Intel Vision 2022 Accelerated Computing: Intel in der Aufholjagd

Die erste „Intel Vision“ mit physisch anwesenden Gästen seit zwei Jahren konnte mit einigen Neuigkeiten aufwarten. Interessant wurde es besonders in den Bereichen Datacenter und AI.

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Auf der „Intel Vision 2022“ präsentierte Intel eine ganze Reihe wichtiger Neuigkeiten.
Auf der „Intel Vision 2022“ präsentierte Intel eine ganze Reihe wichtiger Neuigkeiten.
(Bild: Intel)

„Die Welt steht vor einer Renaissance des Computing!“, postulierte Intel-CEO Pat Gelsinger. Die Erwartungen an die Rechenleistung seien nach oben offen, die technologische Entwicklung stehe vor einem neuen Beschleunigungsschub.

Das belegte er an Zahlen: 1994 wäre das erste Smartphone auf den Markt gekommen, inzwischen besäße die Hälfte der Menschheit eines. Heute hätten rund 62 Prozent der Menschen Anbindung an das Internet, 2030 sollen es bereits 90 Prozent sein. Gelsinger: „Dann ist buchstäblich alles mit jedem verbunden.“ Daraus optimalen Nutzen zu ziehen, werde bislang unvorstellbare Rechen-Power erfordern.

„Vier Superkräfte“ (Gelsinger) schickten sich in ihrem Zusammenwirken an, Computing und Gesellschaft wieder einmal zu revolutionieren. Wenig überraschend sind dies laut Gelsinger die stets verfügbare Connectivity, ubiquitäre Rechenleistung, die Cloud Edge und AI. Intel versteht sich einmal mehr als tonangebender Motor der entsprechenden Entwicklungen. Gelsinger hatte gleich eine ganze Reihe von Innovationen im Gepäck, die das belegen sollen.

Mobile Kraftpakete

So hat Intel zusammen mit dem taiwanesischen Partner Pegatron robustes 5G-Equipment für den schnellen Aufbau von 5G-Netzen auch an unwirtlichen Standorten entwickelt. Dazu gehören neben einem Access Point und einer mobilen zentralen Sende- und Empfangsstation etwas größer als ein Aktenkoffer auch eine Kamera und ein Laptop (von Dell) mit 5G-Anbindung und selbstverständlich „Intel-Xeon“-Prozessor.

Zu der mit dem taiwanesischen Hersteller Pegatron entwickelten 5G-Produkt gehört auch eine 5G-Drohne.
Zu der mit dem taiwanesischen Hersteller Pegatron entwickelten 5G-Produkt gehört auch eine 5G-Drohne.
(Bild: Ariane Rüdiger)

Intels Head of Client Business, Michelle Johnston-Holthaus zeigte sich überzeugt, dass der PC respektive Laptop mit Mobilanbindung in Zukunft unentbehrlich für Home Office oder Home Schooling sei. „Mit dem Smartphone funktionieren viele Dinge einfach nicht“; sagte sie, das habe die Pandemie eindrucksvoll bewiesen.

140 Millionen über vier Jahre alte PCs warteten auf Update oder Ablösung, dies sei eine große Geschäftsgelegenheit. Für hochleistungsfähige mobile Rechner stellte Johnston-Holthaus den neuen 12 Gen Intel Core HX vor, der mit 16 Cores und 5 GHz arbeitet und die 12-Gen-Reihe beenden soll.

Software beschleunigen mit Granulate

Anwendern geht es letztlich darum, mehr Software schneller ablaufen zu lassen. Dabei kann helfen, die CPU von anderen Aufgaben freizuschaufeln, indem etwa Infrastrukturoperationen ausgelagert werden. Genau das ermöglicht Intel mit der 'Infrastructure Processing Unit' (IPU). Sie ist ein programmierbarer Chip, der die CPU von Infrastrukturoperationen einer Cloud oder eines Datacenters entlastet. Johnston-Holthaus kündigte bis 2026 eine 400-Gigabyte-Variante an.

Außerdem hat Intel kürzlich das Software-Unternehmen Granulate übernommen, das eine automatisierte Methode zur Leistungssteigerung von Software entwickelt hat, ohne dass deren Code verändert werden muss. Auch die Hardware wird so besser ausgelastet, was wiederum die Kosten senkt.

Sapphire Rapids ist da

Wichtigster Fortschritt fürs Datacenter Computing ist die Verfügbarkeit der neuesten Generation von Intel „Xeon Scalable“, „Sapphire Rapids“. Sandra Rivera, seit 2021 Leiterin des Bereichs Datacenter und AI bei Intel, brachte einen Wafer mit den ersten Produktions-Samples mit. Der Chip mit seinen bis zu 48 Cores vereinigt AI, Netzwerk- und, Kryptofunktionen sowie einen Datenbankbeschleuniger in einer Hardware.

Sandra Rivera, Executive Vice President und General Manager der Datacenter und AI-Grup bei Intel, zeigt einen der ersten „Sapphire-Rapids“-Wafer.
Sandra Rivera, Executive Vice President und General Manager der Datacenter und AI-Grup bei Intel, zeigt einen der ersten „Sapphire-Rapids“-Wafer.
(Bild: Ariane Rüdiger)

Auch im Edge-Computing will Intel punkten. Nick McKeown, Senior Vice President und Geschäftsführer der Network and Edge Group (NEX): „Wir haben bereits 300 marktreife Lösungen für die Edge.“

Ein Beispiel für deren Nutzen ist die Neugründung Nourish + Bloom, ein komplett berührungslos arbeitender Lebensmittelmarkt. Jilea und Jamie Hemings gründeten das Unternehmen, um ihrem autistischen Kind zu ermöglichen, sich selbst mit gesunder Nahrung zu versorgen. Sie realisierten zudem, dass Kunden zu Corona-Zeiten weit überwiegend vorzogen, berührungslos einzukaufen. Also konzipierten sie einen Kaufprozess, bei dem es reicht, sich am Eingang einzuckecken und eine App zu laden, die registriert, was die Kunden kaufen. Beim Verlassen des Ladens werden die Einkäufe automatisch abgebucht.

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Die Kette will angesichts ihres Erfolges zunächst US-weit expandieren und dann ins Metaverse. Die IT-Lösung dahinter entwickelte Intel mit Partnern.

Bosch: AI-Algo-Training fürs autonome Fahren mit Datenschutz

Im Bereich Sicherheit und Datenschutz sieht sich Intel mit dem hardwaregestützten Ansatz „Intel SGX“ (Software-guarded Extensions) gut aufgestellt. SGX schirmt spezifische Applikationen im Memory vor jeglichem unautorisierten Zugriff ab.

Damit arbeitet beispielsweise die Bosch Research Group. Ihr geht es vor allem darum, das Training von Algorithmen für autonomes Fahren zu beschleunigen, ohne den Datenschutz zu kompromittieren.

Metaverse braucht Zettascale

Mit der Zukunft des Computing beschäftigte sich Raja Koduri, der bei Intel den Geschäftsbereich Accelerated Computing Systems and Graphics (AXG) leitet. Hier liefert sich Intel seit Jahren erbitterte Gefechte mit dem Erzrivalen Nvidia.

Laut Koduri nähert sich die Welt unausweichlich dem Zettascale-Zeitalter. Dies sei beispielsweise notwendig, um mit den in Zukunft weiter stark wachsenden immensen Mengen an 3D-Videodaten zu arbeiten. Dafür brauche man dringend neuartige und leistungsfähigere GPUs.

Raja Koduri, Leiter des Intel-Geschäftsbereichs Accelerated Computing Systems and Graphics (AXG), zeigt die neue Datacenter-GPU „Arctic Sound M“.
Raja Koduri, Leiter des Intel-Geschäftsbereichs Accelerated Computing Systems and Graphics (AXG), zeigt die neue Datacenter-GPU „Arctic Sound M“.
(Bild: Ariane Rüdiger)

Intel sieht seinen Vorteil darin, dass wegen der „One API“-Technologie seine GPUs denselben Software-Stack wie die Xeon-CPUs nutzen und auch dieselbe API-Schnittstelle haben. So muss Software für beide Plattformen nur einmal entwickelt werden. „Dadurch haben wir von Anfang an viel unterstützte Software für unsere Produkte“, sagt Koduri.

GPU fürs Datacenter

Auf der Inel Vision durften die Besucher auch einen Blick auf Intels neue Datacenter-GPU werfen, Codename: „Arctic Sound-M“. Der Chip eignet sich für Aufgaben mit höchsten Leistungsanforderungen, etwa Inferenz, Gaming, VDI und Medienverarbeitung.

Der Prozessor kann parallel mehr als 30 1080-Pixel-Video.Streams, mehr als 40 Game-Streams und 62 virtualisierte Funktionen verarbeiten. Er hat mit „AV1“ einen sehr leistungsfähigen Hardware-De/Encoder, 32 Xe- Vektorverarbeitungseinheiten, vier Xe-Media-Engines. Der AI-Beschleuniger XMX ist ebenfalls schon eingebaut. Ab dem dritten Quartal ist der Chip lieferbar.

Exascale für jeden

Das Argonne National Lab in Lemont, Illinois arbeitet bereits mit dem Arctic Sound-M. Dort wird gerade der Supercomputer „Aurora“ mit mehr als 2 Exaflops Leistungsfähigkeit gebaut. Dessen Rechenleistung kann für anspruchsvolle wirtschaftliche und technische Berechnungen schon bald gemietet werden – Exaflops für jeden, sozusagen.

Raja Koduri (links), Intel, im Gespräch mit Rick Stevens (rechts) vom Argonne National Laboratory in Lemont, Illinois. Im Hintergrund Blick auf das im Aufbau befindliche „Arctic Sound M“-basierende Exascale- Rechenzentrum dort.
Raja Koduri (links), Intel, im Gespräch mit Rick Stevens (rechts) vom Argonne National Laboratory in Lemont, Illinois. Im Hintergrund Blick auf das im Aufbau befindliche „Arctic Sound M“-basierende Exascale- Rechenzentrum dort.
(Bild: Rüdiger)

Das alles reiche jedoch nicht aus fürs Metaverse, betont Koduri. Darunter versteht er eine Online-Welt mit voller sinnlicher Erfahrung. Der Facebook-Chef Zuckerberg hat das Metaverse als nächstes großes Ziel der IT-Entwicklung ausgegeben.

1000fache Rechenleistung nötig

Dafür brauche man, so Koduri, 1000mal mehr Rechenleistung und damit Zettascale-Systeme. Die Systemebenen Compute samt Silizium, Software-Infrastruktur und eine Intelligenzschicht als oberste Ebene müssten allesamt neu entwickelt werden.

Ein Beitrag dazu leifert das Projekt „Endgame“. Dabei geht es darum, dass sich Rechner selbsttätig brachliegende Rechenpower irgendwo im Netz suchen, um beispielsweise komplexe Simulationen zu rechnen. Intel spricht hier von 'Continual Compute'. Mit einer marktreifen Fertigstellung sei allerdings erst in vier bis fünf Jahren zu rechnen.

Intel AI-Beschleuniger schlägt Nvidia A100

Ebenfalls in neue Leistungsdimensionen stößt Intel mit der zweiten Generation seines AI-Beschleunigers „Gaudi“ vor. Er wird in 7-Nanometer-Technologie gefertigt. Im Vergleich mit einer „Nvidia A100“-GPU kann „Gaudi 2“ nach Intel-Daten knapp doppelt so viele Bilder, nämlich 5.500 in der Sekunde, verarbeiten.

Intel-CEO Pat Gelsinger im Gespräch mit Christoph Schell, dem von HPE abgeworbenen neuen Chief Commercial Officer des Chipgiganten.
Intel-CEO Pat Gelsinger im Gespräch mit Christoph Schell, dem von HPE abgeworbenen neuen Chief Commercial Officer des Chipgiganten.
(Bild: Ariane Rüdiger)

Es sieht damit so aus, als ob Intel Nvidias Vorsprung im AI-Bereich hat ernsthaft in Frage stellt. Hilfreich ist hier sicher auch die „OpenVNO“-Technologie des Herstellers, bei der Software sich selbst automatisch an den Intel-Chip anpasst, auf dem sie gerade laufen soll. Mit der Hardware anderer Hersteller funktioniert das selbstredend nicht.

Passend zur Gaudi-2-Ankündigung konnte der Chipriese verkünden, dass Accenture im Rahmen des Projekt Apollo ab Juli schrittweise mehr als 30 Open-Source-AI-Referenz-Kits zur Verfügung stellt, mit denen Anwender und Anbieter eigene AI-Lösungen entwickeln können.

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