Die deutsche IT-Landschaft erlebt einen Paradigmenwechsel: Vibe Coding, die intuitive Erstellung von Software mittels KI-gestützter Prompts statt traditioneller Syntax, eröffnet neue Möglichkeiten für die Software-Entwicklung. Es kann jeder und jede, unabhängig von den bisherigen Erfahrung oder technischen Kenntnissen, funktionale Anwendungen entwickeln.
Es braucht menschliche Expertise, um KI-generierten Code leistungsfähiger und akzeptabel zu machen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Unternehmen und Entwickler haben gleichermaßen die transformative Kraft der durch Künstliche Intelligenz (KI) gestützten Entwicklung erkannt. Der Schlüssel zur Erschließung dieses Potenzials liegt in der Verbindung der Geschwindigkeit und Kreativität der KI mit der Struktur und dem Fachwissen professioneller Perspektiven.
Vibe Coding ersetzt Entwickler:innen nicht, sondern wertet ihre Rolle auf. Durch menschliche Kontrolle wird sichergestellt, dass KI-generierte Lösungen nicht nur schnell, sondern auch sicher, skalierbar und an die Anforderungen der realen Welt angepasst sind.
Fünf Herausforderungen, die Vibe Coding lösen kann
1. Vom Chaos zur Kohärenz: Stärkung der Architektur
KI eignet sich zwar hervorragend zur Erstellung funktionierender Prototype; ihre 'Kreativität' kann jedoch zu willkürlichen Strukturen führen. Mit professioneller Anleitung werden diese Ergebnisse jedoch in robuste Architekturen umgewandelt, die sich effektiv skalieren lassen.
Ein Entwickler, eine Entwicklerin, der oder die beispielsweise mithilfe von KI schnell eine Website mit Supabase und Stripe erstellt hat, kann durch eine Expertenprüfung sicherstellen, dass wichtige Webhook-Verbindungen und Datenflussmuster auf produktionsreife Weise implementiert wurden.
2. Sicherheit von Anfang an
Automatisierung beschleunigt die Entwicklung, aber Sicherheit erfordert bewusste Aufmerksamkeit. Wenn Entwickler:innen strukturierte Tests und Überprüfungen einführen, beschleunigt Vibe Coding die Entwicklung sicherer und konformer Lösungen. Dies ist besonders wichtig für deutsche Unternehmen, da die Einhaltung der DSGVO und die sichere Datenverarbeitung eine präzise technische Umsetzung erfordern.
Nicht-Ingenieure:innen wissen jedoch oft nicht, wie sie die Einhaltung von Vorschriften sicherstellen können. Genau hier sollte ein Experte eingreifen, um zu überprüfen, was korrigiert werden muss, bevor Probleme auftreten.
3. Die Black Box als Lerninstrument
Vibe Coding kann zu dem von Experten:innen als „90/10-Problem” bezeichneten Ergebnis führen: 90 Prozent Automatisierung und 10 Prozent Wartung.
Dies kann zwar zu Verständnislücken führen, bietet aber auch Chancen: Durch Überprüfung und Dokumentation wird die KI-Ausgabe zu einer leistungsstarken Lernressource, die das Verständnis und die Fähigkeiten zum Debuggen der Entwickler:innen stärkt.
Doch Bewusstsein allein reicht nicht aus: Ohne von Experten definierte Alarmierungs- und Protokollierungsstrategien können Probleme wie Leistungseinbußen oder Verlangsamungen der Datenbank unbemerkt bleiben. Die Einbeziehung von Fachleuten in die Gestaltung dieser Überwachungsrahmen gewährleistet die langfristige Stabilität und Wartbarkeit der Anwendung.
4. Skalierung vom funktionalen Prototyp zur stabilen Produktion
KI-Tools eignen sich zwar hervorragend für die Prototypenentwicklung, für komplexere Produktionssysteme sind jedoch Anpassungen hinsichtlich Compliance-Vorschriften, Leistungsanforderungen und spezifischer Geschäftsanforderungen erforderlich. Mit menschlicher Aufsicht schließt Vibe Coding diese Lücke und verwandelt schnelle Erfolge in stabile, skalierbare Produktionssysteme.
5. Rechtliche Komplexität
KI-Trainingsdaten enthalten eine Vielzahl von Mustern, die auf den generierten Code übertragen werden können. Von Voreingenommenheit in Trainingsdaten bis hin zu Urheberrechtsüberschneidungen wirft KI neue rechtliche Fragen auf. Klare Governance-Strukturen, einschließlich klarer Architekturrichtlinien und Rahmenbedingungen für die Rechenschaftspflicht, stellen sicher, dass Unternehmen KI verantwortungsbewusst und nachhaltig nutzen.
Die wachsende Bedeutung von IT-Spezialisten
Anstatt menschliches Fachwissen überflüssig zu machen, verstärkt Vibe Coding es. IT-Spezialisten wandeln ihre Rolle vom reinen Programmierer, von der reinen Programmiererin zum KI-Supervisor und -Architekten/ Architektin. Sie gestalten, verfeinern und steuern, was die KI produziert.
Eine erfolgreiche KI-Integration erfordert gut durchdachte Governance-Strukturen. Dazu gehören definierte Architekturrichtlinien, systematische Code-Review-Prozesse für KI-generierten Code und ein proaktiver Ansatz bei der Tool-Auswahl.
KI ist ein leistungsstarker Verstärker menschlicher Expertise
Vibe Coding ist zweifellos ein bedeutender Produktivitätssteigerer für die Software-Entwicklung. Diese Technologie macht das Programmieren zugänglicher und eröffnet faszinierende neue Möglichkeiten. Ihre wahre transformative Kraft entfaltet sich jedoch erst in Verbindung mit qualifizierter Überprüfung, klaren Prozessen und professioneller Governance.
Unternehmen, die jetzt in die entsprechenden Fähigkeiten und Prozesse investieren, sind am besten positioniert, um die erheblichen Vorteile der KI-gestützten Entwicklung zu nutzen. Schließlich wollen 93 Prozent der deutschen Führungskräfte den Einsatz von KI-Agenten ausweiten. Es kommt also nicht nur auf die Geschwindigkeit der Implementierung an, sondern auch auf die Qualität und Sorgfalt, mit der KI in die reale Entwicklung integriert wird.
Stand: 08.12.2025
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Das bedeutet auch, das Release-Management zu überdenken: Wie wird das nächstes Release aussehen und wie können kleine Korrekturen oder Updates sicher und effizient umgesetzt werden? Gewinner werden diejenigen Unternehmen sein, die jetzt in diese Fähigkeiten und Prozesse investieren und die transformative Kraft der KI mit dem Urteilsvermögen und der Kreativität menschlicher Fachkräfte verbinden.
Strategische Empfehlungen
Aufgrund der aktuellen Marktentwicklungen sind für Teams, die Vibe Coding zu einem dauerhaften Erfolg machen wollen, drei strategische Ansätze besonders wichtig:
Erstens: KI-generierter Code sollte systematisch von erfahrenen Entwicklern, Entwicklerinnen überprüft werden, insbesondere im Hinblick auf Sicherheit, Compliance und architektonische Konsistenz. Erfahrene Entwickler:innen schaffen einen Mehrwert, indem sie schnelle Entwürfe in produktionsreife Systeme umwandeln.
Zweitens:Unternehmen sollten in die Entwicklung von Fähigkeiten und in Schulungen investieren. Erfolgreiche Teams gehen über die reine Nutzung von KI-Tools hinaus. Sie verstehen deren Stärken und Grenzen. Durch die Schulung von Entwicklern, Entwicklerinnen in der Überwachung, Steuerung und Verfeinerung von KI-Ergebnissen können Unternehmen sowohl ihre Produktivität als auch ihre Qualität steigern.
Drittens müssen klare Governance-Strukturen für die KI-gestützte Entwicklung geschaffen werden, um sicherzustellen, dass Compliance-Anforderungen und Qualitätsstandards erfüllt werden. Governance-Rahmenwerke, die Compliance, Qualitätsstandards und Verantwortlichkeit abdecken, stellen sicher, dass Vibe Coding nachhaltig über Teams und Unternehmen hinweg skaliert werden kann.
Diese Regelungen sollten auch auf den Produktionsbetrieb ausgedehnt werden. Organisationen müssen definieren, wie KI-generierte Komponenten in Live-Umgebungen überwacht, gewartet und aktualisiert werden, um eine kontinuierliche Zuverlässigkeit und Compliance zu gewährleisten.
*Der Autor Yossi Levin ist Chief Technology Officer bei Fiverr. In dieser Position leitet er Teams in den Bereichen Produktinnovation und KI-Strategie und entwickelt transformative und skalierbare Technologielösungen für Fiverr-Nutzer.
Zuvor arbeitete er als Global Head of Engineering bei NICE Actimize, wo er die treibende Kraft innerhalb der Forschung und Entwicklung war. Zu Beginn seiner Karriere leitete Levin als Vice President of Engineering and Platform das Engineering-Team bei Liveperson und hatte verschiedene Führungspositionen im Bereich Engineering bei Amdocs inne.
Als Experte für Technologie und KI-gesteuerte Entwicklung hält Levin Vorträge bei internationalen AWS-Veranstaltungen, wo er seine Erkenntnisse und sein Fachwissen über skalierbare Systeme, Produktinnovation und Führungsaufgaben im Bereich Engineering teilt. Er hat einen B.A. in Informatik vom Academic College of Tel-Aviv, Jaffa, sowie einen MBA vom Technion – Israel Institute of Technology.