Enterprise Information Management

Opentext mag es seriös

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Ulrike Ostler

In der vergangenen Woche hielt der kanadische Experte für Enterprise Information Management (EIM) Opentext seine Enterprise World Europe in Wien ab.
In der vergangenen Woche hielt der kanadische Experte für Enterprise Information Management (EIM) Opentext seine Enterprise World Europe in Wien ab. (Bild: gemeinfrei, hansiline / Pixabay / CC0)

In der vergangenen Woche hielt der kanadische Experte für Enterprise Information Management (EIM) Opentext seine „Enterprise World Europe“ in Wien ab. Über 1.200 Kunden, Partner und Manager aus 56 Ländern kamen, um zu erfahren, wie man das Öl der 4. Industriellen Revolution – die Daten – am schnellsten und sichersten findet. Dies ist angesichts der Vielzahl an Dokumenten strukturierter und unstrukturierter Art, die sich oft in entlegenen Winkeln des Unternehmens finden, eine große Herausforderung.

In seiner Eröffnungs-Keynote gab Opentext CEO & CTO Mark J. Barrenechea denn auch Einblicke, wie Führungskräfte über traditionelle Systeme hinaus zu einer modernen EIM-Strategie kommen können, um so dem Unternehmen einen „Informationsvorteil“ zu verschaffen. Er entwarf das Bild einer modernen Arbeitswelt, in der die Belegschaft immer jünger und zunehmend nomadisch wird.

Technologie spiele eine wichtige Rolle bei der Verknüpfung von Talenten und Werten – allerdings müsse dabei sichergestellt sein, dass die richtigen Informationen in den richtigen Händen seien. Auch Informationen aus Internet of Things (IoT)-Umgebungen dürften nicht vernachlässigt werden. Künstliche Intelligenz (KI/AI) und Automation helfe dabei ungemein.

„Die von Unternehmen gespeicherten Informationen können tiefgreifende Wettbewerbsvorteile bieten. Bestellungen, Rechnungen, RFPs, Mitarbeiterakten und Call-Center-Transkripte - alle halten wichtige Einsichten bereit, "so Barrenechea.

Cloud Computing im „Zero Trust“-Zeitalter

Dabei spielt die Cloud eine zunehmend wichtige Rolle, und das, obwohl wir uns in einem „Zero Trust“-Zeitalter befänden, so Barrenechea. Die Produkte von Opentext können on-Premise, in der „Opentext Cloud“, auf Plattformen der großen Hyperscaler – wobei Opentext am engsten und tiefgreifendsten mit Google kooperiert - oder neu als SaaS genutzt werden. Die SaaS-Angebote vermarktet Opentext als „B2B Managed Services“. Einer davon ist das neue „OT2“, mit dem Opentext „EIM-as-a-Service“ offeriert, inklusive branchenrelevanten SaaS-Apps und einem Set von Microservices.

Bereits in der Keynote hatte sich CEO Barrenechea verwundert darüber gezeigt, dass Unternehmen in Europa NICHT mehr als zehn SaaS-Angebote nutzten. Zehn seien in Nordamerika aktuell das Minimum und er erwarte, eine ähnliche Entwicklung auch in Europa zu sehen.

Laut Auskunft von Muhi Majzoub, Opentext Executive Vice President, Engineering, verfügt die Opentext-Cloud mittlerweile mehr als 60.000 Kunden. Die Nachfrage in der EU nach den SaaS-Angeboten ist nach Angaben von Stephen Ludlow, Director of Enterprise Product Marketing, aber noch nicht so erdrückend, als dass man den beiden deutschen Opentext-Rechenzentren ein weiteres hinzufügen müsse. Aktuell baue man die bestehenden Standorte aus.

Cloud hin, SaaS her, Ludlow betonte aber auch, dass Opentext weder als Trendsetter noch als Hype-„Adabei“ (österreich. für einen Mitläufer) wahrgenommen werden möchte. Das Dokumenten-Management sei eine ernste Sache, schließlich liefen viele Kundendaten auch sensibler und kritischer Art durch die Server des Unternehmens. Seriosität und Verlässlichkeit seien hier viel höher anzusetzen als ein Spitzenplatz in den Nachrichten.

KI unterfüttert BI

Trotz aller Seriosität kommt auch Opentext nicht um hochaktuelle „Buzzwords“ herum – im Falle der künstlichen Intelligenz macht dies ja durchaus Sinn, schließlich gilt es, Dubletten und Anomalien von beziehungsweise in Dokumenten schnell und flächendeckend zu erkennen.

Zachary Scott Jarvinen, Product Marketing Leader für AI und Analytics, erläuterte gegenüber DataCenter-Insider, dass das das aktuelle AI-Angebot von Opentext zuallererst auf der Business Intelligence (BI)-Suite von Actuate basiert, den man 2015 übernommen hat. Den großen Unterschied zu anderen KI-basierten Analytics-Tools macht Jarvinen im „Magellan Notebook“ aus, einer virtuellen Online-Computing-Umgebung, die auf dem „Jupyter Notebook“basiert.

Das Magellan Notebook ermöglicht es Datenexperten, „Notes" zu erstellen, die Live-Code, Gleichungen, Visualisierungen und erklärenden Text kombinieren und kundenspezifische Algorithmen und maschinelle Lernroutinen definieren. Diese Notes können vergleichsweise einfach mit Anwendern geteilt werden, um so intelligentere Entscheidungen zu treffen(, ohne die Technik dahinter verstehen zu müssen). Dashboards sollen die Informationen vergleichsweise übersichtlich darstellen.

Das alles kommt natürlich nicht zuletzt der 2017 erstmals vorgestellten KI-Plattform Magellan zu gute. Sie kann laut Jarvinen mehr Arten von Dokumenten beziehungsweise Daten (strukturiert oder unstrukturiert) und Formate auswerten, als vergleichbare Werkzeuge. Sie nutzt dafür Apache Spark inklusive der MLlib/SparkML Machine Learning Library.

Security: Blockchain zu esoterisch

Security spielt für Opentext naturgemäß eine große Rolle, geht man doch mit den sensiblen und kritischen Daten des Kunden um. Anthony Di Bello, Vice President, Strategic Development at Opentext, kam mit der Übernahme von Guidance ins Unternehmen. Die Guidance-Software bietet über E-Discovery hinaus auch Endpoint Security und forensische Sicherheit und soll nicht zuletzt das Cloud-Angebot von Opentext absichern.

Uns hätte darüber hinaus interessiert, warum Blockchains für Opentext kein Thema sind. Das Verfahren sorgt bekanntlich dafür, dass Dokumente vor Manipulationen geschützt sind. „Zu esoterisch“ erklärte Di Bello gegenüber DataCenter-Insider, knapp..

Auf den Hinweis hin, dass ausgerechnet die Stadt Wien, in der die Konferenz stattfand, nach Möglichkeit den Bürgerinnen und Bürgern alle relevanten Dokumente als Blockchains zur Verfügung stellt und dafür gerade das angeblich weltweit größte Blockchain-Kompetenzzentrum eingerichtet hat, deutete Di Bello an, dass man gerade „vergleichbare Technologien“ teste.

Weitere Baustellen: Industrie 4.0 und das IoT

Auch das IoT beziehungsweise die Industrie 4.0 waren trotz aller Buzzword-Vermeidung ein Thema. Im Zuge der von Barrenechea so genannten vierten industriellen Revolution sei es entscheidend, auch Daten aus diesen Bereichen auslesen zu können. Die Fähigkeit dazu finden sich denn auch erstmals im Release 16 von EP5. Zu den Neuerungen zählen zudem eine verbesserte Entwicklersteuerungen in AppWorks, tiefere Verzahnung mit SAP, ein neu gestalteter Mitarbeiter-Self Service-Portal und ein neues Smart View UI für Opentext Documentum D2. Ein einheitliches Dashboard kombiniert die UIs von Webcrawlern, um das Content-Mining für Magellan zu vereinfachen. Ähnlich wird es auch im Release 16 EP6 weitergehen, auf das ein kurzer Blick gewährt wurde.

„Release 16 EP6 und Cloud 19.2 sind die bedeutendsten EIM-Versionen in der Geschichte von Opentext ", so Muhi Majzoub. "Release 16 EP6 wird im zweiten Quartal 2019 verfügbar sein, 19.2 ist ab sofort für alle Kunden in der Opentext Cloud verfügbar.“

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