Open Source in Gefahr

Wegen Handelsstreit: RISC-V Foundation zieht von USA in die Schweiz

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Um Mitgliedern die Sorgen über mögliche Konsequenzen aus dem andauernden Handelsstreit zwischen den USA und China zu nehmen, hat die RISC-V Foundation beschlossen ihren Stammsitz vom amerikanischen Delaware in die Schweiz zu verlagern.
Um Mitgliedern die Sorgen über mögliche Konsequenzen aus dem andauernden Handelsstreit zwischen den USA und China zu nehmen, hat die RISC-V Foundation beschlossen ihren Stammsitz vom amerikanischen Delaware in die Schweiz zu verlagern. (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Der andauernde Handelsstreit zwischen den USA und China bereitet Technologiekonsortien und Verbänden anhaltendes Kopfzerbrechen. Die RISC-V Foundation zieht daraus nun die Konsequenz: Um weitere Komplikationen zu vermeiden, zieht der Verband offiziell in die Schweiz um.

Die gemeinnützige RISC-V Foundation, die sich der Verbreitung des quelloffenen Prozessor-Befehlssatzes RISC-V verschrieben hat, wird seinen Hauptsitz aus den USA in die Schweiz verlagern. Das gab Geschäftsführerin Calista Redmond in einem Interview mit Reuters bekannt.

Das Projekt begann 2010 an der University of California, Berkeley, unter der Leitung von Krste Asanovic und David A. Patterson. Das Technologiekonsortium möchte nun auf diese Weise sicherstellen, dass Universitäten, Regierungen und Unternehmen außerhalb der Vereinigten Staaten weiterhin bei der Entwicklung der ISA kollaborieren und diese problemlos für eigene Entwicklungen lizenzieren können.

Sorge über den sich nicht entspannenden Handelskrieg

Als Grund für den Umzug verwies Redmond auf den noch immer andauernden Handelsstreit zwischen den USA und China. Technologiegüter, vor allem aus der Elektronik- und Halbleiterbranche, werden derzeit aus beiden Ländern gegenseitig mit hohen Strafzöllen belegt. Zudem führt das amerikanische Handelsministerium eine Schwarze Liste mit Unternehmen aus China, mit denen amerikanische Firmen keine Handelsbeziehungen eingehen dürfen, ohne Sanktionen ausgesetzt zu werden.

Im Interview führte Redmond zwar aus, dass die RISC-V Foundation derzeit noch keine Sanktionen aus dem Handelsstreit zu spüren bekommen hätte. Dennoch hätten sich einige der 325 Mitglieder des Konsortiums zunehmend besorgt über mögliche geopolitische Störungen gezeigt: Demnach würden sich die Unternehmen und Forschungseinrichtungen wohler fühlen, wenn die Gesellschaft nicht mehr ihren Hauptsitz in den USA hätte, um möglichen Konsequenzen des Handelsstreits aus dem Weg gehen zu können.

Redmond lehnte es ab, die entsprechenden Mitglieder beim Namen zu nennen. Sie betonte aber, dass der Vorstand der Stiftung sich einstimmig zu dem Umzug entschlossen habe. Da RISC-V Open Source sei und damit für alle verfügbar sei, stehe der Umzug auch nicht im Widerspruch zu den US-Interessen, äußerte Redmond im Reuters-Interview.

Der Handelskrieg erschwert die Arbeit internationaler Standardisierungsgremien

Um die Verbreitung des Befehlssatzstandrads zu koordinieren und die weitere Entwicklung zu fördern, wurde 2015 die RISC-V Foundation als gemeinnützige Gesellschaft ins Leben gerufen. Aufgrund des quelloffenen Ansatzes eignet sich die ISA zur schnellen, kostengünstigen Entwicklung neuer Mikroprozessoren und Mikrocontroller. RISC-V hat sich durch den Open-Soruce-Ansatz schnell in der Industrie und an Hochschulen etabliert.

Mittlerweile gehören 325 Institute und Unternehmen der RISC-V Foundation an. Dazu gehören neben Amerikanischen Halbleiterriesen und Konzernen wie Nvidia, Google, Qualcomm oder Western Digital auch chinesische Gruppierungen wie Alibaba, Huawei, GigaDevice oder die Beijing Academy of Edge Computing. Auch große europäische Halbleiterunternehmen wie Infineon, NXP oder STMicroelectronics sind mittlerweile Mitglied.

Doch der bereits seit Januar 2018 andauernde Handelsstreit zwischen den USA und China erschwert den technologischen Austausch insbesondere zwischen Unternehmen und Instituten der beiden Ländern massiv – und schränkt auch die Arbeit von wissenschaftlichen Konsortien und Standardisierungsgremien ein. So hatte etwa im Mai diesen Jahres der IEEE Angehörige chinesischer Unternehmen (Huawei) zwischenzeitlich vom Peer-Review-Prozess für wissenschaftliche Fachartikel ausgeschlossen. Auch die SD Association und die WiFi Alliance sahen sich mit ähnlichen Schwierigkeiten konfrontiert.

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Trotz zahlreicher Versprechen und Ankündigungen von Vertretern der amerikanischen und chinesischen Regierung ist bislang noch keine Entspannung im nun schon beinahe zwei Jahre andauernden Handelskrieg in Sicht.

Hinweis:Das Artikel-Original ist auf dem Schwesterportal „Elektronik Praxis“ zu finden.

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