Mehr Komfort und Kubernetes

Cloud Foundry wird erwachsen

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

„50 Prozent mehr Besucher als 2016 in Frankfurt“, Cloud-Foundry-CEO Abby Kearns eröffnet die Veranstaltung
„50 Prozent mehr Besucher als 2016 in Frankfurt“, Cloud-Foundry-CEO Abby Kearns eröffnet die Veranstaltung (Bild: Rüdiger)

In Basel traf sich in diesem Jahr die europäische Cloud-Foundry-Community. Neben diversen Neuigkeiten gab es Ausblicke auf gewünschte Funktionen und Einblicke in die sehr heterogene Open-Source-Gemeinschaft.

Rund 850 Gäste und damit laut Cloud-Foundry-CEO Abby Kearns rund 50 Prozent mehr als im vergangenen Jahr kamen 2017 nach Basel, um sich mit Entwicklern und Anwendern auszutauschen. Dabei gewinnen die Anwender zunehmend an Gewicht. Kearns: „Rund die Hälfte der Committers zu Cloud Foundry kommen inzwischen aus Anwenderunternehmen“, sagte sie. Neu dabei diesmal beispielsweise die VW AG oder der amerikanische Einzelhändler Home Depot.

Abby Kearns ist die Front-Frau der Cloud Foundry Foundation. , die derzeit rund 2.400 Contributer zählt, die wiederum im den vergangenen sechs Monaten rund 76.000 Zeilen Code geschreiben beziehungsweise geändert haben.
Abby Kearns ist die Front-Frau der Cloud Foundry Foundation. , die derzeit rund 2.400 Contributer zählt, die wiederum im den vergangenen sechs Monaten rund 76.000 Zeilen Code geschreiben beziehungsweise geändert haben. (Bild: Bild: Ulrike Ostler/Vogel IT-Medien GmbH)

Dennoch, so jedenfalls Joshua McKenty, Vice President Technology bei Pivotal, „kommen noch immer rund 70 Prozent der Beiträge zu Cloud Foundry von Pivotal“. Innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre soll dieser Anteil auf einen Wert unter 50 Prozent sinken – weniger als 30 Prozent sollten es, so McKenty, aber auch nicht werden. Immerhin 400 Pivotal-Mitarbeiter schuften exklusiv für Cloud Foundry. Den Einfluss von Pivotal unterstreicht auch Stefan Ried von Crisp Research. „Die Projekte richten sich nach den Wünschen der Committer“, sagt er.

Zur Erinnerung: Pivotal ist der Open-Source-Softwarezweig der Federation um Dell-EMC und VMware. Pivotal seinerseits übergab Cloud Foundry vor einigen Jahren an die Open-Source-Community. Mittlerweile ist die Plattform für Cloud-Native-Software bei etwa der Hälfte der Fortune-500-Unternehmen im Einsatz. Die Zahl der zertifizierten Distributionen wächst, inzwischen sind es mit der auf der Veranstaltung bekannt gegebenen „K5“-Distribution von Fujitsu sieben. Schon bald soll Suse als Nummer acht folgen. K5 ist wohl vorwiegend für japanische und andere asiatische Kunden gedacht.

Suse, mit Suse Linux schon lange erfolgreich mit Open Source, wird eine weitere zertifizierte CF-Version möglicherweise schon ab Dezember Beta-Kunden zur Verfügung stellen. Eine ihrer Stärken wird laut Miller eine besonders komfortable, webbasierende Benutzeroberfläche sein. Damit kann man mehrere Cloud-Foundry-Instanzen über einen einzigen Punkt verwalten. Als Projekt Stratos hat Suse sie in die Open-Source-Community eingebracht.

Anwender wünschen sich praktische Verbesserungen

Als Neuigkeit präsentierte Cloud Foundry auf der Veranstaltung neben „The Foundry“, einem Online-Markt für Software, Know-how und Dienstleistung rund um die Plattform, die Umbenenung von Kubo (Kubernetes on BOSH) in “Container Runtime“. Michael Miller, Präsident für Strategie, Allianzen und Marketing bei Suse, geht die damit verbundene engere Integration zwischen BOSH und Kubernetes nicht weit genug. „Das kann nur ein erster Schritt sein“, meint er.

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BOSH baut, meist basierend auf einer IaaS-Infrastruktur, die Cloud-Foundry-Instanzen und virtuellen Maschinen bereit, auf denen dann die Container laufen, die Cubernetes orchestriert. Dazu gehört seitens BOSH ein gewisses „Wissen“ über Cubernetes. Mit Container Runtime könne man, so Cloud-Foundry-CTO Chip Childers, zum Beispiel hochverfügbare Kubernetes-Umgebungen realisieren, was mit Hilfe anderer, durchaus existierender Container Runtimes nicht funktioniert.

Wer selbst Applikationen für die eigene Cloud-Foundry-Umgebung schreibt, wird sich wohl auch in Zukunft wie bisher des Tools Application Runtime bedienen, das auf BOSH und der CF-Kernkomponente „Diego“ basiert. Container Runtime dient eher dazu, Software von unabhängigen Softwareanbietern in eine existierende Foundry-Umgebung möglichst reibungsfrei einzubauen.

Ausblicke

Pivotal wird im Rahmen seiner CF- Distribution der Container Runtime ab Dezember als „Pivotal Container Service“ bereitstellen. BOSH werde im Übrigen auch bei einer engeren Integration zwischen BOSH und Kubernetes noch längst nicht überflüssig, betont Joshua McKenty, Vice President Technology bei Pivotal. „Viele Projekte innerhalb von Cloud Foundry brauchen BOSH als Basis, weil es komplexe verteilte Systeme managt“, sagt er. Von Bare-Metal-Implementierungen, bei denen BOSH die geeignete Infrastruktur nicht auf IaaS, sondern physischen Servern aufbaut, sei man weit entfernt.

„Es gibt zwar Bare-Metal-Treiberprojekte für BOSH, die aus dem OpenStack-Projekt Crowbar entstanden sind, aber sie haben bisher kein besonderes Interesse auf sich gezogen“, sagt er. Der Grund dafür sei, dass Bare-Metal-Infrastrukturen unerwünscht tiefe Zugriffe gestatten, die die Sicherheit der gesamten Installation gefährden. Entsprechende Schutzmechanismen scheinen noch nicht zu existieren.

„Anwender wünschen sich Blue-Green- und Canary-Deployments, und wir arbeiten dran“, Chip Childers, CTO Cloud Foundry.
„Anwender wünschen sich Blue-Green- und Canary-Deployments, und wir arbeiten dran“, Chip Childers, CTO Cloud Foundry. (Bild: Rüdiger)

Childers gab im Gespräch mit DataCenter-Insider einige Ausblicke auf demnächst zu erwartende Funktionen. So sollen neue App-Versionen schon bald unterbrechungsfrei bereitgestellt werden können. Dafür werden sie parallel zu den bisherigen ins System implementiert, getestet und, wenn sie funktionieren, routet das System neue Anfragen an die App einfach auf die neue statt auf die alte Version um (so genanntes Blue/Green-Deployment).

Die Kunden wünschen....

Eine weitere, von Kunden wie der Allianz dringend gewünschte Verbesserung, ist das so genannte Canary Deployment: Dabei wird bei mehreren App-Instanzen zunächst nur eine auf eine neue Version migriert, diese arbeitet dann sofort mit echten Daten, und wenn sie funktioniert, folgen die weiteren Instanzen, ohne dass Anwender davon etwas merken.

In Basel diskutiert und demonstriert wurden auch Tools, mit denen in Cloud Foundry statt ganzer Applikationen lediglich selbstskalierende, Event-getriebene Funktionen bei Bedarf Server-los auf die benötigten Ressourcen zugreifen. AWS bietet beispielsweise schon Server-lose Ressourcen an. Ob oder wann solche Funktionen in Cloud Foundry tatsächlich zur Verfügung stehen werden, bleibt aber abzuwarten.

Mehrere bereits realisierte Verbesserungen für Entwickler wurden in Basel vorgestellt. So kann jetzt ein „Droplet“, ein im lauffähiges Anwendungspaket, mit mehreren statt bisher nur einem Buildpack erzeugt werden. Mehrere gleichartige Droplets müssen zudem nicht mehr separat mit Hilfe des entsprechenden Buildpacks generiert werden. Es reicht eines, das das System dann vervielfacht, was auch Inkongruenzen zwischen ihnen vermeidet. Mit dem Tool „cf-local“ können Entwickler nun Droplets in einer simplifizierten Cloud-Foundry-Umgebung auch auf dem Laptop ablaufen lassen und bearbeiten.

Die Verbindung zur CNCF

Auf der Veranstaltung vertreten war auch die vor 19 Monaten gegründete Cloud Native Computing Foundation (CNCF): Sie betreut derzeit zwölf Cloud-Native-Open-Source-Projekte. Zwischen Cloud Foundry und CNCF besteht die branchenübliche Mischung aus Wettbewerb und Kooperation. Kubernetes beispielsweise, ursprünglich ein Google-Projekt, wird heute von der CNCF betreut und ist gleichzeitig essentielle Komponente von Cloud Foundry.

Wie Childers betonte, werde sich Cloud Foundry bei der gesamten Open-Source-Community bedienen, um die Plattform auszubauen und zu verbessern, statt sich ausschließlich mit Projekten und Komponenten zu befassen, die auf dem eigenen Mist gewachsen sind. So soll beispielsweise auch „OpenTracing“, eine verteilte Tracing-Programmierschnittstelle und Projekt der CNCF, in Cloud Foundry integriert werden. Es könnte also gut sein, dass Pivotal und Cloud Foundry ihre derzeit bestimmende Rolle im Aufbau von Cloud-Softwarewelten noch eine Weile behalten oder ausbauen.

Weil große Unternehmen und Spezialisten dessen Weiterentwicklung bestimmen, sollten, so meint Crips-Analyst Ried, kleinere Unternehmen erst gar nicht versuchen, selbst entsprechend komplexe Umgebungen zusammenzustricken, sondern sich einen vertrauenswürdigen Provider-Partner suchen, der eine zertifizierte Plattform für Cloud-native-Applikationen und –Services betreibt, so dass sich Kleinunternehmen auf darauf aufbauende Apps und Services in ihrem Kerngeschäftsbereich beschränken können.

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