OpenStack Summit in Berlin

OpenStack unter dem Vorzeichen Kubernetes

| Redakteur: Ulrike Ostler

Das Gipfeltreffen der globalen OpenStack Community findet vom 13. bis 15. November 2018 in Berlin statt, das erste Mal überhaupt in Deutschland.
Das Gipfeltreffen der globalen OpenStack Community findet vom 13. bis 15. November 2018 in Berlin statt, das erste Mal überhaupt in Deutschland. (Bild: Ulrike Ostler/Vogel IT-Medien GmbH)

Seit heute findet in Berlin der „OpenStack Summit“ statt. Gemeinhin steht OpenStack für Virtualisierung und Private-Cloud-Implementierungen. Doch in Berlin positioniert sich die OpenStack Foundation im Multi-Cloud-Umfeld und hebt die Bare-Metal-Einsatzszenarien mit „Kubernetes“ hervor.

Die OpenStack-Community zählt rund 100.000 Einzelnutzer in 187 Ländern. Die Organisation dahinter, die OpenStack Foundation (OSF), verwaltet die zugehörigen Open-Source-Projekte und organisiert Veranstaltungen zur Rechenzentrums-Cloud, zum Edge-Computing, NFV, CI/CD und Container-Infrastruktur. Zweimal pro Jahr findet der „OpenStack Summit“ statt, in diesem Jahr das erste Mal in Deutschland. Aktuelle Trends sollen auch hier eine Rolle spielen: 5G, Edge-Computing, Industrie 4.0 (IIoT = Industrial Internet of Things) und Hochleistungsanwendungen (HPC = High Performance Computing).

So sieht man bei Red Hat die Kombi aus OpenStack und Kubernetes.
So sieht man bei Red Hat die Kombi aus OpenStack und Kubernetes. (Bild: Ulrike Ostler/ Vogel IT-Medien GmbH)

Darüber hinaus befragt die Foundation die Mitglieder zu den jüngsten Trends. Die diesjährige Nutzerumfrage, die elfte ihrer Art und heute vorgestellt, ist eine Momentaufnahme des Projekts und spiegelt 900 Benutzerimplementierungen wider. Sie dokumentiert mehr als zehn Millionen Rechenkerne in über 60 Ländern, auf denen OpenStack läuft – und eine wachsende Anzahl von OpenStack-Bare-Metal-Clouds unter Einsatz von Kubernetes. OVH beispielsweise, 1999 gegründeter Betreiber von 28 Rechenzentren mit weltweit rund 360.000 Servern und 260.000 Instanzen in Produktion sowie 150 Petabyte physischem Speicher auf „Swift“, kündigt auf der Konferenz eine eigene Bare-Metal-Cloud an.

Überhaupt bestimmt die Dominanz des Container-Frameworks, das über die Cloud Native Computing Foundation (CNCF) verwaltet wird, auch die Diskussionen rund um neue OpenStack-Projekte. Jonathan Bryce, Geschäftsführer der OpenStack Foundation, betont in seiner Keynote: „Eine offene Infrastruktur wäre ohne eine solide Plattform, welche die von Ihnen benötigten Werkzeuge integrieren kann, nicht möglich. OpenStack ist diese Plattform“, so Bryce, und noch deutlicher: „Eine offene Infrastruktur beginnt mit OpenStack.“

Doch laut Bryce besteht eine „offene Infrastruktur“ aus mehr als ein paar Tools. So gibt sich die Foundation einen neuen Governance-Rahmen und erweitert die Mission des OSF, Entwickler, Benutzer und generell das Ökosystem der offenen Infrastruktur zu unterstützen. Dies soll durch die Bereitstellung einer Reihe von gemeinsamen Ressourcen zum Aufbau einer Community geschehen. Intendiert ist eine Erleichterung der Zusammenarbeit zwischen den Nutzern und Unterstützung für die Integration von Open-Source-Infrastrukturtechnologien, die das OpenStack-Softwareprojekt ergänzen und unabhängig gehostet und verwaltet werden.

Dieser Rahmen soll ferner dazu beitragen, dass neue Projekte von der Pilot- zur Bestätigungsphase übergehen. In diesem Rahmen müssen neue Projekte für die offene Infrastrukturgemeinschaft und ihre Open-Source-Integrationsstrategie relevant sein. Die ersten vier Pilotprojekte dieser Art sind „Airship“, „Kata Containers“, „Starling X“ und „Zuul“. Im kommenden Jahr werden Initiativen im Bereich Künstliche Intelligenz und Machine Learning hinzukommen.

Die erste Version der quelloffenen Edge-Cloud-Software Starling X

OpenStack im Edge

Die erste Version der quelloffenen Edge-Cloud-Software Starling X

29.10.18 - „Starling X“ ist Open Source und bietet auf Basis des von Intel und Wind River beigesteuerten Codes einen vollständig integrierten Stapel zur Unterstützung verteilter Edge-Anwendungen. Die Software steht seit der vergangenen Woche zur Verfügung. lesen

Während es sich bei Airship um lose gekoppelte, aber interoperable Tools handelt, mit denen sich beschreibender Weise das Cloud-Provisioning automatisieren lässt, stellt Kata per leichtgewichtigen VMs Runtime und Isolation von Containern zur Verfügung. Starling X adressiert Clouds für verteiltes Edge-Computing mit einer Spezialisierung auf High Performance und Anwendungen, die nahezu keine Verzögerungen erlauben. Zuul wiederum soll die CI/CD-Plattform sein, mit der sich konstante Integration und permanente Anpassungen über die unterschiedlichsten Systeme und Anwendungen bewerkstelligen lassen.

Zu den Ergebnissen der Nutzerumfrage gehören:

  • Obwohl OpenStack-Anwender sich oft auf proprietäre Public Clouds wie Amazon Web Services (AWS) (44 Prozent), Microsoft Azure (28 Prozent) oder Google Compute Engine (GCP / 24 Prozent) verlassen, gab der durchschnittliche Befragte an, dass 58 Prozent seiner Infrastruktur auf OpenStack basieren. Das spreche unter anderem für ein wachsendes Angebot von OpenStack-Umgebungen aus Public Clouds, so Bryce.
  • Kubernetes ist nach wie vor die Nummer-1-Rahmenarchitektur für die Container-Orchestrierung unter OpenStack.
  • Durch die Akzeptanz von Kubernetes wächst die Nutzung von OpenStack-Clouds für reine Hardware-Systeme (Bare Metal). Dieser Trend zeichnet sich seit Jahren ab. Die Technik, die hier im OpenStack-Umfeld maßgeblich ist, trägt die Bezeichnung „Ionic.“ Die diesjährige Umfrage zeugt tatsächlich von einem bedeutsamen Wachstum: 24 Prozent der Produktionsbereitstellungen stützen sich heute auf Ironic - Im Jahr 2016 waren es lediglich neun Prozent. Unter den Anwendern, die Kubernetes auf OpenStack betreiben, ist die Akzeptanz von Ironic mit 37 Prozent noch größer. Und auch „Magnum„“, der CNCF-zertifizierte Installateur für Kubernetes auf OpenStack, ist auch in dieser Gruppe weit verbreitet; 16 Prozent nutzen ihn.

Nach Angaben der OpenStack Foundation wächst die Benutzerbasis weiter - insbesondere über IT-Organisationen hinaus, die zunächst das Gros der Contributer und Nutzer ausgemacht haben. Die OSF verzeichnet in den Bereichen Finanzdienstleistungen mittlerweile acht Prozent der Implementierungen, in staatlichen und militärischen Organisationen sechs Prozent und beim Einzelhandel beziehungsweise E-Commerce vier Prozent. Damit bleibt die IT mit 44 Prozent der Implementierungen zwar nach wie vor die größte Branchenkategorie, der Anteil schwindet jedoch von zuletzt nachgefragten 51 Prozent im Jahr 2017.

Die Umfrage der OSF zeigt, dass Unternehmen verschiedener Größe OpenStack verwenden. Rind 60 Prozent der Implementierungen bewegen sich zwischen 10 und 1.000 Nodes, lediglich 10 Prozent darunter. Edge-Computing beginnt erst.
Die Umfrage der OSF zeigt, dass Unternehmen verschiedener Größe OpenStack verwenden. Rind 60 Prozent der Implementierungen bewegen sich zwischen 10 und 1.000 Nodes, lediglich 10 Prozent darunter. Edge-Computing beginnt erst. (Bild: OpenStack Foundation)

Tatsächlich ist OpenStack neben dem Linux-Kernel und Chromium eines der aktivsten Open-Source-Projekte. Die Foundation kommt auf 70.000 Beiträge im vergangenen Jahr bei einem Zyklus von durchschnittlich 182 Änderungen pro Tag.

Die neuen Mitglieder aus der Anwenderreihe

Die Foundation verweist zudem auf neue Mitglieder, um die Lebendigkeit der Community zu unterstreichen: Metronom, Oerlikon Man Made Fibers, SBAB Bank, UK Science & Technology und Volkswagen Financial Services sprechen auf dem Summit in Berlin.

  • Metronom ist der IT-Dienstleister der in 25 Ländern tätigen Großhandelskette Metro AG. In dem Vortrag geht es etwa darum, wie quelloffene Software die interne Kultur beeinflusst.

Georg Strausberg, CEO des Manmade Fibres Segment von Oelikon, präsentiert eine der 40.000 bis 50.000 Spulen mit Fasern, die pro Tag hergestellt und für die rund 900 Tonnen Polyester gewickelt werden.
Georg Strausberg, CEO des Manmade Fibres Segment von Oelikon, präsentiert eine der 40.000 bis 50.000 Spulen mit Fasern, die pro Tag hergestellt und für die rund 900 Tonnen Polyester gewickelt werden. (Bild: Ulrike Ostler/Vogel IT Medien GmbH)

  • Oerlikon Manmade Fibers, ein Hersteller von Maschinen für die Textilindustrie, erläutert seine auf OpenStack basierende Edge-Computing-Architektur. Diese erlaubt den Kunden, aus Millionen Tonnen Geotextilfasern feine Spezialgarne herzustellen, von denen der Faden einer 15 Kilogramm schweren Spule von der Erde bis zum Mond und zurück reichen würde.
  • Georg Strausberg, CEO von Manmade Fibres, betont die Notwendigkeit, die verschiedenen Systeme im Unternehmen zu integrieren, auch wenn diese zum Teil älter als zehn Jahre seien. Auch seien die Produktionsmaschinen größtenteils in China, die Rechenzentren aber zum Teil an anderen Standorten lokalisiert. Das dürfe aber alles kein Hindernis sein, die Fabrikation in eine smarte zu verwandeln. Schon jetzt bestehe eine Produktion aus mehr als 120 Maschinen mit mehr als 69.120 Sensoren.

Bei Oerlikon ist man auf dem Weg zur smarten Fabrik - mithilfe von lernenden Systemen und OpenStack-Infrastruktur.
Bei Oerlikon ist man auf dem Weg zur smarten Fabrik - mithilfe von lernenden Systemen und OpenStack-Infrastruktur. (Bild: Ulrike Ostler/Vogel IT-Medien GmbH)

  • SBAB Ban ist die fünftgrößte Bank in Schweden und OpenStack-Anwender. Der Summit-Vortrag dreht sich um digitale Geschwindigkeit und Flexibilität. Die Bank nutzt „City Cloud for Bank & Finance“ auf der Grundlage einer selbst verwalteten private Cloud.
  • Der britische Science and Technology Facilities Council, der Tausende von Wissenschaftlern mit rund 4.000 vCPU-Kernen unterstützt, berichtet über die Aktualisierung vom OpenStack-Release „Mitaka“ auf „Queens“ (Die aktuelle Version trägt die Bezeichnung „Rocky“).
OpenStack 13 verspricht Projektreife und Freundlichkeit

Mitaka heißt die 13. Version von OpenStack

OpenStack 13 verspricht Projektreife und Freundlichkeit

07.04.16 - „Mitaka“, die 13. Version von OpenStack, soll mit vereinfachter Handhabung, besserer Skalierbarkeit und optimiertem Nutzererlebnis aufwarten und damit den Bedürfnissen von Unternehmen und Dienstleistern entsprechen. lesen

OpenStack wird einfacher

Die neue Version „Queens“ verbessert vor allem die Administrierbarkeit

OpenStack wird einfacher

01.03.18 - „Queens“ ist das 17. Release von OpenStack, und erstmals stehen nicht erweiterte technische Möglichkeiten für Private Clouds im Vordergrund. Die hervorgehobenen Neuerungen zielen vor allem auf eine einfachere Nutzbarkeit. lesen

  • Volkswagen Financial Services nimmt mit Verizon an einem Branchenforum zum Datenschutz teil und erläuterte die firmeneigene Strategie zur Nutzung von OpenStack- und Container-Technologien für ständige beziehungsweise unregelmäßige Arbeitslasten.

Allen Anwendern gemeinsam ist, dass sie OpenStack als Integrations-Layer verstehen.

Die OpenStack-erfahrenen Anwender

Generell kann der OpenStack-Summit in Berlin mit Vorträgen zu mindestens 35 Open-Source-Projekten sowie zahlreichen Anwendervorträgen punkten.

  • AT&T etwa demonstriert seine auf Standards basierende kommerzielle 5G-Implementierung und zeigt auf, wie sie aus der Cloud heraus entsteht. Die Präsentation beschäftigt sich zudem damit, wie OpenStack und „Airship“ eine offene Infrastruktur für den neuen 5G-Kern von AT&T antreiben, der 5G-Implementierungen ermöglicht.
  • BMW und Le BonCoin, die am fünfthäufigsten besuchte Webseite in Frankreich, erläutern, warum sie sich auf „Zuul“, die CI/CD-Plattform der OpenStack-Community, verlassen.
  • China Union Pay stellt die Ergebnisse eines gemeinsamen Big-Data-Projekts mit der China Fudan University vor.
  • Die Ebay Classifieds Group erläutert, wie es seine private Cloud mit 80.000 Kernen für Spectre und Meltdown mit einem automatisierten Prozess unter Verwendung von Ansible Playbooks und OpenStack-APIs aktualisiert hat. Zu den OpenStack-Anwendern, die über Sicherheit sprechen, gehören auch das NASA Goddard’s NASA Center for Climate Simulation und das Pawsey Supercomputing Centre.
  • Oath leitet einen praktischen Workshop zur Aktualisierung einer OpenStack-Umgebung auf der Grundlage der bei einer sehr umfangreichen Aktualisierung gemachten Erfahrungen. Darüber hinaus werden Adobe Advertising Cloud und OVH ihre Erfahrungen mit OpenStack-Aktualisierungen teilen.
  • Volkswagen spricht über die enormen Vorteile von Kosteneinsparungen bei der Nutzung einer privaten Cloud für viele Arbeitslasten. OpenStack sei eine gute Möglichkeit zum Aufbau dieser Kompetenz.

Obwohl OpenStack bei vielen der anwesenden rund 2.700 Teilnehmern als `gereift gilt, sind die Tage der Integratoren längst nicht vorbei. Huwaei trägt bereits seit sechs Jahren zur Weiterentwicklung bei. Mit seiner „Full Stack Cloud“ adressiert das Unternehmen nicht nur Anwendungen im Rechenzentrum, sondern will auch in den Bereich, in dem sich Dinge vernetzen. Dafür sind folgende fünf Bereiche identifiziert worden:

  • 1. Artificial Intelligence (AI)
  • 2. Big Data
  • 3. Cloud
  • 4. DevOps
  • 5. Edge Computing

Im Bereich AI soll es insbesondere um die Frage gehen, wie sich die selbstheilende Cloud aufsetzen und betreiben lässt - laut OSF nutzen in China vier von fünf Cloud-Providern OpenStack – AI-basiert auf den Daten traditioneller IT-Systeme, aber auch auf Big Data. Da nicht alles an IT im Unternehmen in fremde Clouds wandert, liegt die Herausforderung für Huawei darin, die interne IT so zu vereinfachen, dass sie wie eine „interne, öffentliche Cloud“ funktioniert - also für die Anwender schnell und unkompliziert handhabbar.

DevOps bedeutet für Huawei OpenStack und Kubenetes: Das stehe nicht in Konkurrenz zueinander, sondern sei ein Mannschaftsspiel. Edge Computing bedeute Kameras mit integrierten AI-Chips, Rechenzentren in Autos, Lastwagen und Flugzeugen, Sensoren in allen Lebensbereichen. Das aber bedeute auch, dass sich die Hardware selbst ändere: GPUs und FPGAs kommen ins Spiel. (Übrigens läuft OpenStack nun auch auf ARM-bestückten Rechnern.)

Hinweis: Nach der Konferenz werden die Keynote-Präsentationen und Vertiefungsmodule des Berliner Summits zur Verfügung gestellt.

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