Der Sechs-Milliarden-Dollar-Deal

Marvell Technology kauft Konkurrenten Cavium

| Redakteur: Ulrike Ostler

Das geplante Produktangebot vom künftigen Chip-Giganten Marvell
Das geplante Produktangebot vom künftigen Chip-Giganten Marvell (Bild: Marvell)

Der kalifornische Chip-Designer Marvell Technology Group plant offenbar, das Konkurrenz-Unternehmen Cavium zu übernehmen. Die Kaufsumme soll 6 Milliarden Dollar betragen.

Wenn die Pläne der Chip-Fabrikanten aufgehen, entsteht ein Technik-Gigant, der rund 3,4 Milliarden Dollar jährlich umsetzt. Die Produkte zielen auf Kunden mit Hyperscale-Rechenzentren sowie Unternehmens-IT und Service-Provider. Matt Murphy, CEO bei Marvel, sagt: „Es handelt sich um eine sehr aufregende Kombination aus zwei Firmen, die sich sehr stark ergänzen und deren Fusion mehr ist als die Summe ihrer Teile.“

Für dieses Infrastruktur-Portfolio besitzt das künftige Marvell rund 10.000 Patente.
Für dieses Infrastruktur-Portfolio besitzt das künftige Marvell rund 10.000 Patente. (Bild: Marvell)

Beide Unternehmen entwickeln Chips, ohne sie in eigenen Fabriken herzustellen. Sie sind spezialisiert auf Chip-Blueprints; für die Herstellung sind Original Design Manufacturers (ODMs) zuständig. Marvell mit Sitz in Bermuda begann 1995 mit dem Design von Storage-Controller. Heute allerdings steht das Unternehmen auch für Networking-Chips, insbesondere solchen, die in drahtlosen Netzen zu Einsatz kommen.

Das Marvell-Geschäft

Insgesamt Marvell hat in seinem Geschäftsjahr 2017, das im Januar endet, rund 2,3 Milliarden Dollar umgesetzt. Die Hälfte davon entfiel auf die Storage-Sparte, vor allem auf Controller für Festplatten und Solid-State Disks (SSDs). Marvell vermarktet zudem Vorverstärker-Chips für Signale von Schreibleseköpfen sowie SATA Port Multiplier und andere Storage-ICs wie RAID-Controller und SATA-Host-Adapter. In manchen NAS stecken „Armada“-Controller von Marvell.

Die Netzwerk-Sparte von Marvell trug mit 590 Millionen Dollar rund 25 Prozent zum Umsatz bei, die WLAN-Chips fallen in die Sparte Connectivity (14 Prozent).

Die kombinierten Datacenter-Produkte machen mehr als 10 Prozent des gemeinsamen Umsatzes von Marvell und Cavium aus.
Die kombinierten Datacenter-Produkte machen mehr als 10 Prozent des gemeinsamen Umsatzes von Marvell und Cavium aus. (Bild: Marvell)

Das Cavium-Geschäft

Cavium hingegen entwickelt eine große Bandbreite an Chips für die IT, von Energie-effizientem Silicon für Connectivity- und Security-Equipment bis hin zu Feature-reichen SoCs (System on a Chip), die auf ARM-Architektur basieren. So hat das Unternehmen hat etwa die vermutlich erfolgreichsten ARM-basierten Server-Chips auf den Markt gebracht: „ThunderX“ und „ThunderX2“. In ThunderX können bereits ARMv8-Prozessoren stecken; die entsprechende Ausstattung von ThunderX2 soll bald folgen.

Zu den größten Cavium-Kunden zählt Cisco; denn zum Portfolio gehören Netzwerkprozessoren, zum Beispiel „Octeon“ und „Nitrox“. Erst 2016 hatte Cavium den Hersteller von Host-Adapter für Fibre Channel und Ethernet Qlogic gekauft, für 1 Milliarde Dollar.

So sieht der Produktmix Marvell/Cavium und der jeweilige Beitrag zum Umsatz aus.
So sieht der Produktmix Marvell/Cavium und der jeweilige Beitrag zum Umsatz aus. (Bild: Marvell)

Ein 16-Milliarden-Dollar-Markt

Cavium-Mitgründer und -CEO Syed Ali erläutert, dass ein vereintes Unternehmen End-zu-End-Lösungen für die komplette Kundenbasis beider Unternehmen liefern wolle. Der adressierbare Markt wird auf rund 16 Milliarden Dollar geschätzt.

Beabsichtigt ist, das Marvell 40,00 Dollar pro Aktie in Cash zahlen und 2,1757 jeder seiner Aktien gegen jede Cavium-Aktie tauschen wird. Cavium-CEO Ali wechselt in den Marvell-Vorstand, Cavium-Mitgründer Raghib Hussain sowie Vice-President Anil Jain, zuständig für die IC-Entwicklung, bekommen Leitungsfunktionen. Mitte 2018 soll die Transaktion abgeschlossen sein.

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