Meisterhaft: IT-Manager von Rechenzentren

Ein Rechenzentrum für die Herausforderung von Morgen

| Autor / Redakteur: Stefan Wiechers / Ulrike Ostler

Wer ein die Rechenzentrums-IT managen will, braucht Meisterschaft, Know-How und den Blick für das Wesentliche in der Infrastruktur.
Wer ein die Rechenzentrums-IT managen will, braucht Meisterschaft, Know-How und den Blick für das Wesentliche in der Infrastruktur. (Bild: CC0: Klimkin/Pixabay / CC0)

Im Frühjahr 2017 hat die International Data Corporation (IDC) im Auftrag von Intel und Lenovo die Herausforderungen analysiert, welche IT-Manager heute meistern müssen*. Das Ergebnis der Analyse wird der Autor, Stefan Wiechers, Solution Architect bei Lenovo, im Rahmen seines Vortrags auf dem DataCenter Day 2017 noch ausführlicher vorstellen.

IT Manager sehen sich heute mit drei übergreifenden Anforderungen konfrontiert, um auch in Zukunft eine wettbewerbsfähige Infrastruktur für ihr Unternehmen bereitstellen zu können:

  • Das Rechenzentrum modernisieren,
  • Risiken minimieren und
  • die Transformation von Geschäftsprozessen und der IT ermöglichen.

Dabei müssen IT-Organisationen immer vielfältigere, dynamischere und auf mehrere Geschäftsbereiche verteilte Anforderungen erfüllen.

In der Praxis bedeutet dies, dass unternehmenskritische Workloads ‚always on‘ bereitgestellt werden müssen, die Cloud-Nutzung effektiv und ausgewogen sein sollte und neue Anwendungen sowie iterative Datenanalysen ermöglicht werden. Infrastruktur-Teams stehen deswegen immer wieder vor der Herausforderung, neue Services schneller einrichten zu müssen, die Service Levels zu verbessern und eine höhere Performance zu liefern.

Damit IT Organisationen diese Ziele erreichen können, muss sich das Rechenzentrum weiterentwickeln. Infrastrukturmodernisierung und Automatisierung sind bei der Bereitstellung von Ressourcen unerlässlich, wenn diese agil und ohne Brüche genutzt werden sollen. Zunehmend setzen Kunden deswegen sowohl auf Software Defined Infrastructure (SDI) als auch auf Cloud-Computing-Modelle. So sollen die Bereitstellung von Anwendungen und Ressourcen on Demand ermöglicht und gleichzeitig die lokale Nutzung sowie die Nutzung in der Public Cloud optimiert werden.

Doch Agilität allein reicht nicht aus. Die Infrastruktur muss außerdem Zuverlässigkeit und Ausfallsicherheit bieten und gleichzeitig Workload-spezifische Leistungs- und Rechenanforderungen für die anspruchsvollsten Arbeitsprozesse erfüllen, wie sie beispielsweise Künstliche Intelligenz (AI) erfordert.

Die Herausforderungen an das Rechenzentrum von heute

Um den dynamischen Geschäftsanforderungen gerecht zu werden, müssen IT-Organisationen nicht nur Kosten senken und Effizienz steigern, sondern auch digitale Transformationsinitiativen unterstützen. In einer weltweiten Studie von 1.000 Unternehmen aus dem Jahr 2017 gaben 72 Prozent der befragten CIOs und IT Manager an, dass die Unterstützung der digitalen Transformation und des Unternehmenswachstums das wichtigste Argument für IT-Infrastrukturentscheidungen sei.

Der DataCenter Day 2017 findet am 24. Oktober im Vogel Convention Center, Würzburg statt. Stefan Wiechers spricht ab 9:30 Uhr unter anderem über das Software Defined DataCenter und die Ergebnisse der IDC-Lenovo-Studie.

Zur aktiven Unterstützung dieses Ziels tun IT Organisationen gut daran, eine Software Defined Infrastructure zu implementieren, welche die unternehmensspezifischen Workloads permanent unterstützt und die die richtige Balance zwischen öffentlicher und privater Cloud-Nutzung findet. Nur so lässt sich ein optimales Geschäftswachstum erzielen.

Mit der Entscheidung für eine Cloud-Strategie geht eine Evaluierung von Applikationen und Infrastruktur mit dem Ziel der Modernisierung und Automatisierung einher. Die Behandlung der Infrastruktur als dynamischen Layer ermöglicht Automatisierung und erlaubt es der IT-Abteilung, sich auf ihre Kernaufgaben zu konzentrieren. Die dadurch optimierten Services versetzen Unternehmen in die Lage, Daten effizient zu nutzen und so Entscheidungen in Echtzeit zu treffen.

Abbildung 1: Bei der Frage nach den Lösungsansätzen, die zur Bewältigung dieser Herausforderungen in Betracht gezogen werden, nannten dieselben IT Manager und CIOs Verbesserungen der internen Prozesse, Investitionen in Software-Tools und Investitionen in eine modernere Infrastruktur als ihre Top 3 Lösungsansätze.
Abbildung 1: Bei der Frage nach den Lösungsansätzen, die zur Bewältigung dieser Herausforderungen in Betracht gezogen werden, nannten dieselben IT Manager und CIOs Verbesserungen der internen Prozesse, Investitionen in Software-Tools und Investitionen in eine modernere Infrastruktur als ihre Top 3 Lösungsansätze. (Bild: IDC, “Lenovo ThinkSystem and ThinkAgile Solutions Enable the Future-Defined Datacenter”)

Die Anforderungen an Rechenzentren zeigen, dass die derzeit eingesetzten Sicherheits- und Infrastrukturlösungen noch immer unzureichend sind. Die Ergebnisse einer IDC-Untersuchung zur Infrastrukturverwaltung von Rechenzentren und deren Betrieb offenbarte die Probleme im Rechenzentrum je nach Typ des Rechenzentrums (siehe: Abbildung 1). Zu den wichtigsten Herausforderungen zählen Ausfallzeiten, Leistung und Latenz, Probleme mit der Sicherheit, Ressourcenbeschränkungen (einschließlich Strom-, Speicher- und Netzwerkadressen) und Verzögerungen bei der Bereitstellung.

Der Zwang zur Modernisierung des Rechenzentrums

Tatsache ist, dass viele CIOs heute eine Cloud-first-Strategie haben. Damit einher geht eine Umstellung von Anwendungen auf ein Software-as-a-Service (SaaS)-Modell. Allerdings können unternehmenskritische Workloads, benutzerdefinierte Anwendungen und/oder sensible Daten möglicherweise nicht so einfach als Service in eine Cloud-Infrastruktur überführt werden.

Abbildung 2: Die Grafik zeigt die verschiedenen Möglichkeiten, die die Befragten zur Bewältigung der Herausforderungen im Rechenzentrum in Betracht ziehen.
Abbildung 2: Die Grafik zeigt die verschiedenen Möglichkeiten, die die Befragten zur Bewältigung der Herausforderungen im Rechenzentrum in Betracht ziehen. (Bild: IDC, “Lenovo ThinkSystem and ThinkAgile Solutions Enable the Future-Defined Datacenter”)

Hier gilt es für Führungskräfte mit Blick auf eine längerfristige strategische Ausrichtung des Rechenzentrums den richtigen Ansatz zu finden, der auf mehreren Faktoren basiert, darunter Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und ergänzende Dienstleistungen. Gleichzeitig müssen ältere Rechenzentren modernisiert werden. Vorhandene Rechenzentrumskapazitäten können oft den Bedarf nicht abdecken.

Dieses Problem wird häufig durch eine Steigerung der Rack-Dichte, die Implementierung von Speicher mit höherer Speicherdichte und die Nutzung der Cloud gelöst. Darüber hinaus sind Strom- und Kühlungsengpässe und/oder die Notwendigkeit einer verbesserten Kontinuitäts- oder Disaster-Recovery-Strategie für die Modernisierung des Rechenzentrums ausschlaggebend.

Kosolidierungspläne

Dazu gehört zunehmend auch eine Strategie zur Konsolidierung von Rechenzentren, wenn neue und verbesserte Einrichtungen gebaut werden. Diese neuen, modernen Rechenzentren basieren häufig auf den Prinzipien der Betreiber von Hyperscale-Rechenzentren wie sie Amazon und Facebook betreiben.

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Die Modernisierung beginnt mit dem physischen Rechenzentrum selbst: Rechenzentren werden an Orten gebaut, wo Strom günstig, der unmittelbare Zugang zu natürlichen Wasserquellen für die Kühlung gegeben und die Umgebungstemperatur konstant sind. Weitere Faktoren bei der Standortwahl für Rechenzentren sind Baukosten und steuerliche Anreize.

Moderne Rechenzentren nutzen Data Center Infrastructure Management (DCIM), das Echtzeit-Messungen von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftstrom sowie detaillierte Angaben zu Kenngrößen der Ausstattung und Leistung vollautomatisch mittels sensor- und RFID-basierter Datenerfassung ermöglicht.

Sind solche modernen Rechenzentrumsbauten erst einmal erstellt, muss auch die IT Infrastruktur entsprechend modernisiert werden.

Mehr Automatismen

Ein modernes Rechenzentrum benötigt eine Infrastruktur, die eine einfache und dennoch automatisierte Steuerung ermöglicht. Es muss das System-Management vereinfachen und vereinheitlichen und gleichzeitig den Verwaltungsaufwand für Administratoren reduzieren. Das zukunftsorientierte Rechenzentrum muss ein Höchstmaß an Verfügbarkeit, Sicherheit und Leistung bieten und gleichzeitig Ausfall- und Latenzzeiten sowie Serviceeinbußen minimieren.

Optimierungen und Weiterentwicklungen der Infrastruktur und steigende Service-Level-Agreements haben neue Anforderungen an IT Mitarbeiter und Teamstrukturen zur Folge. Technische Führungskräfte müssen Services schneller bereitstellen, Ausfallzeiten reduzieren und zukünftige Infrastrukturanforderungen präzise planen. Ein Rechenzentrum mit einem hohen Automatisierungsgrad der Infrastruktur und der Fähigkeit, Assets programmgesteuert zu verwalten, ermöglicht langfristig einfachere Abläufe.

Neue Anwendungen und Formen von Daten kommen in Zukunft auf Rechenzentren zu: Von der Analytik über Hochleistungs-Computing bis hin zu Daten, die von Sensoren oder Maschinen erhoben werden oder aus Echtzeit-Streaming und Social Media stammen. Um diesen neuen Anforderungen gerecht zu werden, benötigen Unternehmen Flexibilität bei den eingesetzten Ressourcen.

Stefan Wiechers, Solution Architect bei Lenovo, ist auf dem DataCenter Day 2017 mit einem Technology Outlook dabei: „Fit für die digitale Transformation“ ist das Thema.
Stefan Wiechers, Solution Architect bei Lenovo, ist auf dem DataCenter Day 2017 mit einem Technology Outlook dabei: „Fit für die digitale Transformation“ ist das Thema. (Bild: Lenovo)

Die benötigte Agilität wird durch das richtige Design der Infrastruktur erreicht und zusammen mit der Software entwickelt, um die Infrastruktur zu automatisieren. Software Defined Infrastructure Umgebungen werden programmgesteuert über APIs gemanagt, wobei der Eingriff des Menschen begrenzt wird. Das Software Defined Datacenter arbeitet unabhängig von hardware-spezifischen Zwängen, ist erweiterbar und nutzt die effektivste Mischung aus On-Premise- und Off-Premise Cloud-Infrastrukturen.

Der Wandel muss als Chance verstanden sein

Die größte Herausforderung bei der Modernisierung ist der Wandel. Veränderungen im IT-Umfeld können große Verbesserungen mit sich bringen, bergen aber auch Risiken in sich. Wandel erfordert die Fähigkeit, sich nicht nur technologisch, sondern auch personell und prozessual anzupassen.

Die Modernisierung des Rechenzentrums ist ein Muss, wenn Firmen das Ziel einer Unternehmenstransformation mit Blick auf die Zukunft erreichen wollen.

Diese Modernisierung zu ermöglichen, kann eine gewaltige Aufgabe sein, zum Beispiel wenn es veraltete Infrastruktur in signifikantem Ausmaß gibt. Wer sich jedoch nicht verändert, kann sich auch nicht verbessern! Unternehmen, die sich gegen eine Modernisierung sperren, verlieren nicht nur ihre Chance, kosteneffizienter, sicherer und agiler zu werden. Schlimmer noch: Sie bekommen erst gar nicht die Möglichkeit, neue Geschäftsinitiativen zu unterstützen und neue Geschäftsfelder zu erschließen.

*Die Ergebnisse wurden im August 2017 im Rahmen eines White Papers veröffentlicht: IDC, “Lenovo ThinkSystem and ThinkAgile Solutions Enable the Future-Defined Datacenter” – Laura DuBois, August 2017

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Wirklich interessant ist der Punkt mit den Naturkatastrophen - heißt, dass die Umfrage mehr oder...  lesen
posted am 28.09.2017 um 12:04 von Unregistriert


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