Der Kampf um den Zukunftsmarkt OpenStack

VMware versus Red Hat

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Werfen wir einen Blick auf die Zahlen. Anfangs war KVM von Red Hat der meistgenutzte und bestunterstützte Hypervisor bei OpenStack-Bereitstellungen. KVM hat nach wie vor eine starke Stellung im Markt, wobei Gartner voriges Jahr schätzte, dass bei „ungefähr 50 Prozent“ der OpenStack-Installationen KVM als Hypervisor genutzt wird. Die Helion OpenStack Community Edition von Hewlett-Packard beinhaltet den Hypervisor KVM standardmäßig, so dass die wachsende Kundenbasis von HP auch eine gute Nachricht für Red Hat ist.

Das Standbein in Bewegung setzen

Doch VMware dominiert den Markt für Server-Virtualisierung und kann das Fünffache an Hypervisor-Installationen gegenüber den direkten Mitbewerbern Microsoft und Red Hat vorweisen. Laut IT Candor nutzten im Jahr 2013 3,4 Millionen virtuelle Server ESX, 700.000 Hyper-V und 600.000 KVM. Im vergangenen Jahr liefen mindestens 50 Millionen virtuelle Maschinen auf VMware, so der Anbieter kürzlich. Das sind 50 Millionen virtuelle Maschinen, die nicht an die OpenStack-Distribution von Red Hat gehen, wenn VMware mit einem unwiderstehlichen Angebot aufwarten kann.

Red Hat weist oft darauf hin, wie wichtig es ist, dass eine OpenStack-Distribution und das Betriebssystem, auf dem sie läuft, zusammenpassen. Doch der Erfolg von betriebssystemunabhängigen Anbieterdistributionen zeigt, dass das wohl nicht wirklich entscheidend ist.

Was für Anwender Effizienz bedeutet

Letzten Endes soll mit OpenStack mehr IT-Effizienz und -Effektivität erreicht werden. Eine Möglichkeit besteht darin, die vorhandene Infrastruktur zu nutzen. Denkbar ist ein Mix aus Servern, Speichern und Netzwerkgeräten. Und weil OpenStack dafür konzipiert ist, diese mithilfe von Treibern und Plugins unter einen Hut zu bringen, können Sie OpenStack einfach auf Ihren vorhandenen Systemen aufsetzen und loslegen.

Genau das wollen VMware-Anwender tun. Warum sollten sie einen Komplettaustausch vornehmen und ihre VMware-Infrastruktur auf die Red Hat Enterprise Linux OpenStack-Plattform migrieren, wenn sie dadurch in puncto Anbieterunabhängigkeit keinen Vorteil erzielen? Es spricht nicht viel dafür. Einfache Handhabung und Integration mit vorhandenen Umgebungen ist schließlich das, was für diesen großen Kundenstamm wirklich zählt.

Der Angreifer meint es ernst

Zudem dürfte Red Hat sich schwer tun, die Beweggründe von VMware in Frage zu stellen. Denn VMware meint es ernst mit OpenStack, wie die Beiträge zur Erweiterung der Code-Basis, die Mitgliedschaft in der OpenStack Foundation mit Platin-Status und die jüngsten Ankündigungen zeigen.

VMware hat frühzeitig erkannt, dass die Open-Source-Bewegung eine Bedrohung darstellen könnte, wenn das Unternehmen sich nicht neu aufstellen würde. Ob es VMware gelingt, neue Nicht-VMware-Kunden für seine OpenStack-Plattform zu gewinnen oder nicht, Kunden werden der VMware-Plattform treu bleiben, wenn VMware es ihnen leichter macht, OpenStack hinzuzufügen und einen Nutzen aus bereits erfolgten Investitionen in Infrastruktur zu ziehen.

Den Fehdehandschuh aufgenommen

VMware hat gezeigt, dass es in der Lage ist, „immer dort zu laufen, wo der Puck sein wird – und nicht da, wo er war“, um eine Aussage der Eishockey-Legende Wayne Gretzky zu zitieren. VMware hat frühzeitig die Bedrohung durch die Cloud erkannt und ist in das Cloud-Geschäft eingestiegen. Und VMware war sich der von OpenStack ausgehenden Gefahr bewusst und hat sich OpenStack verschrieben, noch bevor der Kampf um den Markt entbrannt ist.

Nun sieht VMware das Aufkommen der Hybrid-Cloud und ist auch in diesem Fall an Ort und Stelle. VMware weiß sehr wohl: Nur ein Unternehmen, dem es auf einfachste Weise gelingt, OpenStack mit vorhandener Infrastruktur zu integrieren, macht das Rennen. Und durch „Anzapfen“ des riesigen Kundenstamms könnte VMware zum OpenStack-Marktführer avancieren und den meistgenutzten Hypervisor KVM durch ESX ablösen. (ls)

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