KI-Infrastruktur zwischen Energiebedarf und Effizienz Deswegen wird Nachhaltigkeit wird zum Erfolgsfaktor für KI

Ein Gastbeitrag von Martin Schauder und Oliver Köth* 4 min Lesedauer

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Der Energiebedarf von KI wächst rasant. Effiziente Rechenzentren, geeignete Kennzahlen und ressourcenschonende KI-Modelle entscheiden zunehmend über Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit.

Rechenzentren, Kühlung, Messmethoden und kleinere Sprachmodelle bestimmen künftig Kosten, Emissionen und Wettbewerbsfähigkeit.(Bild: ©  SeiryuFujin - stock.adobe.com)
Rechenzentren, Kühlung, Messmethoden und kleinere Sprachmodelle bestimmen künftig Kosten, Emissionen und Wettbewerbsfähigkeit.
(Bild: © SeiryuFujin - stock.adobe.com)

Nachhaltigkeit galt lange als eigenständiges Ziel, bei dem der Schutz der Umwelt im Mittelpunkt stand. Oft genug stand sie dabei im Widerspruch zu wirtschaftlich wichtigen Einflussfaktoren wie niedrigen Energiekosten oder Rohstoffpreisen. Doch statt beide Bereiche weiterhin als Gegensätze zu betrachten, wird es immer wichtiger, sie als sich ergänzende Zielvorgaben innerhalb eines Ökosystems zu begreifen.

Gerade angesichts neuer geopolitischer Konstellationen und des damit verbundenen verschärften Kampfes um wichtige Ressourcen erweist sich Nachhaltigkeit immer mehr auch als wichtiger Business-Faktor. Die Diskussionen um den gigantischen Ressourcenverbrauch Künstlicher Intelligenz (KI) haben diesem Trend neuen Schub gegeben. Dabei geht es nicht nur um den Strombedarf von Rechenzentren beim Training und Betrieb von KI-Modellen, sondern auch um die notwendige Hardware, Wärmeentwicklung, den Wasserbedarf zur Kühlung und die Möglichkeiten, Abwärme sinnvoller zu nutzen.

Ohne nachhaltige Rechenzentren wird KI technisch und ökonomisch an Grenzen stoßen

Die IT-Infrastruktur rückt damit ins Rampenlicht eines wirtschaftlich sinnvollen und gleichzeitig nachhaltigen KI-Einsatzes. Beim Übergang zu grüner KI müssen also über die herkömmlichen KI-Prioritäten hinaus Leistung und Nachhaltigkeit in Einklang gebracht werden. Die Effizienz dient dabei als zentrale Kennzahl.

Für die Standardisierung der Messung wird ein klarer, realistischer Rahmen zur Bewertung und Verbesserung der Kennzahlen benötigt. Auch wenn standardisierte KI-Metriken noch nicht verfügbar sind, so gibt es doch bereits praktische Ansätze wie den „Machine Learning CO2 Impact Calculator“, die „Methodologie SCI for AI“ (Software Carbon Intensity) der Green Software Foundation oder die „Lifecycle“-Analyse von Mistral.

Letztere liefert Kennzahlen zu den Umwelteffekten eines typischen Prompts. Dazu werden der Wasser- und Ressourcenverbrauch, der Verbrauch nicht erneuerbarer Rohstoffe sowie der CO2-Ausstoß berechnet. Erfasst wird dabei der komplette Lebenszyklus eines Large Language Models (LLM).

Berücksichtigt werden der Bau und Betrieb der Rechenzentren, die Herstellung, der Transport und die Entsorgung der Hardware, das Training des Modells sowie der spätere Betrieb. Für die Standardisierung schlägt Mistral drei Kernkennzahlen vor:

  • die Gesamtwirkungen des LLM-Trainings,
  • die Wirkungen pro Inferenz-Abfrage
  • und die Summe aller Inferenzwirkungen innerhalb des LLM-Lebenszyklus.

Auf dem Weg dorthin ist es wichtig, noch vorhandene methodische Lücken durch regelmäßige Aktualisierungen in öffentlichen Datenbanken sukzessive zu schließen.

Best Practice: Mehr Nachhaltigkeit mit KI

Künstliche Intelligenz benötigt zwar selbst erhebliche Ressourcen, wird jedoch zunehmend zu einem zentralen Werkzeug, um Energieverbräuche in komplexen Infrastrukturen deutlich zu reduzieren. Eine wichtige Best Practice ist der Einsatz intelligenter Cooling-Strategien auf Basis digitaler Zwillinge, bei denen historische Daten, Umgebungsvariablen und physikalische Modelle kombiniert werden, um Betriebszustände präzise zu simulieren und zu optimieren.

Am Rechenzentrumsstandort „RHR1“ von Global Data Centers, einem Geschäftsbereich von NTT DATA, wird diese Technologie im Rahmen eines Pilotprojekts eingesetzt. Die KI-basierte Plattform „EtaOne“ von Etalytics ersetzt dabei die statische Steuerung der Kühlsysteme durch eine dynamische, daten- und physikbasierte Optimierung. Das System berücksichtigt unter anderem Außentemperaturen, Systemparameter und Durchflussraten und simuliert realistische Betriebsszenarien.

Dadurch konnte der Energieverbrauch für die Kühlung bereits um rund 20 Prozent gesenkt werden. Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen von NTT, insbesondere in Richtung Netto-Null-Emissionen, und zeigt das erhebliche Einsparpotenzial von KI im Rechenzentrumsbetrieb.

Über die Kühlung hinaus eröffnet der Ansatz zusätzliche Optimierungsmöglichkeiten, etwa bei der Steuerung und Dimensionierung von Diesel-, Gas- oder wasserstoffbetriebenen Aggregaten für Lastspitzen und Notfälle.

Nachhaltigkeit vor Ort

Es würde allerdings viel zu kurz greifen, für eine energie-effizientere und damit nachhaltigere KI-Nutzung nur bei den großen Rechenzentren anzusetzen. Auch für kleine regionale Rechenzentren gelten prinzipiell die gleichen Effizienzsteigerungspotenziale wie für große Datacenter, etwa was Cooling-Strategien oder Abwärmenutzung angeht. Dabei spielt auch die Standortplanung (Geolocation) eine wichtige Rolle. Datacenter sollten dort gebaut werden, wo beste Voraussetzungen für einen nachhaltigen Rechenzentrumsbetrieb gegeben sind, beziehungsweise die Standorteigenschaften optimal nutzen. Dazu gehören etwa klimatische Bedingungen, verfügbare (erneuerbare) Energien und Netzanbindung, Wasserverfügbarkeit und Abwärmenutzung.

Darüber hinaus lohnt sich auch ein Blick auf die KI-Modelle selbst. Ein Ansatzpunkt dafür ist der Verzicht auf die Nutzung überdimensionierter LLMs, die aus mehreren Gründen kontraproduktiv ist. Sie ist teuer, verursacht einen hohen Ressourcenverbrauch und verschlechtert damit den Software Carbon Intensity (SCI) Score. Der Einsatz kleinerer, lokaler Small Language Models (SLM) ist in vielen Use Cases sehr viel effizienter und nachhaltiger und zudem ein wichtiges Element souveräner KI-Nutzung. Ein Punkt, der in Zukunft stark an Bedeutung gewinnen wird.

Noch ist die operative Nutzung von KI in Unternehmen wenig verbreitet und preislich von den Anbietern stark subventioniert. Dies täuscht über die tatsächlichen Kosten und Umweltauswirkungen hinweg. Eine frühzeitige Planung mit Weitsicht schützt vor perspektivisch explodierenden Kosten, Abhängigkeiten und Emissionen.


Über die Autoren:
Martin Schauder ist Head of Sustainability DACH bei NTT DATA und Oliver Köth ist Managing Director Technology & Innovation DACH bei NTT DATA

Ihr Fazit lautet: „Die Argumente für eine energiebewusste KI-Nutzung reichen also über die Nachhaltigkeit hinaus und umfassen auch Fragen der Wettbewerbsfähigkeit auf Unternehmensebene sowie gesteigerte Souveränität im Sinne höherer ökonomischer Resilienz. Gut gemacht trägt sie also zur Lösung eines ganzen Bündels von Problemstellungen bei.“

Bildquelle: NTT DATA

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