500 Milliarden Dollar, fünf Geldquellen, kein eigenes Rechenzentrum Nvidia soll 250 Milliarden Dollar riskieren, damit OpenAI mieten kann

Von Paula Breukel 3 min Lesedauer

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Hinter dem geplanten OpenAI-Rechenzentrum in Ohio entsteht ein komplexes Finanzierungsmodell. Jede Milliardenrunde finanziert einen anderen Baustein, von Energie über Bau bis hin zu Chips. OpenAI besitzt davon kaum etwas und steuert dennoch das Gesamtprojekt.

Das Rechenzentrum in Ohio entsteht nicht im Eigentum von OpenAI. Der Konzern übernimmt vor allem die Rolle des langfristigen Mieters und Koordinators.(Bild:  Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)
Das Rechenzentrum in Ohio entsteht nicht im Eigentum von OpenAI. Der Konzern übernimmt vor allem die Rolle des langfristigen Mieters und Koordinators.
(Bild: Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)

Nvidia verhandelt laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ über eine Finanzierungsgarantie von rund 250 Milliarden Dollar. Sie soll OpenAI dabei helfen, einen langjährigen Pachtvertrag für ein 10-Gigawatt-Rechenzentrum im US-Bundesstaat Ohio abzuschließen. Entwickelt wird das Gelände von SB Energy, einer Tochter der SoftBank Group, auf dem Areal einer stillgelegten Urananreicherungsanlage bei Piketon.

Die Gesamtkosten des Projekts sollen mehr als 500 Milliarden Dollar erreichen. Die 250 Milliarden Dollar decken dem Bericht zufolge Bau- und Leasingkosten ab. Für die benötigte Hardware verhandelt Nvidia separat über eine weitere Finanzierung von bis zu 350 Milliarden Dollar.

Grund für diese Konstruktion: OpenAI verfügt über kein Investment-Grade-Rating, klassische Kredite dieser Größenordnung wären ohne Bürgen kaum zu bekommen. Ein unterzeichneter Vertrag liegt laut Zeitung noch nicht vor, die Verhandlungen befänden sich in einer frühen Phase.

Eine Finanzierungsrunde folgt der nächsten

Die Bürgschaft steht nicht allein. Nvidia hat zudem bereits rund 30 Milliarden Dollar direkt in OpenAI investiert. Damit würde eine frühere Kooperation im Umfang von rund 100 Milliarden Dollar nicht weiterverfolgt.

Parallel sucht OpenAI weitere Investoren für rund 100 Milliarden Dollar, unter anderem sollen Amazon und SoftBank beteiligt sein. Bereits Ende 2025 war SoftBank unter Zeitdruck geraten, eine zugesagte Zahlung von 22,5 Milliarden Dollar an OpenAI aufzubringen, unter anderem über den Verkauf von Nvidia- und T-Mobile-Anteilen.

Jede dieser Runden deckt einen anderen Baustein ab: Energie, Bau, Chips, Beteiligungskapital. Keine davon bedeutet, dass OpenAI selbst baut.

Wer das Rechenzentrum tatsächlich baut und betreibt

Das zeigt sich in der Kette der Beteiligten. SB Energy entwickelt das Grundstück und baut die Energieversorgung: Darunter ein Gaskraftwerk, das über ein US-japanisches Handelsabkommen mit 33 Milliarden US-Dollar japanischer Investition mitfinanziert wird.

Für die Bauleitung vor Ort greift SB Energy auf die eigene Tochter Studio 151 zurück. An anderen Standorten des „Stargate“-Programms, etwa in Abilene, Texas, tritt stattdessen Oracle als Bauherr auf.

OpenAI selbst soll die fertigen Gebäude für 20 Jahre leasen, ohne Eigentümer zu werden. Nvidia liefert die Chips und würde mit der neuen Bürgschaft gleichzeitig das Kreditrisiko für Bau und Leasing tragen.

SoftBank finanziert über SB Energy die Entwicklung des Geländes und investiert parallel direkt in OpenAI. Was bei OpenAI selbst bleibt, ist die Entwicklung der Modelle und der Betrieb von „ChatGPT“.

Das Unternehmen besitzt in diesem Modell weder das Grundstück noch die Energie-Erzeugung noch die Gebäude. Es baut auch nicht selbst. Was bleibt, ist die Koordination: OpenAI bündelt die Beiträge von Grundstücksentwicklern, Energieversorgern, Bauunternehmen, Chipherstellern und Geldgebern zu einem einzigen Produkt.

Nicht jeder Baustein des Systems gehört dem Unternehmen, aber jeder Baustein läuft über das Unternehmen.

OpenAI holt sich Finanzexpertise statt Fachexpertise mit ans Board

Parallel zur immer komplexeren Finanzierung verändert OpenAI auch seine Unternehmensführung. Anfang letzter Woche wurden mit David Vélez (Nubank) und Robin Vince (BNY) zwei Finanzmanager in die Boards der OpenAI Foundation und der OpenAI Group PBC berufen, und das zu einem Zeitpunkt, zu dem das Unternehmen laut eigenen Angaben auf einen Börsengang zusteuert und im Juni vertraulich einen Prospekt bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat.

Ob die Bürgschaft für den Ohio-Campus zustande kommt, ist offen. Langfristig ist ein Ausbau auf bis zu zehn Gigawatt vorgesehen. Die erste Ausbaustufe mit 800 Megawatt soll 2028 in Betrieb gehen.

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