RHEL-Clone bekommt Geld und Unterstützung von Red Hat

CentOS 7 ist fertig

| Autor / Redakteur: Thomas Drilling / Ulrike Ostler

Auch der Clone von Red Hat Linux Enterprise (RHEL), CentOS, kann 7.
Auch der Clone von Red Hat Linux Enterprise (RHEL), CentOS, kann 7. (Bild: © N-Media-Images - Fotolia)

„CentOS“, der quasi einzige von Red Hat autorisierte, vollständig Quell-offene „RHEL“-Klon liegt nur vier Wochen nach Veröffentlichung von „Red Hat Enterprise Linux 7“ ebenfalls in Version 7 vor. CentOS 7 ist gleichzeitig die erste Version, seitdem das CentOS-Team und sein Upstream-Provider Red Hat im Januar eine engere Kooperation beschlossen hatten.

CentOS erhält im Rahmen der Partnerschaft mit Red Hat finanzielle und logistische Unterstützung. Laut dieser Veröffentlichung strebt CentOS vollständige Kompatibilität mit dem Upstream-Produkt RHEL und ist zudem vollständig konform mit dem Vertriebsmodell von Red Hat.

Die logistische Unterstützung von Red Hat hat auch Einfluss auf die neue Organisationsstruktur von CentOS. Teil des aktuellen Konzepts ist die CentOS Special Interest Groups (SIG). Diese lehnt sich organisatorisch an die Spins von Fedora an und koordiniert die Entwicklung der von CentOS abgeleiteten Projekte.

In enger Kooperation

Red Hat hatte übrigens vor wenigen Wochen vorgeschlagen, auch die Entwicklung von Scientific Linux (SL), einer weiteren auf RHEL basierenden Linux-Distribution in Form einer CentOS SIG weiterzuführen. Die SL-Entwickler müssten dann allerdings bereit sein, ihre Source-RPMs von CentOS zu beziehen, die Red Hat ab CentOS 7 im neuen CentOS-Git zur Verfügung stellt.

Die erste CentOS-Version in Kooperation mit Red Hat verwendet nämlich einen komplett neuen Build-Prozess, der auf diesem „CentOS-Git“-Repositorium fußt. Der Build-Prozess ist nicht nur in der Lage, Abbilder zur Veröffentlichung zu generieren, er produziert auch zu jedem Paket ein SRPM.

Das Logo von CentOS
Das Logo von CentOS (Bild: centos.org)

CentOS 7 ist ab sofort auf den Spiegel-Servern des Projekts verfügbar. CentOS 7 gibt es wie RHEL 7 auch ausschließlich einer 64Bit-Version.

Im Gegensatz zu Red Hat stellt CentOS allerdings keine separaten ISO-Images für den Server-, Desktop- oder Workstation-Einsatz, sondern im Wesentlichen ein einziges rund 7 Gigabyte umfassendes DVD-ISO mit dem gesamten Software-Umfang zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es aber Live-CD-Images mit „KDE“- oder „Gnome-Desktop“ und ein „Netinstall“-ISO.

Die Neuerungen

Die Unterschiede von CentOS 7 zu RHEL 7 sind erwartungsgemäß relativ gering. Die CentOS-Macher haben lediglich Pakte ersetzt, deren Veröffentlichung aufgrund vom Corporate Design bei Red Hat problematisch wären.

Gegenüber der Vorgängerversion 6.5 sind die Neuerungen des als Unternehmens-Distribution konzipierten Systems, genau wie bei Red Hat Enterprise Linux 7 allerdings beträchtlich. So basieren sowohl CentOS 7, als auch RHEL im Wesentlichen auf „Fedora 19“, einschließlich des neuen, inzwischen ausgereiften „Anaconda“-Installers. Der erlaubt es, das System im Rahmen der Softwareauswahl gleichermaßen einfach als Desktop- (Gnome, KDE), einschließlich 3D-Grafiktreiber, oder Server-System zu konfigurieren.

Als Standard-Desktop kommt allerdings wie bei RHEL Gnome 3.8 im Classic-Modus zum Einsatz.Wer CentOS als Gast-System in einer virtuellen Maschine installiert, kann sich zudem über out of the box installierte Open VMware Tools freuen.

Arbeiten mit Paketgruppen

Die im Installer verfügbaren Paket-Gruppen erlauben das schnelle Zusammenstellen von Paketen für verschiedene Server-Einsatzszenarien, etwa eines Infrastruktur-, Mail-, FTP- oder Virtualisierungs-Servers. Auch ein Minimal-System ohne GUI ist schnell konfiguriert.

Im Auslieferungszustand kommt ein Kernel 3.10 zum Einsatz. Anaconda ist zudem in der Lage die Installation im UEFI-Secure-Boot-Modus auf UEFI-kompatibler Hardware durchzuführen.

Als Init-System, beziehungsweise als Service-Manager kommt im Gegensatz zu RHEL-/Cent-OS 6.x systemd anstelle von Sys-V-Init zum Einsatz. Fedora verwendet systemd bereits seit der Version 16. Als Boot-Manager dient jetzt auch bei CentOS „Grub2“.

Das Standardateisystem

Das Standard-Dateisystem ist nicht mehr ext4, aber auch nicht Brtfs, sondern XFS. Als Firewall-Daemon verwendet CentOS firewalld anstelle von iptables.

In puncto Java-Support wechselt CentOS nun ebenfalls zu „OpenJDK-7“ als Default-JDK. Ferner unterstützt CentOS 7 LVM-Snapshots beim Verwenden von XFS oder ext4.

Ebenfalls für den Server-Einsatz von Bedeutung: CentOS unterstützt iSCSI- und Fibrechannel-SANs auf Kernel-Ebene, PTPv2 und 40 Gigabit Ethernet-Karten. Zudem bringt auch CentOS die in RHEL 7 enthaltene Unterstützung für die Container-Virtualisierung mit „Docker“ mit.

Konfiguration und Administration

Die Administration und Konfiguration und Verwaltung wird durch einheitliche Management-Werkzeuge für Identitäten, Sicherheit, Netzwerk, Storage, Dateisystem oder Performance vereinfacht, wozu das System wie RHEL 7 auf das noch junge Systemverwaltungs-Framework OpenLMIzurück greift. Mit OpenLMI ist es möglich, die Verwaltung mehrerer Systeme mithilfe von Scripten auf Basis einer Programmierschnittstellen (API) zu automatisieren.

Ebenfalls neu ist ein Performance Co-Pilot. Hierbei handelt es sich um eine Sammlung von Frameworks und Services, die ein Aufzeichnen und Überwachen der Systemleistung durch den Admin oder durch Subsysteme wie systemd in Echtzeit ermöglicht.

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