Cloud 2019 Technology & Services Conference

Velten: „Cloud Native ist der Gamechanger“

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Ulrike Ostler

Cloud Native hat sich in kürzester Zeit vom Nischen- und Entwicklerphänomen zur festen Größe der Enterprise-IT und dem Architekturdesign neuer digitaler Geschäftsprozesse entwickelt.
Cloud Native hat sich in kürzester Zeit vom Nischen- und Entwicklerphänomen zur festen Größe der Enterprise-IT und dem Architekturdesign neuer digitaler Geschäftsprozesse entwickelt. (Bild: gemeinfrei, jarmoluk / Pixabay)

Ab 10. September findet die Veranstaltungsreihe „Cloud 2019 Technology & Services Conference“ statt. Fachvorträge, Live Demos und Technologie Outlooks thematisieren die Herausforderungen der Multicloud und von Cloud Native. Die Veranstaltungen in Hamburg und München starten mit einer Keynote von Dr. Carlo Velten, Managing Director von Crisp Research. DataCenter-Insider hat ihn und seinen Kollegen Maximilian Hille vorab dazu befragt.

Velten wird in seinem Fachvortrag auf der Cloud 2019 Technology & Services Conference darlegen, wie Cloud Native im Kontext von Digitalisierung, Cloud-Transformation und Anwendungsmodernisierung umgesetzt werden muss und warum DevOps und Site Reliability Engineering (SRE) die „Next Frontiers“ im IT-Betrieb sind. Wobei sich zunächst die grundlegende Frage stellt, inwieweit Unternehmen heutzutage tatsächlich daran gehen, Cloud Native auch im eigenen Rechenzentrum zu implementieren. Laut Velten passiert dies in zwei Bereichen – organisatorisch und technisch.

Ist Cloud Native im Rechenzentrum angekommen?

„Cloud Native ist gewissermaßen das Role Model für agile Prozesskulturen und einen automatisierten Betrieb“, erläutert der Analyst. Alle Rechenzentren müssten in einer Form bereit für die Hybrid Cloud sein und zumindest eine Anbindung oder einen Absprungpunkt in die Public Cloud setzen. „Daher muss auch die Organisation und das Betriebskonzept an die neuesten Cloud Native-Trends angelehnt werden, um beispielsweise Microservices-Architekturen aufbauen zu können - nicht immer zu müssen! - und die Sprints beziehungsweise Projekte richtig zu organisieren.“

Technisch gesehen würden die Angebote der Cloud Native-Provider und Hyperscaler von den potenziellen Anwendern gespannt beobachtet. „Es ist noch nicht der Fall, dass Kubernetes On-Premise schon heute der Standard ist, aber in zahlreichen Unternehmen gehen die Installationen durchaus über Test- und Pilotstadien hinaus“, berichtet Velten.

Cloud Native-Technologien würden daher sehr wohl im eigenen Rechenzentrum implementiert, „teilweise sogar ohne direkte Hybrid Cloud-Anbindung, sondern für einen Innovations- und Agilitätsvorteil im Betrieb. Hier muss allerdings genau geschaut werden, inwieweit dies technisch sinnvoll ist und der Aufwand gerechtfertigt ist“, so Velten.

Für ihn und seinen Kollegen Maximilian Hille, Senior Analyst, Cloud Practice Lead, stellen DevOps, aber auch Site Reliability Engineering (SRE), die „Next Frontiers“ in der IT dar. Hille sieht DevOps und SRE dabei grundsätzlich als verwandte Themen: „Der Geltungsrahmen und die Implikationen für die IT und Development Teams unterscheiden sich, doch folgen sie der gleichen Grundidee.“ Mit dem Einzug der Cloud Native Technologien in die Unternehmen werden seiner Meinung nach beide Konzepte maßgeblich sein. „Sie sind auch unabhängig des konkreten Betriebsmodells anwendbar, sodass sie für bisherige und zukünftige IT-Zeitalter ihre Gültigkeit haben können und den Gestaltungs- und Organisationsrahmen für die Teams bilden.“

Ist DevOps gescheitert?

In der Praxis lässt sich jedoch eine zunehmende Skepsis gegenüber DevOps feststellen. Das aus „Development“ und „Operations“ zusammengesetzte Kunstwort beschreibt ein Entwicklungskonzept, das die Zusammenarbeit von Fachexperten und Entwicklern in den Mittelpunkt rückt. Das Ziel dabei ist klar: Die möglichst schnelle Bereitstellung und Inbetriebnahme neuer Anwendungen, von Softwarefunktionen, Produkten und Services.

Das Problem: Entwickler sind mit den neuen Cloud Native-Technologien wie Container, Serverless oder Mikrokernel so beschäftigt, dass Sie keine Zeit mehr für die Operations oder die Abstimmung mit den Abteilungen haben. Bedeutet dies, dass sich DevOps als praktikabler Ansatz verabschiedet hat?

Hille verneint dies. „Die Co-Funktion von Entwickler und Admin ist es nicht allein, was DevOps ausmacht. Die Entwicklung der Anwendungen und Plattformen mit einem klaren Blick auf die Operations und Administration gehört ebenfalls dazu. Dies ist derzeit wichtiger denn je und wird durch Container, Serverless und Microservices eher noch verstärkt.“

Der erfahrene Analyst beobachtet zudem, dass Entwickler dazu tendieren, auch Admin-Aufgaben zu übernehmen, ganz nach dem Motto “You build it, you run it”. Es sei zwar nicht so, dass nun jeder auf einmal Entwickler sein müsse, aber „auch Nicht-Entwickler bekommen zunehmend die Chance, mit den richtigen Werkzeugen Anwendungen zu entwickeln“ - und das, auch ohne echte Coding-Erfahrung zu haben! DevOps sei demnach keineswegs gescheitert, es werde aber in gewisser Weise gerade noch einmal neu und anders definiert.

Werden Entwickler überflüssig?

Betrachtet man sich nach jahrelangem Virtual Machine-Wildwuchs die explosionsartige Vermehrung von Containern und Microservices in Unternehmen, so steht zu vermuten, dass diese künftig auch von den Abteilungen verwaltet werden müssen. Passenderweise ergießt sich gerade eine Flut an Administrations-Tools für Nicht-Entwickler über die IT.

Hille wertet dies als eine gewisse Überreaktion: „Die Zahl der Container und Microservices steigt tatsächlich sehr stark an - allerdings auch über das richtige Maß hinaus. Viele Unternehmen drängen auch in unpassenden Fällen auf diesen Umstieg oder setzen auf diese Standards. Das muss nicht immer sein, hier wird sich bald eine Sättigung und Fokussierung erkennbar machen.“

Seiner Meinung nach müssen Administrations-Tools für Nicht-Entwickler nicht zwangsläufig zu einer Umwälzung in der Entwicklerszene führen. „Es wird Tools geben, die dies ermöglichen. Allerdings wird dies nicht zwingend der Standard sein. Der Erfolg der Plattformen hängt mit der Funktionalität und damit auch teilweise der Komplexität zusammen. Der differenzierende Faktor der Geschäftsmodelle ist immer häufiger auch die zugrundeliegende IT-Plattformarchitektur.“

Mittels Automatisierung zu NoOps?

Nicht jeder Mitarbeiter eignet sich als Entwickler und / oder Administrator, aus gutem Grund strebte die IT vor nicht allzu langer Zeit „NoOps“ an - Anwendungen sollten mittels Selbstheilungsautomatismen ausgestattet werden und so zu einer drastischen Reduzierung der Zahl von mit Maintenance beschäftigten Mitarbeiter führen. Ist das noch eine reelle Option? Können Cloud Native Entwicklungen tatsächlich in absehbarer Zeit soweit gedeihen, dass autonomer Clouds entstehen, die sich ohne das Zutun von Admins selbst erhalten?

Durchaus, befindet Velten: „Der Automationsgrad der IT- und insbesondere Cloud Native-Architekturen wird massiv zunehmen“, so der Geschäftsführer von Crisp Research. „Der Aufgabenbereich des Admins wandelt sich daher vom Support zur pro-aktiven Entwicklung und Implementierung neuer Tools und Management-Werkzeuge für den automatisierten IT-Betrieb. Das braucht allerdings auch Anlaufzeit und Fehler-Kulturen. Gleichzeitig sind Paradigmen wie Chaos Engineering zur Optimierung der Plattform wichtig, wofür es einerseits zahlreiche Admins, andererseits aber auch Automatisierungslösungen braucht.“

Cloud Native-Herausforderungen 2019

Und welche Herausforderungen stellen sich über die Automatisierung hinaus den Cloud-Anwendern im Jahr 2019? Hille fällt dazu spontan die Themen Community Management und Investitionssicherheit ein. Zwar seien die meisten Cloud Native-Projekte Open Source, „die Welt dort ist allerdings bekanntermaßen sehr volatil. Einen Vendor-Lock-In kann man auch mit Open Source erhalten und den Ausstieg beziehungsweise Umstieg auf andere Plattformen durch ein fehlerhaften Architektur- und Organisationskonzept sehr schwierig machen. Darauf sollten die Unternehmen in jedem Falle achten. Gerade, wenn in kürzester Zeit neue Cloud Native-Technologien nachkommen, ist das ein Problem.“

Velten beobachtet, dass sich im Cloud Native-Ökosystem neben Kubernetes, das sich als de-facto Standard für Container-Orchestrierung durchgesetzt hat, hunderte neuer Projekte und Technologien von Helm, über „Istio“ bis „Prometheus“ entwickelt haben. „IT-Verantwortliche und auch Entwickler tun sich bei der Auswahl des richtigen Cloud Native-Stacks schwer, da sich das Marktumfeld und die Technologien derzeit rasant verändern.“ Crisp hat daher erst kürzlich die zehn wichtigsten Cloud Native-Technologien für den Unternehmenseinsatz zusammengestellt.

Cloud Native auf der Cloud 2019

Cloud Native hat sich in kürzester Zeit vom Nischen- und Entwicklerphänomen zur festen Größe der Enterprise-IT und dem Architekturdesign neuer digitaler Geschäftsprozesse entwickelt. „Trotz eines großen Hype beweisen sich die Technologien, allen voran Container-Dienste wie Kubernetes und Docker, aber auch zahlreiche komplementäre Services, als echte Gamechanger im IT-Betrieb“, so Velten.

In seinem Vortrag auf der Cloud 2019 Technology & Services Conference wird er diese und viele weitere Aspekte noch genauer erläutern. Die Konferenzreihe startet am 10. September 2019 um 8:45 Uhr im Kameha Grand, Bonn. Weitere Termine und Veranstaltungsorte sind: 17.9. Hanau, 19.9. Hamburg und 26.9. München - in Hamburg und München mit der Keynote von Dr. Velten.

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