„Manchmal muss man es einfach machen.“

EMC HostCo halbiert den Energie-Aufwand für die Datacenter-Raumkühlung

| Redakteur: Ulrike Ostler

Bernhard Huter, CEO des Münchner Rechenzentrumsbetreibers EMC HostCo, will Energie sparen. Eine der wirkungsvollsten Maßnahmen war bisher ein Umbau in der Cooling-Technik.
Bernhard Huter, CEO des Münchner Rechenzentrumsbetreibers EMC HostCo, will Energie sparen. Eine der wirkungsvollsten Maßnahmen war bisher ein Umbau in der Cooling-Technik. (Bild: EMC HostCo)

„Man könnte ja manchmal fast meinen, dass in Zeiten hoher Energiepreise nichts schneller altert als deutsche Rechenzentren“, gibt Bernhard Huter, Chef des Münchner Rechenzentrums EMC HostCo seinen Eindruck wieder. Was also tun? Ein Neubau kommt nicht immer in Frage.

Der wirtschaftliche Druck auf Kosten - im Besonderen auf Energiekosten - ist durch zahlreiche Energie-Umlagen in den vergangenen Jahren kontinuierlich und, so ist nicht nur Huter der Meinung, „bis über die Schmerzgrenze hinaus“ gestiegen. Eine mögliche Antwort wäre der Bau von neuen, hocheffizienten Rechenzentren, deren Wert für Power Usage Effectiveness (PUE, definiert im EU-Standard) auf oftmals unter 1,3 definiert wird.

Aber ist das wirklich die bestmögliche Lösung, wenn der Schnitt der Rechenzentren in Deutschland und weltweit heute nach Evaluierungen des Uptime-Institute bei einem PUE von 1,8 liegt? Im Interview äußert sich Bernhard Huter, CEO der EMC HostCo in München über dieses Dilemma in der Rechenzentrumsbranche.

Fühlen Sie sich von den Energiepreisen getrieben?

Bernhard Huter: Auch wenn der Energiepreis nicht das alles entscheidende Kriterium in der Auswahl eines Rechenzentrums darstellt, beschäftigen wir uns annähernd täglich mit ihm und seinen Auswirkungen. Da wir auf die Energiepreise jedoch keinen direkten Einfluss nehmen können, müssen wir an den Stellen arbeiten die mit dem Energiepreis multipliziert werden.

Sie meinen Ihre Stromverbraucher?

Bernhard Huter: Exakt so ist es. Stromkosten senken funktioniert primär über die Steigerung der Effizienz der zum Rechenzentrumsbetrieb notwendigen Anlagen. Als klassischer Co-Location-Anbieter stehen hierbei für uns Infrastrukturkomponenten wie Kälte-Erzeugung, Klimatransport, USV, NEA und Beleuchtung im Vordergrund.

Welches Einsparungspotential haben Sie gesehen und welche -ziele avisiert?

Bernhard Huter: Nach unserer Meinung sollte sich der PUE bei kommerziellen Co-Location-Rechenzentren mittelfristig in die von Ihnen genannte Richtung von 1,3 entwickeln lassen, um zumindest energietechnisch wettbewerbsfähig zu bleiben. Unser Ziel liegt sogar noch etwas tiefer.

Das bedeutet ein permanentes Optimieren der bestehenden Anlagen, da es aus vielerlei Gründen schlicht unmöglich ist, Rechenzentren nach fünf bis acht Betriebsjahren abzuschalten und daneben einen Neubau zu installieren.

Bei der Suche nach den Einsparungspotentialen haben wir gelernt darauf zu achten, besonders solche Anlagenteile in den Fokus zu nehmen, welche immer, also 8.760 Stunden im Jahr laufen. Klingt ja auch logisch, leider haben wir das in der Vergangenheit nicht immer konsequent umgesetzt.

Selbstkritische Töne eines Datacenter-Betreibers!

Bernhard Huter: Ich möchte dies am Vergleich zweier von uns durchgeführter Projekte verdeutlichen.

So haben wird mit großer Euphorie wir vor rund zweieinhalb Jahren eine Photovoltaikanlage zur Eigenstromerzeugung installiert. Unser grüner Daumen zeigte nach oben und das Marketing hatte eine tolle Story. Lege ich jedoch über dieses Projekt die Kennzahl, welche die Investitions- und Projektkosten in Relation zu den jährlichen Energie-Einsparungen setzt, kommt es zu einem ernüchternden Ergebnis.

Das im Vergleich dazu zweite Projekt, der Umbau von Umluftkühlgeräten, haben wir im zurückliegenden Jahr durchgezogen.

Sie sagen umgebaut, nicht ausgetauscht?

Bernhard Huter: Ja richtig. Und genau dafür gibt es gute Gründe.

Vereinfacht gesagt besteht ein Umluftkühlgerät aus fünf Komponenten: einem Kühlregister, Filter, Ventilatoren einer Steuerung sowie einem Gehäuse. Betrachtet man nun genauer, wo sich in solchen Geräten in den vergangenen Jahren die Technik verändert hat, kommt man schnell darauf, dass sich bei den Lüftern und der Steuerung signifikante Innovationen ergeben haben. Kühlregister und Gehäuse hingegen änderten sich primär nur optisch.

Wir haben uns also mit der Firma Rosenberg Ventilatoren GmbH zusammengeschlossen und die Frage erörtert, ob ein Umbau der Geräte durch Tausch der klassischen Ventilatoren gegen EC-Ventilatoren (EC = „elektronisch kommutiert“) sowie eine Anpassung der Steuerung im Vergleich zu einer kompletten Neuanschaffung technisch und auch kaufmännisch Sinn machen könnte. Die Ventilatoren mit integrierter Elektronik sind von 0 bis 100 Prozent der Nenndrehzahl drehzahlsteuerbar.

Mit den seitens Rosenberg zur Verfügung gestellten Daten und der durch unseren technischen Geschäftsführer Gunter Hahn simulierten Effekte einer Steuerung, welche alle verfügbaren Umluftkühlgeräte, also auch die vorhanden Redundanzgeräte, differenzdruckgesteuert betreibt, zeigte sich eine durchschnittliche Energie-Einsparung von rund 50 Prozent.

Ich möchte nicht behaupten, dass der Neukauf aus energetischen Gründen nicht eventuell noch einen Tick besser wäre. Aber mit der fachlichen Zuarbeit seitens des Lüfterherstellers, den Ergebnissen der Simulationen, und dem detaillierten Kostenvergleich der Varianten, war eine Entscheidung leicht zu treffen.

Hatten Sie keine Sorge alte und neue Anlagenteile zu mischen?

Bernhard Huter: Nein, eigentlich nicht. Die verbleibenden Bauteile unterliegen keinem Alterungsprozess, der einer Gesamtnutzungsdauer von rund 15 bis 20 Jahren widerspricht. Die Herausforderung war vielmehr den Umbau im Betrieb ohne Verletzung der Service Level Agreements (SLAs) auszuführen. Allerdings soll an dieser Stelle auch nicht unerwähnt bleiben, dass ein Kompletttausch mit einem mindestens ähnlich hohem Risiko von Beeinträchtigungen im Betrieb verbunden gewesen wäre.

Haben Sie die erwarteten Energie-Einsparungen tatsächlich erreicht? W stellt sich dies in Ihren Kennzahlen dar?

Bernhard Huter: Ja, wir haben Sie erreicht; das Umbauprojekt zeigt ein Ratio von etwa 1. Das heißt: Die Einsparung deckt die Investition bereits nach einem Jahr. Im Photovoltaik-Projekt liegt die Zahl für uns bei mehr als 6.

Die grafische Darstellung der durch den Umbau bei EMC HostCo erzeilten Einsparungen.
Die grafische Darstellung der durch den Umbau bei EMC HostCo erzeilten Einsparungen. (Bild: EMC HostCo)

Mit 1 zu 6 liegen ja Welten zwischen den Projekten.

Bernhard Huter: …und vermutlich riesige Energie-Einsparungspotentiale im deutschen Rechenzentrumsmarkt. Die Firma Rosenberg geht davon aus, dass mehrere Tausend ähnlicher Lüfter wie wir sie zu vor hatten, zuverlässig, aber vergleichsweise energiefressend 365 Tage im Jahr ihren Dienst verrichten.

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