Im Test: Die Überwachungskameras Axis 210 und Mobotix M12 Überwachungskameras für Rechenzentren ermöglichen Frühwarnung

Autor / Redakteur: Götz Güttich / Ulrich Roderer

Überwachungskameras helfen RZ-Mitarbeitern, frühzeitig Rauchentwicklung, Feuer, Einbruch, Vandalismus und ähnlich Ereignisse in Rechenzentren zu erkennen. Von besonderem Nutzen sind IP-basierte Kameras, da diese sich direkt in das Netzwerk des jeweiligen Unternehmens integrieren lassen, ohne dass sie zusätzliche Kabel benötigen. DataCenter-Insider hat zwei Produkte, die M12 von Mobotix und die 210 von Axis, getestet.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Die Mobotix M12 erhält ihren Betriebsstrom üblicherweise via Power over Ethernet. Damit stellt der Hersteller sicher, dass Unternehmen für die Kamera zusätzliche Stromkabel keine extra Kabel ziehen müssen, was beispielsweise bei Installationen unter der Decke Vorteile bringt. Soll die Kamera in einer Umgebung zum Einsatz kommen, in der keine Power-over-Ethernet-Komponenten zur Verfügung stehen, so bietet Mobotix als Zusatz eine kleine Weiche zum Anschluss von LAN-Kabel und Netzteil an, die an ihrer Ausgangsseite eine Ethernet-Verbindung mit Strom bereit stellt, die zum Betrieb der Kamera ausreicht.

Die M12 verfügt über eine CPU mit 512 MHz Taktfrequenz, 128 MByte RAM, zwei Objektive (Farbe und Schwarz/Weiß), integrierte LEDs, die sich beliebig programmieren lassen, einen Lautsprecher, ein Mikrofon und viele Anschlussmöglichkeiten für externe Geräte, Sensoren und Signalleitungen über einen D-Sub 15-HD-Secker oder die Mobotix CAM-IO. Dazu kommen noch ein Freisprechtelefon mit Durchsage über den Kamera-Lautsprecher sowie Raumhören und Gegensprechfunktion über SIP und ISDN. Eine Spracheinwahl zum Fernsteuern der Kamera steht ebenfalls zur Verfügung. Unser Testsystem arbeitete übrigens mit dem Linux-Kernel 2.6.9.

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Installation

Die Inbetriebnahme des Produkts läuft verhältnismäßig einfach ab. Nach dem Anschluss der Kamera an die Netzwerkverbindung startet das System und kommt mit einer Standard-IP-Adresse hoch, die auf einem Aufkleber auf dem Gehäuse vermerkt wurde. Sollten die Verantwortlichen die aktuelle IP-Adresse der Kamera einmal vergessen haben, so können sie sie jederzeit durch einen Druck auf die linke Taste an der Vorderseite des Geräts in Erfahrung bringen, denn nach einem solchen Tastendruck liest die Kamera die IP-Adresse vor.

Nach dem Zugriff auf die genannte IP-Adresse per Browser läuft zunächst ein Schnellinstallationsassistent ab, der die Benutzer durch die wichtigsten Kamera-Einstellungen wie Netzwerkkonfiguration und Bildsteuerung führt. Anschließend findet sich der Administrator in einer übersichtlich gestalteten Netzwerkmaske wieder, die oben rechts eine Hilfefunktion in deutscher Sprache und eine Informationsseite zur Kamera mit Firmware-Daten, Modellbezeichnung und ähnlichem umfasst.

Darunter zeigt das Produkt das Live-Bild an und gibt aufgezeichnete Streams wieder. Über die Multi-View-Option ist es möglich, mehrere Live-Kamerabilder oder Streams gleichzeitig zu betrachten. Darüber hinaus haben die Anwender viele Möglichkeiten, die Anzeige des Live-Bilds zu beeinflussen. Sie können die Zahl der Bilder festlegen, die die Kamera pro Sekunde liefern soll.

Dafür stellt die Lösung Intervalle zwischen 25 Bildern pro Sekunde und einem Bild alle zehn Sekunden bereit. Abgesehen davon lässt sich auch der Bildsensor auswählen, also Schwarz/Weiß oder Farbe. Die Anwender sind sogar dazu in der Lage, das Bild des einen Sensors in das des anderen einzublenden. Der Einsatz der Schwarz/Weiß-Bilder ist vor allem in Umgebungen mit schlechten Lichtverhältnissen sinnvoll, da der dazugehörige Sensor nur verhältnismäßig wenig Licht benötigt.

Lichtempfindlichkeit konfigurierbar

Als nächstes kommen Anzeigemodus und Auflösung an die Reihe. Neben einem Vollbildmodus erlaubt die Kamera auch die Darstellungsweisen „Bild im Zoom“ und „Ereignis im Bild“, an Auflösungen unterstützt das Produkt dabei Werte zwischen 160 mal 120 Pixeln und 1280 mal 960 Pixeln. Konfigurierbar ist die Qualität der JPEG-Bilder, Helligkeit, Farbsättigung, Schärfe, Mikrofonempfindlichkeit, Lautstärke, Belichtungsfenster, Gegenlicht und Zoom. Eine Option zum Konfigurieren der Bildübertragung (über ActiveX, Java, JScript und Server-Push) und zum Verwalten der Settings mit Werkseinstellungen sowie eine Speicherfunktion runden den Funktionsumfang der Darstellungskonfiguration ab.

Sollte die Bilddarstellung unbefriedigend sein, so hilft der so genannte HiQ-Knopf, der die Belichtungs-, Farb- und JPEG-Settings auf Werkseinstellungen zurücksetzt, die Betriebsart auf „Qualität“ stellt und die Belichtungsfenster auf ein Viertel reduziert – also ein Messfenster in der Bildmitte, das ein Viertel der Bildgröße umfasst. Abgesehen davon findet sich am oberen Rand des Live-Bilds auch noch ein Save-Icon zum Abspeichern des aktuellen Bilds als JPEG-Datei.

Administrationsmenüs

Am linken Rand des Web-Interfaces stehen den Administratoren die einzelnen Konfigurationsmenüs und Soft-Buttons zur Verfügung, über die sich bestimmte Funktionen direkt aufrufen lassen. Von besonderem Interesse ist an dieser Stelle das Admin-Menü, das den zuständigen Mitarbeitern die Möglichkeit gibt, sich Detailinformationen über die Features der gerade aktiven Firmware anzusehen. Sie erhalten einen Überblick über Systeminformationen mit Temperaturtabelle und die Sicherheitskonfiguration. Letztere umfasst unter anderem die Kennwortvergabe für die Benutzer und Gruppen (Admins, Guests, Users) und die Rechteverwaltung. Bei den Rechten fällt auf, dass Mobotix eine große Zahl unterschiedlicher Zugriffsebenen realisiert hat, die es den Administratoren erlauben, die Zugriffsmöglichkeiten auf die einzelnen Funktionen der Kamera ganz genau festzulegen. An gleicher Stelle findet sich auch eine Option zum Einsehen und Herunterladen der Webserver-Logdatei.

Netzwerkkonfiguration

Der nächste Hauptpunkt befasst sich mit der Netzwerkkonfiguration. Hier sind die Administratoren dazu in der Lage, einen Wizard zu starten, der ihnen beim Festlegen der Einstellungen hilft. Über diesen lassen sich ein öffentlicher Zugang zur Kamera ohne Benutzernamen realisieren, die Zeitzone setzen, ein Passwort vergeben, das Mikrofon und der Lautsprecher aktivieren beziehungsweise deaktivieren, ein Kameraname definieren und die LAN- beziehungsweise ISDN-Schnittstellen der Kamera einrichten.

Bei den Netzwerkeinstellungen finden sich die üblichen Optionen, wie statische Netzwerkadresse, DHCP-Client, DNS-Server und ähnliches. Zusätzlich richten die IT-Verantwortlichen an gleicher Stelle einen FTP-Server zur Bildablage ein und definieren eine ereignis- oder zeitgesteuerte Bildübertragung. Nach einem Neustart ist das Setup abgeschlossen und die M12 arbeitet mit den neuen Parametern. Zusätzlich unterstützt das Mobotix-Produkt auch DynDNS und zwar über DDO, DHS, DynDNS, DYNS, EasyDNS, EZIP, GnuDIP, HEIPV6TB, HN, Justlinux, ODS, PGPOW, TZO und Zoneedit.

Datenspeicherung und Kommunikation

Mit externen Datenspeichern kommuniziert das Mobotix-Produkt über SMB/CIFS- und NFS-Server. Ein Tool berechnet den für die Konfiguration benötigten Speicherplatz. Alarmmeldungen lassen sich übrigens nicht nur via FTP, sondern auch per Mail, über das Netzwerk sowie via Telefon, Audioausgabe auf der Kamera und die Kamera-LEDs ausgeben.

Über „Übertragungsprofile“ definieren die Verantwortlichen FTP-Zugänge, E-Mail-Profile zum Verschicken von Statusmeldungen oder Alerts und Netzwerkmeldungen über TCP/IP und HTTP. „Audio und Telefon“ umfasst im Gegensatz dazu die Konfiguration von Mikrofon und Lautsprecher mit Empfindlichkeit und Lautstärke. An gleicher Stelle lassen sich auch Sprachmeldungen aufnehmen, VoIP-Einstellungen für SIP-Telefone angeben (unter anderem mit Begrüßungstexten bei eingehenden Anrufen) und Profile für abgehende SIP- und ISDN-Anrufe festlegen.

Die „Kamera-Administration“ umfasst die Einstellung der Zeitzone einschließlich Zeitabgleich mit dem Verwaltungs-PC, die Konfiguration der LEDs und die Definition von Schedulern, die dazu dienen, bestimmte Aktionen und Dienste zu bestimmten Zeiten freizuschalten beziehungsweise zu blocken.

Vorgänge im RZ erfassen

Zu den Komponenten, die Ereignisse generieren, gehört unter anderem ein Bewegungsmelder. Ansonsten lassen sich auch Events mit Temperaturveränderungen, wechselnden Beleuchtungsstärken, Zufallsereignissen, dem Bewegungsmelder des Kamerabilds und Mikrofoneingaben verknüpfen. Darüber hinaus gibt es auch zeitgesteuerte Ereignisse, einschließlich Verzögerungszeiten.

Es ist sogar möglich, dazu mit Hilfe einer Ereignislogik mehrere Ereignisse zu kombinieren, die innerhalb eines bestimmten Zeitpunkts aufeinander folgen müssen. Die Aufzeichnungsdauer lässt sich über den eigentlichen Ereigniszeitrum hinaus ausdehnen, und zwar vor und nach dem jeweiligen Event. Vor dem Ereignis stellt die Kamera aber leider nur einen Zeitraum von maximal zwei Sekunden zur Verfügung.

Axis 210

Axis liefert die Kamera 210, die über einen E/A-Anschlussblock mit Alarmeingang und Ausgang verfügt, mit einem normalen externen Netzteil. Deswegen genügt es zur Inbetriebnahme, sie an das LAN und das Stromnetz anzuschließen, zu warten, bis sie hochgefahren ist und dann über die Default-IP-Adresse 192.168.0.90 und das Konto „root“ auf das Web-Interface des Geräts zuzugreifen. Danach startet ein Wizard, der die Angabe eines neuen Root-Passworts verlangt, was eine äußerst sinnvolle Maßnahme darstellt, da dieser Schritt verhindert, dass Kameras mit Default-Passwörtern im Netz aktiv sind.

Sprachen laden

Nach dem Abschuss des eben erwähnten Wizards präsentiert die Kamera ein englischsprachiges Konfigurationsinterface, allerdings stehen auf der Website des Herstellers Sprachdateien zum Download zur Verfügung, mit denen sich das Browser-basierte Tool an eine große Zahl unterschiedlicher Sprachen anpassen lässt, unter anderem auch Deutsch. Im Test luden wir die deutsche Sprachdatei herunter und spielten sie über das Web-Interface ein, dabei kam es zu keinen Schwierigkeiten.

Das erste, was der Anwender nach dem Anmelden sieht, ist die Live-Ansicht der Kamera, die entweder als Motion-JPEG oder als MPEG4, jeweils mit Pausenfunktion, kommt. Daneben bietet das Web-Interface noch eine Hilfe-Funktion und eine Setup-Rubrik.

Konfiguration

Operatoren können alle Einstellungen der Kamera mit Ausnahme der Systemoptionen modifizieren. Dazu kommen noch die Netzwerkkonfiguration (mit IPV4 und IPV6 sowie dem Axis-DynDNS), die Einstellungen zu Datum und Zeit (mit NTP-Konfiguration) sowie die Video- und Bild-Settings. Auf Wunsch legen die Verantwortlichen an dieser Stelle auch noch die Dauer der Videostreams und die maximale Bildrate fest.

Die Video- und Bildeinstellungen ermöglichen zudem das Einrichten von Masken, um private Zonen zu definieren und von Overlay-Bildern, die die Kamera in das Live-Bild einblendet. MPEG4 bietet Anwendern die Möglichkeit, die Bitratensteuerung und die Videostream-Priorität festzulegen.

In das Layout der Live-Ansicht lassen sich nicht nur Schaltflächen einbinden, sondern auch das Videoformat bestimmen (Motion JPEG und MPEG4) und die Standard-Viewer für den Internet-Explorer (ActiveX) und andere Browser (Quicktime, Java, Standbild, Server-Push) festlegen. Außerdem bietet das Konfigurationswerkzeug hier auch noch diverse Code-Beispiele, die den Anwendern dabei helfen sollen, das Kamerabild in eigene Websites zu integrieren.

Ereigniskonfiguration

Nun folgt die Ereigniskonfiguration. Wenn die Kamera ein Ereignis erkennt, so ist sie wahlweise dazu in der Lage, Bilder in ein Zielverzeichnis hochzuladen, Ausgänge zu aktivieren oder E-Mails und andere Benachrichtigungen zu verschicken. Bei der Ereignisdefinition geht es zunächst darum, so genannte Ereignisserver anzulegen, die als Ziel für Ereignismeldungen dienen. Diese Server können entweder mit dem FTP- oder dem HTTP-Protokoll arbeiten, es ist auch möglich, Nachrichten per TCP zu versenden.

Unter „Ereignistypen“ geht es dann an die Konfiguration der eigentlichen Events. Diese lassen sich mit Name, Priorität, Reaktion und Auslöser definieren. Bei den Auslösern verarbeitet die Kamera manuelle Trigger, Signale, die über die Eingänge ankommen, Boot-Vorgänge und die Bewegungserkennung.

Ein Pre- und Post-Alarm-Puffer kann Geschehnisse enthalten, die Minuten oder gar Stunden vor dem eigentlichen Event stattfanden. Damit ist die Event-Konfiguration abgeschlossen. Für die Bewegungserkennung haben die Anwender übrigens noch die Option, einen Rahmen zu setzen, um die erkannten Bewegungen einzugrenzen. Eine Übersicht über den Status der Ein- und Ausgänge rundet den Leistungsumfang des Menüpunkts zur Ereigniskonfiguration ab.

Der nächste Punkt „Systemoptionen“ enthält alle Befehle zum Konfigurieren der Sicherheit mit IP-Adressfilter und der Netzwerkeinstellungen mit NAT-Traversal (für Port-Mapping), dem zu verwendendem Server-Port, QoS (Live Video, Ereignissignal etc.) und UPnP, beziehungsweise Bonjour-Einstellungen. Dazu kommen noch die Steuerung der E/A-Anschlüsse, der LED sowie Firmware-Updates, Neustarts, Resets und das Sichern beziehungsweise Wiederherstellen der Konfigurations-Settings. Abgeschlossen wird dieser Punkt durch Links zum Support und zur Skript-Konfiguration. Eine Informationsseite bietet den Benutzern schließlich noch detaillierte Daten zur Version und zu Softwarelizenzen von Drittanbietern.

Fazit

Im Test konnten beide Kameras überzeugen. Während die Axis-Lösung bereits alle Funktionen mitbringt, die zum Überwachen von Rechenzentren nötig sind, offeriert die Mobotix-Kamera einen in manchen Bereichen deutlich größeren Funktionsumfang, der durchaus für einige Einsatzgebiete interessant sein könnte. In diesem Zusammenhang seinen nur die Sprachausgaben über den Lautsprecher und die Telefoniesteuerung genannt. Auf der anderen Seite wiederum ist das Axis-Produkt in der Lage dazu, längere Zeiträume vor dem Beginn eines Events aufzuzeichnen als die Mobotix-Lösung. Administratoren sollten sich also vor der Kaufentscheidung genau überlegen, welche Funktionen sie in ihrem Umfeld brauchen und welche nicht.

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