Interview mit dem VMware-COO Raghu Raghuram

Alle sind in der Cloud. Was kommt nun?

| Redakteur: Ulrike Ostler

Raghu Raghuram: „Rund 80 bis 90 Prozent aller Workloads weltweit laufen nicht in virtualisierten Umgebungen.“
Raghu Raghuram: „Rund 80 bis 90 Prozent aller Workloads weltweit laufen nicht in virtualisierten Umgebungen.“ (Bild: Ulrike Ostler/ Vogel IT-Medien GmbH)

Als Raghu Raghuram, Chief Operation Officer (COO) bei VMware, zuständig für Produkte und Cloud-Services, kürzlich in München weilte, gab er DataCenter-Insider ein Interview zur Frage: „Was folgt auf Virtualisierung und Cloud-Computing?“

Raghu Raghuram kam im April 2003 zu VMware und teilt sich mit Rajiv Ramaswami die Verantwortung für alle Produkt- und Service-Angebote von VMware sowie für zentralisierte Services, Support und Betriebsfunktionen. In dieser Rolle konzentriert sich Raghuram in erster Linie auf das Cloud-Services-Angebot von VMware.

Davor verantwortete er als Executive Vice President und General Manager den Bereich Software-Defined Datacenter (SDDC). Hier war er für die Strategie-, Business- und Produktplanung in der Abteilung sowie für die technische Umsetzung verantwortlich. Ausgangspunkt seiner Karriere bei VMware war die Leitung des Produkt-Managements für „ESX“ und „vSphere“.

Raghu Raghuram ist Chief Operating Officer, Produkte und Cloud-Services bei VMware.
Raghu Raghuram ist Chief Operating Officer, Produkte und Cloud-Services bei VMware. (Bild: Ulrike Ostler / Vogel IT-Medien GmbH)

Jetzt sind auch die deutschen Firmen in der Cloud. Und was folgt nun?

Raghu Raghuram: Eigentlich sind wir alle schlecht im Cloud-Computing – aus Sicht der Unternehmen. Das heißt: Es muss noch eine Menge getan werden. Was ich sagen will: Wir stehen noch immer sehr am Anfang der Entwicklung.

Und was heißt Cloud überhaupt. Zunächst muss Cloud als IT-Architektur angesehen werden. Die Leute denken oft Cloud als public cloud. Doch für die Unternehmen bedeutet Cloud-Computing vor allem: Wie baut man eine Cloud vom Edge bis zum gesamten Netzwerk? Und wenn es dann eine Infrastrukturbasis gibt, gehört das Sammeln und Auswerten von Daten - heute mehr und mehr mithilfe von Machine Learning (ML) und Künstlicher Intelligenz (KI) – darauf aufgesetzt.

Die Grundlage für den nächsten Schritt bilden zudem die Sensordaten. Sie bilden gleichermaßen eine Brücke zwischen der physischen und der virtuellen beziehungsweise virtualisierten Welt.

Um die Frage zu beantworten, was als Nächstes folgt, sage ich: Der nächste Schritt besteht darin, alles zusammenzubauen.

Was bedeutet es, wenn Sie sagen: Wir stehen noch am Anfang des Cloud-Computing?

Raghu Raghuram: Rund 80 bis 90 Prozent aller Workloads weltweit laufen nicht in virtualisierten Umgebungen. Das kann sich ändern. In den kommenden fünf bis zehn Jahren, wird der Anteil vermutlich auf 50 Prozent steigen.

Welchen Anteil daran werden Container, explizit Kubernetes oder VMware-Software, haben?

Raghu Raghuram: 98 Prozent, aber ganz bestimmt mehr als 90 Prozent der containerisierten Anwendungen laufen in public clouds auf virtualisierten Umgebungen.

Also Google, KVM, AWS, Azure, Vmware ….

Raghu Raghuram: Setzen Sie VMware an die erste Stelle ….

Container funktionieren Plattform-, Cloud-übergreifend und die Kunden wollen keine unterschiedlichen Silos für Netzwerke, Sicherheit und anderen Infrastrukturkomponenten mehr. Container und Kubernetes sind also große Trigger.

Es gibt zwei Anwendungsfälle für den Einsatz von Containern. Zum einen kommen sie in der Softwaremodernisierung zum Tragen, beim erneuten Paketieren von Anwendungen. Die Anwendungen laufen meistens auf VMware.

Die zweite Möglichkeit besteht im Gestalten von Microservices, ein neues Modell für die Entwicklung und den Einsatz von Anwendungen. Diese Microservices können wiederum sehr einfach in separaten Containern laufen, was nebenbei auch dazu angetan ist, die Effizienz des Hardware-Einsatzes zu erhöhen.

Will ein Unternehmen eine solche Umgebung, ist die nächste Frage: Wie lässt sich diese verwalten? Und an dieser Stelle kommt Kubernetes ins Spiel.

Kubernetes ist Open Source und das Projekt der Cloud Computing Foundation (CNCF). Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen einem Anbieter propietärer Software und CNCF?

Raghu Raghuram: Auf der vergangenen ‚VMworld Europe 2018‘, in Barcelona, haben wir bekannt gegeben, dass wir Heptio übernehmen, um die Einführung von Kubernetes in Unternehmen On-Premises und in Multi-Cloud-Umgebungen zu beschleunigen. Heptio war schon eines der führenden Unternehmen im offenen Kubernetes-Ökosystem

Heptio wurde 2016 von Joe Beda und Craig McLuckie gestartet, zwei der Gründer von Kubernetes. Damit wurde das Know-how auf eine wachsende Anzahl von Produkten, Open-Source-Projekten und Beiträgen zu Upstream-Kubernetes übertragen. Noch ist der Deal nicht komplett durch. Vermutlich können wir den Kauf im vierten Quartal 2019 abschließen.

Dennoch: Bis Microservices, Container und Virtualisierung die Anwendungslandschaft bei den Kunden komplett durchdringen, wird es dauern.

Welche Rolle spielen die großen Standardsoftware-Anbieter wie SAP, oder die Telekommunikationsanbieter, die quasi unter der Haube ihre Software dahingehend modernisieren? Sind diese nicht die eigentlichen Beschleuniger in der Cloud-Entwicklung?

Raghu Raghuram: Hmmh. SAP ist ein großartiger Partner und Kunde. Die Telekommunikationsbranche ist sehr stark reguliert und es geht um Hundertausende von Kunden …. Das ist nicht so einfach.

Andererseits kommt 5 G mit all den Anforderungen an neue Apps und Dienstleistungen, beziehungsweise Flexibilität.

Raghu Raghuram: Doch das schreitet in allen Industriestaaten in etwa demselben Tempo vorwärts und damit auch die Änderungen im Backend. In anderen Ländern, die noch nicht so weit entwickelte Telekommunikationsinfrastrukturen habe, gehen die Player um Vieles aggressiver vor. Das ist vergleichbar mit der Adaption der Mobilfunktechnik überhaupt, die in Ländern mit guten Festnetzen ein wesentlich geringere Geschwindigkeit aufwies.

Welche Rolle spielt das Edge-Computing – IoT, Industrie 4.0, Edge-Rechenzentren?

Raghu Raghuram ist Chief Operation Officer bei VMware.
Raghu Raghuram ist Chief Operation Officer bei VMware. (Bild: Ulrike Ostler/ Vogel IT-Medien GmbH)

Raghu Raghuram: In unserer Definition bedeutet das eine hybride Infrastruktur: von der Cloud, zum Rechenzentrum zur Edge; denn diese Ebenen müssen zusammenarbeiten. Damit das in einer konsistenten Weise funktioniert, gibt es VMware.

Klar, Edge kann vieles sein, vom Büro bis zum Auto – mit all den verschiedenen Devices, Sensoren, Bildschirme, CNC-Maschinen, Staubsauger, Smartphones, Straßenlaternen …., die zum Einsatz kommen werden. VMware kann zwar eine konsistente Infrastruktur ermöglichen, doch für die Anwenderunternehmen wird das sehr schwierig zu durchdringen sein.

Deshalb ist meine Vermutung, dass sich mehr und mehr ein neues Management-Modell durchsetzen wird, nämlich Managed Services, etwa für „VMware on AWS“.

Edge ist kein luftleerer Raum. Die Produktionsstraßen werden schon lange mit IT bestückt, Software und Hardware etwa vom Switch bis zu Bussystemen, genauso wie Basisstationen im Mobilfunk oder Kassensysteme. Ohnehin orientiert sich das Angebot stark vertikal, der Branche entsprechend. VMware, aus der klassischen Informationstechnik kommend, hat es unter Umständen schwer, sich in dieser Breite zu positionieren.

Raghu Raghuram: Erstens sind wir auch mit vergleichsweise geschlossenen Branchen vertraut, so gibt es VMware-Implementierungen auf Schiffen genauso wie im Einzelhandel und beim Militär. Zum anderen ist für die Edge-Systeme neu, dass sie quasi in die Cloud hineinreichen.

Ein Problem aber gibt es auch im Bereich Sicherheit. Denn Sicherheit in der Edge ist ganz sicher etwas anderes als Sicherheit in einem abgeschirmten Datacenter. Security ist kein Feature.

Das bedeutet?

Raghu Raghuram: Was in der Security-Industrie heute passiert, ist, dass sie nachträglich, quasi von außen die Systeme und Infrastrukturen aufgestülpt werden. Im Zweifelsfall sind jedoch die Kriminellen schneller. Wir streben an, dass die Infrastruktur selbst Sicherheit bedeutet. Mit ´NSX` etwa ist es möglich, Microsegmente zu definieren, die den Datenverkehr ständig und automatisch überprüfen.

´VMware AppDefense‘ hingegen sitzt im Hypervisor und funktioniert wie ein einseitiger Spiegel bei Polizeiverhören, durch den die Verhöre verfolgt werden können. Letztlich erkennt das Tool den beabsichtigten Status und das Verhalten einer Anwendung und überwacht die Anwendung auf Änderungen, die auf eine Bedrohung hindeuten können. Wenn eine Bedrohung erkannt wird, reagiert AppDefense automatisch.

Ziel ist aber letztlich die ´selbstfahrende` IT, die Fehler nicht nur erkennt, sondern auch behebt. Deshalb setzen wir zunehmend auf Machine Learning (ML) und Künstliche Intelligenz (KI). Übrigens kennen Sie schon Wavefront? Das nutzen Kunden wie Box, Snowflake, Clover um Tausende von Containern in Echtzeit zu überwachen.

Es wurde entwickelt, um Millionen von Datenpunkten pro Sekunde aufzunehmen und zu analysieren, die in IaaS-, PaaS- und SaaS-Anwendungen sowie Servern und PCs, Smartphones und Tablets erfasst werden. Außerdem können Entwickler Datenströme abfragen, um neue Wege zur Problembehebung zu finden, Engpässe zu identifizieren und Algorithmen und Hypothesen zu testen.

Wir kommen also „Securty by Design“ beziehungsweise ´Security by Code` schon sehr nahe.

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