Die Entwicklung übernimmt Q.ANT und die Herstellung Trumpf Photonics, Ulm Quantencomputer-Chips: Trumpf plant Produktion

Redakteur: Ulrike Ostler

Q.ANT hat ein Photonik-Chip-Verfahren entwickelt, durch das sich Lichtkanäle auf gewöhnliche Siliziumchips aufbringen lassen. Das ermöglicht, etablierte Großrechner um Prozessoren zu erweitern, die mit Quantentechnologie arbeiten. Q.ANT ist ein hundertprozentiges Tochterunternehmen von Trumpf, das nun von der Muttergesellschaft einem zweistelligen Millionenbetrag gefüttert wird.

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Q.Ant ist es gelungen, Lichtkanäle auf Siliziumchips zu bannen. Die photonischen Chips sollen der Datenübertragung in Quantencomputern dienen.
Q.Ant ist es gelungen, Lichtkanäle auf Siliziumchips zu bannen. Die photonischen Chips sollen der Datenübertragung in Quantencomputern dienen.
(Foto: Trumpf)

Die Finanzspritze soll dem Start-up ermöglichen, in die Entwicklung und Produktion von Quantencomputer-Chips einzusteigen. Peter Leibinger, Chief Technology Officer von Trumpf erläutert: „Den Entwicklern von Q.ANT ist es gelungen, die optische Welt der Quanten an die elektronische Welt anzubinden. Unser erneutes Investment ist daher der logische nächste Schritt, um den Weg für die Entwicklung und Produktion von Quantencomputer-Chips made in Germany zu ebnen.“

Denn nur wenn hierzulande die Quantentechnologien schnell, mutig und unternehmerisch gefördert würden, könne der Industriestandort Deutschland sein Potenzial im internationalen Wettbewerb auch nutzen, setzt er hinzu. Ziel sei es, in spätestens fünf Jahren einen voll funktionsfähigen Quantenchip zu entwickeln, der heutige Computer ergänzen und leistungsfähiger machen könne.

Einsatz in gewöhnlichen Rechenzentren

Michael Förtsch, CEO von Q.ANT, ergänzt: „Wir konnten in verschiedenen Testszenarien belegen, dass sich mit unserer Technologie Quantencomputer-Chips in Zukunft auch in gewöhnlichen Rechenzentren einsetzen lassen, weil sie weder eine besonders aufwändige Kühlung noch eine vibrationsfreie Umgebung benötigen. Unser Herstellungsverfahren ist im Vergleich zu anderen Quantencomputer-Plattformen einfach und ermöglicht die Erzeugung von vielen Quantenbits.“

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Diese elementaren Recheneinheiten brauchten die Quantencomputer in großer Anzahl, um leistungsfähig zu sein. „Aus technologischer Sicht haben wir damit einen großen Wettbewerbsvorteil. Wir sind derzeit mit strategischen Partnern aus verschiedenen Industrien im Gespräch, um schnellstmöglich Anwendungen in die Praxis umzusetzen“, ergänzt Förtsch.

Das Start-Up mit Sitz in Stuttgart-Vaihingen arbeitet mit Chipherstellern, IT-Ausrüstern und internationalen Industrieunternehmen zusammen. Bis Ende nächstes Jahr will Q.ANT 120 Mitarbeiter beschäftigen, heute sind es rund 20.

Herstellung bei Trumpf Photonic Components geplant

Doch die Überlegungen in Richtung Produktion sind schon weiter gediehen. So plant Trumpf auch in sein hundertprozentiges Tochterunternehmen Trumpf Photonic Components mit Sitz in Ulm zu investieren. Dort sollen die Quantencomputer-Chips von Q.ANT später in Produktion gehen. Dafür soll die in Ulm bereits bestehenden Reinraumproduktionsanlagen für Laserdioden um Maschinen und Anlagen zur Herstellung von Quantencomputer-Chips ergänzt werden.

Berthold Schmidt, Managing Director von Trumpf Photonic Components, beschreibt die Vorraussetzungen als gut: „Als etablierter Hersteller von Komponenten für die Halbleiterbranche besitzen wir fundiertes Know-how, ein starkes Partnernetzwerk und eine hochmoderne Fertigungsumgebung. Wir bieten damit die optimalen Voraussetzungen für die Produktion von Quantencomputer-Chips.“

Bis Ende des Geschäftsjahrs im Juni 2022 soll es Q.ANT gelingen, Chip-Komponenten für Quantencomputer zu entwickeln, die jeweils Quanten erzeugen, führen und manipulieren können. Im Anschluss soll der erste Prototyp eines Quantencomputer-Chips entstehen.

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