Was zählt sind: Verfügbarkeit, Single Point of Failure sowie Entwärmungsleistung

Von Tier1 bis Tier 4: Die vier Qualitätsstufen eines Rechenzentrums

| Redakteur: Ulrike Ostler

Die Qualität von Rechenzentren wird in den Klassen "Tier 1" bis "Tier 4" angegeben.
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Die Qualität von Rechenzentren wird in den Klassen "Tier 1" bis "Tier 4" angegeben. (DIM (siehe: Link untern))

Kein Cloud Computing ohne funktionstüchtige Rechenzentren – doch längst nicht jedes Datacenter besitzt die gleichen Qualitäten. Der so genannte „Tier“-Standard gibt darüber Auskunft. Was steckt hinter dieser Klassifikation? Die BCC Business Communication Company aus Wolfsburg, die mit ihrem RZ-Partner Equinix Managed Services in Rechenzentren bis zu Tier-4 produziert, klärt auf.

Rechenzentren variieren in punkto Leistungsfähigkeit vielfach: Die Unterschiede betreffen die Systemtechnik, Energie-Effizienz, Datensicherheit oder auch die verwaltungstechnische Organisation. Für den Nutzer ist besonders die Verfügbarkeit, beziehungsweise die Ausfallsicherheit eines Rechenzentrums wichtig.

Denn Anwender erwarten zuverlässiges Arbeiten rund um die Uhr. Das gilt umso mehr, wenn der Applikationsbetrieb in die Cloud ausgelagert wird. Der Managed-Services-Anbieter BCC bietet seinen Kunden daher First-Class-Datacenter auf höchst möglichem Level: Tier 4. Aber was bedeutet diese Klassifikation eigentlich?

Maßstab für Ausfallsicherheit

Mindestverfügbarkeiten garantiert heute jedes Service Level Agreement. Dahinter verbirgt sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein System bezogen auf einen festgelegten Zeitraum funktioniert – zum Beispiel zu 99,9 Prozent. Wie aber erhält der Nutzer Angaben zur Ausfallsicherheit des gewählten Systems?

Dazu hat das US-amerikanische Uptime Institute in der TIA-942 (Telecommunications Infrastructure Standard for Data Centers) eine vierstufige „Tier“-Klassifizierung vorgenommen, wobei der englische Ausdruck Tier für Rang oder Schicht steht.

Verfügbarkeitsanspruch und Redundanz sind die Unterscheidungskriterien für die Tier-Kategorien 1 bis 4. Zur Einteilung betrachtet das Konzept neben der Anzahl der Vorsorgungswege und der Möglichkeit zur Wartung im laufenden Betrieb auch Single Point of Failure (SPOFs), Fehler in Systemkomponenten oder -pfaden, die zum Ausfall des Gesamtbetriebs führen. Darüber hinaus zieht das Konzept die Fehlertoleranz, die Anzahl von Brandabschnitten und die erforderliche Entwärmungsleistung zur Beurteilung heran.

Tier 1 – die Holzklasse

Für Rechenzentren im Level Tier 1 ist keine Redundanz gefordert. Es besteht nur ein einziger Versorgungsweg für Energie und Kälteverteilung. Das System ist daher nicht fehlertolerant und auch eine Wartung im Betrieb ist unmöglich.

Tier 1 fordert die geringste Entwärmungsleistung von 220 bis 320 Watt pro Quadratmeter. Aus der Beobachtung entsprechender Rechenzentren ergibt sich eine jährliche Ausfallzeit von 28,8 Stunden, was einer 99,67-prozentigen Verfügbarkeit entspricht.

Tier 2 – einfache Redundanz im RZ

Die zweite Stufe in der Tier-Klassifizierung unterscheidet sich im Wesentlichen dadurch, dass redundante Komponenten verwendet werden und eine Entwärmungsleistung von 430 bis 540 Watt pro Quadratmeter nötig ist. Bei Tier-2-Rechenzentren ist mit 99,75 Prozent Verfügbarkeit zu rechnen, anders ausgedrückt: mit 22 Stunden Ausfallzeit pro Jahr.

Tier 3 – Fehlertoleranz möglich

Tier-3-Rechenzentren verwenden redundante Komponenten, der Server ist zweifach vorhanden sowie mehrfache, aktive und passive, Versorgungswege. Das System wird dadurch fehlertolerant und eine Wartung ist auch während des Betriebs möglich.

Single Point of Failure kommen auch in Tier-3-Rechenzentren vor. Die Entwärmungsleistung liegt bei 1.070 bis 1.620 Watt pro Quadratmeter.

Tier-3-Rechenzentren erhöhen ihre Ausfallsicherheit zudem durch mehrere Brandabschnitte. Insgesamt erreicht ein Rechenzentrum in Stufe 3 bei einer Ausfallzeit von 1,6 Stunden jährlich eine Verfügbarkeit von 99,98 Prozent.

Tier 4 – die Masterclass

Rechenzentren mit Tier-4-Level gehen noch einen Schritt weiter: Durch die komplette Redundanz mit doppelten Versorgungswegen sind SPOFs nahezu ausgeschlossen.

Die Entwärmungsleistung liegt dabei über 1.620 Watt pro Quadratmeter. Mit Tier 4 erhält der Anwender ein äußerst fehlertolerantes System. Bei nur 0,8 Stunden durchschnittlicher jährlicher Ausfallzeit können die Anwender eine Verfügbarkeit von 99,991 Prozent erwarten.

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