Open-Source-Company als eigenständiges Eigentum

Suse wechselt erneut den Besitzer

| Redakteur: Ulrike Ostler

Kein Ladenhüter: Die Open-Source-Firma Suse
Kein Ladenhüter: Die Open-Source-Firma Suse (Bild: Ulrike Ostler/Vogel IT-Medien GmbH)

Eigentlich war man bei Suse heilfroh über den Aufkauf durch Micro Focus im Jahr 2014; denn der Aufkauf verhieß Geld für Wachstum und Laufenlassen an der langen Leine. Doch jetzt ist alles wieder Geschichte. Nun will der schwedische Investor EQT Suse kaufen.

Eigentlich läuft es für Suse gut. Immerhin kann das Open-Source-Unternehmen nach sieben Jahren kontinuierlicher Expansion zufrieden sein. Warum also nun wieder ein Besitzerwechsel?

Suse-CEO Nils Brauckmann sagt: „Bei Micro Focus ist Suse eine semi-independent Geschäftseinheit“. Wir konnten deshalb unsere Eigenständigkeit ausbauen, etwa mit eigenen Vertriebs-, Marketing- und Consulting-Mannschaften. Das hat dem Geschäft gut getan.“

Zugleich aber habe sich herauskristallisiert, dass eine so große Gesellschaft wie Micro Fokus, doch anderes agiere als die Open-Source-Company Suse. Micro Focus habe andere Prioritäten und eine andere Vorgehensweise. „Manches ist bei Suse einfach schneller umsetzbar.“

Zukäufe avisiert

Und offenbar will Suse die Dynamik noch erhöhen, kein überraschendes Moment in einem Markt, der sich mit Hybrid und Multi-Cloud rasant entwickelt. Laut Brauckmann will Suse im Linux-Geschäft bleiben und es ausbauen. Außerdem steht ohnehin Software Defined Storage (SDS) aber auch insgesamt Software Defined Infrastructure (SDI) auf dem Plan. Dazu kommt der Bereich Application Delivery und Container-basierte-Plattformen.

„Alles können wir nicht alleine mit organischem Wachstum abdecken“, sagt Brauckmann. „Dafür brauchen wir einen Partner und haben in EQT den idealen gefunden."

Unter der Leitung von Brauckmann wird Suse nach Abschluss der Übernahme - der Abschluss der Übernahme von Suse durch EQT von Micro Focus steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aktionäre von Micro Focus und der üblichen behördlichen Genehmigungen und wird für Februar/Mär 2019 erwartet - weltweit als eigenständiges Unternehmen agieren. Sitz der Holding wir in Deutschland sein, wenngleich sich Suse mit Kompetenzzentren etwa in den USA und China sich als "internationales Unternehmen" versteht, wie Brauckmann betont.

Um die Kontinuität sicherzustellen, sollen Mitarbeiter, Kundenbeziehungen, Partnerschaften, Produkt- und Service-Angebote sowie Bekenntnis und Unterstützung für Open Source Communities unverändert weiterbestehen. Suse argumentiert: „Da in der Branche persönliche Beziehungen sehr wichtig sind, ist mit der Beibehaltung des Führungsteams, das in den vergangenen sieben Jahren für starkes Wachstum gesorgt hat, ein hoher Wert für Kunden, Partner und Open-Source-Communities verbunden.

Guter Zeitpunkt

Suse ist ursprünglich ein Akronym für Software und System-Entwicklung. Das Unternehmen wurde 1992 in Nürnberg gegründet und beschäftigt heute weltweit rund 1.400 Mitarbeiter. Im abgelaufenen Geschäftsjahr, das im Oktober endete, setzte Suse rund 320 Millionen Dollar um.

Micro Focus hatte Suse im Rahmen des 2,35 Milliarden Dollar schweren Kaufs von Attachmate erworben, zu der auch das Tochterunternehmen Novell gehörte. 2016 übernahm Suse zunächst Open Attic und dann die Software-Assets von HPE.

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30.11.16 - Wow. Das geht jetzt aber Schlag auf Schlag: Vor kaum drei Wochen hatte Suse zur Hausmesse „Susecon“ mit der Übernahme von „Open Attic“ die erste Akquisition in der Unternehmensgeschichte bekannt gegeben, jetzt folgt die zweite. Suse kauft von Hewlett Packard Enterprise (HPE) wesentliche OpenStack-Assets aus dem „Helion“-Portfolio sowie Bestandteile von „Helion Stackato“. lesen

Suse will also wieder selbständig sein und trotzdem weiterhin wachsen, immerhin ist Investor EQT „auf Wachstum spezialisiert“, wie es in der entsprechenden Mitteilung heißt. Das Unternehmen mit einer 25-jährigen wechselvollen Geschichte will sowohl den Linux-Markt weiter bedienen als auch den Bereich neuer Produkte im Open-Source-Bereich ausbauen. Das offene Modell, bei dem das Wort „offen“ sich nicht nur auf den Code bezieht, sondern auch auf die dem Kunden gebotene Wahlfreiheit, sehen die Unternehmenslenker als einen wichtigen Teil der Suse-Kultur, der am Markt ein Differenzierungsmerkmal darstelle.

Bei Suse ist man davon überzeugt, dass die Akquisition zu einem sehr guten Zeitpunkt erfolgt. Der Markt wird immer stärker von der Notwendigkeit zur digitalen Transformation der Unternehmen getrieben, die auf Open Source Software Defined Infrastructure (SDI) und Technologien zur Bereitstellung von Anwendungen beruht. Open-Source-Technologien und Produkte rücken bei der Transformation der Unternehmen immer mehr in den Mittelpunkt.

Von Johannes Reichel, Partner bei EQT Partners und Investmentberater von EQT VIII, heißt es: Die Investition sei eine Anerkennung des Wertes und Potenzials von Suse und verdeutliche, dass EQT an die Kultur, das Führungsteam und die bestehende Strategie des Unternehmens glaube.

Der schwedische Finanzinvestor EQT Partners

EQT ist eine Investmentgesellschaft mit einem Kapital von rund 50 Milliarden Euro in 27 Fonds. EQT hat Portfoliounternehmen in Europa, Asien und den USA mit einem Gesamtumsatz von mehr als 19 Milliarden Euro und rund 110.000 Mitarbeitern. EQT selbst hat Niederlassungen in 14 Ländern auf drei Kontinenten mit insgesamt rund 540 Mitarbeitern. Im Bereich Software verfügt das Unternehmen derzeit über Investitionen in IFS und Sitecore, bis 2017 bestand zudem eine Investition in Automic.

EQT wurde 1994 zusammen mit Investor AB gegründet, der größten Industrieholding Skandinaviens und Teil der Wallenberg-Gruppe. Als Eigentümer verfolgt EQT nach eigenen Angaben „einen langfristigen und verantwortungsbewussten Ansatz, um in Portfoliounternehmen und der Gesellschaft insgesamt einen Mehrwert zu schaffen“.

Während der Investitionsphase führt EQT seine Portfoliounternehmen in eine unternehmerische Denkweise ein, um das Management zu motivieren, kontinuierlich nach Wachstum zu suchen und Initiativen zu entwickeln. Während der Beteiligung von EQT stieg die Zahl der Mitarbeiter in den Portfoliounternehmen durchschnittlich um 10 Prozent, der Umsatz um 10 Prozent und das EBITDA um elf Prozent pro Jahr.

Pakt mit dem Teufel?

Investment-Companies haben nun nicht gerade den Ruf geduldig zu sein, vor allem wenn der Profit sich nicht in erheblichem Maße einstellt. Dennoch äußert sich Suse-CEO Brauckmann überzeugt, den richtigen Partner gefunden zu haben. „Schon in den ersten Gesprächen zeigte sich,, wie umfassend und gut EQT über den Linux- und den Open-Source-Markt im Allgemeinen informiert ist, über IaaS, SDS, Software Deliverey ... Zudem gibt es einen langfristigen Plan.“

Außerdem weist der Suse-Chef auf die positive Entwicklung in den vergangenen Jahren hin. Das Update veröffentlicht das Unternehmen in der kommenden Woche. „Im Vergleich zu Red Hat mögen wir klein sein, aber mit einem Umsatz von 320 Millionen Dollar haben wir im Software-Umfeld doch eine Größe der Enterprise-Class erreicht", so Brauckmann. Und das ergebe eine Position, aus der sich agieren lasse, etwa wenn es um Zukauf beziehungsweise um die Erweiterung des eigenen Container-Technologie-Portfolios handle. „Man muss halt mit Wettbewerb umgehen können und die eigenen Stärken kennen.“

Wie geht es weiter mit Micro Focus und Suse?

Das Feedback von Kunden und Mitarbeitern sei jedenfalls positiv. Doch beim Aufkauf von Suse bei Attachmate durch Micro Focus hatten Käufer und gekaufte gemeinsame Aktivitäten und Synergien angekündigt. Sind die jetzt gestorben oder nie zustande gekommen?

Tatsächlich bilde Suse-Technik in einigen Micro-Focus-Produkten die Basis, etwa in den Appliances, die der Hersteller im Management-Umfeld bereitstelle, sowie als Grundlage für Backup und Big Data. Darüber hinaus gebe es Gespräche über die Nutzung des CaaS-Angebots von Suse für die Management-Plattform von Micro Focus.

„Wir sitzen an der Ausarbeitung der Verträge, um das Erreichte vor allem für unsrer Kunden zu sichern und fortzuführen“, sagt Brauckmann.

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