoher Faseranzahl für Spine-Leaf- und Backbone-Architekturen. Der MMC vereint bis zu 24 Fasern in einem Stecker.
⚙Technik im Detail
MMC-Steckverbinder im Detail
Miniature Multi-Fiber Connectoren (MMC) sind mit Tiny-MT-Ferrulen (TMT) mit 250-µm-Pitch ausgestattet und in Varianten mit 1×12, 2×12 oder 1×16 Fasern verfügbar. Eine APC-Politur mit 8° sorgt für sehr hohe Rückflussdämpfungswerte von bis zu 60 dB im Singlemode-Betrieb.
Die maximale Einfügedämpfung beträgt 0,35 dB für Singlemode- sowie Multimode-Fasern und erfüllt die Anforderungen der Telcordia GR-1435. Die mechanische Auslegung ermöglicht mindestens 500 Steckzyklen bei gleichbleibend stabiler optischer Performance.
Ferrule
Tiny-MT (TMT)
Faser-Pitch
250 µm
Faserkonfigurationen
1×12 / 2×12 / 1×16
Politur
APC, 8°
Rückflussdämpfung (Singlemode)
bis 60 dB
Max. Einfügedämpfung
0,35 dB
Norm-Konformität
Telcordia GR-1435
Steckzyklen (min.)
500
Trotz der zunehmenden Miniaturisierung muss jedoch auch eine zuverlässige Verbindung und ein praxisgerechtes Handling gewährleistet sein. Hersteller von VSFF-Konnektoren setzen daher häufig auf einen Push-Pull-Mechanismus, der ein sicheres Ein- und Ausstecken auch bei maximaler Portdichte ermöglicht. Zugleich können Kunden erwarten, dass es keine Abstriche bei Einfüge- und Rückflussdämpfung und weiteren Qualitätsfeatures gibt. Auch im kleinen Format sind zentrale Kabelabfangung, integrierte Zugentlastung sowie Knickschutz für Rundkabel zu haben.
…aber nicht alle
Ist angesichts dieser Vorteile zu erwarten, dass die Rechenzentrumsbetreiber nun vollständig auf Multifaser-VSFF-Steckverbinder umschwenken? Mitnichten. Das erwarten nicht einmal die Anbieter selbst.
Vielmehr setzen Hyperscaler auf Technologieoffenheit und maximale Flexibilität, um ihre Investitionen zu schützen, die Migrationen zu vereinfachen und Performance-Silos zu vermeiden. Zudem haben Multifaser-VSFF-Steckverbinder nicht nur Vorteile. Aufgrund ihrer hohen Packungsdichte stellen sie besondere Anforderungen an Reinigung, Test und Qualitätssicherung.
Deshalb ist davon auszugehen, dass die Multifaser-VSFF-Klasse die bestehende Steckverbinder-Landschaft dauerhaft erweitert – um genau in dem oben skizzierten Szenario mit besonders hohen Dichte- und Performance-Ansprüchen eingesetzt zu werden, während in anderen Use Cases die bisherigen Konnektoren weiterhin ihre Berechtigung haben.
Wie sich VSFF in die Steckverbinder-Landschaft einfügt
Stellt man die verschiedenen Steckverbinder-Familien nebeneinander, ergibt sich folgendes Bild:
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
LC Duplex: der LWL-Duplexstecker mit der höchsten Marktdurchdringung; für robuste Verbindungen; geeignet für Panels mit maximal 96 LC-Duplex Ports pro HE.
SN/MDC: VSFF Duplexstecker, aufgrund der höheren Portdichte potenzielle Nachfolger des LC-Duplex.
MTP/MPO: der LWL-Multifiberstecker mit der höchsten Marktdurchdringung; aufgrund der hohen Faseranzahl besonders relevant für Backbone-Verkabelungen; Panels mit höheren Faserzahlen als mit LC-Duplex, SN™ oder MDC realisierbar.
MMC: für High-Density-Szenarien jenseits klassischer Port-Layouts – Panels mit maximaler Faserdichte.
MPE: schmutzunempfindlichere Linsensteckeralternative zu MTP®/MPO, drängt immer stärker in Hyperscale LWL Infrastrukturen
Diese Gegenüberstellung zeigt: Keine Technologie ist universell, vielmehr hängt die Wahl vom Datenratenbedarf, Panelspezifikationen und Lifecycle-Strategien ab.
Fazit
Aktuelle Entwicklungen, insbesondere der Trend zum vermehrten Einsatz von KI, sorgt für eine riesige Nachfrage nach Rechenzentrums-Kapazitäten. Diese sind nicht nur durch neu errichtete Data Center zu erfüllen – aus Kostengründen müssen auch bestehende Anlagen ihre Kapazitäten deutlich erweitern.
Ein Nadelöhr auf dem Weg zu mehr Flächen-Effizienz ist die Zahl der Ports, die auf einem Panel untergebracht werden können. Doch mit Very Small Form Factor Steckern ist eine Lösung bereits verfügbar. Varianten wie der MMC-Steckverbinder übertragen das Prinzip auf Multifiber-Anschlüsse und ermöglichen es so, dass auch in diesem bereits auf Platzbedarf optimierten Segment bis zu dreimal so viele Verbindungen auf gleicher Fläche untergebracht werden können. Und dies mit überschaubarem Aufwand.
*Der Autor: Harald Jungbäck ist Produktmanager bei Rosenberger OSI.