Eine zentrale Integrationsplattform ersetzt bei Mercer Rosenthal zahlreiche Einzellösungen. Produktions-, Logistik- und Energiedaten fließen automatisiert in SAP und weitere Systeme, der Pflegeaufwand sinkt.
Zellstoffproduktion ist längst mehr als nur die Herstellung eines Rohstoffs für die Papierindustrie - hier entstehen zudem Biostrom, biobasierte Chemikalien und nachhaltige Materialien. Damit die smarte Fabrik der Zukunft funktioniert, braucht sie eine ebenso smarte Dateninfrastruktur.
Nadelholzsulfatzellstoff – in der Branche als NBSK bekannt – ist ein hochreiner Biowerkstoff, der in der Papierherstellung gefragt ist. Daneben werden aus dem eingesetzten Holz Ausgangsmaterialien für biobasierte Kunststoffe, Textilfasern und Bioenergie gewonnen. Die Nachfrage wächst mit dem globalen Trend zur Dekarbonisierung; Zellstofffabriken stehen damit im Zentrum einer wachsenden Bioökonomie.
Mercer Rosenthal betreibt am thüringischen Standort Rosenthal eines der modernsten Kraftzellstoffwerke Europas. Rund 360.000 Tonnen hochwertiger NBSK-Zellstoff verlassen das Werk jährlich – produziert in einem komplexen biochemischen Prozess. Dieser Produktionskomplexität entsprechend ist auch die IT-Landschaft des Werks: historisch gewachsen, in einzelnen Bereichen unterschiedlich digitalisiert, aber mit klarem Kurs in Richtung Zukunft. Vor diesem Hintergrund stellte sich die zentrale IT-Frage, wie Produktionsanlagen, Werkslogistik, kaufmännische Systeme und Energieprozesse integriert, optimal gesteuert und zukunftssicher abgebildet werden können.
Punkt-zu-Punkt war gestern: Historisch gewachsene Schnittstellen
Vor der Integration dominierten klassische Punkt-zu-Punkt-Verbindungen das Bild: SAP-Systeme, produktionsnahe Steuerungsanwendungen, Logistiklösungen und externe Partner kommunizierten jeweils bilateral miteinander – ein Netz aus Individualschnittstellen, das mit jeder neuen Anforderung dichter und schwerer beherrschbar wurde.
Die Konsequenzen waren spürbar: Jedes SAP-Update zog aufwändige Anpassungen nach sich. IT-Ressourcen wurden durch Schnittstellenpflege gebunden, statt strategische Digitalisierungsprojekte voranzutreiben. Hinzu kam die besondere Herausforderung der Produktionsperipherie: Spezialhardware wie Vermessungstore, Messstationen und Industriesensoren bringen keine nativen SAP-Konnektoren mit – ihre Integration erforderte individuelle Entwicklungsarbeit, die Zeit und Budget kostete.
Die Entscheidung für eine zentrale Integrationsplattform
Die strategische Antwort auf diese Gemengelage war der Entschluss, eine zentrale Integrationsplattform einzuführen. Die Wahl fiel auf „Magic xpi“ von Magic Software Enterprises – ausschlaggebend waren der Low-Code-Ansatz für strukturierte und transparente Schnittstellenentwicklung, verfügbare Standard-Konnektoren für SAP, Salesforce und Webservices, der grafische Data Mapper zur Abbildung komplexer Datentransformationen sowie die hohe Stabilität im produktionskritischen Umfeld. Dazu Mathias Köhler, Standortleiter IT bei Mercer Rosenthal: „Der Low-Code-Ansatz von Magic ermöglicht es uns, Integrationsanforderungen schnell umzusetzen.“
Das Vorgehen war bewusst evolutionär angelegt: Keine Big-Bang-Migration, sondern eine schrittweise Konsolidierung. Bestehende Prozesse wurden technisch optimiert, ohne operative Abläufe zu destabilisieren. Das Team von Magic Software unterstützte bei Architekturdesign und Schnittstellenmapping, während die interne IT ihr SAP- und Prozess-Know-how einbrachte.
Täglich treffen rund 200 mit Hackschnitzeln beladene LKW auf dem Werksgelände ein. Bisher war die Erfassung des Ladevolumens ein teils manueller Prozess. Heute durchfahren die Fahrzeuge automatisierte Vermessungstore, die Ladevolumen und Fahrzeugdaten in Echtzeit erfassen. Magic xpi übernimmt die Übertragung dieser Messdaten direkt in das SAP-System – vollständig digital, ohne manuelle Eingabe, ohne Verzögerung.
Das Ergebnis: beschleunigte Logistikprozesse, lückenlose Materialerfassung und eine Transparenz entlang der Lieferkette, die früher so nicht möglich war. Gleichzeitig schafft das standardisierte Vermessungstool eine Blaupause für weitere Standorte im Mercer-Verbund.
2. Rundholzvermessung: 20 bis 30 Parameter je Stamm – automatisiert aufbereitet
Für jeden einzelnen Baumstamm werden bis zu 30 qualitätsrelevante Parameter digital erfasst: Krümmung, Länge, Durchmesser von Früh- und Spätholz. Die Daten werden von den europäischen Lieferanten im XML-Format bereitgesellt. Magic xpi übernimmt diese automatisiert, harmonisiert sie und spielt sie 1:1 in SAP ein – ohne Medienbruch, ohne manuellen Eingriff.
Die Folge ist eine konsistente Datengrundlage für Qualitätsbewertung, Abrechnung und Produktionsplanung, bei gleichzeitig deutlich reduzierten Fehlerquellen.
3. Energie-Management: Zentraler Datenstrom für Effizienz und Nachhaltigkeit
In einem der Sägewerke fließen Energie- und Betriebsdaten; Verbrauchswerte, Temperatur- und Dampfdaten aus verschiedenen Messstellen; über Magic xpi in Echtzeit an einen externen IoT- und Energiemanagement-Partner. Die strukturierte, kontinuierliche Datenbereitstellung ermöglicht unmittelbare Analysen, gezielte Optimierungsmaßnahmen und eine durchgängige Transparenz über Energieflüsse und Anlagenzustände. Für ein Werk, das Biostrom erzeugt und seinen Energie-Einsatz kontinuierlich optimiert, sind Prozessoptimierung und eine konsequent nachhaltige Energieausrichtung im Unternehmen untrennbar miteinander verbunden.
Stand: 08.12.2025
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4. SAP-Salesforce-Synchronisierung: Projektumsetzung in drei statt neun Monaten
In einem Schwesterwerk werden Instandhaltungsdaten, die zentral in SAP gepflegt werden, zusätzlich mit Salesforce synchronisiert. Magic xpi realisiert einen bidirektionalen Datenaustausch, der doppelte Dateneingaben eliminiert und konsistente Datenbestände in beiden Systemen sicherstellt.
Besonders bemerkenswert ist die Projektgeschwindigkeit: Das ursprünglich auf neun Monate veranschlagte Vorhaben wurde in nur drei Monaten erfolgreich umgesetzt – ein Beleg für die Effizienz des gewählten Integrationsansatzes.
Messbarer Nutzen: Was eine konsolidierte Integrationsarchitektur konkret bringt
Die Ergebnisse lassen sich auf zwei Ebenen beschreiben: Die IT profitiert von spürbar reduziertem Pflege- und Anpassungsaufwand, höherer Transparenz über Datenflüsse und einer schnelleren Bereitstellung geschäftskritischer Informationen. Systemupdates erfordern keine aufwändigen Schnittstellenanpassungen mehr; die Plattform fungiert als stabiler, skalierbarer Integrations-Hub.
Für die operativen Bereiche bedeutet die Konsolidierung stabile, automatisierte Prozesse – von der Logistik über die Instandhaltung bis zum strategischen Energiemanagement. „Magic xpi läuft für uns als "Silent Engine" im Hintergrund – stabil, zuverlässig und ohne täglichen Pflegeaufwand. Gleichzeitig können wir neue Anforderungen, etwa gesetzliche Nachweispflichten, sehr schnell systemseitig umsetzen,“ so IT-Manager Mathias Köhler.
Und auf Datenebene zeigt sich nach Ansicht von Mathias Köhler der vielleicht wichtigste Effekt: „Unsere Datenqualität in SAP ist durch Magic xpi spürbar gestiegen, während manuelle Eingriffe deutlich zurückgegangen sind. Das macht Prozesse nicht nur effizienter, sondern auch belastbarer.“
Digitalisierung als kontinuierlicher Prozess: Erfahrungen aus der Praxis
Mathias Köhler formuliert das Leitprinzip hinter der Digitalisierungsstrategie klar: „Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern der Hebel zur Prozessoptimierung und Transparenz.“
Der Rat von Köhler an andere Industrieunternehmen ist pragmatisch und praxiserprobt: „Digitalisierung funktioniert nicht im Big Bang. Man sollte mit einem konkreten Schmerzpunkt beginnen, Prozesse organisatorisch sauber klären und erst dann technisch umsetzen. Technische Lösungen können keine strukturellen Probleme ersetzen – aber sie können gut vorbereitete Prozesse hervorragend skalieren.“
Und nicht zuletzt wirkt der Digitalisierungsimpuls nach Erfahrung von Mathias Köhler in die gesamte Organisation hinein: „Schnelle und pragmatische Integrationsprojekte setzen in Fachbereichen und bei einzelnen Kollegen Ideen frei und lösen einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess im Unternehmen aus.“
Ausblick: Vom Piloten zur konzernweiten Integrationsinfrastruktur
Mercer Rosenthal zeigt, wie eine zentrale Integrationsplattform heterogene Systemlandschaften konsolidiert – vom Messtor über SAP bis zum Energiemanagement.
Was bei Mercer Rosenthal begann, wächst weiter. Die Magic xpi Integrationsplattform wird mittlerweile auch an weiteren Standorten in Deutschland und Kanada eingesetzt. Sie trägt wesentlich zu einer zukunftssicheren IT-Architektur und einem nachhaltigen Fundament für weitere industrielle Digitalisierung bei – eine skalierbare Basis für weitere Digitalisierungsinitiativen in einem Markt, der mit der globalen Bioökonomie wächst.
Für Datacenter-Infrastrukturen und Datenarchitekten hält das Mercer-Modell eine klare Botschaft bereit: In datenintensiven Industrieumgebungen ist die Integrationsplattform das Herzstück der IT. Sie entscheidet, ob Produktions-, Logistik- und Energiedaten als strategische Ressource genutzt werden können – oder im Rauschen der Systemlandschaft versickern.
Über den Autor: Stephan Romeder ist Vice President Global Business Development bei Magic Software Enterprises.