Suchen

Mehr Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre entfernen als produzieren Ab 2030 will Microsoft CO2-negativ sein

| Autor: Ulrike Ostler

Ambitioniert: Ab 2030 will Microsoft mehr Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre entfernen als produzieren, also CO2-negativ sein. Die Absicht ist, bis 2050 den gesamten Kohlenstoff, den das Unternehmen seit seiner Gründung 1975 direkt oder durch Stromverbrauch emittiert hat, aus der Atmosphäre zurückholen.

Firmen zum Thema

Microsoft möchte am liebsten seine Kohlenstoffdioxid-Emissionen seit der Unternehmensgründung 1975 rückgängig machen und strebt jetzt eine negative CO2-Bilanz an.
Microsoft möchte am liebsten seine Kohlenstoffdioxid-Emissionen seit der Unternehmensgründung 1975 rückgängig machen und strebt jetzt eine negative CO2-Bilanz an.
(Bild: © Olivier Le Moal - stock.adobe.com)

Ein neues Klimaschutzprogramm soll zudem Lieferanten und Kunden des Unternehmens dabei unterstützen, ihren eigenen CO2-Fußabdruck zu verringern. Außerdem legt Microsoft einen neuen Klima-Innovationsfonds für die Entwicklung nachhaltiger Technologien weltweit auf.

Bei einer Veranstaltung auf dem Microsoft Campus in Redmond gaben gestern Microsoft-CEO Satya Nadella (rechts), -President Brad Smith, -Chief Financial Officer Amy Hood und -Chief Environmental Officer Lucas Joppa die neuen Ziele des Unternehmens und einen detaillierten Plan zur Senkung des Kohlendioxidausstoßes bekannt.
Bei einer Veranstaltung auf dem Microsoft Campus in Redmond gaben gestern Microsoft-CEO Satya Nadella (rechts), -President Brad Smith, -Chief Financial Officer Amy Hood und -Chief Environmental Officer Lucas Joppa die neuen Ziele des Unternehmens und einen detaillierten Plan zur Senkung des Kohlendioxidausstoßes bekannt.
(Bild: Microsoft)

„Während die Welt CO2-Neutralität erreichen muss, sollten diejenigen von uns, die schneller vorangehen können, dies auch tun. Deshalb kündigen wir heute ein ehrgeiziges Ziel und einen neuen Plan an, um Microsofts CO2-Fußabdruck zu reduzieren und letztendlich ganz zu beseitigen", bekundet Microsoft-President Brad Smith. „2030 wird Microsoft CO2-negativ sein und bis 2050 den gesamten Kohlenstoff aus der Atmosphäre entfernen, den das Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 1975 entweder direkt oder durch seinen Stromverbrauch emittiert hat.“

Die drei Stoßrichtungen

Die Initiative zielt sowohl auf die direkten Emissionen des Unternehmens als auch auf den CO2-Ausstoß in der gesamten Liefer- und Wertschöpfungskette. Das Ziel ist es, sowohl die eigenen direkten Emissionen als auch die Emissionen durch Stromverbrauch bis Mitte dieses Jahrzehnts auf nahezu Null reduzieren. Erreicht werden diese Ziele durch ein Portfolio von Maßnahmen, zu denen Aufforstungsprojekte zählen, Maßnahmen zur Bindung von Kohlenstoff im Boden, Bioenergie in Verbindung mit CO2-Abscheidung und -Speicherung, sowie direkte CO2-Rückgewinnung aus der Luft.

Genauer: Wissenschaftlichen Klassifizierungen folgend unterscheidet Microsoft drei Arten von CO2-Emissionen.

  • 1. „Scope 1“ umfasst die direkten Emissionen, die ein Unternehmen mit seinen Geschäftsaktivitäten verursacht.
  • 2. „Scope 2“ bezeichnet indirekte Emissionen bei der Erzeugung von Strom und Wärme, die ein Unternehmen nutzt.
  • 3. „Scope 3“ – der größte und am schwierigsten zu quantifizierende Teil – sind die Emissionen aus allen Aktivitäten, in die ein Unternehmen involviert ist. Dazu zählt der CO2-Ausstoß bei Zulieferern, bei der Förderung von Rohstoffen für Produkte, den Materialien für den Bau von Firmengebäuden oder die Dienstreisen von Mitarbeitern. Ebenso zählt dazu der vollständige Lebenszyklus der Produkte eines Unternehmens bei Kunden, zum Beispiel der Stromverbrauch für das regelmäßige Aufladen.
  • 4. Microsoft bekennt sich dazu, in allen drei Bereichen bis 2030 CO2-negativ zu werden. Um die Fortschritte transparent zu machen, dokumentiert Microsoft seine Bemühungen in einem neuen, jährlichen Nachhaltigkeitsbericht (Environmental Sustainability Report).

Schnell soll es gehen: Microsoft wird seine direkten Emissionen und die indirekten Emissionen aus dem Stromverbrauch (Bereiche 1 und 2) bis Mitte der 2020er Jahre auf nahezu null bringen. Bis 2025 will der Konzern seinen Strom für Datencenter und Firmengebäude zu 100 Prozent auf regenerative Quellen umstellen. Die Fahrzeugflotten an den verschiedenen Standorten sollen bis 2030 aus Elektroautos bestehen.

Das ist der Weg in eine negative CO2-Bilanz, den Microsoft vorsieht.
Das ist der Weg in eine negative CO2-Bilanz, den Microsoft vorsieht.
(Bild: Microsoft)

Außerdem wird der Konzern auch seine Mitarbeiter in das Programm zur Reduzierung von CO2-Emissionen und zur Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre einbinden. Hierzu werden Möglichkeiten geschaffen, Mitarbeiter aktiv zu beteiligen. Unter anderem soll es jedes Jahr einen einwöchigen Hackathon geben, bei dem Mitarbeiter Vorschläge zur CO2-Reduzierung entwickeln können.

Mit im Boot und in der Pflicht

Microsoft beabsichtigt zudem, Lieferanten und Kunden auf der ganzen Welt dabei zu unterstützen, ihren eigenen CO2-Fußabdruck mithilfe von Microsoft-Technologien zu verringern. Die indirekten Emissionen entlang der gesamten Zuliefer- und Wertschöpfungskette (Bereich 3) sollen sich bis 2030 mehr als halbieren.

Ab Juli 2020 wird Microsoft deshalb die interne CO2-Abgabe ausweiten und auf diese Bereiche ausdehnen. Derzeit liegt die Abgabe bei 15 Dollar pro Tonne CO2, wird bislang aber nur für direkte Emissionen und Emissionen aus dem Stromverbrauch (Bereiche 1 und 2) erhoben. Microsoft betont, dass die Abgabe keine „Schattenabgabe“ sei, sondern tatsächlich von den verschiedenen Geschäftsbereichen gezahlt und dafür genutzt werde, Verbesserungen der Nachhaltigkeit zu finanzieren.

Die Abgabe für die indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette (Scope 3) werde zunächst niedriger sein und schrittweise angehoben. Ab Juli 2021 stellt Microsoft zudem neue Tools bereit, mit denen Zulieferer ihre CO2-Emissionen (Scope 1, 2 und 3) reduzieren können.

Eine Milliarde Dollar für Technologien zur Reduktion und Entfernung von CO2

Das CO2-Problem zu lösen erfordert zudem Technologien, die heute noch nicht verfügbar sind. Der Konzern legt deshalb einen Klima-Innovationsfonds auf mit einem Budget von einer Milliarde Dollar, die in den kommenden vier Jahren investiert werden. Der Fokus liegt dabei auf der Beschleunigung bereits laufender Technologie-Entwicklung durch Projektfinanzierung und Darlehen, aber auch auf der Förderung neuer Innovationen durch Beteiligungen an Firmen und Darlehen.

Über den Fonds hinaus wird Microsoft auch weiterhin über das Programm „AI for Earth“ Klimaschutzprojekte unterstützen. Mit diesem Programm wurden in den zurückliegenden zwei Jahren 450 Stipendiaten (Grantees) in mehr als 70 Ländern gefördert.

Microsoft wird seine Kunden befähigen, ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren, und die Potenziale von Data Science, künstlicher Intelligenz und digitalen Technologien für den Klimaschutz nutzbar machen. Die Learnings aus dem eigenen Klimaschutzprogramm wird Microsoft mit seinen Kunden teilen. Nachhaltigkeit wird Teil der Verkaufs- und Vertragsverhandlungen mit Zulieferern und Kunden, inklusive des Angebots neuer digitaler Tools zur Erfüllung von Nachhaltigkeitszielen.

Transparenz und Verpflichtung

Ab sofort ist etwa ein neuer Nachhaltigkeitsrechner von Microsoft verfügbar, der so genannte „Azure Carbon Calculator“. Dieser berechnet die CO2-Emissionen aus der Nutzung von Azure-Services und stellt sie auf einem „Power-BI“-Dashboard dar. Damit sollen Kunden einen Überblick gewinnen, um ihren CO2-Abdruck durch die Nutzung von Cloud-Lösungen besser zu verstehen, den möglichen Nutzen einer vollständigen Cloud-Migration zu berechnen und den indirekten CO2-Fußabdruck aus der IT-Nutzung zu schätzen. Für weitere Lösungen wie Teams, Edge und andere Dienste hat Microsoft ebenfalls Transparenz-Tools angekündigt.

Zu den politischen Initiativen, die für eine beschleunigte CO2-Reduzierung und -Beseitigung sorgen sollen, gehört die 1,5-Grad-„Business Ambition Pledge“ der UN, die Microsoft nun unterzeichnet hat. Dieses Bündnis von Unternehmen unterstützt das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Insgesamt will Microsoft ab 2030 mehr CO2 aus der Atmosphäre entfernen, als das Unternehmen verursacht. Neben den genannten Maßnahmen gehören Aufforstungsprojekte, Projekte zur Bindung von Kohlenstoff im Boden, Bioenergie in Verbindung mit CO2-Abscheidung und -Speicherung, sowie direkte CO2-Rückgewinnung aus der Luft in das Portfolio, das sich Microsoft zulegt.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:46319301)

Über den Autor

 Ulrike Ostler

Ulrike Ostler

Chefredakteurin, DataCenter-Insider