Boston IT Technology Innovation Day KI und Nachhaltigkeit im Zentrum

Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Geschützt durch 3G-Regeln trafen sich am 21. Oktober Kunden und Partner von Boston IT live zum diesjährigen Technology Innovation Day des Systemintegrators. Thematische Schwerpunkte waren KI-Infrastrukturen eine nachhaltigere IT.

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Boston-IT präsentierte auf seinem Technologie- und Innovationstag 2021 neue Partner und aktuelle Technik zu 'AI-ready datacenter' und Nachhaltigkeit.
Boston-IT präsentierte auf seinem Technologie- und Innovationstag 2021 neue Partner und aktuelle Technik zu 'AI-ready datacenter' und Nachhaltigkeit.
(Bild: Boston IT)

Wer wird das Rennen um die beste Infrastruktur für KI, um das „AI-ready Datacenter“ gewinnen? Im Wettbewerb steht derzeit neben den Prozessor-Marktführern Intel und AMD vor allem Nvidia. Der Beschleunigerspezialist ist auf diesem Gebiet derzeit einen Schritt weit voraus.

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Veranstaltungshinweis

Seit heute findet die Veranstaltung „Nvidia GTC 2021 statt. Ein Highlight dürfte auch in diesem Jahr die für den 9. November angekündigte Keynote vom Nvidia-Chef Jensen Huang sein. Sie ist gespickt mit Kundenbeispielen aus dem Bereich Künstliche Intelligenz, aber auch zu Digitalen Zwillingen und wirft ein Schlaglicht auf die Welt von morgen.

Wohl deshalb hielt Alfred Manhart, Vice President Channel EMEA bei Nvidia, die einführende Keynote zur Boston-Veranstaltung. Konkurrent Intel folgte mit zehn Minuten kürzeren und sehr viel allgemeineren Ausführungen.

Enge Partnerschaft mit Nvidia

Boston IT ist Elite-Partner von Nvidia. Dessen Spezialprozessoren, aber noch mehr die Entwicklungsumgebung „Cuda“ bleiben oft Sieger bei der Auswahl geeigneter KI-Hard- und Software für komplexe Prozesse.

Nvidia hat sich zudem im Lauf der Zeit ein weiträumiges und engmaschiges Partnernetz aufgebaut. Das führt dazu, dass inzwischen mehr als 2000 Apps für Nvidia geschrieben wurden und rund 2,5 Millionen Entwickler weltweit für den GPU-Speziaisten Software schreiben.

Einheitlicher Management-Layer

Ein AI-ready Datacenter, erklärte Manhart in seinem Vortrag, kombiniere idedalerweise die Fähigkeiten von Nvidia-Beschleunigern mit denen von „VMware vSphere“ respektive „Tanzu“.

"Wir bauen mit unseren Partnern die Infrastruktur fürs Datenzeitalter", Alfred Mannhardt, Vice President Channel EMEA bei Nvidia.
"Wir bauen mit unseren Partnern die Infrastruktur fürs Datenzeitalter", Alfred Mannhardt, Vice President Channel EMEA bei Nvidia.
(Bild: Ariane Rüdiger)

Insgesamt sieht sich Nvidia aber vor allem als Lieferant eines einheitlichen, auf VMware ausgelagerten Management-Layer für die gesamte AI-Landschaft. Für Intel und AMD bleibt in diesem Zukunftsbild nicht viel Raum.

KI-Hardware: Chance für Startups

Daneben bringen ganz neue Spezialplayer Datenanalyse-Hardware. Ein Beispiel ist Graphcore, ein weiterer Boston-Partner.

Dessen KI-Maschinen basieren auf einem eigenen Prozessor-Design, der IPU (Intelligent Processing Unit). Die IPU-Komponenten werden von einem Host-Server unterstützt. Es gibt zwei bis auf fünf Einheiten skalierbare Systemmodelle mit einem und vier IPUs.

Im größeren „IPU-Pod64“ stecken vier der Multicore-IPUs. Die Hardware schafft eine Rechenleistung von 16 PetaFlops. Insgesamt stecken über 94.000 Rechenkerne in dem System. Sie sind über eine 2,8 Terabit pro Sekunde (TBit/s) schnelle Fabric miteinander verbunden.

Intel versucht aufzuholen

Doch Intel ist dabei, aufzuholen. Wie Günther Wernhard, verantwortlich für das Datacenter-Geschäft des Chipriesen im Raum Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH), versicherte, werde man 2022 ebenfalls Beschleunigerkarten auf den Markt bringen. Im Übrigen sei bei vielen Projekten „der Invest in Spezial-Hardware nicht nötig“ (Wernhard), sie kämen bestens mit „Xeon“ zurecht. Das habe auch den Vorteil, dass die Technologie bekannt sei und meistens genügend Know-how dazu im Unternehmen stecke.

Vier intelligente Verarbeitungseinheiten (IPU) stecken in diesem KI-Board von Graphcore.
Vier intelligente Verarbeitungseinheiten (IPU) stecken in diesem KI-Board von Graphcore.
(Bild: Ariane Rüdiger)

Außerdem habe man bei Intel erkannt, dass es nötig sei, überall auf der Welt zu fertigen. Neben der europäischen Fabrik in Irland soll nun auch eine Fab in Kontinentaleuropa entstehen. Derzeit läuft das Auswahlverfahren für einen geeigneten Ort.

KI mit Xeon: Fendt

Ein Beispiel dafür gab es auch: Der Landtechnik-Spezialist Fendt aus dem Allgäu nutzt einen auf Xeon basierenden Supermicro-Cluster, um Strömungssimulationen an Traktormodellen durchzuführen. Sie optimieren die Luftführung, die Heizung oder andere Elemente.

Mit der Übernahme durch die 2CRSI-Gruppe 2019 hat Boston Zugriff auf weitere interessante Projekte gewonnen. So gehört 2CRSI zu dem Konsortium, das im Auftrag der EU bis 2025 einen eigenen Prozessor auf RISC-V-Basis entwickeln soll.

German Edge Cloud verwendet 2CRSI-Hardware

Auch bei einem weiteren Großprojekt, GaiaX, ist Boston über 2CRSI mittelbar dabei. Denn für die Rittal-Tochter German Edge Cloud, einen wesentlichen Player im Rahmen von GaiaX, liefert 2CRSI Infrastruktur zu. Die Fraunhofer-Institute kooperieren wiederum beim Aufbau ihrer Edge-Infrastruktur mit German Edge Cloud.

Michael Fritz, Manager Corporate Business Development ICT der Fraunhofer-Gesellschaft e.V. in Zusammenarbeit mit German Edge Cloud, berichtete vom Fortgang des Projekts. Nach rund zwei Jahren Laufzeit sind seit September 2019 drei Fraunhofer-Institute von German Edge Cloud ausgerüstet und miteinander vernetzt. Bei weiteren läuft die Umsetzung.

Dadurch können die Institute anspruchsvolle Projekte, bei denen massenweise Daten verarbeitet werden müssen, besser gemeinsam bewältigen. Ein Beispiel ist die Optimierung komplexer Fertigungsprozesse mit KI-Methoden.

2CRSI:Mehr Nachhaltigkeit durch 21 Zoll und Flüssigkühlung

Das zweite wichtige Thema der Tagung war Nachhaltigkeit, verstanden im ökologischen und ökonomischen Sinn. „Wenn wir in Europa nicht selbst mehr IT bauen, verlieren wir neben den Produktions-, auch noch die Dienstleistungsmärkte“, ist Alain Wilmouth, CEO und Gründer von Boston-Mutterunternehmen 2CRSI, überzeugt. „Wir konkurrieren längst nicht mehr mit Dell, HP oder IBM, die sämtlich bauen lassen, sondern mit Firmen wie Quanta oder Wistron“, betonte er.

Bei den eigenen Systemen der Hausmarke „Octopus“ vermeidet 2CRSI Komplexität. Das dient Nachhaltigkeit und Kostensenkung. Es werden so wenig wie möglich Komponenten genutzt, effektivere Lüfter mit größerem Durchmesser oder gleich direkte Kühlung eingesetzt. Außerdem verwendet 2CRSI die im Hyperscaler-Sektor genutzte 21-Zoll-Technik. 2CRSI-Geräte stehen beispielsweise in 18 von 20 US-Top-Universitäten.

Mehr Platz zwischen den Wänden

Das 21-Zoll-Format habe viele Vorteile, betonte Wilmouth, vor allem mehr Platz für Kabel und Luftströmungen. Anders als bei der 19-Zoll-Technik beziehe sich das Maß auf die lichte Weite. Die Wände des Trays gehören also nicht zu den 21 Zoll.

Ein direkt gekühlter Einschub für die „Octopus“-Serie. Man erkennt die schwarzen Schläuche für die Zuführung der Kühlflüssigkeit.
Ein direkt gekühlter Einschub für die „Octopus“-Serie. Man erkennt die schwarzen Schläuche für die Zuführung der Kühlflüssigkeit.
(Bild: Ariane Rüdiger)

Zudem fördert OCP (Open Compute Project) das Refurbishing von Gehäusen oder auch Komponenten von Systemen aus Hyperscaler-Rechenzentren. Firmen wie Boston-Kooperationspartner ITRenew arbeiten ausgemusterte Gehäuse und Komponenten von Hyperscalern auf, renovieren sie und verkaufen sie günstig an Enterprise-Rechenzentren zur Weiternutzung.

2CRSI zeigte auf der Boston-Veranstaltung ein halbhohes Octopus Rack, das mit Einschüben in 21-Zoll-Technik arbeitet und direkt flüssig gekühlt wird. Das am Systemausgang heiße Kühlwasser kann dann beispielsweise Büros heizen.

In Zukunft Immersion

Bei Immersionskühlung hängt die Digitaltechnik in einer inerten Spezialflüssigkeit. Hinichtlich der Technologie arbeitet Boston mit Asperitas und der britischen Submer zusammen. Das Loewe-Institut der Goethe-Universität in Frankfurt nutzt die Technik bereits.

Vor dem Einbau der professionellen Immersionsanlage für die Supermicro-Systeme hatte das Institut versucht, eine Immersionskühlung im Eigenbau mit einem Glykol-Wasser-Gemisch als Kühlmedium zu realisieren. Dieses Experiment scheiterte aber: Das Kühlmittel beschädigte Dichtungen, so dass Kühlflüssigkeit austrat. Die Profi-Lösung von Boston funktioniert.

Alu-Server fürs Edge ohne Lüfter

Ein neuer Boston-Partner ist Prime Computer aus der Schweiz. Das Unternehmen wurde für seine lüfterlose Rechnerserie bereits mit grünen Auszeichnungen geehrt. Nun bringt Prime mit „Prime Station Pulsar“ eine lüfterlose, leistungsstarke Workstation mit Gehäuse aus Recycling-Alu fürs Edge auf den Markt. Laut Prime ist das Gerät klimaneutral, wobei die genaue Definition dieses Begriffs seitens Prime im Dunkeln bleibt.

Auch KMUs finden bei Boston geeignete Lösungen, zum Beispiel die des HCI-Anbieters Scale. Hierzulande noch recht unbekannt, sind „Scale HC3“-Lösungen bei kleineren Unternehmen in den USA sehr beliebt. „Uns haben einfache Bedienung, Flexibilität und das gesamte Geschäftsgebaren überzeugt“, sagt Georg Klauser, Geschäftsführer der Boston Server & Storage Solutions.

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