Bitkom-Umfrage Klimaneutral mit digitalen Technologien

Autor: Heidemarie Schuster

Einer Bitkom-Umfrage zufolge will fast jedes zweite Unternehmen in Deutschland perspektivisch klimaneutral werden. Die meisten von ihnen streben dies innerhalb der nächsten zehn Jahre an und Digitalunternehmen sollen dabei eine Vorreiterrolle einnehmen.

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Australien, die USA, Russland und Deutschland sind die Länder, deren ökologischer Fußabdruck im weltweiten Vergleich am größten ist. Die Digitalisierung kann ihn verkleinern.
Australien, die USA, Russland und Deutschland sind die Länder, deren ökologischer Fußabdruck im weltweiten Vergleich am größten ist. Die Digitalisierung kann ihn verkleinern.
(Bild: Jenny Sturm – stock.adobe.com_285075163.jpeg)

Unsere Erde sollte uns wichtig sein, schließlich haben wir derzeit keine realistische Alternative. Umso wichtiger ist es, die Umwelt zu schonen und den Klimawandel möglichst lange hinauszuzögern – ein Aufhalten ist mittlerweile nicht mehr möglich.

Die Wirtschaft muss einen großen Teil dazu beitragen und große Teile davon beschäftigen sich auch mit dem Klimawandel und der Notwendigkeit zu nachhaltigem Handeln. So haben sich 46 Prozent der Unternehmen in Deutschland eine freiwillige Selbstverpflichtung auferlegt, nach der sie zu einem bestimmten Zeitpunkt klimaneutral sein wollen.

Viele dieser Unternehmen wollen dazu digitale Technologien einsetzen und mit ihrer Hilfe effizienter, ressourcenschonender und klimaverträglicher wirtschaften. 22 Prozent der Befragten, die eine Klimaneutralität planen, wollen dieses Ziel bereits innerhalb der nächsten fünf Jahre erreichen.

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Wie so eigentlich nicht einmal die Hälfte?

Das sich knapp die Hälfte aller (IT-)Unternehmen eine Verpflichtung zur Klimaneutralität selbst auferlegen - der angegebene Zeitraum beläuft sich auf zehn Jahre - ist löblich. Allerdings handelt es sich um eine Selbstverpflichtung und die erinnert an „die guten Vorsätze“ zu jedem Jahresbeginn. Wenn es schwer wird sie einzuhalten, werden sie fallen gelassen und im darauffolgenden Jahr erneuert, beteuert. Manchmal ist ein Verlegenheitslächeln eingebaut.

Eigentlich sind doch die Klimaschutzzeile klar und zudem im „Green Deal“ durchaus verständlich formuliert. Es fragt sich also: Warum verpflichtet sich nicht einmal die Hälfte der befragten Unternehmen? Was machen die anderen? Leben die auf Kosten derer, die sich freiwillig verpflichten? .... auf Kosten der Privathaushalte?

Müssen den Säumern erst die IT-Reisen Google (siehe: Gearbeitet wird im Rechenzentrum, wenn der Wind bläst und die Sonne scheint Google will Datacenter-Workloads auf Sonnenstunden legen), Microsoft (siehe: Mehr Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre entfernen als produzieren, Ab 2030 will Microsoft CO2-negativ sein), Amazon es vormachen, wie das geht? Microsoft zum Beispiel wird seine Partner zwingen, auf die hauseigen Politik der positiven Klimabilanz einzuschwenken.

50 Prozent der Unternehmen, die klimaneutral werden wollen, haben sich dies für die nachfolgende Fünf-Jahres-Scheibe von 2026 bis 2030 vorgenommen. 10 Prozent möchten nach 2030, aber bis 2040 komplett klimaneutral werden und weitere 14 Prozent nach 2040, aber spätestens bis zum Jahr 2050. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 750 Unternehmen in Deutschland mit 20 oder mehr Mitarbeitern.

Der Studie zufolge wollen weitere 27 Prozent der befragten Unternehmen ihren CO2-Ausstoß zwar reduzieren, streben dabei jedoch keine komplette Klimaneutralität an. 17 Prozent haben eine CO2-Senkung derzeit nicht konkret geplant, planen dies allerdings für die Zukunft.

„Sehr viele Unternehmen haben sich schon ganz konkret damit befasst, wie sie ihren CO2-Ausstoß senken können“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Teile der Wirtschaft verordnen sich sogar freiwillig Klimaziele, die sehr viel ehrgeiziger sind als die Vorgaben der Politik. Diese Bemühungen sollten weiter gefördert werden, etwa durch Anreize für Investitionen in klimaschonende Technologien.“

Digitalisierung kann helfen

Digitale Technologien können maßgeblich dazu beitragen, den CO2-Ausstoß zu senken. Bei einer konsequenten und beschleunigten Digitalisierung in der industriellen Fertigung und der Mobilität, von Gebäuden und Arbeitsplätzen kann der CO2-Ausstoß im Jahr 2030 verglichen mit 2019 um 120 Millionen Tonnen reduziert werden. Das entspricht fast der Hälfte der notwendigen Einsparungen von 262 Millionen Tonnen, die Deutschland für sein selbst gestecktes Klimaziel im Jahr 2030 erreichen muss. Das ist das Resultat der Bitkom-Studie „Klima-Effekte der Digitalisierung“.

„Schon jetzt verfügen wir über die notwendigen Technologien, um den CO2-Ausstoß schnell und effektiv zu senken“, so Berg. „Je schneller wir sie einsetzen, desto mehr CO2 können wir künftig einsparen.“

Große Hoffnungen auf Digitalunternehmen

Die Unternehmen in Deutschland setzen beim Thema Klimaschutz große Hoffnungen auf die Digitalwirtschaft. So sagen 86 Prozent, Digitalunternehmen sollten eine Vorreiterrolle im Kampf gegen den Klimawandel einnehmen. 79 Prozent meinen, Digitalunternehmen sollten ihren Einfluss nutzen, um Klimaschutz zu fördern. 91 Prozent wünschen sich, dass die Ausbildung von IT-Fachkräften künftig auch Klima- und Nachhaltigkeitsaspekte beinhaltet.

Über die Studien

Die Bitkom-Studie „Klima-Effekte der Digitalisierung“, wurde von Accenture durchgeführt. Die zweite genannte Umfrage führte Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom von Mitte September bis Ende Oktober 2020 durch. Dabei wurden 753 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern befragt.

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