Erneuerbare Energie 24/7 Offshore-Rechenzentren, angetrieben von Wellenkraft

Von Yves Grandmontagne 4 min Lesedauer

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Das schottische Startup Mocean Energy will Rechenzentren auf See errichten, versorgt durch Wellenkraft und Solarenergie. Bis 2030 soll ein erster Demonstrator zeigen, ob das Konzept den Praxistest besteht.

Stromgeneratoren (im Bild) von Mocean Energy nutzen Wellenergie, die auch Datacenter betreiben soll.(Bild:  Mocean Energy / Yves Grandmontagne)
Stromgeneratoren (im Bild) von Mocean Energy nutzen Wellenergie, die auch Datacenter betreiben soll.
(Bild: Mocean Energy / Yves Grandmontagne)

Während der KI-Boom Rechenzentren an Land in immer neue Kapazitätsprobleme treibt, verfolgt das schottische Unternehmen Mocean Energy einen Gegenentwurf: Serverfarmen sollen künftig auf offener See stehen, versorgt durch Wellenenergie, Solarstrom und Batteriespeicher.

Ziel ist es, den Engpässen bei Netzanschluss, Flächenverfügbarkeit und Kühlung zu entkommen, die Landprojekte derzeit ausbremsen. Das Konzept trägt den Namen Blue Core und richtet sich zunächst auf KI-Inferenz-Workloads; ein erster Demonstrator soll ab 2030 zur Verfügung stehen.

Ohne Trinkwasser oder Stromanschluss

Mocean beschreibt Blue Core als autonome Rechenplattform auf See, die ohne Anbindung an das landgestützte Stromnetz und ohne Trinkwasser für die Kühlung auskommen soll. Die Architektur verbindet Wellenkraft, Photovoltaik und Speichertechnik mit einem direkten Wärmetausch über das Meerwasser.

Diese Ausrichtung fügt sich in die bisherige Entwicklung des Unternehmens ein, das seit mehreren Jahren Energiesysteme für Unterwasseranlagen und Offshore-Betrieb entwickelt. Nun will Mocean diese technische Basis nutzen, um von der Offshore-Energiebranche in die digitale Infrastruktur vorzustoßen. Nur verschwindet die Komplexität des Problems dadurch nicht – sie verlagert sich lediglich aufs Meer.

Serie-A-Runde steht erst bevor

Wenige, aber konkrete Zeitmarken zeigen, wie ambitioniert das Vorhaben angelegt ist und wo seine Grenzen liegen. Der erste Offshore-Demonstrator sowie erste kommerzielle Installationen sind für die Zeit ab 2030 geplant. Parallel dazu läuft eine Pre-Series-A-Finanzierungsrunde über 5 Millionen Pfund Sterling, von der laut Unternehmensangaben bereits mehr als die Hälfte gesichert sein soll. Das Offshore-System Blue Star, auf dem die neue Plattform technisch aufbaut, habe bereits 18 Monate Praxistests im Realmaßstab auf See durchlaufen.

Das zentrale Argument des Projekts lautet: Auf See gibt es Platz, Kühlwasser und eine gewisse Unabhängigkeit von überlasteten Stromnetzen. Für Betreiber, die derzeit mit mehrjährigen Wartezeiten beim Netzanschluss kämpfen, ist dieser Reiz nachvollziehbar. Mocean stellt zudem den modularen Ausbau in den Vordergrund, der große, monolithische Bauprojekte vermeiden und stattdessen einen schrittweisen Kapazitätsaufbau erlauben soll.

Wirtscshaftlich auf hoher See?

Die maritime Umgebung stellt jedoch eigene Anforderungen. Korrosion, mechanische Ermüdung, Wartung bei rauem Wetter, Verankerungssysteme, die Logistik für Reparatureinsätze, die Verfügbarkeit von Satellitenverbindungen und der Nachschub an Ersatzteilen erhöhen den betrieblichen Aufwand spürbar.

Das Versprechen eines einfacheren Rechenzentrums fernab der Küste trügt: An die Stelle eines Standort- und Netzanschlussproblems tritt ein herausforderndes Offshore-Ingenieurwesen. Auch das Souveränitätsargument, das Mocean mit Blick auf Farmen in nationalen Gewässern anführt, verleiht dem Projekt eine politische Dimension. Die technologischen und regulatorischen Abhängigkeiten löst es damit aber nicht auf.

Die entscheidende Bewährungsprobe wird die Wirtschaftlichkeit sein: Die Gesamtbetriebskosten einer Plattform auf See müssen sich gegen längst optimierte Rechenzentren an Land behaupten. Mocean Energy setzt derzeit auf eine schlichte Idee mit großer Reichweite: Wenn das Stromnetz mit der KI nicht mithalten kann, muss die Rechenleistung dorthin, wo Energie und Kühlung verfügbar sind. Die Intuition dahinter überzeugt. Der Beweis steht noch aus.

*DataCenter-Insider und DCmag sind Medienpartner!

Eine Meldung von Yves Grandmontagne im Rahmen der Medienpartnerschaft von DataCenter-Insider mit DCmag. Hier geht es zur französischen Fassung.

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