Stack vor Silizium Suse und Openchip planen europäischen Hard- und Software-Stack

Von Daniel Schrader 3 min Lesedauer

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SUSE und der spanische Chipentwickler Openchip wollen einen europäischen Hard- und Softwarestack auf Grundlage der offenen RISC-V-Architektur aufbauen. Eine Absichtserklärung sieht vor, Enterprise-Linux und Kubernetes-Engine von Suse für Vektorbeschleuniger und andere Hardware von Openchip zu zertifizieren.

Suse und Openchip arbeiten daran, zum angepeilten Marktstart des Vektorbeschleunigers von Openchip einen passenden europäischen Softwarestack anzubieten. (Bild:  Daniel Schrader / GPT Image 2 / KI-generiert)
Suse und Openchip arbeiten daran, zum angepeilten Marktstart des Vektorbeschleunigers von Openchip einen passenden europäischen Softwarestack anzubieten.
(Bild: Daniel Schrader / GPT Image 2 / KI-generiert)

Suse und Openchip & Software Technologies haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, um das Software-Portfolio von Suse auf RISC-V-Prozessoren und Beschleuniger des spanischen Chipdesigners abzustimmen. RISC-V ist eine offene Befehlssatzarchitektur, die im Gegensatz zu x86 und ARM keine proprietären Lizenzgebühren erfordert. Zertifiziert und optimiert werden sollen laut Ankündigung „Suse Linux Enterprise Server“ (SLES), die „Suse Kubernetes Engine“ (RKE2), „Suse Rancher Prime“ sowie die Community-Distribution „Opensuse Tumbleweed“.

Das erklärte Ziel beider Unternehmen ist ein vollständig in Europa entwickelter Hardware- und Softwarestack als Alternative zu etablierten Architekturen, bei denen eine europäische Souveränität nicht garantiert werden kann.

Software vor Silizium

Der Softwarestack soll frühzeitig entstehen. Suse will den eigenen Stack zertifiziert und lauffähig bereitstellen, noch bevor die die RISC-V-Hardware von Openchip marktreif ist. Nach Angaben von CEO Francesc Guim plant Openchip einen funktionsfähigen Prototyp für die zweite Hälfte 2026, den Tape-out zum Jahresende. Der fertige soll 2027 erstmals eingesetzt werden und 2028 breit verfügbar sein.

Technisch soll der Stack das RVA23-Profil (RISC-V-Anwendungsprofil) unterstützen. Dazu gehören die RVV-Vektorinstruktionen (skalierbare Vektorbefehle) für parallele Berechnungen sowie Funktionen für Hypervisoren (Virtualisierungsschicht). Für Rancher sind zudem Plugins und Operatoren (Kubernetes-Automatisierung) vorgesehen, die Cluster-Flotten, Überwachung und Container-Deployments auf Openchip-Hardware verwalten sollen.

„AI Factory“ von Suse bislang eng an Nvidia gekoppelt

Für KI-Workloads soll die „Suse AI Factory“ mit den RISC-V-Beschleunigern von Openchip kombiniert werden. Auch die Inferenzsoftware soll von Openchip kommen. Allerdings ist die AI Factory von Suse bislang eng auf den US-amerikanischen Marktführer bei KI-Hardware Nvidia ausgerichtet, auf Hardware- wie auf Softwareseite. Ob und wie der europäische Stack Nvidia-Beschleuniger ersetzen kann, erklären die Partner bislang nicht, das Projektziel von DARE ist allerdings explizit die Verringerung einer Abhängigkeit von nicht-europäischer KI-Hardware.

Regulierung als Verkaufsargument

Als Zielgruppen benennen beide Unternehmen den öffentlichen Sektor, das Gesundheitswesen, Verteidigung und Betreiber kritischer Infrastrukturen. Der gemeinsame Stack soll Anforderungen aus NIS2, DORA und dem Cyber Resilience Act (CRA) an Datenlokalität, Auditierbarkeit und operative Resilienz adressieren. Diese Argumentation deckt sich mit der laufenden Debatte um den geplanten „EU Cloud and AI Development Act“, der eine Souveränitätsskala bis hin zu einem vollständig drittstaatenfreien Stack vorsieht.

Openchip ist Kernpartner beim EU-Chipprojekt DARE

Openchip wurde 2021 als gemeinsames Unternehmen des privaten Engineering-Konzerns GTD und des öffentlich getragenen Barcelona Supercomputing Center gegründet. Openchip profitiert dabei von europäischen Förderungen und industriepolitischen Zusagen. Die Europäische Kommission stufte das Unternehmen als „Important Project of Common European Interest“ im Rahmen des EU-Beihilferahmens für Schlüsseltechnologien ein. Bestätigt sind 111 Millionen Euro aus dem EU-Programm „NextGenerationEU“.

Das Unternehmen verfolgt auch eigenständige Hardwareentwicklungen, unter anderem einen Vektorbeschleuniger als diskrete Erweiterungskarte in Kooperation mit dem japanischen HPC-Spezialisten NEC. Zugleich ist Openchip prominent im RISC-V-Projekt „DARE“ (Digital Autonomy with RISC-V in Europe) vertreten. Dessen erste Phase (SGA1) ist mit 240 Millionen Euro ausgestattet, wird je zur Hälfte von EU-Mitgliedstaaten und dem EuroHPC Joint Undertaking getragen, vom Barcelona Supercomputing Center koordiniert und umfasst 38 Partner aus 14 Ländern.

Innerhalb von DARE und dem Projekt eines integrierten, modularen europäischen Hardware-Stacks aus mehreren kleineren Chiplets verantwortet Openchip das Vektorbeschleuniger-Chiplet (VEC), das komplexe Vektor- und Matrixoperationen für HPC- und KI-Workloads übernehmen soll. Zwei weitere Chiplets entwickeln Axelera AI (KI-Inferenz) und Codasip (Allzweckprozessor).

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