Open-Source-Virtualisierungsplattform schwimmt mit Ceph Octopus und Nautilus Anwender von Proxmox VE haben jetzt die Wahl zwischen Live und Single File Restore

Redakteur: Ulrike Ostler

Die Virtualisierungs-Plattform „Proxmox Virtual Environment“ (Promox VE) ist ein Open-Source-Projekt mit weltweit mehr als 450.000 installierten Hosts. Die web-basierte Verwaltungsoberfläche ist in über 26 Sprachen übersetzt. Der Hersteller Proxmox Server Solutions GmbH hat mit der Version 6.4 zahlreiche neue Funktionen veröffentlicht wie Single-File und Live Restore, Unterstützung für „Ceph Octopus“ und „Ceph Nautilus“.

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Es scheint, dass die Menschen schon immer von der Tiergattung Nautilus fasziniert waren; so heißt das U-Boot in verschiedenen Jules-Verne-Romanen Nautilus und nun eine „Ceph“-Version, die unter anderem von „Proxmox VE 6.4“ unterstützt wird.
Es scheint, dass die Menschen schon immer von der Tiergattung Nautilus fasziniert waren; so heißt das U-Boot in verschiedenen Jules-Verne-Romanen Nautilus und nun eine „Ceph“-Version, die unter anderem von „Proxmox VE 6.4“ unterstützt wird.
(Bild: Peter Hess auf Pixabay)

Proxmox VE 6.4 basiert auf „Debian Buster 10.9“ und verwendet einen aktuellen Linux Kernel 5.4 mit Long Term Support (LTS). Optional kann auch ein Linux Kernel 5.11 installiert werden, der aktuelle Hardware (viel) besser unterstützt.

Die integrierten Open Source-Virtualisierungstechnologien sind ebenfalls aktualisiert: „QEMU 5.2“, „LXC 4.0“ und „OpenZFS 2.0.4“. Die Version unterstützt zwei Versionen von Ceph, so dass die Benutzer während der Installation zwischen Ceph Octopus 15.2.11 oder Ceph Nautilus 14.2.20 auswählen können.

Die Funktionen Single-File Restore und Live Restore für KVM

Proxmox Virtual Environment 6.4 bringt Live Restore und Single-File Restore für schnelle und vereinfachte Wiederherstellungsprozesse, welche zu verbesserten Recovery Time Objectives (RTO) führen:

Single File Restore: Da Mitarbeiter oder Kunden sehr oft nur ein einzelnes File benötigen, das wiederhergestellt werden soll, kann mit der neuen Funktion ein Verzeichnisbaum oder ein einzelnes File ausgewählt und wiederhergestellt werden. Das neue Single-File Restore ist für virtuelle Maschinen (VM) und Container möglich, die auf einem „Proxmox Backup Server“ gespeichert sind.

Zur Wiederherstellung des gewünschten Files in der Web-Oberfläche von Proxmox VE, wird über den `File Restore´-Button ein Filebrowser geöffnet. Anschließend kann mit dem `Download‘-Button das gewünschte File oder ein Ordner (als zip komprimiert) heruntergeladen werden. Die Zugriffe auf das VM Backup funktionieren sicher über eine temporäre Virtuellen Maschine (VM):

Cluster summary in „Proxmox VE", hier noch in der Version 6.3
Cluster summary in „Proxmox VE", hier noch in der Version 6.3
(Bild: Proxmox Server Solutions GmbH)

Sollen Daten aus einer nicht vertrauenswürdigen VM heruntergeladen werden, startet Proxmox VE zuerst eine temporäre VM, von der die Daten geladen werden. Somit wird der Hypervisor geschützt.

Live Restore: Die neue Live Restore-Funktion kann mit dem Befehl `qmrestore‘ oder über die Web-Oberfläche aktiviert werden. Live Restore funktioniert für alle VM-Backups, die auf einem Proxmox Backup Server gespeichert sind.

Dabei kann die ausgewählte VM gestartet werden, sobald der Restore beginnt, ohne dass die Beendigung des Wiederherstellungsprozesses abgewartet werden muss. Dies ist hilfreich bei großen VMs, die nur einen kleinen Kern brauchen um zu funktionieren, beispielsweise ein Web-Server. Sobald das Betriebssystem und alle notwendigen Services gestartet wurden, ist die VM funktionsfähig, während im Hintergrund die seltener genutzen, umfangreichen Daten kontinuierlich wiederhergestellt werden.

Support für Ceph Octopus 15.2.11 und Ceph Nautilus 14.2.20

In Proxmox VE 6.4 wurde die Integration des Placement Group (PG) Auto-Scaler verbessert. Dies ermöglicht Administratoren Einstellungen zu ´Target Size´ oder `Target Ratio´ zu konfigurieren und die optimale Anzahl PGs im GUI zu sehen. Für eine einfachere Nutzung wurde die Ansicht für Ceph Pool optimiert und es ist nun möglich, die Spalten, die sich auf den Auto-Scaler beziehen, anzuzeigen sowie die wichtigsten Pool-Eigenschaften in der Web-Oberfläche zu konfigurieren.

Weitere Neuerungen:

Proxmox VE API Proxy Daemon: `pveproxy´ lauscht standardmäßig sowohl auf IPv4- als auch auf IPv6-Verbindungen. In /etc/default/pveproxy lässt sich konfigurieren, auf welcher IP-Adresse gelauscht werden soll. So kann die Angriffsfläche nach außen verringert werden.

Container: Die Version 6.4 enthält Appliance-Templates für und unterstützt „Alpine Linux 3.13“, „Devuan 3“, „Fedora 34“, und „Ubuntu 21.04“. Das Handling von ´cgroup v2` (control group) wurde verbessert.

Externe Metric-Server: Um das Monitoring zu erleichtern, können Nodes in Proxmox VE über die Web-Oberfläche mit „InfluxDB“ oder „Graphite“ verbunden werden. Die Version 6.4 unterstützt InfluxDB HTTPs API und Instanzen von InfluxDB mit einem vorgelagerten Reverse-Proxy-Server.

ISO-Installer: Das Boot-Setup für ZFS-Installationen ist nun besser für ältere Hardware gerüstet. Installationen auf ZFS installieren den Boot-Loader auf alle ausgewählten Festplatten, anstatt nur auf den ersten beiden. Die Handhabung für Hardware, bei der das Boot-Gerät nicht (einfach) auswählbar ist, wird so verbessert. Vor der Installation wird nun eine NTP-Synchronisation versucht.

Storage: Mit Proxmox VE 6.4 können zu jedem Backup auf einem CephFS-, CIFS- oder NFS-Storage Notizen erstellt werden, um so eine bessere Übersicht in der Verwaltung zu behalten. Benutzer können einen Namespace für den Zugriff auf einen Ceph-Pool konfigurieren.

VMs (KVM/QEMU)

  • VMs lassen sich an eine bestimmte QEMU-Maschinenversion pinnen.
  • VMs mit „Windows“ als Betriebssystem werden bei der Erstellung automatisch an die aktuelle QEMU-Maschine gepinnt. Dies trägt zur Verbesserung der Stabilität bei und garantiert, dass das Hardware-Layout auch bei neueren QEMU-Versionen gleich bleibt.
  • Erweiterungen in der Benutzeroberfläche (GUI)
  • Aktuelle Nutzung von Host-Speicher und CPU-Ressourcen durch jeden Gast lassen sich in der Node-Suchansicht anzeigen.
  • Binär wird als Basis/Ausgangspunkt in den Graphen der Knoten- und Gastspeichernutzung verwendet (so entspricht 1 KiB nun 1024 B anstelle von 1 KB = 1000 B) damit es mit der aktuellen Nutzungsanzeige konsistent ist.
  • Firewall-Regeln: Standardmäßig sind die Spalten jetzt responsive und flexibler.

Bugfixes

  • Container-Restores werden standardmäßig mit der „privileged“-Einstellung aus dem Backup-Archiv durchgeführt.
  • ZFS: Die Robustheit von ZFS auf langsameren Festplatten wurde verbessert, indem überprüft wird, ob ein Pool (zusätzlich zum Import auch) gemounted ist. Falls nicht, wird ein Mount-Versuch gestartet.
  • Probleme, die durch hängende ´qmp`-Befehle zum Einfrieren von VMs geführt haben, sind behoben.

Proxmox Virtual Environment steht unter der freien Softwarelizenz GNU Affero Generel Public License, v3. Die Version 6.4 steht ab sofort als ISO-Abbild zum Download bereit. Mit dem Befehlt ´apt`lassen sich ältere Versionen aktualisieren. Proxmox VE lässt sich auch auf einer bestehenden Debian Buster-Installation aufsetzen.

Für Unternehmen bietet Proxmox Server Solutions GmbH zusätzlich Enterprise-Support an, erhältlich als Subskriptions-Abo ab 90 Euro pro Jahr und CPU.

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