Quantencomputer sollen für internationale Wettbewerbsfähigkeit sorgen Bitkom erfragt die Chancen für das Quantencomputing

Redakteur: Ulrike Ostler

Die Erwartungen an Quantencomputer sind hoch: Die Mehrheit der Unternehmen sehen einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor am zeitlichen Horizont. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) schreibt der neuen Technologie eine große Bedeutung für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu.

Firmen zum Thema

Am 26. und 27. Mai 2021 lädt der Branchenverband Bitkom zm „Quantum Summit“ ein.
Am 26. und 27. Mai 2021 lädt der Branchenverband Bitkom zm „Quantum Summit“ ein.
(Bild: Bitkom)

Dabei erwartet jedes dritte Unternehmen (34 Prozent) eine eher große Bedeutung und jedes fünfte (20 Prozent) eine sehr große Bedeutung. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung von 605 Unternehmen ab 20 Beschäftigten im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Die Umfrage ist nach Bitkom-Angaben repräsentativ für die Gesamtwirtschaft.

Je größer das Unternehmen, desto höher ist auch die Bedeutung, die Quantencomputern beigemessen wird. Während in der Größenklasse von 20 bis 99 Beschäftigten die Hälfte (51 Prozent) mit einer großen Bedeutung in der Zukunft rechnet, sind es bei den Unternehmen ab 2.000 Beschäftigten drei Viertel (74 Prozent).

Achim Berg: „Die zwei Milliarden Euro [an Förderung für das Quantencomputing] sind ein guter erster Ansatz, um Schwung zu holen... “
Achim Berg: „Die zwei Milliarden Euro [an Förderung für das Quantencomputing] sind ein guter erster Ansatz, um Schwung zu holen... “
(Bild: Bitkom)

Bitkom-Präsident Achim Berg sagt: „Wer Quantentechnologien beherrschen und anwenden kann, wird sich maßgebliche Wettbewerbsvorteile sichern. Quantencomputer können Probleme lösen, an denen Superrechner scheitern, etwa die Berechnung komplexer Liefer- und Produktionsketten, die Simulation der Wirksamkeit von Medikamenten im Körper oder die Analyse und Prognose von Entwicklungen an den Finanzmärkten.“

Förderung ist gut, umsetzen der Forschung besser

In den kommenden Jahren will der Bund zwei Milliarden Euro in die Förderung der Erforschung und Anwendung von Quantentechnologien investieren. Der Verband begrüßt dieses Vorhaben ausdrücklich. Berg kommentiert: „Die Förderung ist gut bemessen, um den deutschen Standort im globalen Wettbewerb um Quantencomputer maßgeblich voranzubringen. Die zwei Milliarden Euro sind ein guter erster Ansatz, um Schwung zu holen und mit unserer Industrie zu den globalen Vorreitern aufzuschließen.“

Jetzt komme es darauf an, die Förderung so praxisnah wie möglich umzusetzen. „Wir dürfen nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen, auf der einen Seite exzellent sein zu wollen in der Hochschulforschung, aber auf der anderen Seite die Industrie von der wissenschaftlichen Entwicklung weitgehend abzukoppeln. Wissenschaft und Wirtschaft müssen gleichberechtigt an der Erforschung dieser Zukunftstechnologie teilhaben und gemeinsam auf den größtmöglichen Erfolg hinarbeiten“, so Berg.

Oliver Henrich, Vice President Product Engineering Central Europe bem Softwarehersteller Sage.
Oliver Henrich, Vice President Product Engineering Central Europe bem Softwarehersteller Sage.
(Bild: Sage GmbH)

Auch Oliver Henrich, Vice President Product Engineering Central Europe bei Sage, betont die Chancen: „Datenintensive Anwendungen werden in Unternehmen künftig eine immer größere Rolle spielen - insbesondere dann, wenn Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning immer stärker in die Systeme eines Betriebs integriert werden.“

Dabei gelte: Je größer und umfassender die zur Verfügung stehenden Datenmengen sind, desto besser. Um hier schnell zu Ergebnissen zu kommen, brauche es Hardware-seitig aber auch die entsprechende Infrastruktur und Rechenleistung. „Quantencomputer sind hier sicherlich eine denkbare und vielversprechende Möglichkeit“, so Henrich.

Hinsichtlich der Anwendungsbereiche, für die die beschriebenen Technologien in Frage kämen, stächen die Bereiche Predictive und Advanced Analytics insbesondere hervor. Hierbei gehe es nicht nur um die Analyse und Prognose von Entwicklungen an den Finanzmärkten. Für produzierende Unternehmen etwa werde es dadurch auch möglich, die Nachfrage nach ihren verfügbaren oder auch geplanten Produkten sehr genau vorherzusagen.

Er sagt: „Dadurch können nicht nur Material- und Personalbedarfe entsprechend prognostiziert, sondern zudem Markttrends zielsicher antizipiert werden. Die Folge: Wettbewerbsvorteile gegenüber den Marktbegleitern. Intelligente Software-Systeme leisten hierbei ebenso einen wichtigen Beitrag wie auf der Hardware-Seite beispielsweise Quantencomputer.

(ID:47373006)