Manchmal ist es wirklich nicht schön, Recht zu behalten – wie jetzt im Fall GaiaX.
Keine Bühne, keine Teilnehmer, inhaltsloses Geblubber - GaiaX: nix
(Bild: Paul Keiffer auf Pixabay)
Zwei Jahre ist es her, dass das Projekt beim „Digital-Gipfel 2019“ in Dortmund vorgestellt wurde und es drängt sich die Frage auf: Was ist seitdem eigentlich passiert?
Dem plakativen Durchschneiden bunter Bänder auf frischem Teer folgten in den Sechziger- und Siebzigerjahren immerhin noch fröhliche Jungfernfahrten auf neuen, echten Fernstraßenkilometern. Den wohlfeilen Ankündigungen, Europa neue Digitalisierungsautobahnen samt eigener IT-Infrastruktur schenken zu wollen, folgte dagegen: nichts!
Die letzte GaiaX-Meldung des sonst so emsig selbst marginalste IT-Positiva bejubelnden Digitalverbands Bitkom datiert vom 18. November 2020 und beinhaltet lediglich einen euphemistischen Kommentar zum anstehenden „GaiaX-Summit“. Was der an konkreten Ergebnissen denn so gezeitigt haben könnte, mag die Tatsache illustrieren, dass es danach nicht eine einzige, noch so klitzekleine Meldung darüber gab. Funkstille als untrügliches Indiz für Substanzfreiheit. Eine digitale Null sozusagen. Noch Fragen?
Andrea Wörrlein, Geschäftsführerin von VNC in Berlin, nimmt in ihrer Kritik kein Blatt vor den Mund.
(Bild: VNC)
Wobei, als Konsequenz aus der Gipfel-Nullnummer ist bei den GaiaX-Machern Anfang des Jahres wohl die nichts anderes als Verzweiflung dokumentierende Einsicht gereift, dass in dieser Konstellation ein solches Innovations- und Souveränitätsprojekt nicht aus eigener Kraft zu stemmen sei – was ja schon ein Widerspruch in sich ist. Das war und ist die erste Bankrotterklärung europäischer Digitalisierungspolitik.
Und die zweite folgt sogleich. Denn auch die erhoffte Anschubhilfe durch außereuropäische Internetgiganten hat nicht zu zähl- oder vorzeigbaren Resultaten geführt. Es geht also offensichtlich weder ohne noch mit gütlichem Zutun der IT-Konzerne aus den Silicon-Tälern dieser Welt.
Wie kann man so naiv sein, zu glauben, ausgerechnet Amazon, Google, Alibaba, Microsoft & Co. würden sich beim Aufbau ihrer eigenen Konkurrenzveranstaltung ganz selbstlos ins Zeug legen und die zigmilliardenschwere Digitalisierungsrendite brüderlich teilen? Da hat jemand die Share Economy aber mal so richtig missverstanden. Altruismus als Business-Treiber? Guter Scherz!
Warnungen ignoriert
Es gab genügend Stimmen, die dringend davor gewarnt haben, für den Aufbruch in die eigene digitale Souveränität die Lotsen fremder Megatanker an Bord zu nehmen oder eine US-Firma wie Palantir als Mitglied zu akzeptieren, die als Big-Data-Dienstleister für Geheimdienste und autoritäre Regimes bekannt sein dürfte. Das zum Thema „Wertegemeinschaft“.
Aber diese Einwände helfen jetzt auch nicht mehr weiter. Wo sind denn die Exzellenzinitiativen zur Förderung von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning, wo ist der Anschub für die gezielte Aus- und Weiterbildung von IT-Experten und wo bleiben die konkreten Pläne für neue digitale Wertschöpfungsketten und öffentliche Dienstleistungen? Wo ist der mitreißende Masterplan für die digitale Zukunft Deutschlands mit Strahlkraft für unsere europäischen Partner, etwa zum Aufbau vernetzter Datacenter-Cluster oder einer gemeinsamen offenen Software-Industrie?
Alles zerrieben wie ein Placebo in der kalifornischen Brandung. Oder soll man treffender sagen: in den Zeitlupen-Mühlen typischer Klientelpolitik? IT denkt und handelt in anderen Dimensionen, sprich weitaus kürzeren Zeiträumen und agileren Strukturen. GaiaX dagegen steht stellvertretend für das Versagen gouvernementaler Digitalinitiativen. Mit dem Aufbau autonomer digitaler Zahlungssysteme tun wir uns ja ähnlich schwer.
Man muss nicht auf die durch den zunehmenden Zerfall der globalen amerikanischen Ordnungsmacht geprägte Welt von morgen verweisen, um die Bedeutung der Digitalisierung für Prosperität und Selbstbestimmung von Industrien und Volkswirtschaften, Staaten und Wirtschaftsräumen zu plakatieren. Sie gilt schon heute. Statt streng geheime Daten in US-Clouds zu speichern, wäre es einfacher, sie direkt an CIA und NSA zu adressieren – mit freundlichen Grüßen. Systemisch formuliert: Digitale Souveränität ist eine Bedingung der Möglichkeit strategischer Autonomie. Deutschland ist gerade dabei, sie mit freundlich-obstruktivem Begleitschutz der übermächtigen Konkurrenz auf höchster Ebene in den Sand zu setzen.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
* Andrea Wörrlein ist Geschäftsführerin von VNC in Berlin und Verwaltungsrätin der VNC AG in Zug.