Gartner prognostiziert

Datacenter-Trends 2019 und darüber hinaus

| Redakteur: Ulrike Ostler

Ob das alles so stimmt? Gartner zu den Trends, die das Dasein von Rechenzentren und den zugehörigen Mitarbeitern bestimmen.
Ob das alles so stimmt? Gartner zu den Trends, die das Dasein von Rechenzentren und den zugehörigen Mitarbeitern bestimmen. (Bild: gemeinfrei - Pixabay / CC0)

Die Gartner-Analysten gehören weltweit zu den renommiertesten. Das ist durchaus ein Grund, wiederzugeben, welche Prognosen sie für Rechenzentrumsbetreiber - Infrastructure und Operations (I&O) - parat haben.

Die wichtigste Aussage formuliert Ross Winser, Senior Director bei Gartner: „Der Fokus der I&O-Führungskräfte liegt nicht mehr nur auf der Bereitstellung von Engineering und Betrieb, sondern auf der Bereitstellung von Produkten und Dienstleistungen, die die Geschäftsstrategie eines Unternehmens unterstützen und ermöglichen.“

Für diejenigen, denen die Aussage seit mindestens 20 Jahren bekannt vorkommt, setzt er hinzu: „Die Frage stellt sich bereits jetzt: Wie können wir Fähigkeiten wie künstliche Intelligenz (KI), Netzwerkautomatisierung oder Edge Computing nutzen, um schnell wachsende Infrastrukturen zu unterstützen und Geschäftsanforderungen zu erfüllen?“

Weiterhin identifizieren die Gartner-Analysten zehn Schlüsseltrends für 2019:

Serverloses Computing

Serverless Computing ist eine neuartiges Software-Architektur, die verspricht, die Notwendigkeit der Bereitstellung und Verwaltung von Infrastrukturen zu eliminieren. I&O-Führungskräfte müssten einen anwendungsorientierten Ansatz für Serverless Computing verfolgen und APIs und SLAs verwalten, anstelle physischer Infrastrukturen, so Gartner.

Winser erläutert: „Der Ausdruck ´Server-los` führt ein wenig in die Irre. Die Wahrheit ist, dass es immer noch Server gibt, aber anders als zuvor ist der Dienstanbieter für alle zugrunde liegenden Ressourcen verantwortlich, die bei der Bereitstellung und Skalierung einer Laufzeitumgebung anfallen, was zu einer ansprechenden Agilität führt.“

Serverless ersetze keine Container oder VMs. Daher müssten die Verantwortlichen wissen, wie und wo jede Technik am besten einzusetzen sei. Das aber habe zur Folge, dass die Entwicklung von Support- und Management-Funktionen in I&O-Teams ein Schwerpunkt sein muss: denn über 20 Prozent der globalen Unternehmen würden bis 2020 Serverless-Computing-Technologien einsetzen. Heute seien es weniger als 5 Prozent.

KI-Impulse

In den Prognosen und Trends darf der KI-Aspekt auf keinen Fall fehlen. Laut Winser steigt der Wert von KI auch für die I&O-Führungskräfte, weil diese ihnen die Möglichkeit bieten kann, die wachsende Infrastrukturen zu verwalten, ohne Personal aufzustocken. KI habe das Potenzial, organisatorisch transformativ zu sein und sei der Kern des digitalen Geschäfts. Der aus der KI abgeleitete globale Geschäftswert werde bis 2022 auf fast 3,9 Billionen Dollar erreichen.

Agilität im Netzwerk

Auch bisher haben Teams standen unter dem Druck gestanden, eine hohe Netzwerkverfügbarkeit sicherzustellen. Das aber habe oftmals bedeutet, die einen Wandel zu begrenzen. Das funktioniere nun nicht mehr, die Anforderung an die Agilität sei insgesamt gestiegen.

So müsse der Fokus für 2019 und darüber hinaus darauf gerichtet sein, das Tempo des Wandels im Netzwerkbetriebs zu erhöhen, etwa durch Automatisierung und Analysen. Schließlich würden die Anforderungen an das Netzwerk mit dem Aufkommen von 5G, der zunehmenden Cloud-Adaption und der explosionsartigen Zunahme der Anzahl von IoT-Geräten noch steigen.

Das Sterben lokaler Rechenzentren

Laut Gartner werden sich bis 2025 rund 80 Prozent der Unternehmen vollständig von ihren lokalen Rechenzentren verabschieden. Der aktuelle Trend besteht darin, Workloads auf Co-Location-, Hosting-Rechenzentren und Clouds zu verlagern.

Winser sagt: „Von der Co-Location bis zur Public Cloud - es gibt viele Alternativen zu lokalen Rechenzentren.“ Es sei die Aufgabe von Führungskräften zu erkennen, ob es wirklich strategische Gründe gebe, auf Rechenzentrumskapazitäten vor Ort zu bestehen, insbesondere da sich der beträchtliche Investitionsaufwand oft erst über viele Jahre amortisiere.

Edge Computing

IoT und alles, was damit zusammenhängt werden die Informationsverarbeitung an die Edge treiben und das, was I&O-Führungskräfte für den Einsatz und die Verwaltung benötigen, neu definieren und gestalten. Der „Rand“ ist bei Gartner definiert als der physische Ort, an dem sich Dinge und Menschen mit der vernetzten digitalen Welt verbinden. Deshalb muss auch die Infrastruktur zunehmend bis an diesen Rand reichen.

Edge Computing wird schon aufgrund physikalischer Gesetze Teil einer verteilten Computertopologie. Informationsverarbeitung findet (wieder) dort statt, wo Dinge und Menschen diese Informationen produzieren oder brauchen. Laut Winser ist das ein Trend, der die Cloud nicht ersetze, sondern ergänze. Das müssen die Unternehmen vorbereiten: Denn wer zwischen 2020 und 2023 das nicht umsetzen könne, verliere.

Digital Diversity Management

Bei Digital Diversity Management geht es nicht um Menschen, sondern um die Entdeckung und Aufrechterhaltung von Vermögenswerten, die in einem modernen digitalen Unternehmen „irgendwo da draußen“ sind. Vom I&O- Managment werde erwartet, dass diese bekannt sind, dass ihr Funktionieren unterstützt und verwaltet wird, so Winser. "

Neue Rollen im Datacenter-Betrieb

Die neuen Aufgaben erfordern neue Fähigkeiten und neue Rollen innerhalb der Rechenzentrumsbetriebs, um auf das Zusammenspiel von Kosten, Aktivitäten und Kundenqualitätserwartungen adäquat vorbereitet zu sein und reagieren zu können. Unabdingbar: Die Mitarbeiter müssen die Unternehmensziele und die Strategien kennen und ihre Arbeit darauf ausrichten.

Laut Winser übernehme die IT zunehmend die Rolle des Unterstützers von Cloud Services in Bezug auf Aggregation, Anpassung, Integration und Governance: „Eine große Herausforderung bei Cloud Services ist es beispielsweise, die Kosten unter Kontrolle zu halten, und das Unternehmen erwartet, dass I&O genau das tut“ – und zwar unmittelbar.

Software as a Service (SaaS)

SaaS ist Software, die sich im Besitz eines oder mehrerer Anbieter befindet, bereitgestellt und ferngesteuert wird. Der Anbieter liefert Software auf der Grundlage eines Satzes von gemeinsamen Code- und Datendefinitionen, die von allen Vertragskunden jederzeit auf Pay-for-Use-Basis oder als Abonnement auf der Grundlage von Nutzungsmetriken in einem One-to-Many-Modell genutzt wird.

Im Jahr 2019 und darüber hinaus wird SaaS einen großen Einfluss darauf haben, wie Unternehmen die Strategien zur Bereitstellung von Infrastrukturen in Zukunft betrachten. Die meisten I&O-Führungskräfte konzentrieren sich jedoch immer noch auf Infrastruktur-as-a-Service (IaaS) und Platform-as-a-Service (PaaS) Lösungen.

SaaS entwickle sich zu einem solch komplexen Gebilde, das die IT sie schlichtweg nicht so beherrschen könne, wie sie sollte. Beispielsweise müsse die Umstellung auf SaaS mit dem I&O-Support einhergehen. Das reiche von Sicherstellung der Transparenz über die Nutzung bis hin Compliance-Anforderungen und Integrationsaufgaben. Der Druck auf die Führungskräfte ist da und werde bis 2021 und darüber hinaus anhalten, sagt der Gartner-Analyst.

Personal- und Ausbildungs-Management

Das führt unmittelbar zu dem nächsten Punkt: die Organisation und Qualifikation von Mitarbeitern. Waren diese in der Vergangenheit vertikal organisiert, basierend auf dem von ihnen verwalteten Technologie-Stack, müssen sie durch die Digitalisierung der Infrastrukturen übergreifend arbeiten. Nur das ermögliche laut Gartner, Ausfälle oder drohende Ausfälle in zu einem großen Teil hybriden Umgebungen frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Menschen, die Vielseitigkeit und Anpassungsfähigkeit zeigen, würden immer mehr zum Muss.

Globale Infrastrukturen

Infrastrukturen sind nicht nur die im eigenen Unternehmen vor Ort, selbst wenn nur wenige Firmen tatsächlich global sind. Sie müssen sich laut Winser auf „infrastructure everywhere“ vorbereiten , trotz enger Budgets und Kostendruck.

Eine Möglichkeit, diese Herausforderung anzugehen, bestehe darin, ein Partnernetzwerk sinnvoll auszuwählen beziehungsweise das bestehende überdenken. Dazu gehört, dass sich die Führungskräfte ihre Partnerschaften genau ansehen und die Messlatte für die Erwartungen höher legen: Lässt sich der Wert, den die Partner im Rahmen einer globalen Infrastruktur klar erkennen? Erschließen sie den gesamten Wert jüngster Investitionen?

Für B-Partner werde es 2019 und darüber hinaus keine Zeit mehr geben.

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