Für die Open Compute Foundation ist sie gesetzt: die Gleichstromversorgung im Rechenzentrum. Hierzulande haben solche Projekte, obgleich schon sehr lange diskutiert, Prototypen--Charakter. Bachmann betreibt am Firmensitz in Stuttgart Vaihingen ein solches exemplarisches Datacenter. Und nun engagiert sich das Unternehmen im EU‑Projekt „Shift2DC“.
Ob nun 400 Vollt Gleichstrom oder auch 800 VDC, Rechenzentrumsbetreiber und Kunden können auf Energie-Einsparungen durch den Wegfall von Verlusten bei er Transformation in Wechselstrom und zurück hoffen.
(Bild: Canva / KI-generiert)
Das Projekt Shift2DC wird im Rahmen des EU‑Forschungsprogramms „Horizon Europe“ unter der Fördervertragsnummer 101136131 mit rund 11 Millionen Euro gefördert. Es geht um die Nutzung von Gleichstrom (DC) als Grundlage effizienterer und nachhaltiger Energie-Infrastrukturen. Die Laufzeit des Projekts beträgt 42 Monate und erstreckt sich seit Dezember 2023 bis Mai 2027. Koordiniert wird das internationale Konsortium vom portugiesischen Forschungs- und Entwicklungsinstitut INESC ID in Lissabon.
Gleichstrom als Schlüsseltechnologie
Während Stromnetze historisch überwiegend auf Wechselstrom basieren, nutzen viele moderne Anwendungen – darunter Rechenzentren, Industrieanlagen, Ladeinfrastrukturen sowie erneuerbare Energiequellen – intern Gleichstrom. Die dafür erforderlichen Umwandlungen zwischen Wechsel- und Gleichstrom sind mit Energieverlusten und zusätzlichem Systemaufwand verbunden.
Shift2DC setzt hier an und verfolgt einen anwendungsübergreifenden Ansatz zur Nutzung von Mittel- und Niederspannungs-Gleichstromnetzen (MVDC/LVDC). Ziel ist es, durch eine Reduzierung von Umwandlungsstufen die Systemeffizienz zu erhöhen und gleichzeitig die Integration von erneuerbaren Energien und Speichern zu erleichtern. Unter geeigneten Rahmenbedingungen können so Umwandlungs- und Verteilverluste reduziert sowie Betriebskosten gesenkt werden.
Im Projekt Shift2DC arbeiten 21 Partner sowie sechs assoziierte Partner aus 13 europäischen Ländern zusammen. Das Konsortium vereint Industrie-Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Netzbetreiber sowie Organisationen aus den Bereichen Standardisierung und Energiewirtschaft. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, neue DC‑Technologien zu entwickeln, zu testen, zu validieren und die Voraussetzungen für ihre breite Markteinführung zu schaffen.
Innerhalb von Bachmann wird das Projekt vom Innovation Markets‑Team geleitet und durch die technologische Expertise der Produktentwicklung unterstützt. Damit bringt BACHMANN seine langjährige Erfahrung in den Bereichen Energieverteilung und Systemintegration für IT‑Infrastrukturen aktiv in das Forschungsprojekt ein.
Praxisnahe Erprobung in vier europäischen Demonstratoren
Ein zentrales Element von Shift2DC ist die Erprobung der entwickelten Lösungen unter realen Bedingungen. Hierfür werden insgesamt vier Demonstratorenn den Anwendungsfeldern Rechenzentren, Industrie, Gebäude und Häfen sowohl in Deutschland als auch Frankreich und Portugal aufgebaut.
Am Bachman- Hauptsitz in Stuttgart entsteht ein Rechenzentrums-Demonstrator, in dem zwei getrennte Versorgungsbereiche über ein gemeinsames DC-Verteilnetz betrieben werden. In diesem Umfeld werden Effizienz, Betriebssicherheit, Skalierbarkeit und Wirtschaftlichkeit von Gleichstromlösungen für Rechenzentren umfassend untersucht.
Daniel Stuckert, Head of Global Marketing & Product Management der Bachmann Group, sagt: „Rechenzentren gehören zu den Energie-intensivsten Infrastrukturen unserer Zeit und stehen gleichzeitig im Zentrum der digitalen Transformation. Mit unserem klaren Fokus auf Datacenter Solutions sehen wir eine besondere Verantwortung, aktiv an zukunftsfähigen, effizienten und nachhaltigen Energieversorgungskonzepten mitzuwirken.“, ergänzt.
Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Anwendernutzen im Fokus
Denn neben der technologischen Entwicklung legt Shift2DC großen Wert auf Lebenszyklusanalysen, Kosten‑Nutzen‑Bewertungen und Umweltverträglichkeitsprüfungen. Ziel ist es, DC‑Lösungen zu entwickeln, die nicht nur technisch machbar, sondern auch ökonomisch sinnvoll und ökologisch nachhaltig sind.
Darüber hinaus entstehen im Projekt benutzerfreundliche Software‑Tools, mit denen Planer, Ingenieure und Entscheidungsträger DC‑Systeme entwerfen, simulieren und bewerten können. Diese Werkzeuge sollen die systematische Bewertung unterschiedlicher Anwendungs- und Betriebsszenarien unterstützen und die Vergleichbarkeit von DC-Lösungen verbessern.
Mit im Projekt sind etwa auch Eaton und die RWTH, die es beispielsweise auf der DC Distribution Grid Conference am 16. und 17. April in Aachen vorgestellt haben.
Stand: 08.12.2025
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