Blockchain Open Source

Was ist Hyperledger?

| Autor / Redakteur: Anna Kobylinska und Filipe / Ulrike Ostler

Das offizielle Logo des Hyperledger Project unter Obhut Linux Foundation
Das offizielle Logo des Hyperledger Project unter Obhut Linux Foundation (Bild: Linux Foundation)

Hyperledger ist ein Dachprojekt der Linux-Foundation zur Förderung quelloffener Innovationen im Bereich der Blockchain. Das Projekt bringt Unternehmen verschiedener Branchen — vom traditionellen Bankwesen über Fintech, das Internet der Dinge, Logistik, Produktion bis hin zur IT — zusammen. Ziel ist sowohl eine hohe technische Tragweite als auch ein hoher wirtschaftlicher Nutzen.

Die Bezeichnung Hyperledger bedeutet so viel wie ein „Über-Hauptbuch“ und versteht sich als eine Anspielung auf die ultimative Implementierung eines „hyper-leistungsstarken“ Transaktionsregisters auf der Basis der Blockchain-Technologie.

Ein „Haupt-Hauptbuch“

Bei einer Blockchain handelt es sich um ein eben solches verteiltes Transaktionsregister, welches eine kontinuierlich wachsende Liste von Ereignissen mit Hilfe eines Konsensverfahrens protokolliert und dabei ohne eine zentrale vertrauenswürdige Vermittlungsstelle auskommt. So entsteht ein unveränderliches, dezentralisiertes, redundantes Hauptbuch (englisch: ledger): eine selbstverwaltende, manipulationsresistente, gemeinsam genutzte Datenbank.

Handfeste Anwendungsszenarien für die DLT-Technik (Digital Ledger Technology) gibt es viele und es kommen ständig neue hinzu — genauso wie auch praktische Herausforderungen.

Ein zentrales Forschungsgebiet der Blockchain-Technik befasst sich mit der Umsetzung von smarten Verträgen. Bei smarten Verträgen handelt es sich um ausführbaren Code, der Blockchain-Transaktionen anhand von zusätzlichen Daten über die Erfüllung vorgegebener Bedingungen verarbeiten kann. So ist es etwa möglich, Ereignisse zum Beispiel anhand von Messwerten aus IoT-Sensorik zu protokollieren, um automatische Zahlungen im Rahmen von Vertragsbedingungen softwaregesteuert auszulösen.

Wer ist dabei und warum?

Die Liste der Projektteilnehmer liest sich wie das Who-is-Who der IT-Branche. Zu den treibenden Kräften hinter Hyperledger zählen neben IBM und Intel unter anderem Fujitsu, Oracle, SAP, VMware, Cisco, Red Hat, Bosch und Samsung.

„Wir glauben, dass es sich bei der Blockchain um eine transformative Technologie für große Unternehmen handelt“, kommentiert Jürgen Müller, Chief Innovation Officer bei SAP. Die SAP sei bestrebt, „die Einführung [der Blockchain-Technologie] durch die Schaffung neuer Standards, Anwendungsfälle, Plattformen und offener Anwendungen voranzutreiben“. Mit dem Beitritt zu Hyperledger plane SAP, sein Know-how und Wissen zu teilen, um Unternehmen zu helfen, die offene Distributed-Ledger-Technologie aufzugreifen.

Auch die Deutsche Börse Group sieht ein hohes Potenzial für Blockchain-Technologie, sagte Jeffrey Tessler, Vorstandsmitglied der Deutsche Börse AG, zum Anlass der Beitritt seiner Organisation zu Hyperledger. „Der wahre Wert der Blockchain als einer Marktinfrastruktur, welche die gesamte Wertschöpfungskette abdeckt, wird, glauben wir, nur im Rahmen von Brancheninitiativen wie dem Hyperledger-Projekt zum Tragen kommen“, argumentierte Tessler.

Die Architektur von Hyperledger Grid.
Die Architektur von Hyperledger Grid. (Bild: Linux Foundation)

Hyperledger-Projekte

Das Hyperledger-Projekt bevorzugt weder eine bestimmte Blockchain noch fördert es eine bestimmte Code-Basis. Stattdessen besteht das erklärte Ziel darin, die weltweite Entwicklergemeinschaft beim Ergründen des wahren Potenzials der Blockchain-Technik durch den offenen Ideenaustausch und die gemeinsame Umsetzung praktischer Blockchain-Implementierungen zu unterstützen und zu begleiten. In diesem Sinne hat sich die Linux Foundation mit Hyperledger „Blockchain Technologies for Business“ auf die Fahnen geschrieben.

„Ich vertraue auf das Modell von Open Source und ich glaube, dass verteilte, dezentralisierte Ledger als Open Source verfügbar sein sollten und nicht von Technologien abhängen, die einem einzelnen Anbieter gehören“, sagt Robert Palatnick, Verwaltungsrat von Hyperledger, Managing Director und Chief Technology Architect bei DTCC
„Ich vertraue auf das Modell von Open Source und ich glaube, dass verteilte, dezentralisierte Ledger als Open Source verfügbar sein sollten und nicht von Technologien abhängen, die einem einzelnen Anbieter gehören“, sagt Robert Palatnick, Verwaltungsrat von Hyperledger, Managing Director und Chief Technology Architect bei DTCC (Bild: Linux Foundation)

„Ich vertraue auf das Modell von Open Source, und ich glaube, dass verteilte, dezentralisierte Ledger als Open Source verfügbar sein sollten und nicht von Technologien abhängen, die einem einzelnen Anbieter gehören“, resümiert Robert Palatnick, Verwaltungsrat von Hyperledger, Managing Director und Chief Technology Architect bei DTCC.

Eine Übersicht aktueller (Frühjahr 2019) Hyperledger-Projekte nach Projektstatus (https://wiki.hyperledger.org/)
Eine Übersicht aktueller (Frühjahr 2019) Hyperledger-Projekte nach Projektstatus (https://wiki.hyperledger.org/) (Bild: Linux Foundation)

Im Rahmen von Hyperledger entstehen unter anderem die folgenden Projekte:

Hyperledger Fabric (ursprünglich von IBM): ein berechtigungspflichtiges Blockchain-Framework in Golang mit Unterstützung für die vertrauliche Kommunikation der Netzwerkteilnehmer in privaten Kanälen und Chaincode (gemeinsam genutzte Geschäftslogik),

Hyperledger Burrow: berechtigungsfähige Engine für smarte Verträge (EVM),

Hyperledger Indy: dezentralisierte Identitätenverwaltung,

Hyperledger Iroha: ein berechtigungspflichtiges Blockchain-Framework in C++ für mobile Blockchain-Anwendungen zur Verwaltung digitaler Vermögenswerte und smarter Verträge mit einer byzantinisch fehlertoleranten Konsensus-Engine,

Hyperledger Grid: eine Sammlung von Frameworks und Bibliotheken zur Erstellung von Blockchain-Lösungen für die Versorgungskette auf der Basis von WebAssembly,

Hyperledger Sawtooth (ursprünglich Sawtooth Lake von Intel): eine agile, hochskalierbare Blockchain-Plattform für berechtigungsfreie und berechtigungspflichtige Blockchains mit der Fähigkeit zum Echtzeit-Austausch der Konsensus-Engine und Unterstützung für mehrere Programmiersprachen,

Hyperledger Caliper: ein Benchmark-Framework zum Messen der Leistung einer bestimmten Blockchain-Implementierung anhand einer Reihe von vordefinierten Anwendungsfällen.

Das Hyperledger Projekt möchte als ein Gewächshaus gesehen werden, in dem die verschiedenen Projekte wohlbehütet keimen dürfen.
Das Hyperledger Projekt möchte als ein Gewächshaus gesehen werden, in dem die verschiedenen Projekte wohlbehütet keimen dürfen. (Bild: Linux Foundation)

Projektlebenszyklus bei Hyperledger

Ein Projekt durchläuft bei Hyperledger mehrere Entwicklungsphasen:

Proposal: Hyperledger-Mitglieder können Projektvorschläge an das Technical Steering Committee (Technischer Lenkungsausschuss, kurz: TSC) unter Verwendung von einer Projektvorlage einreichen.

Incubation: Die von dem TSC genehmigten Projektvorschläge treten die Incubation-Phase an; eine voll funktionsfähige Code-Basis und eine aktive Nutzergemeinde qualifizieren ein Projekt für die Überprüfung zum Einlass in die Active-Phase.

Active: Hat ein Projekt die Incubation-Phase erfolgreich abgeschlossen, tritt es den Status „Active“ an.

First Major Release: Die Betreuer eines Projektes, welches sich in der Incubation- oder Active-Phase befindet, können beim TSC die Veröffentlichung der ersten Major-Release beantragen.

Deprecated: Dieser Status kennzeichnet eine Übergangsphase zu End-of-Life für ein Projekt; für ein solches Projekt bietet die Gemeinde Support noch für einen Zeitraum von sechs Monaten.

End of Life: Nach dem Ablauf von sechs Monaten in der Deprecated-Phase wird das betreffende Projekt als „End of Life“ kennzeichnet; die Unterstützung hört dann auf.

Code-Qualität auf dem Prüfstand: Hyperledger-Audits

Hyperledger verpflichtet sich zu einer vertrauenswürdigen, aber überprüfbaren Sicherheitsphilosophie seiner Open-Source-Projekte.

Hyperledger setzt in seiner Software-Lieferkette überprüfbare Engineering-, Änderungs-Management- und Risikominderungsprozesse ein. Um sicherzustellen, dass diese Maßnahmen das Risiko von Sicherheitslücken in der resultierenden Code-Basis tatsächlich reduzieren, führt Hyperledger externe, unabhängige Sicherheitsaudits der Projekte durch, sobald die Code-Basis den Meilenstein der Version 1.0 erreicht hat.

Als erstes Projekt wurde Hyperledger Fabric einem Audit unterzogen; darauf folgten Hyperledger Sawtooth und Hyperledger Iroha. In allen drei Fällen hat der Technische Lenkungsausschuss von Hyperledger für die Überprüfung der Code-Basis das Unternehmen Nettitude verpflichtet.

Neben seinen Code-Audits führt Hyperledger auch regelmäßige Krypto-Audits durch. Diese Kontrollen sind darauf ausgelegt, sicherzustellen, dass Hyperledger-Projekte die US-amerikanischen Vorschriften für den Export starker Kryptographie erfüllen.

Schließlich führt Hyperledger auch regelmäßige Lizenzprüfungen durch, um sicherzustellen, dass der gesamte Code in seinen Projekten ordnungsgemäß lizenziert ist.

*Das Autoren-Duo

Die Autoren des Artikels, Anna Kobylinska und Filipe Pereira Martins arbeiten für McKinley Denali Inc. (USA).

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