Dementi Keine Kehrtwende der SAP

Von Dr. Dietmar Müller 3 min Lesedauer

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… nur ein pragmatischer Übergang. Vor der „Sapphire“ in Orlando herrschte helle Aufregung, ein Medienbericht sorgte für Aufregung. Will die SAP künftig auch wieder jene Kunden, die die SAP-Cloud verschmähen, mit Innovationen beglücken? Noch vor einem Jahr war das Gegenteil ausgerufen worden. Was stimmt denn nun?

Christian Klein ist Vorstandsvorsitzender der SAP SE -hier auf der „Sapphire“-Bühne in Orlando.  In seiner Rolle ist Klein für Unternehmensstrategie, Geschäftsführung und Erfolg der SAP verantwortlich.(Bild:  Dietmar Müller)
Christian Klein ist Vorstandsvorsitzender der SAP SE -hier auf der „Sapphire“-Bühne in Orlando. In seiner Rolle ist Klein für Unternehmensstrategie, Geschäftsführung und Erfolg der SAP verantwortlich.
(Bild: Dietmar Müller)

Im Vorfeld der diesjährigen Sapphire-Konferenz in Orlando sorgte Kollege Michael Kroker von der Wirtschaftswoche für beträchtliche Unruhe in der IT-Landschaft. Seine Berichterstattung suggerierte eine fundamentale strategische Kehrtwende des Walldorfer Softwaregiganten SAP.

Es hieß, das Unternehmen plane, von seinem strikten Kurs abzuweichen, technische Neuerungen vornehmlich Cloud-Kunden vorzubehalten. Stattdessen sollten Innovationen künftig auch wieder denjenigen Anwendern zugänglich gemacht werden, die ihre Systeme klassisch im eigenen Rechenzentrum betreiben. Da SAP noch im Vorjahr das exakte Gegenteil verkündet hatte, stellte sich für viele Beobachter die dringende Frage nach der Beständigkeit der aktuellen Unternehmensstrategie.

Zwischen Paukenschlag und Anwenderfrust

Die Spekulationen gewannen an Fahrt, als berichtet wurde, dass SAP-Chef Christian Klein plane, den Kurswechsel offiziell zu verkünden. Diese Nachricht traf auf eine ohnehin angespannte Stimmung im Markt.

Erst kurz zuvor hatte die deutschsprachige SAP-Anwendergruppe DSAG ihren Unmut über veränderte Regeln beim Schnittstellenzugriff geäußert. Die Anwendervertreter sahen darin ein erhebliches Risiko für die Planungssicherheit und laufende KI-Projekte. In diesem spannungsgeladenen Umfeld war es notwendig, die Führungsebene direkt mit den Gerüchten zu konfrontieren, um Klarheit über die künftige Ausrichtung zu gewinnen.

Ein pragmatischer Pfad für den Übergang

Ein namhafter Sprecher des Konzerns stellte gegenüber DataCenter Insider klar, dass von einer strategischen Abkehr keine Rede sein könne. Die Cloud bilde weiterhin den unumstößlichen Innovationskern für zentrale Themen wie künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit und Governance.

Dennoch räumte das Unternehmen ein, dass es einen Bedarf für einen „pragmatischen Übergang“ gebe. Dies bedeute konkret, dass ausgewählte Szenarien der künstlichen Intelligenz temporär auch in lokalen Umgebungen möglich seien.

Cloud oder nicht Cloud? Das ist die Frage. (Bild: ©  Fiedels - stock.adobe.com)
Cloud oder nicht Cloud? Das ist die Frage.
(Bild: © Fiedels - stock.adobe.com)

Diese Öffnung ist jedoch eng an das Transformationsprogramm „RISE with SAP“ geknüpft und setzt entsprechende Cloud-Investitionen voraus. Man verfolgt damit das Ziel, den Kunden einen Weg in die Cloud zu ebnen, ohne dabei Brüche im laufenden Betrieb zu riskieren.

Funktionale Unterschiede und finanzielle Hürden

Trotz dieser teilweisen Öffnung betont SAP, dass es keineswegs eine vollständige funktionale Gleichstellung zwischen der Cloud-Welt und lokalen Installationen geben wird. Der volle Umfang an Innovationen und die maximale Skalierbarkeit bleiben exklusiv den Cloud-ERP-Lösungen vorbehalten.

Die Bereitstellung von KI-Funktionen für lokale Systeme wird als Ausnahme für klar definierte Szenarien in unterstützten „S/4 HANA“- oder „ECC“-Umgebungen betrachtet. Zudem knüpft SAP dies an strikte wirtschaftliche Bedingungen:

Kunden müssen einen signifikanten Teil ihrer Wartungskosten in Cloud-Subskriptionen transferieren, um Zugriff auf diese Funktionen zu erhalten. Die Preisgestaltung orientiert sich dabei am tatsächlichen Mehrwert und weniger am gewählten Betriebsmodell.

Die Cloud-Migration bleibt das oberste Ziel

Das Programm „RISE with SAP“ behält seine zentrale Rolle als primärer Transformationspfad. Die Möglichkeit, KI-Funktionen temporär lokal zu nutzen, soll den Umstieg planbarer gestalten, ihn aber keinesfalls ersetzen. Besonders für Unternehmen in regulierten Industrien wird so eine notwendige Übergangsfreiheit geschaffen.

Dennoch bleibt der strategische Zielpunkt unverändert: Echte Innovationen skalieren nach Ansicht der Walldorfer nur in der Cloud. Werkzeuge für die agentengestützte Transformation und eine klare Governance sollen die Argumente für diesen Weg weiter verstärken, während der sanfte Druck zur Migration durch die funktionalen Vorteile der Cloud-Systeme aufrechterhalten wird.

Fokus auf das autonome Unternehmen

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass in Orlando keine offizielle Wende verkündet wurde, sondern vielmehr die Evolution hin zum autonomen Unternehmen im Vordergrund stand. Das „Autonomous Enterprise“ soll die geschäftskritischen Prozesse durch die nahtlose Zusammenarbeit von Mensch und Maschine optimieren. Statt einer Rückkehr zu alten On-Premise-Mustern präsentierte SAP eine Reihe neuer Produkte wie die „Business AI Platform“, die das Fundament für diese neue Ära legen sollen.

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Die Botschaft der Sapphire 2026 ist damit eindeutig: Der Weg führt weiterhin konsequent in die Cloud, wird jedoch durch eine flexiblere Handhabung der Übergangsphasen für die Bestandskunden gangbarer gemacht.

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