Netzinfrastruktur für Rechenzentren Glasfaser bleibt Standard, KI erhöht Bandbreiten- und Latenzdruck

Ein Gastbeitrag von Helmut Kohl* 4 min Lesedauer

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Erhöhte Server- und Stromlasten verschärfen die Anforderungen an Übertragungskapazität und Latenz. Parallel dazu konsolidiert sich der Glasfasermarkt. Rechenzentrumsmarkt und B2C-Ausbau folgen dabei unterschiedlichen Logiken.

Leistungsfähige Rechenzentren setzen seit Jahren auf Glasfaser: Nun erhöht Künstliche Intelligenz Server- und Stromlasten und verschärft damit die Anforderungen an Übertragungskapazität und Latenzzeit.(Bild: ©  nikkytok - stock.adobe.com)
Leistungsfähige Rechenzentren setzen seit Jahren auf Glasfaser: Nun erhöht Künstliche Intelligenz Server- und Stromlasten und verschärft damit die Anforderungen an Übertragungskapazität und Latenzzeit.
(Bild: © nikkytok - stock.adobe.com)

Rechenzentren benötigen performante und ausfallsichere Verbindungen. Betreiber bauen deshalb in der Regel auf redundante Glasfaseranbindungen:

Die Leitungen führen aus unterschiedlichen Richtungen in das Gebäude und stammen idealerweise von zwei Anbietern. Auch innerhalb der Rechenzentren gehört Glasfaser seit Langem zur Standardverkabelung.

Mit KI steigen die Server- und Stromlasten sowie der Kapazitätsbedarf. So verkündete Microsoft Anfang 2026 auf einer Konferenz in den USA, dass das Unternehmen Anbindungen an seine Rechenzentren inzwischen mit 200 Fasern plant. Diese Größenordnung verdeutlicht, welchen Bedarf große Netzbetreiber zukünftig erwarten.

Energieeffizienz, Technik und Preis als Treiber des Wandels

Dass Glasfaser den wachsenden Anforderungen gerecht werden kann, liegt auch an ihrer Leistungsfähigkeit, die über die Jahrzehnte hinweg immens voranschritt.

Ende der 1980er-Jahre kamen etwa alle fünf Kilometer Zwischenverstärker zum Einsatz. Heute überträgt eine Standardglasfaser hunderte Kilometer. Parallel dazu sorgte auch die Verbreitung der Glasfaser als Massenanwendung und ihre flächendeckende Verbauung für sinkende Kosten.

Hinzu kommt die Energieeffizienz: Der Betrieb von Glasfasernetzen bedarf signifikant weniger Energie als ältere Infrastrukturen.

Getrieben vom steigenden Kapazitätsbedarf wachsen auch die globalen Backbone-Verbindungen weiter: Vor allem im pazifischen Raum entstehen neue Unterseekabel, zudem werden zusätzliche Transatlantikkabel installiert. Unterseekabel enthalten tausende Fasern; ihre Auslegung erfolgt daher von Beginn an mit hohen Kapazitäten.

KI verändert das Upload-Download-Verhältnis

Mit KI verändert sich auch die Struktur des Datenverkehrs. Netzdesigns orientierten sich lange an einem Verhältnis von etwa zehn zu eins zwischen Download und Upload:

Auf eine kleine Anfrage folgte eine deutlich größere Datenmenge als Antwort. KI-Anwendungen verschieben dieses Verhältnis. Eine Datenbrille kann beispielsweise große Videodatenmengen hochladen, während die Auswertung nur eine kurze Information liefert.

Damit gewinnt die Latenz weiter an Bedeutung. Anwendungen und Maschinen tauschen größere Datenmengen aus und erwarten schnelle Antworten. Entsprechend wächst der Bedarf an Edge Data Centern.

Meta kündigte Anfang 2026 einen massiven Ausbau an. Die Dimensionen unterscheiden sich dabei deutlich: Während wir in Deutschland unter Edge Data Centern häufig Größenordnungen von zwei bis 10 Megawatt verstehen, definiert Meta bereits 30 Megawatt als Edge. Hyperscaler beginnen nach dieser Einordnung ab einem Gigawatt.

Mit dem Ausbau von Edge-Infrastrukturen nimmt zugleich die Relevanz leistungsfähiger Netzanbindungen zu. Glasfaser bleibt auch hinter Funkverbindungen zentral. Mobilfunkmasten und Serverstationen sind für gewöhnlich per Glasfaser angebunden. In Industrie und Fertigung wird zudem die Kommunikation von Anwendung zu Anwendung zulegen. Glasfaser etabliert sich dort als Standardmedium für die feste Infrastruktur hinter Maschinen, Robotik und Funknetzen.

Der B2C-Markt folgt einer anderen Logik

Im Endkundenmarkt fällt die Take-up-Rate vieler Glasfasernetze geringer aus als eingangs geplant. Bestehende DSL- und Koaxialnetze bieten vielerorts weiterhin ausreichende Leistung zu günstigen Preisen. In den kommenden Jahren dürfte sich der Wechsel zu Glasfaser allerdings beschleunigen: Mit steigendem Bedarf an symmetrischer Bandbreite und einer in den Ruhestand gehenden Techniker-Generation erreicht DSL das Ende ihres Lebenszyklus.

Für neue Ausbauprojekte bildet die Nachfrage vor Ort einen zentralen Bestandteil des Business Case. Eine Vorvermarktungsquote von rund 40 Prozent schafft eine solide Ausgangsbasis. Hinzu kommen die Kosten pro angeschlossenem Haushalt und die Bodenbeschaffenheit. In ländlichen Gebieten erreichen Projekte diese Vorvermarktungsquote eher; in Städten senken Mehrfamilienhäuser wiederum die Ausbaukosten pro potenziellem Anschluss.

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Fehlkalkulationen beschleunigen Konsolidierung

Die Insolvenzen einzelner Glasfaserunternehmen sind auch eine Folge des Glasfaserbooms ab 2020.

Neben etablierten Betreibern und langfristig orientierten Infrastrukturinvestoren traten Projektentwickler mit kurzen Investitionshorizonten in den Markt ein. Bei einem Teil dieser Geschäftsmodelle trafen zu niedrig kalkulierte Ausbaukosten auf übersteigerte Erwartungen an die Take-up-Rate.

Weiterhin erhöhten zunehmende Tiefbaupreise und Finanzierungskosten den Druck. Businesspläne aus dieser Zeit kalkulierten mehrheitlich mit realistischen Verkaufspreisen. Allerdings lag die erwartete Kundenquote häufig bei 50 bis 60 Prozent, während tatsächlich circa 30 Prozent erreicht wurden.

Diese Fehlannahmen betreffen allerdings nur einen Teil des Marktes. Rund 80 Prozent der Glasfasernetzbetreiber sind stabil, darunter Stadtwerke, die Deutsche Telekom und Vodafone.

Dennoch wird sich der Markt weiter konsolidieren. Regionale Betreiber mit starker lokaler Position bleiben aller Voraussicht nach bestehen. Bei deutschlandweiten Carriern mit eigenem Netz ist perspektivisch mit maximal fünf Anbietern zu rechnen.

Vom Netzbau zum skalierbaren Betrieb

Mit zunehmender Marktreife verschiebt sich der Fokus vom Bau in Richtung Betrieb. Für Betreiber werden skalierbare Systeme und Prozesse zum entscheidenden Faktor.

CRM- und ERP-Strukturen, die für die ersten 10.000 Kunden funktionieren, müssen auch bei deutlich größeren Kundenbeständen tragen. Späte Systemwechsel verursachen lange Einführungs- und Migrationsphasen und binden operative Ressourcen.

Die technische Evolution geht damit mit neuartigen betriebswirtschaftlichen Anforderungen einher. Mit KI wachsen die Datenmengen und der Bedarf an kurzen Reaktionszeiten.

Über den Autor:
Helmut Kohl studierte Nachrichtentechnik und baute erstmalig 1989 ein Glasfasernetz im Auftrag eines Energieversorgers. Heute begleitet der Diplom-Ingenieur Investoren bei Investmententscheidungen rund um digitale Infrastruktur.

Kohl ist Inhaber und Geschäftsführer der Helmut Kohl Management GmbH. Die auf digitale Infrastruktur spezialisierte M&A-Boutique berät mittelständische Unternehmen bei Transaktionen und strategischer Unternehmensentwicklung.

Bildquelle: Helmut Kohl Management GmbH

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