Dynamische Verteilung und Automation für flexible Prozesse Serviceorientierte Architektur und Virtualisierung optimieren das Rechenzentrum

Redakteur: Ulrich Roderer

Im Rechenzentrum der Zukunft müssen konträre Faktoren ausgeglichen werden: Steigenden Anforderungen an Kapazität, Leistungsfähigkeit und Flexibilität stehen Einschränkungen an verfügbaren Ressourcen und wirtschaftliche Faktoren wie steigende Stromkosten gegenüber. Fujistu Siemens verfolgt mit seinem Konzept des Dynamic Data Center genau diese Gratwanderung. DataCenter-Insider sprach mit Corina Laudenbach, Manager Marketing Server & Solutions Deutschland, Fujitsu Siemens Computers.

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DataCenter-Insider: Mit dem Dynamic Data Center (DDC) verfolgt Fujitsu Siemens Computers einen neuen Ansatz im Design eines Rechenzentrums. Worin besteht dieser Ansatz?

Laudenbach:

Unser Konzept des Dynamic Data Center (DDC) steht für eine innovative IT-Architektur, die mehr Flexibilität, Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit bietet und auf den Kerntechnologien Virtualisierung, Automatisierung und Integration basiert. Virtualisierung löst die Applikationen und Daten von dedizierten Systemen und sorgt so für bessere Auslastung und Flexibilität der Infrastruktur. Automatisierung bedeutet autonome Selbstheilungsfunktionen und Anpassung der IT-Infrastruktur an sich verändernde Geschäftsprozesse. Integration schließlich ist die schnelle, preiswerte und sichere Implementierung dieser Technologien über das komplette Spektrum der IT-Infrastruktur hinweg inklusive Server, Storage, Netzwerken und Middleware-Elementen. Im Vordergrund stehen die Services, die dem Anwender zur Verfügung gestellt werden, sowie Service Level Agreements (SLAs), die die Qualität der bereitgestellten Services definieren. Ergänzt wird die neue Hardware- und Software-Architektur durch Konzepte zur Integration der verwendeten Komponenten miteinander und in den bestehenden Betrieb.

Wie hat man sich dieses Konzept im realen Betrieb vorzustellen?

In der optimalen Ausbaustufe einer dynamischen IT-Infrastruktur sind alle Hardware-Ressourcen in einem Pool zusammengefasst und lassen sich nach Bedarf flexibel nutzen. Jeder Service läuft auf jedem System und kann innerhalb kurzer Zeit zwischen den Systemen verlagert werden. Die im DDC gemeinsam von allen Anwendungen genutzte Infrastruktur ermöglicht die optimale Auslastung aller verfügbaren Komponenten und liefert damit einen wesentlich besseren Return on Investment (ROI) als die typischen Silo-Architekturen. Als ein Beispiel sei hier FlexFrame for SAP genannt, die Infrastrukturlösung für SAP Adaptive Computing bietet eine komplette Virtualisierung und Entkoppelung der SAP-Applikationen von den einzelnen Servern. Eine von BearingPoint durchgeführte Studie ergab, dass Kunden mit FlexFrame ihre Kosten um durchschnittlich 62 Prozent senken konnten und einen ROI von 112 Prozent in weniger als drei Jahren erzielten.

Welche technischen Vorraussetzungen müssen dafür gegeben sein und lassen sich bestehende Installationen und Server weiterverwenden?

Schon heute gibt es viele Anwendungen, deren Architektur eine hohe Flexibilität auf der Infrastrukturebene bietet und damit eine dynamische Anpassung der Leistung und Kapazität von Servern und Storage ermöglicht. Beispielsweise lassen sich zahlreiche Infrastrukturdienste wie Web-, Terminal-, Print- und Fileservices auf mehreren Systemen parallel einsetzen. Ebenso ist ein Zu- und Abschalten von zusätzlichen Ressourcen im laufenden Betrieb möglich. Und in Zukunft werden komplexe Anwendungen durch schlanke Funktionsblöcke ersetzt, die sich schnell und dynamisch kombinieren lassen und die damit ein Schritt auf dem Weg zu einer Service orientierten Architektur (SOA) sind.

Im Rahmen von DDC stellt Fujitsu Siemens Computers dynamische IT-Infrastrukturen bereit, die diesen neuen Anwendungsarchitekturen gerecht werden und für den flexiblen, effizienten und stabilen Betrieb der Applikationen sorgen. Dabei lassen sich die bestehenden Infrastrukturen weiter nutzen, spezielle technische Voraussetzungen sind nicht erforderlich, da alle Lösungen sowohl für Windows-, Linux- als auch Solarisumgebungen geeignet sind.

Wie ermöglichen Sie es, Dienste dynamisch im Rechenzentrum zu verteilen und dennoch die Ausfallsicherheit von geschäftskritischen Anwendungen zu gewährleisten?

Entscheidend ist ein einfaches und weitgehend automatisiertes Service Management. Daher setzen wir Automatisierungstools wie das Adaptive Services Control Center (ASCC) ein, die als Kontrollinstanz beim Aufbau und Betrieb automatisierter IT-Infrastrukturen in einem Rechenzentrum fungieren. Sie überwachen und steuern autonom und mit minimaler Intervention die Verfügbarkeit und Auslastung von komplexen Serverlandschaften zur Sicherstellung definierter Quality of Services (QoS). Die Grundlage für die Überwachung und Optimierung des Systembetriebs bilden vordefinierte Regeln, nach denen Maßnahmen automatisch ausgeführt werden. Typische Beispiele dafür sind Start-Stop-Restart bei Ausfall eines Dienstes bzw. Servers oder das (Re-)Provisioning eines Servers als Anpassung an geänderte Prioritäten bei der Kapazitätszuteilung. Alle unsere DDC-Lösungen sind mit dieser Funktionalität ausgestattet: Bei FlexFrame for SAP sind es die FlexFrame-Agenten; beim PRIMERGY BladeFrame, unserer „Virtualisierungslösung in a box“ der integrierte PAN-Manager.

Arbeiten Sie mit Softwareherstellern zusammen, um Software zu entwickeln, die in Ihrer Struktur zugeschnitten ist auf das DDC?

Ja, wir arbeiten eng mit allen großen Softwareherstellern zusammen. Daraus entstanden sind beispielsweise die DDC-Lösungen FlexFrame for SAP und FlexFrame for Oracle. FlexFrame for SAP ermöglicht als erste zertifizierte SAP Adaptive Computing-Infrastruktur die komplette Virtualisierung und Entkoppelung der SAP-Applikationen von den Infrastruktur-Ressourcen. Sowohl die SAP-Software als auch das Betriebssystem (Linux oder Solaris) befinden sich auf einem zentralen Storage-System und lassen sich von jedem Server im FlexFrame-Verbund starten. Jeder SAP-Service kann so auf jedem System laufen und innerhalb weniger Minuten von einem System auf das andere verschoben werden. Das Ergebnis ist eine erheblich vereinfachte SAP-Infrastruktur, deutlich reduzierte Betriebskosten und eine anpassungsfähige IT, die zudem hoch skalierbar ist. Mit ihrer Modularität ist FlexFrame die ideale Plattform für Enterprise Service-orientierte Architekturen sowie SAP NetWeaver.

FlexFrame for Oracle ist die erste Grid Computing Infrastrukturlösung für Oracle-basierte Anwendungen. Damit kann die Oracle-Middleware zusammen mit geschäftskritischen Anwendungen und den entsprechenden Datenbanken auf jedem Server innerhalb eines Server-Pools betrieben werden. FlexFrame for Oracle übernimmt die automatische Versorgung der Server mit dem Betriebssystem und allen benötigten Oracle-Services. Durch die Bündelung der Rechenleistung und ihre flexible Zuordnung zu Applikationsserver- und Datenbank-Instanzen lassen sich bestehende Infrastrukturen konsolidieren, hochverfügbar machen und Lastspitzen abfangen. Unternehmen profitieren davon durch mehr Effizienz und eine höhere Flexibilität beim Betrieb ihrer geschäftskritischen Datenbanken und Anwendungen. Zudem reduziert sich der Administrationsaufwand, da Aufgaben automatisiert werden und der Zeitaufwand für Serverinstallationen entfällt. Die kontinuierliche Überwachung der gesamten Infrastruktur und die automatische Durchführung von Korrekturen sorgen für eine Steigerung der IT-Servicequalität und gewährleisten eine hochverfügbare Infrastruktur, ohne dass komplexe Cluster-Technologien eingesetzt werden müssen. Die Infrastrukturlösung lässt sich auch für Java Enterprise Edition (JEE)-Anwendungen nutzen.

Welchen Aufwand erfordert es, dynamische Lösungen zu implementieren und wie lange dauert es?

Generell sind die DDC-Lösungen nahtlos in bestehende Prozesse und Technologien integrierbar. Der Integrationsaufwand hängt aber letztendlich stark von den Gegebenheiten ab, die wir beim Kunden vorfinden. Daher prüfen wir als erstes die vorhandene IT-Umgebung. Im zweiten Schritt erstellen wir zusammen mit dem Kunden einen individuellen Zeitplan für die schrittweise Realisierung dynamischer IT-Lösungen, die die Basis für eine anpassungsfähige, wirtschaftliche und zuverlässige IT-Infrastruktur sind.

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