Interview mit Stephan Fabel zu den Rollen unterschiedlicher Open-Source-Projekte für Datacenter

Und, oder? OpenStack, Kubernetes und MicroK8s

| Autor / Redakteur: Anro Laxy* / Ulrike Ostler

Stephan Fabel ordnet für die Leser von DataCenter-Insider die verschiedenen Open-Source-Infrastruktur-Projekte OpenStack, Kubernetes und MicroK8 ein.
Stephan Fabel ordnet für die Leser von DataCenter-Insider die verschiedenen Open-Source-Infrastruktur-Projekte OpenStack, Kubernetes und MicroK8 ein. (Bild: Canonical)

Im Interview erläutert Stephan Fabel, Director Produkt Management bei Canonical, dem Unternehmen hinter dem Open-Source-Betriebssystem „Ubuntu“, für wie lebendig und auf welcher Position er das Open-Source-Projekt „OpenStack“ sieht, in Konkurrenz oder in Ergänzung zur „Kubernetes“ und „MicroK8s“.

Im Oktober dieses Jahres hat die OpenStack Foundation (OSF) die jüngste Version seines Infrastruktur-Projekts unter der Bezeichnung „Train“ vorgestellt. Obwohl nach Angaben der OSF dafür 1.125 Entwickler aus 150 Ländern rund 25.000 Veränderungen am OpenStack-Code vorgenommen haben, scheint den OpenStack-Projekten für so manchen der Fahrtwind zu fehlen. (siehe auch: „In China gibt‘s noch reichlich Marktpotenzial, Trends vom OpenStack Summit in Shanghai

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Ist OpenStack also ein sterbendes Projekt? Im Interview erläutert Stephan Fabel, wie er das Ganze sieht. Fabel ist Director of Product Management bei Canonical, wo er die Produktstrategie für das gesamte Ubuntu von der Cloud bis hin zu Server-, Desktop- und IoT-Geräten leitet. Bevor er 2017 zu Canonical kam, verbrachte er drei Jahre bei Mirantis, wo er das Produkt-Management für Cloud-Architekturen leitete. Fabel hat einen Bachelor of Science in Informationstechnologie und einen Master of Science in Elektrotechnik.

Die erste Version von OpenStack als freie Architektur für Cloud Computing wird 2020 zehn Jahre. Wie schätzen Sie den aktuellen Stand des Projektes ein, welche Erfolge sehen Sie und welche Herausforderungen?

Stephan Fabel. OpenStack unterliegt sicherlich einem Wandel. In den ersten Jahren lag der Fokus sehr stark auf der Feature-Entwicklung und der Stabilisierung der Plattform. Das war wichtig für die breite Akzeptanz der Plattform. Kubernetes und der Schwerpunkt auf Containerisierung führten auch zu einer Umorientierung bei dem Projekt.

Heute sind „Geschwisterprojekte” wie zum Beispiel `Kata-Container` auch unter dem Banner „Open Infrastructure” zu finden. Ich sehe nach wie vor ein starkes Interesse an OpenStack, vor allem auch deshalb, weil das grundsätzliche Problem von Infrastructure as a Service (IaaS) nicht verschwunden ist, und OpenStack als einzige selbstständige und stabile Open Infrastructure Platform diesen Anwendungsfall besonders gut adressiert.

Es wird interessant werden, zu sehen, inwiefern der OpenStack Foundation die Hinwendung von OpenStack hin zu einem breiteren Portfolio gelingt. Ich bin sicher, dass dieser Prozess das OpenStack-Projekt noch vor ganz andere Herausforderungen stellen wird. Es bleibt also spannend!

Immer wieder heißt es, dass OpenStack längst zu komplex und festgefahren zwischen den Interessen unterschiedlichen Player, Unternehmen wie Non-Profit-Organisationen ist. Sehen Sie das auch so und welche Lösungen sehen Sie, falls dem so ist?

Stephan Fabel. Ich kann dem so nicht zustimmen. OpenStack hat sich einer komplexen Aufgabe gewidmet, nämlich Infrastruktur eine API zu geben, und sie in einem Multi-Tenant-System, also mandantenfähig zur Verfügung zu stellen. Das ist nun mal schwierig umzusetzen. Dieser Herausforderung haben sich andere Technologien wie `Kubernetes` nicht gestellt, welches viel Workload-näher ist und sich ebenso schwer tut mit Einsatzbereichen wie Mandantenfähigkeit oder Workload Isolation.

Ich habe den Eindruck, dass einige Marktbeobachter davon ausgehen, dass die Technologie überholt ist, weil sie nicht mehr gehypt wird. Tatsächlich stellen wir das Gegenteil fest: Das Kundeninteresse an einer Open-Source-Alternative zu VMware wächst sehr stark. Deswegen glaube ich, dass dieser Markt noch nicht einmal ansatzweise durchdrungen ist.

Teil des Problems von OpenStack ist offenbar auch, dass es zwischen den gut verständlichen, aber an der Oberfläche bleibenden Marketingtexten OpenStack und den sehr detaillierten Texten der Entwickler, die aber auch nur deren Community versteht und interessiert, wenig Grautöne gibt. Sehen Sie einen Weg, diese Herausforderung aufzulösen?

Stephan Fabel: Hier halte ich einen Ansatz, wie wir ihn auch bei Canonical verfolgen, für zielführend. Er fragt danach, wie man OpenStack, trotz der mit dieser infrastrukturellen Aufgabe einhergehenden Komplexität, dem Kunden konsumierbar zur Verfügung stellen kann. Meiner Überzeugung nach, nehmen das Management und der Betrieb von OpenStack über Referenzarchitekturen einen besonderen Stellenwert ein, und genau hierauf zielen wir mit Tools wie ´Juju` und ´MAAS` ab.

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Welchen Mehrwert würde es bringen, wenn es einen durchgängigen Infrastruktur-Stack gäbe, der auch die DevOps-Schiene abdecken würde? Wäre das die Lösung der derzeitigen Probleme von OpenStack?

Stephan Fabel: OpenStack hat das fundamentale Problem, dass Entwickler mit der API generell nicht umgehen wollen, weil sie im Endeffekt nur die Infrastruktur kontrolliert. Entwickler wollen hingegen mit APIs interagieren, die ihre Produktivität erhöhen.

Hier ist Kubernetes viel besser geeignet, weil es sehr viel Workload-bezogener ist. Und tatsächlich beobachten wir immer häufiger, dass Kubernetes von unseren Kunden auf OpenStack installiert wird, was sowohl das Problem der Mandantenfähigkeit löst, als auch für die Workload-Isolierung sorgt. Anschließend eine CI-Komponente (CI = Continuous Integration) einzubinden, ist trivial.

Wie kann das nur halb so alte Projekt Kubernetes, das in den fünf Jahren seines Bestehens enorm an Zuspruch gewonnen hat, hier helfen - oder gar an die Stelle von OpenStack treten? Welche Rolle spielen ´MicroK8s` dabei?

Stephan Fabel: Ich glaube nicht, dass Kubernetes OpenStack direkt ablösen wird. Selbst die stärksten Unterstützer von Kubernetes, die die Technologie heutzutage schon im Produktivbetrieb haben, müssen sich - insbesondere im Telekommunikationssektor - damit auseinandersetzen, dass die NEPs ihre NFs immer noch als virtuelle Maschinen anbieten.

Ich erwarte, dass viele Anwender hier mit der Zeit umsteigen werden. Kubernetes ist hier ein klarer Lösungsansatz für containerisierte Workloads.

MicroK8s ist speziell für den Netzwerkrand (die Edge) und kleine Cluster geeignet, wo komplizierte Integrationen nicht notwendig sind. Da MicroK8s mit den populärsten Plattformkomponenten ausgeliefert werden, gestaltet sich eine Installation von Service Meshes, dem Paketmanager ´Helm`, oder Metrik-Servern sehr viel einfacher als vorher. Unsere ´Snaps` halten MicroK8s ohne Einbußen bei der Funktionalität automatisch auf dem neuesten Stand, was eine der wichtigsten Sicherheitslücken für Kubernetes im IoT/Edge-Einsatz löst.

In welchen konkreten Anwendungsfeldern sehen Sie die Vorteile von Kubernetes? Haben Sie aktuelle Praxisbeispiele?

Stephan Fabel:Kubernetes bietet eine Open Source API, um Container-basierte Anwendungen sauber zu skalieren, zu kontrollieren und mit SLAs bereitzustellen. Wir sehen Kubernetes im Einsatz im Cloud-Bereich für Scale-Out Workloads bei den Hyperscalern oder Fintechs, aber zunehmend auch im IoT-Umfeld.

Möchten Sie angesichts von Megatrends wie KI, 5G und IoT einen Blick in die Glaskugel wagen? Wo sehen Sie den Markt in fünf Jahren?

Stephan Fabel: Ich denke, dass IoT und Cloud-Technologien weiter zusammenwachsen werden und die Containerisierung die Portabilität von Workloads weiter vorantreiben wird. Die Intelligenz am Netzwerkrand (der Edge) wird zunehmen, insbesondere durch die clevere und enge Vernetzung von Cloud (Core) Diensten, entweder in der Public Cloud oder im eigenen Datenzentrum, und solchen, die in der Edge betrieben werden. Augmented Reality (AR) gestützte Dienste werden zunehmend eine Rolle spielen.

* Arno Laxy arbeitet als freier Journalist in München.

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