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Grundlagen und Beispiele APIs als Werkzeug für die Integration

| Autor / Redakteur: Werner Rieche / Ulrike Ostler

Viele Unternehmen besitzen eine heterogene, historisch gewachsene IT-Landschaft. API-Management ist ein wichtiges Hilfsmittel für die Integration unterschiedlicher Anwendungen – sowohl inhouse als auch mit Geschäftspartnern.

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APIs helfen an allen Punkten der digitalen Transformation dabei, Integrationsaufgaben leichter zu bewältigen.
APIs helfen an allen Punkten der digitalen Transformation dabei, Integrationsaufgaben leichter zu bewältigen.
(Bild: gemeinfrei, geralt / Pixabay)

Erfolg in der Digitalwirtschaft hat eine wichtige technische Voraussetzung: Die Unternehmen müssen alle IT-Systeme, Datenbanken, Geschäftsanwendungen, Geräte und Instanzen in IoT- oder Cloud-Umgebungen miteinander verbinden. Möglich macht das iPaaS (Integration Platform as a Service) und ein damit verbundenes API-Management (Application Programming Interface, die Programmierschnittstelle in Anwendungen). Die Analysten von Market Research Future betonen, dass sich dieser Markt hervorragend entwickelt, da immer mehr Unternehmen Cloud-Anwendungen einsetzen. Die Marktforscher geben eine positive Prognose für 2023 ab: Der Gesamtmarkt solle sich dann weltweit auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar belaufen, eine Steigerung um 22 Prozent seit 2016.

Werner Rieche, Regional President DACH Software AG
Werner Rieche, Regional President DACH Software AG
(Bild: Software AG)

Der Hintergrund: Viele Unternehmen besitzen eine heterogene, historisch gewachsene IT-Landschaft. Da finden sich Legacy-Systeme wie Mainframes, klassische Client-Server-Anwendungen für den On-Premise-Betrieb und Cloud-Anwendungen nebeneinander. Eine Konsolidierung verbietet sich oft aus Kostengründen, also ist Integration das Gebot der Stunde. Die Plattform verknüpft alle vorhandenen Komponenten und Technologien, wodurch die Unternehmen eine umfassende, zuverlässige Sicht auf ihr Geschäft erhalten. Die Konsequenz: Die Prozesse werden agiler, Geschäftsmodelle lassen sich leichter skalieren.

API-Management als Werkzeug zur Integration

APIs helfen an allen Punkten der digitalen Transformation dabei, Integrationsaufgaben leichter zu bewältigen. So besitzen beispielsweise Cloudservices, aber auch ältere Client-Server Anwendungen aus dem SOA-Umfeld (Service-orientierte Architekturen) eigene Programmierschnittstellen, mit denen Entwickler auf Daten und Funktionen zugreifen können.

Ein einfaches Beispiel für eine solche API ist der Zugriff auf Dateien bei Cloudservices wie Dropbox, Google Drive, Microsoft OneDrive oder OpenText. Damit lassen sich deren Funktionen sehr leicht in eigene Anwendungen einbauen. Doch das ist nicht die einzige Möglichkeit, APIs decken vielfältige Integrationsmuster ab. Möglich ist beispielsweise die Verknüpfung von verschiedenen On-Premise-Anwendungen innerhalb der eigenen Organisation, von Cloud-Anwendungen mit On-Premise-Anwendungen und zwischen verschiedenen Clouds. Bereits an diesen drei Möglichkeiten wird deutlich, dass der Komplexität kaum Grenzen gesetzt sind.

So können Legacy-Anwendungen aus der Mainframe-Ära durch API-Management mit einer neuen, modernen und webbasierten Benutzeroberfläche ausgestattet werden. Auch Zugriffe über mobile Apps sind durch APIs leicht zu verwirklichen. Eine weitere Möglichkeit ist das Verschieben von Daten aus Altsystemen in eine leistungsfähige Analytics-Lösung, die Echtzeit-Fähigkeiten besitzt. Durch solche API-basierten Integrationslösungen ist es möglich, die vorhandenen Anwendungen weiter zu nutzen, ohne auf moderne Hilfsmittel wie Analytics-Dashboards, mobile Apps und Web-Oberflächen zu verzichten.

API als Verkaufsargument

Doch eine API hilft nicht nur bei der Integration der eigenen Systeme, sie kann auch ein entscheidendes Verkaufsargument für eine digitale Lösung sein. Die populären Cloudservices machen es vor: Keine App ohne API. Dieses Prinzip sollte auch für smarte, vernetzte Produkte und Services aus dem Umfeld das Internet der Dinge gelten.

Ein Beispiel: Ein Anbieter von Garagentoren vernetzt die Schaltelektronik mit dem Internet. Kunden nutzen nicht mehr die klassischen Funkschlüssel, sondern eine Smartphone-App, die Zusatzfunktionen bietet – etwa die automatische Öffnung anhand von GPS-Daten, wenn sich das Auto des Hausbesitzers nähert. Wenn dieses Unternehmen nun die Hauptfunktionen seiner App als API veröffentlicht, erhält es einen wichtigen Vorteil. Denn Geschäftspartner haben jetzt die Möglichkeit, selbst Aufrufe der Garagentor-API in ihrer eigenen App zu integrieren. Möglich wäre dadurch beispielsweise der Aufbau eines Smart-Home-Ökosystems, in dem die Apps unterschiedliche Anbieter auf Wunsch des Kunden auch auf das Garagentor zugreifen können.

Integration: In der Realität eine komplexe Aufgabe

In der Realität, vor allem in B2B-Märkten, sind Integrationsaufgaben und die beteiligten APIs häufig deutlich komplexer. Die folgenden Beispiele sollen verdeutlichen, wie sich die Flexibilität von iPaaS in der Praxis auswirkt:

  • Ein Logistikunternehmen integriert die Systeme seiner Kunden mit APIs, um Buchungen und Lieferdaten leichter austauschen zu können. Durch Einsatz von IoT-Geräten mit GPS-Funktion lässt sich eine Verfolgung der transportierten Güter aufbauen, die über eine API von den Kundensystemen genutzt wird. Neben dem erhöhten Komfort bei der täglichen Arbeit hat das Unternehmen zwei weitere Vorteile durch den Einsatz einer Integrationsplattform mit API-Management: Die Entwicklungskosten sind deutlich besser kalkulierbar als mit herkömmlichen Methoden der Integration und die Entwickler haben viel weniger Aufwand, sodass sie einen großen Teil ihrer Zeit jetzt in Innovationsprojekte stecken können.
  • Ein US-Hersteller von Materialien für den Trockenbau nutzt API-Management und iPaaS zur Verbindung mit den Systemen von Bauunternehmen, um den Bestellvorgang und die Information über die Auslieferung zu vereinfachen. Da das Unternehmen den ganzen nordamerikanischen Raum beliefert, nutzt es auch Daten aus externen APIs beispielsweise von Verkehrs- und Wetterdiensten. Die seit dem Einsatz von iPaaS größer gewordene Pünktlichkeit hat die Kundenzufriedenheit bei dem Unternehmen stark erhört: Bauunternehmen haben seltener Engpässe und können ihre Kunden besser zufriedenstellen.
  • Ein Netzwerk von Baumärkten verwaltet für seine unabhängigen Mitglieder zahlreiche Eigenmarken. Das Unternehmen wollte die Transformation seines Geschäftsmodells vom Produktverkauf zum Vertrieb von service-basierten Lösungen starten. Ein Beispiel: Der Kunde kauft keine Küchenspüle, sondern ein Gesamtprodukt aus Spüle, Armatur und Siphon, das zudem eine Aufbau- und Funktionsgarantie bietet. Damit sich dies in den IT-Systemen abbildet, wurden gut tausend beteiligte Anwendungen von Lieferanten und Baumärkten mit iPaaS und API-Management integriert. Ohne die Cloud, nur mit herkömmlichen On-Premise-Anwendungen wäre das nicht möglich gewesen, da intern etwa 1,3 Milliarden Transaktionen pro Monat verarbeitet werden mussten.
  • Open Banking ist ein wichtiges Zukunftsthema in der Finanzbranche. Dabei veröffentlichen Banken offene APIs, mit deren Hilfe die Entwickler von Drittanbietern Anwendungen und Dienste für die Produkte dieses Finanzinstituts anbieten können. Dadurch kann beispielsweise eine traditionelle Geschäftsbank zur „Engine“ eines Partner-Ökosystems aus unterschiedlichen Finanzdienstleistern werden. Dabei ist es sinnvoll, für unterschiedliche Geschäftsbereiche jeweils eigene APIs zu veröffentlichen, etwa für Girokonten, Wertpapierdepots und Fonds-Sparpläne. Dadurch wird eine API von einem technischen Hilfsmittel zu einem Produkt und muss ähnlich gemanagt werden. Dies gelingt am leichtesten mit einer Integrationsplattform in der Cloud, die auch ein API-Management unterstützt. Dies erleichtert die Integration der externen API-Zugriffe in die eigenen IT-Systeme.

Diese Beispiele zeigen die unterschiedliche strategische Bedeutung von API-Management und Integration für die Unternehmen. Es geht dabei längst nicht mehr nur darum, in der eigenen IT-Infrastruktur ein paar Anwendungen zu verbinden. Integration mit APIs kann sowohl für innovative Produkte als auch für neue Geschäftsmodelle eingesetzt werden, die ohne eine API nur schwer möglich wären. Besonders erfolgversprechend ist die gegenseitige Integration mit Anwendungen von Kunden, Lieferanten oder Logistikdienstleistern. Dadurch entsteht ein automatischer Datenaustausch mit enormer Flexibilität, der gegenüber anderen technologischen Möglichkeiten deutlich überlegen ist.

Über den Autor

Werner Rieche ist Regional President DACH der Software AG. Hier verantwortet er die gesamten Vertriebs- und Marketingaktivitäten des Konzerns in den Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der IT-Branche. Nach seinem erfolgreichen Studium der Elektrotechnik/Nachrichtentechnik an der FH Niederrhein war er in mehreren leitenden Positionen in ICT-Unternehmen tätig. Seit Juli 2015 arbeitet er für die Software AG. Hier treibt er vor allem die Themen Integration und Internet of Things (IoT) voran.

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