Die Datenschleuse für den Außendienst

Was tut Middleware für mobile SAP-Applikationen?

| Autor / Redakteur: Jens Beier* / Ulrike Ostler

Middleware klingt nach Mottenkiste, ist aber insbesondere für mobile (SAP)-Anwendungen fast schon unerlässlich.
Middleware klingt nach Mottenkiste, ist aber insbesondere für mobile (SAP)-Anwendungen fast schon unerlässlich. (Bild: Kentoh/Fotolia.com)

Wo mobile SAP-Lösungen zur Anwendung kommen, wird über Sinn und Unsinn einer Middleware diskutiert. Erfüllen diese „Zwischenanwendungen“ wichtige Funktionen innerhalb des Gefüges von Front- und Backend oder bringen sie dem Unternehmen nichts als zusätzliche Kosten? Bei allen Betrachtungen ist eines klar: In vielen Fällen ist Middleware als intelligenter Datenmanager unabdingbar.

Eine mobile Lösung umfasst in der Regel die Anwendung selbst, die Quellsysteme, aus denen die Daten kommen und Prozesse gesteuert werden, sowie eine Komponente dazwischen. Diese Middleware vermittelt als neutrales Programm zwischen einzelnen Applikationen eines Anwendungssystems. Sie übernimmt also verschiedene Aufgaben, damit Front- und Backend reibungslos und effizient ineinander greifen.

Middleware koordiniert die Datenverteilung oder -konsolidierung
Middleware koordiniert die Datenverteilung oder -konsolidierung (Bild: Fritz & Macziol)

Oftmals bleiben die Aufgaben oder gleich die gesamte Middleware als solche dem Anwender verborgen. Stattdessen denken viele Unternehmen beim Begriff „Middleware“ sofort an zusätzliche Kosten für Lizenzen und Infrastruktur sowie einen erhöhten Betreuungsaufwand – vor allem im laufenden Betrieb einer mobilen Lösung. Sie sträuben sich dagegen, weil sie – fälschlicherweise – glauben, es ginge auch ohne. Denn die Anwender benötigen für ihre privaten Android- oder Apple-Geräte ja auch keine Middleware.

Doch komplexe Dienste im Unternehmensalltag wie eine intelligente Datenverteilung oder Datenkonsolidierung sind in der Regel kaum ohne Middleware möglich. Was also sind die Aufgaben dieser Zwischenanwendungen und worin besteht der konkrete Nutzen für den Anwender mobiler SAP-Anwendungen?

Intelligenter Datenmanager sorgt für Ordnung

Um mobile Lösungen im Außendienst auch offline nutzen zu können, müssen die Daten vorher verteilt und synchronisiert werden. Der Mitarbeiter bekommt allerdings nur die Datensätze, die er wirklich braucht. Das funktioniert über Datenverteilungsregeln, die aus einem Datenmodell geschöpft werden. Dieses beschreibt, aus welchen Objekten und aus welchen Datenfeldern die mobile Anwendung besteht und entscheidet, wer nach welchen Regeln welche Daten erhält oder darauf Zugriff hat. Das Plus: Der Außendienstmitarbeiter kommt dadurch schneller an relevante Daten – etwa Ansprechpartner oder die Geräte, die der Kunde im Einsatz hat.

Ergänzendes zum Thema
 
Was ist Middleware?

Jens Beier, Business Unit Manager SAP Solutions & Technology bei Fritz & Macziol, erklärt ein zu unrecht verdrängtes IT-Aufgabengebiet: die Middleware.
Jens Beier, Business Unit Manager SAP Solutions & Technology bei Fritz & Macziol, erklärt ein zu unrecht verdrängtes IT-Aufgabengebiet: die Middleware. (Bild: Fritz & Macziol)

Sobald Unternehmen in Regionen mit mangelnder Netzabdeckung oder nur sehr langsamer Internet-Verbindung operieren, sind sie auf Middleware angewiesen. Denn Mitarbeiter in Service und Instandhaltung müssen im Job offline arbeiten können und benötigen Zugang zu älteren Daten. Theoretisch könnten sie zwar auch online im Webbrowser arbeiten – das dauert jedoch länger und sobald offline gearbeitet werden muss, treten Probleme auf.

Oft reichen dem Außendienstmitarbeiter die Daten aus dem SAP-Systemumfeld aber nicht aus, beispielsweise wenn er ein ihm unbekanntes Gerät reparieren muss. Dann benötigt er weitere Datenquellen – in diesem Fall eine Lösungsdatenbank, die häufig nicht im zentralen SAP-System abgelegt ist.

Middleware löst Konflikte

Die SAP Mobile Plattform – die strategische Middleware der SAP für mobiles Arbeiten - kann unterschiedliche Datenquellen integrieren, die nicht zwingend Teil des SAP-Systems sein müssen. Daten lassen sich so aus mehreren Quellen konsolidieren und in nur einem Synchronisationsprozess dem Mitarbeiter zur Verfügung stellen.

Möglicherweise treten auch Konflikte im Online-/Offline-Datenverkehr auf. Dies ist häufig bei der Buchungen der Fall, wenn offline auf mobilen Datenbeständen und parallel vom Innendienst auf denselben Datensätzen gearbeitet wird. Ein kontextsensitives Konflikthandling durch die Middleware ist erforderlich. Der gängige Mechanismus, dass die jüngste Änderung des Datensatzes per se gespeichert und die älteren Daten somit überschrieben werden, reicht allein meist nicht aus, da wertvolle Daten verloren gehen.

Middleware die Kommunikation zwischen Prozessen, zielt nicht unbedingt auf die Kommunikation zwischen verschiedenen Rechnern.
Middleware die Kommunikation zwischen Prozessen, zielt nicht unbedingt auf die Kommunikation zwischen verschiedenen Rechnern. (Bild: https://de.fotolia.com/id/94843567?by=serie)

Performance steigert Anwenderakzeptanz

Um beim Anwender nachhaltig akzeptiert zu werden, muss eine mobile Lösung durchgängig performant sein. Das SAP-Backend enthält signifikant mehr Last, wenn – etwa morgens bei Arbeitsbeginn – eine große Anzahl von mobilen Mitarbeitern darauf zugreift und Daten nach komplexen Regeln abruft. Eine Middleware kann hier Daten im Vorfeld verarbeiten und eine Entzerrung herbeiführen – auf dem Client wie auch im Backend. Lastspitzen treten somit erst gar nicht auf und Innen- sowie Außendienst können produktiv arbeiten.

Eine weitere Lastentzerrung kann erreicht werden, wenn die Middleware Daten bereits auf einer Meta-Ebene in eine Art Daten-Queue einreiht. Es wird daher unterschieden zwischen Datensynchronisation zwischen mobilem Endgerät und Middleware und der sogenannten Datenreplikation (Vorverarbeitung) zwischen Middleware und Backend. Im Effekt können dadurch Infrastrukturkosten reduziert und zudem die Performance gesteigert werden – besonders bei einer großen Zahl an Anwendern.

Middleware für die Verwaltung von Updates und Zugangsberichtigungen

Fehler in Anwendungen sind ein wichtiges Thema und führen häufig zu ineffizienterem Arbeiten. Daher müssen Unternehmen Updates schnellstmöglich an alle Mitarbeiter verteilen können. Die Aktualisierung kann „Over-the-Air“ erfolgen oder durch manuelle Freischaltung des Anwenders. Die zentrale Verteilung durch einen Administrator birgt die Gefahr, dass wichtige Daten überschrieben werden, die noch nicht synchronisiert waren. Middleware schafft hier einen wichtigen Puffer.

Jens Beier, Business Unit Manager SAP Solutions & Technology bei Fritz & Macziol, erklärt ein zu unrecht verdrängtes IT-Aufgabengebiet: die Middleware.
Jens Beier, Business Unit Manager SAP Solutions & Technology bei Fritz & Macziol, erklärt ein zu unrecht verdrängtes IT-Aufgabengebiet: die Middleware. (Bild: Fritz & Macziol)

Durch Verlust des Endgeräts oder auch durch einen Wechsel des Mitarbeiters zum Wettbewerb können Sicherheitslücken entstehen, wenn der Zugriff auf Daten weiterhin möglich ist. Deswegen sollten dem Außendienstmitarbeiter nur genau die Daten „mitgegeben“ werden, die er wirklich benötigt. Middleware unterstützt auch hier: Authentisierungs- sowie Verschlüsselungsverfahren stählen die Abwehr, so dass durch Zugriffsbeschränkungen bereits präventiv vorgebeugt wird.

Daseinsberechtigung variiert mit Anforderungen

Vor der Einführung von mobilen Anwendungen sollten einige Punkte mit dem Lösungsanbieter oder einem Dienstleister geklärt werden. Je nach Einsatzgebiet variieren die Anforderungen. In der mobilen Lagerlogistik beispielsweise gelten andere Bedingungen als in der Instandhaltung von dezentralen Strukturen. Hier müssen Barcodes über eine lange Distanz in einem Lager gescannt werden, um etwa Lagerplätze von Produkten zu verändern.

Dank geeigneter WLAN-Ausleuchtung sowie einfacher Datenstrukturen funktioniert dies online meist ohne Probleme – eine Middleware ist hier nicht nötig. Für dieses Einsatzszenario bieten sich hybride Lösungen an, bei denen die eigentliche Anwendung offline auf dem Endgerät läuft und die Daten erst später aktualisiert werden.

Unabhängig vom Szenario lässt sich anhand von Best Practices jedoch relativ zuverlässig eine geeignete Lösung finden. Viele Regeln lassen sich automatisieren – etwa die manuelle Nachverbuchung von Datenkonflikten. Dazu spielt die Wahl der Endgeräte eine zentrale Rolle. Hier gilt es zu entscheiden, ob man sich lieber langfristig festlegt oder flexibel bleiben möchte. Die passenden plattformunabhängigen mobilen Anwendungen stehen jedenfalls bereit.

* Jens Beier ist Business Unit Manager SAP Solutions & Technology bei Fritz & Macziol.

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