Eine Fraunhofer-Studie zeigt, wie deutsche Quanten-Start-ups ihre Anwendungen bereitstellen. Eigene Quantenhardware beim Kunden bleibt die Ausnahme. Rechenkapazitäten und Plattformen liegen überwiegend außerhalb Europas.
Fehlende Rechenkapazitäten, geringe Investitionen und internationale Abhängigkeiten bremsen den Aufbau einer europäischen Quantenindustrie.
(Bild: Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)
Das Fraunhofer Forschungs- und Innovationszentrum für Angewandte Quanten-KI hat untersucht, wie deutsche Quanten-Start-ups in einem Markt arbeiten, der sich noch im Aufbau befindet.
Nach Angaben der Autoren deckt die Untersuchung damit rund die Hälfte der geschätzt 20 deutschen Quanten-Start-ups ab. Verfasst wurde die Studie von Dimitri Evcenko und Dr. Anne-Sophie Tombeil vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO). Herausgeber sind Oliver Riedel, Christian Tutschku und Marco Roth.
Ein zentrales Ergebnis: Die jungen Unternehmen entwickeln nicht nur Quanten-Technologien, sondern gestalten zugleich einen Markt, der wirtschaftlich noch nicht etabliert ist. Statt ausschließlich marktreife Produkte zu entwickeln, schaffen sie Demonstratoren, Pilotprojekte und Beratungsangebote, um Unternehmen an die Technologie heranzuführen und erste Anwendungsfälle zu erschließen.
Quantenrechenleistung kommt überwiegend aus der Cloud
Die befragten Start-ups stellen ihre Anwendungen überwiegend als Software-as-a-Service (SaaS) bereit. Der Quellcode verbleibt auf den eigenen Systemen, auch um geistiges Eigentum zu schützen. Eine Installation von Quantenhardware beim Industriekunden oder in Rechenzentren für Hochleistungsrechnen (HPC) bildet dagegen bislang die Ausnahme.
Der Grund liegt in den hohen Anforderungen der Hardware. Quantencomputer reagieren empfindlich auf Umwelteinflüsse wie Erschütterungen und stellen hohe Anforderungen an Klimatisierung, Verfügbarkeit und Wartung. Gleichzeitig fehlen bislang einheitliche Standards für die Integration von Quanten- und klassischen Systemen. Deshalb dominiert derzeit der Zugriff auf Quantenrechenleistung über Cloud-Plattformen.
Quantencomputer ergänzen klassische HPC-Systeme
Wo Quantenrechner heute produktiv eingesetzt werden, arbeiten sie nach Angaben der Studie überwiegend mit klassischen Hochleistungsrechnern zusammen. Rechenaufgaben werden jeweils der Architektur zugewiesen, die sie am effizientesten bearbeiten kann. Es entstehen hybride Umgebungen, in denen klassische Systeme und Quantencomputer unterschiedliche Teilaufgaben übernehmen.
Quantencomputer treten dabei nicht als Ersatz klassischer Systeme auf. Die befragten Unternehmen sehen sie vielmehr als Beschleuniger für ausgewählte Problemklassen wie Simulationen, Optimierungsaufgaben oder kryptografische Verfahren. Vorteile erwarten sie vor allem bei Rechenzeit, Rechenaufwand und Energieverbrauch. Ein wirtschaftlich nachweisbarer Quantenvorteil ist nach Einschätzung der Interviewpartner jedoch bislang nicht erreicht.
Europäische Souveränität bleibt eine Herausforderung
Nach Aussagen der Interviewpartner greifen viele Start-ups bei Rechenkapazitäten, Plattformen sowie Soft- und Hardware auf internationale Anbieter zurück. Insbesondere beim Zugang zu Quantenhardware berichten sie von einem deutlichen Machtgefälle gegenüber großen Plattformbetreibern.
Während sich der Software-Stack nach Einschätzung der Befragten bereits weitgehend mit europäischen Unternehmen abbilden lässt, fehlen vergleichbare europäische Alternativen bei Quantenhardware, Plattformen und Rechenkapazitäten. Die Start-ups bewerten diese Abhängigkeit als kritisch, weil geopolitische Spannungen den Zugang zu wichtigen Ressourcen künftig erschweren könnten.
Als Reaktion entwickeln viele Unternehmen alternative Beschaffungsstrategien und bauen europäische Wertschöpfungsnetzwerke auf. Dabei verweisen sie ausdrücklich auf den Markt für Künstliche Intelligenz (KI), in dem sich früh starke Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern entwickelt haben. Eine ähnliche Entwicklung soll im Quantencomputing vermieden werden.
Hardware-Entwicklung verlangt hohe Investitionen
Die Studie unterscheidet deutlich zwischen Software- und Hardware-Start-ups. Während Softwareunternehmen ihre Anwendungen vergleichsweise flexibel an unterschiedliche Quantenplattformen anpassen können, müssen Hardware-Start-ups früh eine technologische Richtung festlegen, etwa auf supraleitende Qubits oder Ionenfallen. Ein späterer Wechsel ist wegen der erforderlichen Infrastruktur und des aufgebauten Fachwissens nur mit erheblichem Aufwand möglich.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Hinzu kommt der hohe Kapitalbedarf für Labore, Fertigung und spezialisierte Infrastruktur. Nach Einschätzung der Interviewpartner reicht das verfügbare Wagniskapital in Europa häufig nicht aus, um den Übergang von der Technologie-Entwicklung zur Skalierung zu finanzieren. Einige Start-ups verlagern deshalb nach wichtigen technologischen Meilensteinen ihre Aktivitäten ins Ausland, wo größere Finanzierungsrunden realistischer erscheinen. Die Autoren sehen darin einen strukturellen Nachteil für den Aufbau einer europäischen Quantenindustrie.