Cloud- und Co-Location-Betrieb unter einem Dach

Der Mittelstand benötigt dauerhaft einen hybriden Rechenzentrumsbetrieb

| Autor / Redakteur: Manuel Jenne* / Ulrike Ostler

Für Mittelständler, die ihr eigenes Rechenzentrum, nicht aber ihre eigene IT komplett aufgeben wollen, eignet sich vielleicht ein Co-Locator mit individuellen, dedizierten Rack-, Cage-, Rechenzentrumsflächen- und Hardware-Angeboten, der auch standardisierte Cloud-Services liefern kann.
Für Mittelständler, die ihr eigenes Rechenzentrum, nicht aber ihre eigene IT komplett aufgeben wollen, eignet sich vielleicht ein Co-Locator mit individuellen, dedizierten Rack-, Cage-, Rechenzentrumsflächen- und Hardware-Angeboten, der auch standardisierte Cloud-Services liefern kann. (Bild: Ralf Kunze auf Pixabay)

Infrastructure-as-a-Service-Angebote (IaaS) sind gefragt wie nie – gleichzeitig melden Co-Location-Rechenzentren Auslastungsrekorde: Wie passt das zusammen? Ganz einfach: Manchmal erledigt ein dedizierter Server die Aufgaben wirtschaftlicher, als jeder Cloud-Dienst es kann. Gerade Mittelständler können es sich oft nicht leisten, dauerhaft auf eigene Server zu verzichten. Wie bringen sie beide Welten unter einen Hut?

Das Rechenzentrum in den eigenen Unternehmensmauern wird zunehmend zum Auslaufmodell. Spätestens, wenn das Datacenter zu alt ist und sich eine Modernisierung nicht mehr rechnet oder wenn die eigene Server-Farm neue regulatorische Anforderungen nicht mehr erfüllt, bieten sich vor allem zwei Möglichkeiten an: der Bezug von Services und Anwendungen aus den Clouds der großen Anbieter – oder der Betrieb eigener Server in einem Co-Location-Rechenzentrum.

Gerade mittelständische Unternehmen kombinieren gern beide Optionen. Denn anders als etwa Konzerne wie die Deutsche Bahn, die bis 2020 ihre Infrastruktur komplett in die Public Cloud verlagern will, haben Mittelständler in der Regel nicht die Ressourcen für einen solchen Kraftakt.

Hinzu kommt: Weil der Mittelstand oft hochspezialisierte IT- und Branchenlösungen einsetzt, die sehr individuelle Geschäftsmodelle unterstützen, bleibt immer ein Bereich, der nicht in die Cloud übertragbar ist. Und selbst wenn es am Ende nur zwei Server-Schränke sind, die übrig bleiben – wohin damit? Auch deshalb liegt der Schritt ins Co-Location-Rechenzentrum nahe.

Die Cloud heizt den Co-Location-Boom zusätzlich an

So zog zuletzt die Nachfrage nach Co-Location-Rechenzentren laut einer Studie der ISG Information Services Group zufolge denn auch weiter kräftig an. Laut ISG profitieren davon nicht nur die etablierten Anbieter.

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Auch kleinere und regionale Co-Location-Anbieter drängen demnach zunehmend erfolgreich auf diesen lukrativen Markt. ISG zufolge erwarten Kunden heute eine oft sehr schnelle und flexible Bereitstellung von Cloud-Ressourcen. Deshalb greifen die Anbieter solcher Cloud-Services vor allem aus Flexibilitäts- und Kostengründen verstärkt auf die sicheren Freiflächen der Co-Location-Anbieter zurück und heizen so den Co-Location-Boom zusätzlich an.

Auch der Eigenbetrieb ist mitunter immer noch wirtschaftlicher, als Cloud-Dienste zu nutzen. Läuft ein Server zu 100 Prozent ausgelastet, und das über Jahre hinweg, ist die Nutzung eines dedizierten Servers unter dem Strich günstiger als die stattdessen benötigten Cloud-Ressourcen und -Services. Deshalb haben erste Unternehmen bestimmte Workloads sogar aus der Cloud zurückgeholt und stemmen sie wieder im dedizierten Eigenbetrieb.

IaaS und Co-Location unter einem Dach

Damit beide Welten auch synchron laufen, bietet sich eine Kombination aus IaaS und Co-Location an: Über ein Virtual Datacenter kann ein Unternehmen in einem ersten Schritt seine gesamte Legacy-Umgebung inklusive der kompletten Hardware ins Co-Location-Datacenter überführen. Von dort aus lassen sich dann mehr und mehr Services durch Cloud-Lösungen ersetzen.

Diese Übergangsphase kann je nach Zahl der zu migrierenden Server ein bis drei Jahre dauern. Befinden sich das Co-Location-Rechenzentrum und die Ressourcen des Cloud Service Providers im selben Gebäude, lassen sie sich auch sprichwörtlich per Kabel miteinander verbinden und unter einem Dach orchestrieren. Management und Monitoring der hybriden Lösung erfolgt dabei über ein gemeinsames Dashboard.

Die Großen wollen Große

Für derart hybride, aber zentral gemanagte Virtual Datacenter sind die Unternehmen auf entsprechend spezialisierte Cloud Service- und Rechenzentrumsanbieter angewiesen. Denn die großen Public Cloud-Provider wie Amazon Web Services (AWS) oder Microsoft Azure bieten solche Dienste nicht an. Legacy-Systeme ohne Cloud-Bezug sind nicht Teil ihres Geschäftsmodells.

Aber auch auf dem deutschen Markt sind Anbieter rar: Nur wenige Dienstleister bieten oder vermitteln und betreiben darüber hinaus eigene Rechenzentren. Eine Verbindung beider Domänen ist jedoch auch hierzulande die Ausnahme.

OpenStack erleichtert auch hybride Lösungen

Dabei ist ein solcher Service längst kein technologisches Hexenwerk mehr. Über OpenStack als offener und standardisierter Architektur für Cloud-Lösungen lasen sich fertige Pakete für Kunden schnüren, die beides beinhalten: die Ressourcen aus dem Co-Location-Rechenzentrum sowie IaaS aus der Public Cloud. Dadurch verfügen die Anwender über ein standardisiertes Produkt, dass sich zugleich individuell anpassen lässt.

Der Autor, Manuel Jenne, arbeitet für die QSC AG. Das Unternehmen positioniert sich als Partner für den Mittelstand mit Co-Location- und Virtual-Datacenter-Angeboten.
Der Autor, Manuel Jenne, arbeitet für die QSC AG. Das Unternehmen positioniert sich als Partner für den Mittelstand mit Co-Location- und Virtual-Datacenter-Angeboten. (Bild: QSC AG)

Ein Beispiel: Wenn einer der großen Hyperscaler für einen bestimmten Web-Service eine Verfügbarkeit von 99,5 Prozent anbietet, ist es praktisch unmöglich, einen Wert von 99,6 Prozent zu vereinbaren. Im hybriden Virtual Datacenter hingegen ist dies gegen Aufpreis machbar. Oder wenn ein Kunde eine bestimmte Prozessoren-Generation bei Servern benötigt, kann er dies im Gegensatz zu Amazon & Co. individuell verhandeln und vereinbaren.

Dieser hybride Ansatz ist gerade bei mittelständischen Unternehmen auch langfristig tragbar. Während Großunternehmen schon 'mal ganze Märkte ad hoc erschließen und damit auch die Server-Ressourcen schlagartig erweitern müssen, erschließt der Mittelstand neue Märkte eher Schritt für Schritt oder passt seine Geschäftsstrategie fließend an neue Herausforderungen an. Der dabei notwendige Ressourcenausbau fällt dadurch übersichtlicher aus und lässt sich auch im Rahmen eines Co-Location-Rechenzentrums, zumeist auf Knopfdruck, problemlos bewältigen.

* Manuel Jenne ist Produktmanager für den Bereich Co-Location und Virtual Datacenter bei der QSC AG. Zuvor war der zertifizierte IT Business Consultant (IHK) bei verschiedenen Cloud- und Colocation-Anbietern tätig.

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