Mitgenommen von der Microsoft Ignite 2018

Der Microsoft Windows Server 2019 – Evolution statt Revolution

| Autor / Redakteur: Piotr Rother* / Ulrike Ostler

Piotr Rother von Axians hat auf der Kongressmesse „Ignite 2018“ die Sessions über „Windows Server 2019“ besucht und für DataCenter-Insider das Wichtigste zusammengefasst.
Piotr Rother von Axians hat auf der Kongressmesse „Ignite 2018“ die Sessions über „Windows Server 2019“ besucht und für DataCenter-Insider das Wichtigste zusammengefasst. (Bild: Microsoft)

Auf der diesjährigen Hausmesse „Microsoft Ignite“ in Orlando stellte das Unternehmen unter anderem den „Windows Server 2019“ vor. Dabei hat Microsoft die Besucher über einige innovative und evolutionäre Neuerungen informiert.

Der Schwerpunkt der modernen IT verlagert sich immer mehr weg vom lokalen Rechenzentrum hin in die Cloud. Microsoft hat dies schon vor langer Zeit erkannt und versucht, seine Produkte so zu entwickeln, dass die Vorteile beider Welten ausgenutzt werden können.

Das neueste Microsoft-Produkt, das dies erfüllen soll, wurde auf der diesjährigen Microsoft Ignite, der größten technischen Konferenz des Redmonder Software-Riesen, vorgestellt und heißt Windows Server 2019. Das neue Server-Betriebssystem kommt mit Verbesserungen und neuen Funktionen in vier Kernkategorien: Hybrid-Szenarien, Sicherheit, Anwendungsinnovation und Hyper-Converged-Infrastruktur.

Das Windows Admin Center

Zusammen mit dem Windows Server 2019 wurde das „Windows Admin Center“ vorgestellt. Microsoft selbst beschreibt das Tool als grafische Verwaltungskonsole der nächsten Generation und bietet damit ein mächtiges Werkzeug in der Azure-Cloud-Infrastruktur.

Zudem ist es ein hilfreiches Tool zur Verwaltung der Windows Server und Clients On-Premises. Außer der Verwaltung von Windows- und Azure-Diensten verfügt das Windows Admin Center über zahlreiche Schnittstellen für die Überwachung und Verwaltung der Hardware-Komponenten der lokalen Infrastruktur.

Leichtere Handhabung bei Hybrid-Szenarien

Die Hybrid-Features, welche Microsoft im neuen Windows Server implementiert hat, sollen noch stärker die Integration und Nutzung der Azure-Dienste im lokalen Rechenzentrum ermöglichen. Dienste wie „Azure Backup“, „Azure Site Recovery“, „Azure Update Management“ und der „Azure Network Adapter“ können ab sofort mit Hilfe des Windows Admin Centers im Windows Server 2019 verwaltet werden.

Die größte Aufmerksamkeit verdient der Azure Network Adapter: Der Service ist in Sekunden eingerichtet und ermöglicht eine Point-to-Site VPN-Verbindung zwischen dem Windows Server 2019 und einem virtuellen Netzwerk in der „Azure Cloud“.

Neue Tools bieten eine einfachere Migration

Zusammen mit dem Windows Server 2019 präsentierte der Hersteller verschiedene Migrations-Werkzeuge, die den Übergang auf die neue Windows Server-Version, aber auch die Migration in die Cloud deutlich erleichtern sollen. Eines dieser Werkzeuge ist der „Storage Migration Service“:

Dieser Dienst ermöglicht, Dateiserver und deren Daten nach Azure zu migrieren. Als Zielort für die Daten kann der „Azure File Sync“ Service, aber auch ein Windows Server in Azure, dienen.

Sicherheit spielt sich in den Vordergrund

Das Thema Sicherheit steht für Microsoft weiterhin im Vordergrund. In der Welt der ständig wachsenden Zahl der Sicherheitsbedrohungen versucht Microsoft seine Kunden im neuen Windows Server mit Werkzeugen auszustatten, die die Infrastruktur noch sicherer machen. Für sensitive Workloads wie einen „Domain Controller“ wurden Shielded VMs eingeführt.

Damit Bedrohungen noch besser und schneller erkannt werden können, hat Microsoft im Windows Server 2019 den „Windows Defender“ weiterentwickelt und mit neuen Funktionen ausgestattet. Eine davon ist der „Exploit Guard“, der in Windows Defender Advanced Threat Protection (ATP) integriert wurde und Features wie die Überwachung von Dokumenten, Ordnern sowie auf Zugriffe und das Netzwerk bietet.

Zudem gibt es im neuen Windows Server 2019 jetzt auch die Möglichkeit, Sicherheitsfunktionen aus dem „Azure AD“ für das lokale Active Directory zu verwenden: So können Dienste wie „Azure AD Banned Passwords“ und das „Azure AD Password Protection“ dazu benutzt werden, lokale Identitäten abzusichern.

Weiterentwickelte Features

Als Anwendungsplattform bietet der Windows Server 2019 sehr viele neue Funktionalitäten und Verbesserungen der schon in der alten Server Version vorhandenen Dienste. So ist es nun möglich, beispielsweise Linux- und Windows-Container gemeinsam auf einem Windows Host auszuführen. Des Weiteren wurde der Kubernetes-Support weiterentwickelt und um neue Funktionen wie Container Networking ergänzt.

Hyper-Converged Infrastructure (HCI) ist ein großer Trend in der IT-Welt. Im Windows Server 2019 finden sich deshalb zahlreiche Neuheiten im Bereich „Storage Spaces Direct“, Software Defined Networking und „Hyper-V“. Die Weiterentwicklung von Storage Spaces Direct bietet jetzt die Deduplizierung und Komprimierung für ein ReFS-Dateisystem, unterstützt nativ die neuen Speichermodule „Storage Class Memory“ und erlaubt es, den Cluster-Storage bis zu 4 PB zu skalieren.

Im Bereich Software Defined Networking finden wir sehr viele neue Dienste, die – wie auch die neuen Storage Spaces Direct Funktionen – jedoch erst ab Januar 2019 offiziell verfügbar sind. Microsoft möchte die bis dahin laufende Zertifizierung der hierzu notwendigen Hardware erst abwarten. Der „Encrypted Networks“-Dienst ermöglicht die Verschlüsselung des virtuellen Netzwerkverkehrs zwischen virtuellen Maschinen.

Hierfür wird Datagram Transport Layer Security (DTLS) verwendet, welche vor Abhörversuchen, Manipulationen und Fälschung schützt. Im Hochleistungs-SDN-Gateway wurde die Leistung für IPsec- und GRE-Verbindungen deutlich verbessert. Außerdem bietet das Gateway nun einen sehr hohen Durchsatz bei geringerer CPU-Auslastung.

Auch die Software-Defined-Networking-Dienste und Storage Spaces Direct können jetzt über das neue Windows Admin Center verwaltet und überwacht werden.

Doch wann kommt er jetzt?

Kurz nach der Microsoft Ignite 2018 wurden der Windows Server 2019 und auch das neue Windows-10-Update mit der Versionsnummer 1809 veröffentlicht. Leider musste Microsoft das Update und die neue Serverversion nach wenigen Tagen zurückziehen. Es hat sich herausgestellt, dass das Update Benutzerdaten löscht und auch die Server-Version mehrere Bugs vorweist.

Mit dem neuen Betriebssystem ist Microsoft einen neuen Weg gegangen, hat die „Release To Manufacturing“-Version (RTM) übersprungen und gleich die „General Availability“ (GA) des Systems verkündet.

Bei früheren Microsoft-Betriebssystemen wurde die Zeit, in der die RTM-Version verfügbar war, von Hardwareherstellern benutzt, um die Hardware zu zertifizieren, aber auch von Microsoft, um eventuelle Bugs noch vor der finalen Version zu beheben.

Der Sprung von der Insider-Preview-Version direkt zum GA war in dem Fall von Windows Server 2019 und „Windows 10“, „1809 ein klarer Fehler und wir wissen weiterhin nicht, wann Microsoft die neuen Versionen wieder offiziell zu Verfügung stellt.

Evolutionärer Ansatz für den Windows Server 2019

Obwohl Microsoft im Windows Server 2019 zahlreiche neue Dienste und Werkzeuge implementiert hat, ist es eher eine Evolution als Revolution. Die Integration der lokalen Infrastruktur mit der Cloud ist zukünftig für viele Unternehmen unvermeidlich. Microsoft beweist mit dem neuen Server Betriebssystem, dass das Ziel der agilen und flexiblen IT noch nie zuvor so leicht erreicht werden konnte.

* Piotr Rother ist Microsoft Cloud Consultant bei Axians. Er begleitet Unternehmen unterschiedlichster Größe bei Infrastruktur-Projekten und unterstützt bei dem Gang in die Cloud.

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Dass die Veröffentlichung des WWindows Server 2019 am 13. November dieses Jahres stattfand, ist...  lesen
posted am 19.12.2018 um 22:29 von ulos

1809 ein klarer Fehler und wir wissen weiterhin nicht, wann Microsoft die neuen Versionen wieder...  lesen
posted am 17.12.2018 um 21:40 von Unregistriert


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