White Label wird zur bekannten Marke

Quanta, der Shooting Star im Cloud-Hardware-Markt expandiert

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Die Front-Seite des White-Label-Server "Rackgo-M" von Quanta.
Die Front-Seite des White-Label-Server "Rackgo-M" von Quanta. (Bild: Quanta)

Oft scheint es, als habe kaum ein neuer Systemlieferant Chancen, sich auf dem Datacenter-Hardwaremarkt zu etablieren. Doch der Paradigmenwechsel zur Cloud öffnet auch den Hardwaremarkt. Diese Chance ergreift der taiwanesische Auftragshersteller Quanta und seine US-Tochter QCT (Quanta Cloud Technologies), die nun in China und Japan expandiert.

Wie schnell auch heute innovative Hardwareschmieden Boden gewinnen können, zeigt Quanta QTC. Gegründet wurde das in Fremont, Kalifornien, ansässige Tochterunternehmen der taiwanesischen Quanta Computer, das auf Cloud-RZ-Hardware spezialisiert ist, erst 2012 unter dem Namen QCT (Quanta Cloud Technologies). Im Juli 2014 erfolgte die Umfirmierung in Quanta QTC. Das ist zwar doppelt gemoppelt, macht aber auf den ersten Blick deutlich, wo das Unternehmen hingehört beziehungsweise herkommt.

Die Vertriebsaktivitäten von Quanta QCT gibt es inzwischen in 18 Ländern, darunter viele europäische. In den USA beliefert QCT 32 Partner, in Deutschland verbauen mit Delta und dem Speicherspezialisten Z-Stor aus Kaarst zwei Unternehmen die Komponenten aus Fremont in Systeme unter ihrem Label. Delta-Geschäftsführer Hans-Peter Hellmann macht etwa ein Viertel seiner Umsätze mit Quanta-QCT-Hardware.

Besonders die Ableger US-amerikanischer Firmen griffen gern zu Systemen, die auf Quanta-Hardware beruhten, erläutert Hellmann. Delta, unter anderem auch Intel-Platinum-Partner, rüstet sie die Server dann etwa mit Intel-Prozessoren aus. Hellmann lobt das Design der Maschinen, die nicht viel Raum für Fehlkonfigurationen ließen und daher überall auf der Welt ungefähr gleich aussähen.

Wachstum in neuen Märkten

Quanta QTC expandiert weiter: Im Januar 2015 verkündete der Anbieter, man werde neue Büros in China und Japan errichten, um den dortigen Markt besser aufrollen zu können. In Japan gibt es derzeit sechs Niederlassungen, in China jedoch nur eine.

Der Schritt ist daher logisch: Die Volksrepublik ist laut Zahlen amerikanischer Quellen von Ende 2013 der führende Rechenzentrumsmarkt der APAC (asiatisch-pazifischer Raum)-Region mit 30 Prozent der Rechenzentrumsfläche und einer diesbezüglichen Wachstumsrate von 24 Prozent. In APAC insgesamt wuchs die RZ-Fläche 2013 lediglich um 13 Prozent. An diesen Verhältnissen dürfte sich in der Zwischenzeit wenig geändert haben. Große Cloud-Provider wie Amazon, Microsoft, KDDI oder Pacnet wollen ihre Rechenzentrums-Aktivitäten in China hochfahren, und davon könnte eine besser repräsentierte Quanta QCT profitieren.

ODM Quanta Computers schöpft sein Entwicklungspotential aus

Um den Entstehungsprozess und das Potential von Quanta QCT zu verstehen, ist ein Rückblick in die Firmengeschichte hilfreich. Die Mutterfirma Quanta Computer aus Taiwan wurde 1988 gegründet und ist heute der größte Laptop-Auftragsfertiger der Welt. Von reinen Auftragsfertigern unterscheidet sich die Firma mit weltweit mehr als 100.000 Angestellten durch erhebliche eigene Entwicklungsanstrengungen, die in die im Auftrag gefertigten Produkte einfließen (ODM, Original Design Manufacturer).

Im taiwanesischen Entwicklungszentrum sind mehr als 5.000 Mitarbeiter beschäftigt, hauptsächlich mit Forschungs- und Entwicklungsaufgaben. Ergebnis sind eigene Entwicklungen in den Bereichen Cloud Computing Technology, Server, hochauflösendem Video-Conferencing, berührungssensitive Bildschirme, Herstellungsverfahren, 3D-Bildverarbeitung und Satellitentechnik.

Prominente Partnerschaften

Daneben werden auch andere Produkte entwickelt und gefertigt. Unter anderem entwickelte Quanta den Prototypen von Fujitsus Silicon-Photonics-Server-Produkt „RSA“ (Rack Scale Architecture), bei dem Speicher und Server-Prozessor getrennt und mit einer Glasfaserverbindung angebunden untergebracht sind. Quanta investiert auch schon länger selbst in innovative Technologien, so war das Unternehmen an „Tilera“ beteiligt, einem innovativen Anbieter von hochintegrierten Multicore-Prozessoren, der inzwischen zu EZChip gehört. 2010 kündigte man gemeinsam einen 512-Core-Server unter dem Codenamen S2Q an.

Der Geschäftsführer von QTC: Mike Yang
Der Geschäftsführer von QTC: Mike Yang (Bild: QTC)

Das Mutterunternehmen setzte 2013 mit allen Aktivitäten rund 23 Milliarden Euro um, gegenüber rund 26 im Vorjahr (siehe: Link). QTC hat daran einen Anteil von etwa zehn Prozent. 2014 lag ihr Umsatz bei 2,4 Milliarden Euro.

Laut Jahresbericht 2013 sieht sich Quanta Computer inzwischen als Anbieter für Systeme, Software und Services. Wichtigstes strukturelles Resultat der Entwicklungsanstrengungen im Cloud-Technologie-Bereich war bereits im Mai 2012 die Etablierung der Tochterfirma QCT (Qanta Cloud Technologies) in Fremont Silicon Valley.

Innovationen made by Quanta

Sie vertreibt Produkte für hochskalierende Cloud-Datenzentren großer Cloud-Service-Provider. Den Eigenentwicklungen liegt das Cloud-Entwicklungsparadigma New 3C zugrunde (Cloud Computing, Connectivity Technology, und Client Device) die entsprechend den Designprinzipien Balanced, Beneficial und Brilliant.(3B) umgesetzt werden sollen.

Tochterfirma QCT hat mit ihren Angeboten gute Erfolge: Schon 2012 will das Unternehmen laut Geschäftsführer Mike Yang über 1,2 Millionen Server-Knoten ausgeliefert haben, gegenüber dem Vorjahr ein Wachstum von 19 Prozent.

Das Open Compute Project, an dem QCT mitwirkt, übt erheblichen Einfluss auf das Unternehmen aus. Einer der Unterschiede zu konventionellen Server-Produkten ist die Rack-Breite von 21 Zoll, das durch sein höheres Platzangebot vor allem bessere Lüftung und damit weniger Energieverbrauch garantiert. Stromversorgungen befinden sich nicht mehr an jedem Einschub, sondern werden zentralisiert und versorgen alle Einheiten im Rack.

Zugpferde, Hyperscale und Service-Providing

Eine Qanta-QTC--Eigenheit ist die patentierte „Hidden Shelf“-Architektur, bei der auf einer Höhenstufe im Rack statt nur einer zwei Server-Reihen hintereinander montiert werden, was die Dichte erheblich erhöht. QCT gehört inzwischen neben einer Handvoll mit seiner Produktserie „Rackgo X“ anderen zu den zertifizierten Hardware-Ausstattern des OCP. Die Rackgo-X-Serie richtet sich explizit an die Betreiber von Scale-Out-Datenzentren.

Die Front-Seite des White-Label-Server "Rackgo-M" von Quanta.
Die Front-Seite des White-Label-Server "Rackgo-M" von Quanta. (Bild: Quanta)

Diese Anstrengungen entsprechen der Marktausrichtung von Quanta QCT. Laut CEO Yang setze das Unternehmen 2013 bereits 85 Prozent mit Hyperscale-Kunden um – im Vorjahr waren es erst 35 Prozent gewesen. Quanta QTC sieht seinen Vorteil in niedrigen Preisen und niedrigem Stromverbrauch.

OCP-Lösungen auch für Microsoft

Zu der im Oktober 2013 angekündigten Serie von OCP-konformen Rackgo-X-Produkten gehören der zwei Einheiten hohe Server „F03A“ für rechenintensive Workloads, der Drei-Knoten-Server „F03A“ mit erhöhter I/O-Flexibilität und das halbhohe Serverboard „Windmill F03“ für Hochleistungsinfrastrukturen. Inzwischen sind noch Vier-Knoten-Modelle „F06D“ und „F06A“ mit I/O-Erweiterungsmöglichkeiten.

Die bisher genannten Server arbeiten mit Intel-Xeon-Architekturen. Mit „Rackgo X S1M“ hat der Anbieter auch einen 42-Knoten-Mikro-Server mit Intel „Atom“-Prozessoren „C2000“ im Programm. Er kommt ebenfalls mit zwei Höheneinheiten aus. Weiter gehört zum Rackgo-Portfolio das Storage-Shelf „JBR Storage“ mit 28 3,5-Zoll-Laufwerken auf zwei Höheneinheiten.

Außerdem umfasst Rackgo noch drei Referenzarchitekturen: eine für rechenintensive Anwendungen („X300“), eine für bandbreiten- und speicherintensive Aufgaben (X500) und eine für Hadoop und ähnliche Anforderungen („X700“). Weiter gehören zum Produktspektrum mehrere Switches der „Quanta-Mesh“-Serie für unterschiedliche funktionale und Leistungsanforderungen, die sich in das Rackgo-Rack einbauen lassen.

Konvergente Systeme

Erweitert wurde das Rackgo-Konzept Ende Oktober 2014 durch die zu Microsoft Open CloudServer Version 2 konforme Blade-Architektur „Rackgo M“. Die Blades der M-Serie arbeiten optimal mit „Windows Server 2012 R2“ und „Windows Storage Server 2012“ zusammen.

Die Rückseite des konvergenten Systems Rackgo-M von Quanta.
Die Rückseite des konvergenten Systems Rackgo-M von Quanta. (Bild: Quanta)

In das 12U-21-Zoll-Rack passen bis zu 24 Server- oder Storage-Blades. Integriert ins Rack sind insgesamt sechs 8-Watt-Stromversorgungen, von denen eine als Ersatz dient.

Bislang gibt es zwei Blades: das halbhohe „MC510 Compute Blade“ mit „Xeon-E-2600v3“-Prozessor, optional einer 10 GBit/s-Ethernet-Intel- oder eine 40-GBit/s schnellen Mellanox-Karte sowie PCIe-Erweiterungsmöglichkeiten. Der enthaltene SSD-Speicher ist zur Hälfte bei laufendem Betrieb austauschbar, zur anderen nicht. Das „MS100“ Storage Blade fasst zehn 3,5-Zoll-Platten mit bis zu 6 TByte Kapazität und kommuniziert über zwei 6-GByte/S- Mini-SAS-Ports. Die Austauschbarkeit der Festplatten bei laufendem Betrieb wurde hier der Dichte geopfert.

Anwendungsorientierung im Design

Auch außerhalb der OCP-konformen Serien deckt das stetig wachsende Produktspektrum inzwischen alle für Rechenzentren wichtigen IT-komponenten vom Server über Speicher und entsprechende Cluster-Lösungen bis zu Netzwerk-Equipment einschließlich Bare-Metal-Switches ab. Sogar zwei integrierte Umgebungen, „Quanta Analytics Platform System“ (APS) für Big Data und eine „Parallel-Warehouse“-Lösung, sind lieferbar.

Bei Delta sind diese Standardlösungen erfolgreicher. Die OCP-Produkte bieten Anwendern, so Delta-Geschäftsführer Hellmann, zu wenige Möglichkeiten, ihre Anwendungen zu optimieren. Die neuen 19-Zoll-Server aus der „Quanta Grid“-Serie etwa überzeugten durch narrensichere Mechanik und hervorragendes Remote-Management bis hin zum Remote-Bios-Update. Zudem seien sie zwar teurer als Billigangebote, aber etwa 15 Prozent billiger als entsprechende Markenware etablierter Hersteller.

In Konkurrenz zu den etablieren Hardwareherstellern

Mittlerweile kann Quanta QTC auf interessante Kundengewinne verweisen. Beispielsweise nutzt Rackspace eigens für das Unternehmen entwickelte Quanta-QTC-Lösungen. Im März 2014 publizierte der Hersteller, man habe bei IXLeeds, dem britischen Betreiber eines Non-Profit-Internet-Exchange, die bestehende Brocade-Switching-Infrastruktur, deren Leistung nicht mehr ausreichte, durch eigene Produkte ersetzen können.

Langsam wird Quanta QTC so zum vollwertigen Konkurrenten für die Platzhirsche HP, Dell und IBM zumindest im Provider-Markt.

* Ariane Rüdiger ist freie Journalisten und lebt in München.

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