Die (gefährdete ?) Zukunft des Rechenzentrums-Hotspot Der Magistratsbeschluss zur Datacenter-Ansiedlung in Frankfurt/Main - und wie weiter?

Die Stadt Frankfurt a. M. will die Standortentwicklung von Rechenzentren politisch steuern. Der Stadtregierung hat daher vor Kurzem ein bereits viel Aufsehen erregendes Konzept zur Aktualisierung des Ge­werbe­flächen­ent­wicklungs­plans (GEP) beschlossen und an die Gremien der Stadtverordnetenversammlung zur weiteren Beratung vorgelegt. Wenn alles glatt durchgeht, ist bereits in Juni mit einer Beschlussfassung zu rechnen.

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Der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main wünscht sich „Dataparks“, etwa wie den zukünftigen „Digital Park Fechenheim“ auf dem ehemaligem Neckermann-Gelände und nach Stockholmer Vorbildern.
Der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main wünscht sich „Dataparks“, etwa wie den zukünftigen „Digital Park Fechenheim“ auf dem ehemaligem Neckermann-Gelände und nach Stockholmer Vorbildern.
(Bild: Interxion)

Stadtrat Mike Josef fasst zusammen: „Das Wachstum der Zukunftsbranche Rechenzentren stellt uns vor enorme Herausforderungen: Sie brauchen Platz und stehen in Konkurrenz zur klassischen Industrie und Gewerbe. Mit unserem Konzept wollen wir ihr Wachstum städtebaulich leiten und die Flächenkonkurrenz zu anderen Gewerbenutzungen berücksichtigen.“

Eignungsgebiete, eingeschränkte Eignungsgebiete und Ausschlussgebiete

Dafür werden die Gewerbegebiete der Mainmetropole neu ausgerichtet und in so genannte Eignungsgebiete, eingeschränkte Eignungsgebiete und Ausschlussgebiete für unternehmens-unabhängige Rechenzentren unterteilt.

Eignungsgebiete für unternehmensunabhängige Rechenzentren sind Gewerbegebiete, in denen sich unternehmensunabhängige Rechenzentren, in der Regel Co-Location-, Hyperscaler-, Interconnection-, Telekom-Rechenzentren oder Carrier (neutrale) -Rechenzentren ansiedeln können.

Eingeschränkte Eignungsgebiete für unternehmensunabhängige Rechenzentren sind Gewerbegebiete, in denen sich aufgrund der anderen oben genannter Faktoren unternehmensunabhängige Rechenzentren nur als nachrangige ergänzende Gewerbenutzung ansiedeln sollen, zum Beispiel dem Industriepark Höchst.

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Eignungsgebiete und eingeschränkte Eignungsgebiete sollen den hochgerechneten Flächenbedarf im Mittel von 75 Hektar bis 2030 aufnehmen können und innerhalb des kompletten Stadtgebiets verteilt sein. Alle Gewerbegebiete oder Gewerbeflächen, die sich außerhalb der Eignungsgebiete befinden, werden als Ausschlussgebiete für unternehmensunabhängige Rechenzentren definiert und sollen planungsrechtlich dementsprechend abgesichert werden. Josef: „Damit können wir konkurrierende Raumansprüche besser beachten und bestmögliche Standortbedingungen er-möglichen.“

Entwicklungsziel Dataparks

Gewerbegebiete in den Stadtteilen Sossenheim, Rödelheim, Griesheim, im Gallus, Ostend, Fechenheim sowie in Seckbach wurden mit dem Entwicklungsziel Datapark und damit als Eignungsgebiet für unternehmensunabhängige Rechenzentren definiert, wie in der Tabelle ersichtlich.

Gewerbegebiet nach GEP entwickelt aus ursprünglichem Gewerbegebiet Fläche Datapark (ha)
davon Potenzial (ha)
1.2     Datapark Gallus
1.2 Kleyerstr. 5,2
0,6
4.3.2  Datapark Ostend Teilbereich 4.3.1 Oberhafen Weismüllerstr. 13,5
4,7
6.4.2  Datapark Griesheim 6.3.2 Fritz-Klatte-Quartier/Teilbereich 6.4 Lärchenstr. 13,9
7,8
6.5     Datapark Sossenheim Teilbereich 6.5 Wilhelm-Fay-Str. 43,1
19,5
7.1.4  Datapark Rödelheim
Teilbereich 7.1 Rödelheim West 13,4
2,8
11.1.2 Datapark Seckbach Teilbereich 11.1 Gwinnerstr. 26,1
17,6
11.8.1 Datapark Fechenheim
Teilbereich 11.8 Adam-Opel-Str. 10,7 10,7
Gesamt 125,9 73,7
Quelle: Stadtplanungsamt Frankfurt am Main

Das Entwicklungsziel „Datapark“ benennt Gewerbegebiete, deren branchenspezifischer Schwerpunkt sich vom produzierenden Gewerbe hin zu flächenintensiven Co-Location- und Hyperscaler-Rechenzentren verschoben hat. Gemein haben die Standorte, dass die benötigte Infrastrukturversorgung mit Strom und Glasfaser beispielsweise für die Branche nachfragebedingt vorhanden ist.

Aufgrund dieser Synergie-Effekte sollen die Areale zukünftig das Wachstum der Rechenzentrumsbranche aufnehmen und bündeln, um damit auch den Transformationsdruck von anderen Gewerbegebieten zu nehmen. Sie fungieren schon heute als Technologie- und Innovationsstandorte verschiedener Unternehmen aus dem Sektor der digitalen (Telekommunikations-) Infrastruktur und weiterer IT-Dienstleister, die sich in der Nähe von Rechenzentren niederlassen und sollen den Planungen zufolge dementsprechend weiter gestärkt werden. Die Aufmerksamkeitszone wird bei Dataparks auf 100 Meter definiert.

Gewerbeflächenneuordnung nur ein Teil eines größeren Vorhabenpakets

„Die Aktualisierung des Gewerbeflächenentwicklungsprogramms (GEP) ist aber nur ein Teil eines größeren Vorhabenpakets, um Datacenter künftig stadt- und klimaverträglich zu integrieren“, betont die Klimadezernentin der Stadt, Rosemarie Heilig. Um die negativen Folgen für das Klima abzumildern, sollen neue Rechenzentren daher mindestens nach dem Standard „Blauer Engel“ zertifiziert sein.

Klimadezernentin der Stadt Frankfurt am Main Rosemarie Heilig
Klimadezernentin der Stadt Frankfurt am Main Rosemarie Heilig
(Bild: Umweltdezernat Frankfurt)

Heilig sagt: „Mit einem gesamtstädtischen Wärmekonzept, das die Betreiber verpflichtet, ihren Beitrag zu leisten, wollen wir die aktuellen technischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Hemmnisse auflösen, die der Nutzung der hohen Abwärmemengen von Rechenzentren derzeit noch entgegenstehen.

Als nächster Schritt sei geplant, Leitlinien zu entwickeln, die sich unter anderem mit den Themen städtebauliche Qualität, Klima- und Umweltverträglichkeit sowie Ressourcenverbrauch auseinandersetzen. Diese sollen in nicht allzu ferner Zukunft bei der Planung, beim Bau sowie beim Betrieb von Rechenzentren berücksichtigt werden, damit auch die Rechenzentren ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit in Frankfurt am Main leisten.

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Hinweis:Interview mit dem Leiter der Abteilung Stadtentwicklung im Stadtplanungsamt, Peter Kreisl.

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